Aquarienschnecken.de

Bithynia (Codiella) troschelii (PAASCH 1842) – Östliche Schnauzenschnecke

bithynella troscheli

Klasse:            Gastropoda CUVIER 1795  – Schnecken
Unterklasse:   Orthogastropoda P
ONDER & LINDBERG 1995  – Vorderkiemer
Überordnung: Caenogastropoda C
OX 1960
Ordnung:       Neotaenioglossa H
ALLER 1892  – Neu-Bandzüngler
Überfamilie:   Rissooidea J.E. G
RAY 1847
Familie:         Bithyniidae G
RAY 1857  – Schnauzenschnecken
Gattung:         Bithynia L
EACH 1818  – Schnauzenschnecken
Untergattung: Codiella L
OCARD 1894
Art:                 Bithynia (Codiella) troschelii (P
AASCH 1842) – Östliche Schnauzenschnecke

 

 

Beschreibung:

Die rechtsgewundenen, kegelförmigen Gehäuse der Östlichen Schnauzenschnecke werden 8 bis 10 (max. 12) mm hoch und 5 bis 6mm breit. Die Gehäuse juveniler Tiere sind etwas gedrungener als diejenigen adulter Exemplare. Die 5 bis 5,5 stark bauchigen Umgänge sind voneinander durch eine tiefe Naht getrennt. Der Nabel ist offen bis leicht vom Mündungssaum bedeckt. Der Mündungssaum ist meist zusammenhängend, kann aber auch an der Berührungslinie mit dem vorherigen Umgang leicht unterbrochen sein. Die Mündung (und damit auch die Form des Operculums) ist oval und oben stumpfkantig gerundet. Am oberen, inneren Mündungsrand bzw. der Ansatzstelle zur vorherigen Windung ist bei genauer Betrachtung festzustellen, daß der Rand des Operculums leicht konvex ist. Die Wachstumsringe des kalkigen Operculums sind konzentrisch um den etwas unterhalb der Mitte gelegenen Nukleolus angeordnet.

Bis auf feinste Zuwachslinien ist das Gehäuse glänzend-glatt und einfarbig hornbraun.

Durch das relativ dünnwandige Gehäuse ist die charakteristische Färbung des Mantels sichtbar: Auf dunkler Grundfarbe befinden sich relativ kleine weißliche Flecken und zusätzlich ein oder zwei helle Querbinden (G
LÖER & FEHÉR 2004).

 

ähnliche Arten Mitteleuropas:

Die Östliche Schnauzenschnecke ist von der etwa gleich groß werdenden Gemeinen Schnauzenschnecke (Bithynia tentaculata)anhand ihrer stark bauchigen Umgänge und der Form der Mündung bzw. des Operculums leicht unterscheidbar.
Die Bauchige Schnauzenschnecke (Bithynia leachii) bleibt i.d.R. deutlich kleiner als die Östliche Schnauzenschnecke. Nur 5 mm klein bleibende Kümmerformen der B. troschelii können jedoch leicht verwechselt werden. Meist lassen sich die Arten anhand der Form des oberen, inneren Randes des Operculums trennen. Als weiteres Unterscheidungsmerkmal ist die Mantelpigmentierung zu beachten. In Zweifelsfällen lassen sich männliche B. troschelii und B. leachii anhand des Ansatzes des Penisanhanges (penis apendix) am Penis unterscheiden: Bei B. troschelii zweigt er im unteren Drittel, bei B. leachii im oberen Drittel des Penis ab (GLÖER 2004).
 

Verbreitung, natürliches Habitat:

Allgemein osteuropäisch im Einflußbereich kontinentalen Klimas zerstreut verbreitet.
Dänemark, Schweden (ein Fund in Östergötland; VON PROSCHWITZ 2006 und 2008), Litauen (ZETTLER et al. 2005), Polen, Österreich, Ungarn (GLÖER & FEHÉR 2004), Tschechien, Slowakei, Rumänien (GLÖER & SÎRBU 2005), Ukraine und Rußland (Region Kaliningrad bis West-Sibirien, Irkutsk).

In Norddeutschland ab der Holsteinischen Schweiz, Hamburg und Nordost-Niedersachsen ostwärts nach Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg mit zunehmender Häufigkeit verbreitet. Fehlt in Süddeutschland.

In der Natur ist die Östliche Schnauzenschnecke in pflanzenreichen, stehenden oder langsam fließenden Gewässern (Seen, Bäche, Flüsse) zu finden. In Seen bevorzugt im Flachwasser in der Schilfzone an Wasserpflanzen oder an Holz.

Ein Habitat in Schleswig-Holstein, in dem Bithynia troschelii nach eigenen Untersuchungen gefunden wurde, ist unter folgendem Link kurz vorgestellt: 0031

 

Wasserwerte:

Die Östliche Schnauzenschnecke bevorzugt ähnlich eutrophe Habitate wie die Bauchige Schnauzenschnecke (VON PROSCHWITZ 2008). Der Autor nimmt weiterhin an, daß sie ebenfalls als calciphil einzustufen ist.

Nähere artspezifische Angaben über die von der Östlichen Schnauzenschnecke im natürlichen Habitat bevorzugten Wasserwerte liegen der Redaktion z.Zt. nicht vor.

Nach eigenen Beobachtungen konnte die Art in einem teilweise verkrautetem Graben in Kiel/Schleswig-Holstein (leichte Strömung, nach starkem Niederschlag) gefunden werden (alle Werte: 10.09.2007): 15°C; GH = 4,5°dH; KH = 4°dH; pH = 7; NH3/NH4 ~ 0,25mg/l; NO2 < 0,3mg/l; NO3 ~ 0mg/l.

 

Fortpflanzung, Lebenserwartung, Nahrung, Verhalten:

Auch hierzu liegen der Redaktion noch keine artspezifischen Daten vor. Vermutlich ähnlich den beiden verwandten Arten Gemeine Schnauzenschnecke (Bithynia tentaculata)und Bauchige Schnauzenschnecke (Bithynia leachii) .

Gefährdung:
Da die Östliche Schnauzenschnecke erst kürzlich Artstatus erhalten hat, ist sie erst auf wenigen europäischen Roten Listen verzeichnet. Nach Kenntnis der Redaktion ist sie dies derzeit in Polen (2005) als "VU" (vulnerable) sowie in Schweden (2001) und Tschechien als "RE" (regionally extinct).

 

Sonstiges:

In der Literatur die Östliche Schnauzenschnecke vielfach noch als östliche Form oder Unterart der Bauchigen Schnauzenschnecke Bithynia (Codiella) leachii (SHEPPARD 1823) geführt. Von verschiedenen Wissenschaftlern wurde vermutet, daß es sich bei den relativ großen B. troschelii um Exemplare der B. leachii handelt, die lediglich einen weiteren Winter überstanden haben und hiernach weitergewachsen sind. Nach anderen Annahmen sollte es sich bei den größeren Tieren um Exemplare mit Riesenwuchs infolge parasitärer Kastration durch Trematoden handeln. Unterstützt wurden diese Hypothesen auch durch sympatrische Vorkommen großer und kleiner Formen ohne eine zu erwartende, mehrgipfelige Größenverteilung (z.B. GLÖER 2002). Durch Enzymelektrophorese konnte bisher kein Unterschied zwischen den beiden Arten festgestellt werden (GLÖER et al. 2005).
Aufgrund der Penismorphologie (bei der bisher keine Übergangsformen bekannt wurden) ist jedoch anzunehmen, daß die Arten reproduktiv isoliert sind - Die Östliche Schnauzenschnecke ist daher als der Bauchigen Schnauzenschnecke sehr nahe verwandte, jedoch eigenständige Art aufzufassen.

Das nach Auffassung von GLÖER 2004 sowie GLÖER & ZETTLER 2005 jüngere Synonym Bithynia (Codiella) transsilvanica (E. A. BIELZ 1853) sollte aus Prioritätsgründen nicht mehr für die Östliche Schnauzenschnecke verwendet werden. FALKNER (in: GLÖER 2004), WIESE (Deutsche Malakozoologische Gesellschaft) und VON PROSCHWITZ (2005) vertreten derzeit eine gegenteilige Auffassung. Die Redaktion hat sich für diese Seite entschieden entsprechend BIELZ (1863; in: GLÖER 2004) sowie der FaunaEuropaea die Östliche Schnauzenschnecke als Bithynia troschelii vorzustellen.

Im russischen Sprachraum wird die Östliche Schnauzenschnecke unter den Synonymen Opistorhophorus troscheli (PAASCH 1842), Codiella troscheli (PAASCH 1842), Bithynia inflata oder Codiella inflata geführt.

 

 

Literatur:

GLÖER, P. (2002): Süßwassermollusken Nord und Mitteleuropas. Bestimmungsschlüssel, Lebensweise, Verbreitung. In: Die Tierwelt Deutschlands. Conchbooks, Hackenheim. ISBN 3-925919-60-0.                          [Angaben zu Merkmalen, Verbreitung usw.]

 

GLÖER, P & MEIER-BROOK, C. (2003): Süßwassermollusken. Ein Bestimmungsschlüssel für die Bundesrepublik Deutschland. Deutscher Jugendbund für Naturbeobachtung, Hamburg. ISBN 3-923376-02-2.[Angaben zu Merkmalen, Verbreitungskarte für Deutschland]

 

 

weblinks:

Aquarienschnecken-Forum.de: Rote Listen Süßwassermollusken [Linksammlung]

CIOBOIU, O. (2003):Diversity of Gastropoda in the Romanian sector of the Danube lower hydrographic basin
[Darstellung der Vorkommen in Rumänien auf Flußgebietsniveau - auch die als B. leachii bezeichneten Funde sind sehr wahrscheinlich B. troschelii]

Deutsche Malakozoologische Gesellschaft (Red.: WIESE, V., Stand: 12/2008): Molluscs of Central Europe – Nomenklaturliste.
[Systematik europäischer Mollusken – auch mit deutschen Namen]


Deutsche Malakozoologische Gesellschaft (Stand: 12/2008): Molluscs of central Europe. Species: Bithynia (Codiella) transsilvanica.
[Taxonomie, Hinweis, daß der Name B. transsylvanica statt B. troschelii zu verwenden ist]


F
ALNIOWSKI, A. & GLÖER, P. & SZAROWSKA, M. (2004): (PAASCH, 1842) a giant of unknown origin? - Folia Malacologica, (3): 137-139. Poznan.
[enzymelektrophoretische Untersuchung zur B. troschelii und B. leachii. Abbildungen der Gehäuse und des Penis]

Fauna Europaea
[europäische Systematik, Hinweise zur Verbreitung]

G
LÖER, P. (2002): (PAASCH 1842) – die östliche Rasse von (SHEPPARD 1823). - Arch. Moll., (1/2): 259-265, Taf. 1. Frankfurt a. M. [Berichtigung: Arch. Moll., (1/2): 260.].
[mittlerweile überholte Auffassung von B. troschelii als östliche Rasse der B. leachii]

G
LÖER, P. (2004): Zur Identität von (PAASCH 1842) (Gastropoda: Bithyniidae). - Malak. Abh., : 17-22. Dresden.
[Unterscheidungsmerkmale, Bestätigung von B. troschelii als eigenständige Art]


G
LÖER, P. & FEHÉR, Z. (2004): (SHEPPARD, 1823) and (PAASCH, 1842) in Hungary (Prosobranchia: Bithyniidae). - Ann. historico-naturales Musei nationalis Hungarici, : 285-297. Budapest.
[anatomische Untersuchung, Abbildungen von B. leachii und troschelii sowie Verbreitung in Ungarn]


G
LÖER, P. & ZETTLER, M. L. (2005): Kommentierte Artenliste der Süßwassermollusken Deutschlands. Malak. Abh. 23: 3-26.
[Feststellung, daß B. transsylvanica nicht weiter zu verwenden ist]

G
LÖER, P. & SÎRBU, I. (2005): New freshwater molluscs species found in the Romanian fauna. - Heldia, : 229-238. München.
[Süßwassermollusken des innerkarpatischen Beckens/Rumänien]


G
LÖER, P. & FALNIOWSKI, A. & SZAROWSKA, M. (2005): (SHEPPARD, 1823) and (PAASCH, 1842), two distinct species? (Gastropoda: Prosobranchia: Bithyniidae). - Heldia, : 49-56. München.
[B. troschelii und B. leachii: Merkmale, Abbildungen, Enzymelektrophorese]


K
ABAT, A.K. & HERSHLER, R. (1993): The Prosobranch Snail Family Hydrobiidae (Gastropoda: Rissooidea): Review of Classification and Supraspecific Taxa. Smithonian Contributions to Zoology No. 547. Smithonian Institution Press, Washington D.C.
[Literaturrecherche über bisher den Rissooidea zugeordneten Gattungen und Familien]


P
ROSCHWITZ, T. VON (2006): Faunistiskt nytt 2005 – snäckor, sniglar och musslor samt något om östlig snytesnäcka Bithynia transsilvanica (E. A. Bielz) – återfunnen i Sverige och kinesisk dammussla Sinanodonta woodiana (Lea) – en för Sverige ny sötvattensmussla. Göteborgs Naturhistoriska Museum Årstryck 2006: pp. 39-70.
[Neue Nachweise Bithynia transsilvanica und Sinanodonta woodiana für Schweden]

P
ROSCHWITZ, T. VON (2008): ArtDatabanken 2008-03-14. Faktablad: Bithynia transsilvanica – östlig snytesnäcka.
[Artvorstellung auf schwedisch]


SysTax - a Database System for Systematics and Taxonomy
[Systematik; Angaben von Fundorten von Sammlungsmaterial]

W
IESE, V: (1991): Atlas der Land- und Süßwassermollusken in Schleswig-Holstein. Landesamt für Naturschutz und Landschaftspflege Schleswig-Holstein. ISBN 3-923339-40-2.
[Verbreitungskarte Schleswig-Holstein, kurze Angaben zu Habitat und Merkmalen]

Z
ETTLER, M. L. et al. (2005): Bemerkenswerte Süßwassermollusken aus Litauen. Aufsammlungen vom September 2004. Malak. Abh. 23: 27-40.
[Fundortangaben für Litauen]

 

 

 

Seite aktualisiert:14.10.09

Autor: schneckli

 internationale Trivialnamen für die Suchmaschinen:
schwedisch: Östlig snytesnäcka
tschechiesch: bahnivka lužní
 

 

 

schnauzenschnecke
Operculum

Bilder/Text/Fotografien sowie Inhalte in Wort/ Text & Bild unterliegen dem © von Alexandra Behrendt Dezember 2004 - 2010
Achtung! Sämtliche Fotos und Bilder unterliegen dem Urheberrecht.
Bei Interesse an Bildern oder Fotos für private Webseiten
bitte eine mail senden.
Steuernummer: 49108/30501

Pictures/texts/photos as well as word, text and pictorial content underlie the copyright of Alexandra Behrendt, December 2004 – 2010.Please note: Any and all photos and pictures are copyrighted!If you are interested in using pictures or photos on private web sites please send me an email.       Tax no. 49108/30501