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Bithynia (Bithynia) tentaculata (LINNAEUS 1758) – Gemeine Schnauzenschnecke

 

Bithynia tentaculata (LINNAEUS 1758) â?“ Gemeine Schnauzenschnecke

Klasse:          Gastropoda CUVIER 1795  – Schnecken
Unterklasse:   Orthogastropoda PONDER & LINDBERG 1995  – Vorderkiemer
Überordnung: Caenogastropoda C
OX 1960
Ordnung:       Neotaenioglossa H
ALLER 1892  – Neu-Bandzüngler
Überfamilie:   Rissooidea J.E. G
RAY 1847
Familie:         Bithyniidae G
RAY 1857  – Schnauzenschnecken
Gattung:       Bithynia L
EACH 1818  – Schnauzenschnecken
Untergattung: Bithynia L
EACH 1818
Art:               Bithynia (Bithynia) tentaculata (L
INNAEUS 1758) – Gemeine Schnauzenschnecke

 

Beschreibung:

Die rechtsgewundenen, kegelförmigen Gehäuse der Gemeinen Schnauzenschnecke werden 8 bis 12mm hoch und 5-7mm breit. Die bis zu 5,5 mäßig gewölbten Umgänge sind voneinander durch eine deutliche Naht getrennt. Der Apex ist stumpf, der Nabel meist verdeckt. Die Mündung (und damit auch die Form des Operculums) ist oval und oben zugespitzt. Die Wachstumsringe des kalkigen Operculums sind konzentrisch um den fast mittig gelegenen Nukleolus angeordnet.

Bis auf feinste Zuwachslinien ist das Gehäuse glatt und einfarbig hornbraun.

Der breite Fuß des Tieres ist vorn breit-abgestutzt, seitlich etwas eingeschnürt, hinten gerundet. Die Schnauze ist vom Fuß deutlich abgesetzt und beim aktiven Tier rüsselartig vorgestreckt. An der verdickten Basis der langen, fadenförmigen Fühler sitzen die Augen.

Körper und Fuß der Tiere sind oberseits schwarzgrau mit goldgelb bis orangefarbenen Punkten gefärbt. Der Fuß ist unterseits hellgrau mit durchscheinenden Punkten an den Rändern. Die helle Marmorierung des Mantels ist durch das relativ dünnwandige Gehäuse sichtbar.

Bithynia tentaculata (LINNAEUS 1758) â?“ Gemeine Schnauzenschnecke
Bithynia tentaculata (LINNAEUS 1758) â?“ Gemeine Schnauzenschnecke
Bithynia tentaculata (LINNAEUS 1758) â?“ Gemeine Schnauzenschnecke
Operculum

Geschlechtsunterschiede:

Die Schnauzenschnecke ist - wie auch die meisten anderen Vorderkiemer (Prosobranchia) - getrenntgeschlechtlich angelegt. Das Geschlechterverhältnis ist in etwa ausgeglichen.
Die Gehäuse männlicher Tiere sollen nach F
RÖMMIG (1956) etwas kleiner bleiben als diejenigen weiblicher Tiere. Nach FECHTER & FALKNER (1990) sind sehr schlanke Gehäuse meist männlichen Tieren zuzuordnen. In der Untersuchung verschiedener Populationen in Niedersachsen konnte RICHTER (2001) dagegen keine signifikanten, geschlechtsspezifischen Unterschiede der Gehäuse feststellen.
Ab einer Gehäusegröße von 2,5mm kann jedoch das Geschlecht am lebenden Tier bestimmt werden: Hierzu wird die Schnecke mit der Gehäusemündung nach oben gelegt und kurz abgewartet, bis sich das Tier hervorstreckt um sich umzudrehen. Bei dieser Gelegenheit kann man dann bei männlichen Tieren mit einer sehr guten Lupe oder unter dem Binokular hinter dem rechten Fühler den Penis erkennen.
Der Penis ist zum Ende hin gleichmäßig zugespitzt, der Penisanhang ist etwas kürzer als der Penis, das Flagellum (ein schlauchartiges, drüsiges Organ) ist rund drei mal länger als der Penis.

ähnliche Arten Mitteleuropas:

Exemplare mit stärker gewölbten Umgängen und damit tieferer Naht sind durch die Form des oberen Bereichs der Mündung bzw. des Operculums von den verwandten Arten Bauchige Schnauzenschnecke (Bithynia leachii) (gerundet) und Östliche Schnauzenschnecke (Bithynia troschelii)  (stumpf gewinkelt) unterscheidbar.

 

Verbreitung, natürliches Habitat:


Paläarktisch in Europa bis Westsibirien, in gemäßigten und warm-gemäßigten Klimata verbreitet.
Allgemein verbreitet in Dänemark, Niederlande (Atlasproject Nederlandse Mollusken), Belgien (außer in den höheren Ardennen), Großbritannien (National Biodiversity Network sowie A
NDERSON 1996), Schweiz (bis 1400müNN), Österreich (außer Osttirol (KLEMM 1960; in: GLÖER 2002. FRANK 1986c), Estland, Lettland, Litauen (ZETTLER et al. 2005), Polen und der Slowakei.
Sonst, z.T. mit eingeschränkten Arealen verbreitet in: Norwegen (nur zwei bekannte Vorkommen im Süden in Brevik und Store Le), Südfinnland, Schweden (südliche und westliche Provinzen), Tschechien (verstreute Vorkommen), Luxemburg (nur größere Fließgewässer des Gutlandes, vereinzelt auch in der Our), Liechtenstein, Frankreich (z.B. Normandie, Bretangne, Saône, Rhône, Korsika), Portugal, Spanien (Festland; nicht auf den Balearen (GLÖER & BECKMANN 2007)), Italien (Festland, z.B. Trentino (DALFREDDO & MAIOLINI 2004); Sardinien), Ungarn (FRANK 1986b), Slovenien, Kroatien, Albanien, Jugoslavien, Bulgarien, Rumänien (FRANK 1986a; CIOBOIU 2003), Moldavien (COADĂ & POPA 2006), Ukraine und Rußland (z.B. Kaliningrad, Wolga oberhalb des Deltas, Südural).
Die von YILDIRIM (1999) und YILDIRIM et al. (2006) zusammengetragenen Meldungen aus der Türkei dürften Fehlbestimmungen sein. Nach GLÖER & NASER (2008) wird die Gemeine Schnauzenschnecke südlich des Dinarischen Gebirges durch andere Arten der Gattungen Bithynia und Pseudobithynia abgelöst.
In Amerika seit etwa 1870 in den Großen Seen eingeschleppt und etabliert (KIPP & BENSON 2009).

In ganz Deutschland verbreitet. Besonders häufig im norddeutschen Tiefland sowie im Bereich des Oberrheins.

In der Natur ist die Gemeine Schnauzenschnecke in verschiedensten stehenden Gewässern bis 60m Wassertiefe (sofern dort noch ausreichend Sauerstoff vorh.) sowie in mäßig fließenden Gewässern auf unterschiedlichen Substraten wie z.B. Steinen, Wasserpflanzen oder Bodenschlamm zu finden. An brandungsexponierten Seeufern oder etwas schneller strömenden Flüssen bleibt die Schnauzenschnecke im Schutz dichter Vegetation, verkriecht sich im Strömungsschatten von Steinen oder fehlt ganz.

DORNINGER et. al. (1994) fanden die Gemeine Schnauzenschnecke in verschiedensten Fließ- und Stillgewässern der Donau in Wien auf Schlammgrund, häufiger jedoch mesolithisch in den Steinschüttungen der Uferbefestigungen der Donau oder auch auf Schalen der Wandermuschel (Dreissena polymorpha) an senkrechten Uferbefestigungen.

Nach Untersuchungen von AUINGER & PATZNER (2006) im Wallersee/Österreich bevorzugt die Art steiniges Substrat. Signifikant weniger häufig wurde sie auf schlammigen Substrat gefunden. In Wassertiefen über 5m gelangen im Wallersee keine Nachweise. Hier wie auch im Mattsee und Wörthersee gehört die Gemeine Schnauzenschnecke zu den dominantesten Arten.

Einige Habitate, in denen nach eigenen Beobachtungen Bithynia tentaculata im Freiland gefunden wurde, sind unter folgenden Links kurz vorgestellt:



Einige Habitate, in denen nach eigenen Beobachtungen Bithynia tentaculata im Freiland gefunden wurde, sind unter folgenden Links kurz vorgestellt:
0003, 0012, 0013, 0014, 0016, 0021, 0023, 0024, 0025, 0026, 0027, 0028, 0029, 0030, 0031, 0035, 0038

Bithynia tentaculata (LINNAEUS 1758) â?“ Gemeine Schnauzenschnecke

Wasserwerte:

Die Gemeine Schnauzenschnecke toleriert auch eutrophe Gewässer sofern die Sauerstoffversorgung ausreichend ist. Massenhafte Vorkommen bei gleichzeitigem Fehlen empfindlicherer Mollusken gelten als Indikator für eutrophe Verhältnisse. In saubereren Gewässern kommt sie mit geringeren Abundanzen vor.

Allgemein gilt die Art als calciphil. In sehr hartem Wasser mit > 110,3 mg/l Karbonat überlebt sie indes auch nicht. Zur Reproduktion benötigt sie einen Sauerstoffgehalt von mindestens 9,7mg/l.

Nach S
CHACHINGER & PATZNER (2004; in: AUINGER & PATZNER 2006) gehört die Gemeine Schnauzenschnecke zu den typischen Arten mesotropher, kalkreicher Seen.

STURM (2000) fand die Art in vier oberösterreichischen Moorseen auch in sehr weichem Wasser (12.08.1999):
Temperatur = 22,1-25,1°C; pH = 5,9-6,7; Leitfähigkeit = 70-105µS/m; O2 = 4,4-8,9mg/l; O2-Sättigung = 50-90%; GH = 2,2-3°dH; KH = 2-2,6°dH; NO3 = <5 bis 5-10mg/l.

In norddeutschen Habitaten wurden durch RICHTER (2001) jahreszeitliche Schwankungen der Wassertemperatur von 1 bis 22°C (Fluß) bzw. 3 bis 24°C (Teich) gemessen.
Sie überlebt Wassertemperaturen bis maximal 30°C (kurzzeitig bis 35°C).

Im Freiland kommen Populationen bis max. 12‰ Salzgehalt vor (VAN BENTHEIM-JUTTING 1933; in: GLÖER 2002). CARLSSON (2006) fand bei Untersuchungen der Süßwassergastropoden in den unterschiedlich brackigen Buchten der Åland-Inseln Gemeine Schnauzenschnecken bei max. 7,4 ‰ und bei pH-Werten zwischen 7,6 und 9,7.

Nach eigenen Beobachtungen konnte die Art in folgenden Gewässern gefunden werden:
See mit Schlammgrund in Schleswig-Holstein bei Kiel an Holz und Steinen: 6°C (25.12.2006), 16°C (10.09.2007); GH = 13-16°dH; KH = 9-11°dH; pH = 7,5-8,0; NH3/NH4 ~ 0,25mg/l; NO2 < 0,3mg/l; NO3 ~ 10mg/l.
Ehemalige Tonkuhlen mit Schlammsubstrat und reichlich Fallaub in Oldenburg/Niedersachsen an Holz: 8°C (26.11.2006), 15,5°C (21.09.2007); GH = 6-7°dH; KH = 4°dH; pH = 6,0-7,0; NH3/NH4 ≤ 1,0mg/l; NO2 ~ 0,3 mg/l; NO3 ≤ 13mg/l.
Stark verkrauteter Graben mit Schlammsubstrat, wenig Strömung in Oldenburg/Niedersachsen (24.06.2007): 17,5°C; GH = 10°dH; KH = 5°dH; pH = 7,0; NH3/NH4 ~ 1,0mg/l; NO2 ~ 0,3mg/l; NO3 ~ 12mg/l.
Eingestauter Fluß mit Schlammsubstrat und sehr geringer Strömung in Bremen: 17°C (24.09.2007); GH = 9°dH; KH = 4°dH; pH = 7,5; NH3/NH4 ~ 0,25mg/l; NO2 < 0,3 mg/l; NO3 ~ 5mg/l.
Jährlich geräumter Graben mit Schlammsubstrat und geringer Strömung in Oldenburg/Niedersachsen: 18°C (24.06.2007); GH = 8°dH; KH = 4°dH; pH = 7,0; NH3/NH4 ~ 1mg/l; NO2 ~ 0,5 mg/l; NO3 ~ 10mg/l.
Ehemalige Sandkuhle mit schlammig- sandigem Substrat und etwas Fallaub in Oldenburg/Niedersachsen an Holz: 14°C (03.10.2007); GH = 11°dH; KH = 3°dH; pH = 7,2; NH3/NH4 ~ 0mg/l; NO2 < 0,3 mg/l; NO3 ~ 0mg/l.
Altarm der Ems mit Schlammsubstrat und reichlich Wasserpflanzen bei Meppen/Niedersachsen: 20,5°C (14.07.2007); GH = 12°dH; KH = 6°dH; pH = 7,5; NH3/NH4 ~ 0mg/l; NO2 ~ 0,3 mg/l; NO3 ~ 15mg/l.
Ems, eingestaut, mit Schlammsubstrat bei Lingen/Niedersachsen an Holz: 18,5°C (14.07.2007); GH = 14°dH; KH = 8°dH; pH = 7,5; NH3/NH4 ~ 0mg/l; NO2 ~ 0,3 mg/l; NO3 ~ 18mg/l.
Dortmund-Ems-Kanal in Meppen/Niedersachsen an Steinen: 21°C (14.07.2007); GH = 14°dH; KH = 7°dH; pH = 7,5; NH3/NH4 ~ 0mg/l; NO2 < 0,3 mg/l; NO3 ~ 12mg/l.
Eingestauter Fluß mit Schlammsubstrat, wenig Strömung bei Rostock/Mecklenburg-Vorpommern (29.07.2007): 19°C; GH = 15°dH; KH = 9°dH; pH = 7,5; NH3/NH4 ~ 0,25mg/l; NO2 < 0,3mg/l; NO3 ~ 5mg/l.
Kanal (Störkanal) mit Schlammsubstrat, Steinen und geringer Strömung in Mecklenburg-Vorpommern: 18°C (29.07.2007); GH = 13°dH; KH = 7°dH; pH = 7,5; NH3/NH4 ~ 0mg/l; NO2 < 0,3 mg/l; NO3 ~ 5mg/l.
Elbe-Lübeck-Kanal in Schleswig-Holstein an Steinen: 19°C (29.07.2007); GH = 12°dH; KH = 7°dH; pH = 7,5; NH3/NH4 ~ 0mg/l; NO2 < 0,3 mg/l; NO3 ~ 5mg/l.
Teilweise verkrauteter Graben in Kiel/Schleswig-Holstein (leichte Strömung, nach starkem Niederschlag) am 10.09.2007: 15°C; GH = 4,5°dH; KH = 4°dH; pH = 7; NH3/NH4 ~ 0,25mg/l; NO2 < 0,3mg/l; NO3 ~ 0mg/l.
Fluß mit Schlammsubstrat und geringer Strömung bei Bergum/Niederlande: 8°C (08.12.2007); GH = 8°dH; KH = 4°dH; pH = 7,5; NH3/NH4 ~ 0,3mg/l; NO2 ~ 0,3 mg/l; NO3 ~ 12mg/l.
Donau mit kiesig-sandigem Substrat bei mäßiger Strömung (Hochwasser) in Serbien: 9,2°C (22.03.2008); GH = 10°dH; KH = 7°dH; pH = 8,0.
 

Fortpflanzung:

 Nach Untersuchungen in Stillgewässern und in der Leine in Süd-Niedersachsen durch RICHTER (2001) werden die Gemeinen Schnauzenschnecken erst nach ihrem ersten überstandenen Winter ab einer Gehäusehöhe von 6 bis 8mm geschlechtsreif. Die Reproduktionsperiode beginnt unabhängig von der Tageslänge ab Ende April / Anfang Mai bei einer dauerhaften Wassertemperaturen ab 12°C. HADDERINGH et al. (1987) stellten in einem durch Kühlwasser künstlich erwärmten Gewässer in Holland eine jahreszeitlich um bis zu 6 Wochen vorgezogene Reproduktion fest. FRITZSCHE & ZOMPRO (2007) konnten tagsüber keine Paarungen im Aquarium beobachten und nehmen daher an, daß sich die Tiere ausschließlich nachts paaren. Nach RICHTER (2001) werden die meisten Eier im Mai / Juni gelegt, mit stark abnehmender Tendenz bis in den August. In den Habitaten unterschiedlich aber auch individuell verschieden legen die Weibchen unterschiedlich große Gelege oder Einzeleier ab. Nach Beobachungen von BOUCHARD-CHANTEREUX 1838; in: NEKRASSOW 1928) wird der Eiablageplatz vorher von Bewuchs saubergeraspelt. Der gallertige Laich wird meist in Form kurzer, flach gewölbter Laichschnüre (bis 25 (max. 40) mm lang, 3mm breit und 1mm hoch) oder kleiner Klumpen abgelegt. Als Laichschnur geformte Gelege ähneln auf den ersten Blick denjenigen der Pulmonata, jedoch werden die Einzeleier nicht von einer gemeinsamen Membran umschlossen. Es handelt sich dagegen um zwei- bis dreireihig angeordnete Einzeleier, deren Membranen nach außen gewölbt sind. Wo sich die Eier im Gelege berühren, bilden deren Membranen eine gerade Doppelmembran, an der sich die Eier vorsichtig voneinander trennen lassen (NEKRASSOW 1928). Typischerweise enthält jedes Gelege 10 bis 70 (FRÖMMIG 1956), (nach NEKRASSOW max. 98), 0,9 bis 1,33mm große Eier. Je Weibchen werden pro Jahr insgesamt 100 bis über 500 Eier bevorzugt an Wasserpflanzen, Wurzeln, der Unterseite von Fallaub sowie Hartsubstraten wie Steinen oder Muschelschalen geheftet.
Die Entwicklung des Laichs erfolgt dann bei Wassertemperaturen zwischen 13 und 26°C innerhalb 10 bis 45 Tagen. Überwiegend im Juni schlüpfen die Jungtiere mit einer Gehäusehöhe von 1,1 bis 1,3mm (RICHTER 2001). Ohne Angabe einer zugehörigen Wassertemperatur nennt FRÖMMIG (1956) eine Entwicklungsdauer von 14-18 Tagen bis zum Schlupf.
In künstlich erwärmten Gewässern (z.B. Kühlwasserauslaß von Kraftwerken) werden die Tiere bereits nach 4 Monaten geschlechtsreif und können so 2 bis maximal 3 Generationen/ Jahr hervorbringen (HADDERINGH et al. 1987).

 

Lebenserwartung:

In natürlichen Habitaten werden die Tiere 10 bis 27 Monate alt. Nur einzelne Tiere überleben auch noch einen dritten Winter. Maximal sollen 51 Monate erreicht werden können. Die meisten Tiere sterben im Juni/Juli während zeitgleich ein Großteil der nächsten Generation schlüpft. Im Winter sterben weitere Tiere, wobei die Mortalitätsrate kleinerer Tiere besonders in langen Wintern deutlich größer ist als bei großen Exemplaren.

Bedingt durch den anhaltend hohen Stoffwechsel im Warmwasseraquarium dürfte die Lebensspanne hier verkürzt sein.

Von FRÖMMIG (1956; in: SEIDL 2000) in Aquarien gehaltene Bithynia tentaculata erreichten ein Lebensalter von 3 Jahren.

 

Nahrung:

Nach K
ABAT & HERSHLER (1993) können sich alle Arten der Familie der Schnauzenschnecken Bithyniidae) durch Filtrieren des Atemwasserstromes ernähren. Von der Gemeinen Schnauzenschnecke ist bekannt, daß sie sich sogar bevorzugt als Filtrierer ernährt. Wie bei der Spitzen Sumpfdeckelschnecke (Viviparus contectus) werden dabei planktische Algen und andere Schwebstoffe mit dem Atemwasserstrom eingesaugt, ausgefiltert und in Form einer Futterwurst in einer Nahrungsrinne zur Maul transportiert. Experimentell wurde festgestellt, daß die Filterleistung von Bithynia tentaculata in engem Zusammenhang mit der Wassertemperatur und damit der Stoffwechselaktivität steht: Bei 5°C werden lediglich 0,5 ml/h, bei 18°C dagegen 17,2 ml/h filtriert. Ab einer Detritus-Konzentration von 20mg/l kann sich die Schnauzenschnecke ausschließlich filtrierend ernähren.
Bei zu geringen Nahrungsangebot in Form von Schwebstoffen stellt die Schnauzenschnecke ihre Ernährung um und ernährt sich als Weidegänger. Sie nimmt dabei Algen und Detritus auf.

Experimentell wurde eine besonders effiziente Futterverwertung von maximal 74% bei Fütterung mit einzelligen Grünalgen der Gattung Clamydomonas festgestellt. Verfütterte Diatomeen, Ahornblätter und Cyanobakterien wurden nur zu 33 bis 48% verwertet.

Die für seine Untersuchungen zur Reproduktionsbiologie in Aquarien gehaltenen Schnauzenschnecken fütterte RICHTER (2001) mit getrockneten Algen und Tetra Mikromin©. Für ähnliche Untersuchungen fütterten HÜLSMANN et.al. (1995) ihre aus der Natur entnommene Schnauzenschnecken mit natürlichen Aufwuchs an Schilfhalmen aus dem Freiland.

FRITZSCHE & ZOMPRO (2007) fütterten ihre Tiere mit Futtertabletten und abgestorbenen Pflanzenteilen. Zusätzlich ernährten sich deren Tiere vom Algenaufwuchs im Aquarium. Die Autoren empfehlen die sich im Aquarium entwickelnde Mulmschicht nicht komplett abzusaugen - sie stellt eine zusätzliche Nahrungsbasis dar.

User des Aquarienschnecken-Forums beobachteten die Tiere beim Abweiden von Aufwuchs, beim Fressen von Detritus in Sandsubstrat und an Fischfutter (Futterflocken, weiches Granulat, Novo Grano Vert von JBL).

 

 

Verhalten:

Die Schnauzenschnecken verkriechen sich zur Winterruhe in tiefere Bereiche der Gewässer, um sich dort im Sediment einzugraben oder sich unter Steinen oder Falllaub zu verbergen. Die Länge dieser inaktiven Zeit, in der die Tiere von ihren Reserven zehren, ist dabei abhängig von der Dauer des Winters. In Niedersachsen dauert die Winterruhe z.B. von Oktober/November bis März/April. Adulte Tiere, die größere Reserven haben, ziehen sich dabei früher zurück und erscheinen etwas später als Jungtiere. Wie andere heimische Schneckenarten auch, halten sich die Schnauzenschnecken im Frühjahr zunächst im wärmeren Flachwasser auf.

Vorübergehende Austrocknung des Gewässers überstehen die Schnauzenschnecken - im Schlamm eingegraben und mit geschlossenem Operculum - bis zu einem Monat.

Im Aquarium sind sie beim Abweiden des Aufwuchses auf allen möglichen Oberflächen zu beobachten. Auch wühlen sie sich oberflächennah durch sandiges Substrat.

Haltung und Vergesellschaftung (im Aquarium):

Im Gegensatz zu einigen anderen Schneckenarten (z.B. Blasenschnecken, Posthornschnecken) wurden von Usern des Aquarienschnecken-Forums bisher keine Massenvermehrungen, sondern nur einzelne Jungtiere der Schnauzenschnecken beobachtet. Möglicherweise ist dies auf die quasi planktonfreien Bedingungen zurückzuführen, die für die sich vorwiegend filtrierend ernährende Art eher suboptimal sind. Weil die Schnauzenschnecken als Weidegänger bei weitem nicht so konkurrenzstark sind wie die Pulmonata, sollte es zur erfolgreichen Haltung im Aquarium bei gleichzeitiger Vergesellschaftung mit anderen Schnecken nicht an Aufwuchs mangeln.

Aus gemeinsamer Haltung im Aquarium mit anderen Schneckenarten (z.B. Tellerschnecken, Posthornschnecken, Quellblasenschnecken, Kahnschnecken) sind bisher keine Probleme bekannt. Mit der Spitzschlammschnecke (Lymnea stagnalis) sollten die Schnauzenschnecken jedoch nicht vergesellschaftet werden, da das Spitzhorn Laich und Jungtiere frißt.

Bithynia tentaculata (LINNAEUS 1758) â?“ Gemeine Schnauzenschnecke

Parasiten:

Neben anderen Wasserschnecken werden auch die heimischen Bithynia von verschiedenen Arten von Trematoden (Leberegel) als Zwischenwirt befallen, deren Eier sie mit der Nahrung aufnehmen.
Nach S
CHUSTER (2002) ist die Gemeine Schnauzenschnecke als erster Zwischenwirt der Arten Metorchis bilis, Metorchis xanthosomus und Pseudamphistomum truncatum bekannt. Die von den Schnecken etwa 2 Monate nach Infektion freigesetzten Zerkarien (= ein Larvenstadium der Egel) dieser Arten gelangen aktiv schwimmend zu ihrem zweiten Zwischenwirt (versch. Weißfische/Cypriniden), bohren sich durch dessen Haut und verkapseln sich schon 2-3 Tage später als Metazerkarien im Muskelfleisch oder anderem Körpergewebe des Fisches. In ihren Endwirt (verschiedene Säugetiere, auch Greifvögel) gelangen sie schließlich, indem sie mitsamt dem infizierten Fisch gefressen werden. Im Endwirt löst sich die Metazerkarie auf und entläßt Jungegel, die in das Gallengangsystem der Leber wandern. In den Gallengängen führt der Befall zu Entzündungserscheinungen bis hin zum Gallenstau. Eine Infektion des Menschen ist durch den Verzehr ungenügend gegartem Fisches möglich und medikamentös zu behandeln.


Gefährdung:
Auf der Roten Liste Sloveniens (2001) wird die Gemeine Schnauzenschnecke in der Kategorie "V" (vulnerable) geführt. Auf den übrigen der Redaktion z.Zt. bekannten Roten Listen der IUCN (1994) sowie folgender Staaten ist sie entweder nicht oder ausdrücklich als nicht gefährdet gelistet: Deutschland (1994), Estland (Jahr?), Litauen (2003), Niederlande (2004), Norwegen (2006), Österreich (1994), Polen (2005), Schweden (2001), Schweiz (1994), Tschechien (2005).

 

Sonstiges:

Die Gehäuse in suboptimalen Habitaten (z.B. schnellfließenden Bächen, Brandungsufer von Seen, Brackwasser) bleiben kleiner und gedrungener als die Nominatform. Im russischen Sprachraum wird die Gemeine Schnauzenschnecke z.T. noch unter dem Synonym Bithynia decipiens (MILLET 1843) geführt.Schnauzenschnecken werden in der Natur gern von größeren Cypriniden (z.B. Plötze, Schlei, Karausche) sowie (Tauch-) Enten gefressen. 

Unterarten, Formen:

Aktuell sind keine anerkannten Unterarten in Europa beschrieben, jedoch eine Reihe von Formen:

Tiere, die einen Winter mehr überleben als der Großteil der übrigen Population werden deutlich größer als die Nominatform. Die Gehäuse können dann bis zu 16mm hoch, 9,5mm breit werden und 6,5 Umgänge aufweisen. Diese Tiere sind in älterer Literatur als Bithynia tentaculata f. producta (MENKE 1828) beschrieben.

Als Bithynia tentaculata f. codia ist eine Form der Voralpenseen mit verkürztem Gewinde, konkaver Seitenlinie und stark bauchigem, letztem Umgang beschrieben.

Aus Dänemark und Schweden ist die Form Bithynia tentaculata f. gigas beschrieben: Die breit eiförmigen Gehäuse werden bis 15mm hoch und 9mm breit. Sie sind gekennzeichnet durch einen abgeplatteten Apex und 2 bis 3 Querfalten im letzten Umgang.

Die aus Großbritannien, Dänemark und Schweden bekannte Form Bithynia tentaculata f. excavata zeichnet sich durch stark bauchige Umgänge aus.

In Schweden wurde eine Form mit gelbgrünem oder rotgelben gedrungenen Gehäuse und starken Spirallinien als Bithynia tentaculata f. bottnica beschrieben. Die Mündung ist bei dieser Form innen weiß glänzend und schwarz gesäumt.

Literatur:

AUINGER, B.M. & PATZNER, R.A. (2006): Der Wallersee und seine Wassermollusken. Nachrichtenblatt der Ersten Vorarlberger Malakologischen Gesellschaft, Rankweil. Vol. 14, pp. 20-39
[Süßwassermollusken des Wallersees/Österreich]

 

GLÖER, P. (2002): Süßwassermollusken Nord und Mitteleuropas. Bestimmungsschlüssel, Lebensweise, Verbreitung. In: Die Tierwelt Deutschlands. Conchbooks, Hackenheim. ISBN 3-925919-60-0.                                                                               [Angaben zu Merkmalen, Verbreitung usw.]

GLÖER, P & MEIER-BROOK, C. (2003): Süßwassermollusken. Ein Bestimmungsschlüssel für die Bundesrepublik Deutschland. Deutscher Jugendbund für Naturbeobachtung, Hamburg. ISBN 3-923376-02-2.                                                                        [Angaben zu Merkmalen, Verbreitungskarte für Deutschland]

HADDERINGH, R.H. & VAN DER VELDE, G. & SCHNABEL P.G. (1987): The effect of heated effluent on the occurrence and the reproduction of the freshwater limpets Ancylus fluviatilis MÜLLER, 1774, Ferrissia wautieri (MIROLLI, 1960) and Acroloxus lacustris (L., 1758) in two Dutch water bodies. Aquatic Ecology, Vol. 21, No. 2, pp. 193-205.
[Einfluß künstlicher Wassererwärmung auf A. fluviatilis, F. fragilis und A. lacustris]

 

HÜLSMANN, S. & ASSHOFF, M. & BÖTTGER, K. (1994): Populationsdynamik und Produktion von Acroloxus lacustris und Bithynia tentaculata (Gastropoda: Mollusca) im Litoral des Belauer Sees (Schleswig-Holstein). Deutsche Gesellschaft für Limnologie (DGL) – Erweiterte Zusammenfassung der Jahrestagung 1994, Hamburg. Krefeld 1995, S. 176-180.                                         [zur Populationsdynamik und Produktion]

NEKRASSOW, A.D. (1928): Vergleichende Morphologie der Laiche von Süßwassergastropoden. Z. f. Morphol. u. Ökol. d. Tiere, Bd. 18, pp. 1-35.
[Exakte Beschreibungen der Gelege verschiedener Arten aus dem Fluß Kljasma und Tümpeln bei Bolschewo/Rußland]

 

weblinks:

ANDERSON, R. (1996): Species Inventory for Northern Ireland Land and Freshwater Mollusca.
http://www.ehsni.gov.uk/pubs/publications/Mollusc.pdf
[kommentierte Liste der Süßwasser- und Landmollusken Nordirlands]

A
NDREEV,N. & BURCOVSCHI, I. (2001):Distribuţia unor Specii de Moluşte Acvatice în Zona Fluviului nistru de pe Teritoriul Republicii Moldava.
http://www.eco-tiras.org/materials/41-43.pdf
[Bericht über Vorkommen von Süßwassermollusken in Moldavien]

Atlasproject Nederlandse Mollusken (ANM): Bithynia tentaculata (L
INNAEUS 1758) Grote diepslak.
http://www.anemoon.org/anm/voorlopige-kaarten/kaarten-per-soort/zoetwatermollusken/wetenschappelijk/bithynia-tentaculata/
[Verbreitungskarte der Niederlande]

 B
ECH I TABERNER, M. & ALTIMIRAS I ROSET, J. (2003): Nuevas aportaciones al conocimiento de los moluscos actuales y del cuaternario en Extremadura: I. Malacofauna dulceacuícola. Revista de Estudios Extremeños, Año 2003 Tomo LIX. Número II Mayo-Agosto, pp. 837-870. Centro de Estudios Extremeños, E-06011 Badajoz.
http://www.dip-badajoz.es/publicaciones/reex/rcex_2_2003/estudios_15_rcex_2_2003.pdf
[Kartierung der Süßwassermollusken der Extremadura, Süd-Spanien]


C
ARLSSON, R. (2006): Freshwater snail assemblages of semi-isolated brackish water bays on the Åland Islands, SW Finland. Boreal Environment Research ISSN 1239-6095, 11: 371-382.
http://www.borenv.net/BER/pdfs/ber11/ber11-371.pdf
[Vorkommen von Süßwasserschnecken in Buchten der Åland-Inseln]


C
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[Nachweise in Seen im Trentin/Italien]

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[europäische Systematik, Hinweise zur Verbreitung]

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[Verbreitungskarten für Niederösterreich anhand einere Revision der im Niederösterreichischen Landesmuseum Wien vorliegenden Sammlung]


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[Verbreitungskarte Schleswig-Holstein, kurze Angaben zu Habitat und Merkmalen]

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[ergänzende Angaben über die Vorkommen der Prosobranchier in der Türkei, die Angaben zur B. tentaculata sind wahrscheinlich fehlbestimmte B. pseudemmericia, in türkisch]

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[mit Habitatangaben auf S. 10]

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[Süßwassermollusken auf Korsika]

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[Fundortangaben für Litauen]

 

 

 

Autor: schneckli

Seite aktualisiert: 22.09.09

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