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Physidae sp. (Fitzinger, 1833)

Die Physidae sp. - Blasenschnecke
Die Artenvielfalt der Blasenschnecken ist groß. Auf der ganzen Welt, im gemässigten Klima, finden wir Vertreter dieser Familie.
Entsprechend ihres natürlichen Verbreitungsgebietes kann sie in Kalt- und Warmwasseraquarien gehalten werden. Je nach Jahreszeiten und Ursprungshabitat liegt die Haltungstemperatur zwischen 0 und 30 Grad. Hat sich die erste Generation erfolgreich im Becken vermehrt, ist der Nachwuchs an die im Aquarium vorherrschenden Umweltbedingungen angepasst. Ob es ein PH-Wert ab 5 ist mit entsprechend weichem Wasser, oder aber ein PH-Wert von 9,5 mit hartem Wasser - sie findet sich zurecht. Allerdings ist die Verträglichkeit artenspezifisch. So verträgt eine Aplex wesentlich saureres Wasser als eine Physa.
Ausgestattet mit einer Art Lunge, die sie dazu befähigt "trockene" Luft zu verarbeiten und der Möglichkeit auch Trockenperioden zu überstehen, steht der Verbreitung in der Aquaristik nichts mehr im Wege. (Bei allen Wasserlungenschnecken haben sich die Kiemen zurückgebildet, sie atmen durch das durchblutete Dach der Mantelhöhle.)
Mit den Laichballen, die gerne an Pflanzen geklebt werden, kommt sie gewollt oder nicht meist als Erstbesatz in neu eingerichtete Becken.
Je nach Art findet man sie in der Natur in langsam fließenden, pflanzenreichen Gewässern, teilweise auch in Stillwasserbereichen.
Die erreichbare Größe der zwittrig angelegten Tiere variiert art- und umfeldabhängig zwischen 7 und 15 mm. Charakteristisch sind die feinen fadenförmigen Fühler und der spitz endende Fuss.
Alle Physiden, außer die der Gattung Aplex, haben fingerförmig ausgezogene Lappen am Mantelsaum, manche Arten einseitig, andere beidseitig ausgebildet. Dieser Mantelsaum unterstützt die Atmung der Physiden (Hautatmung).

 

 Nord - und Mitteleuropas

Das Aquarium - Ihre Ansprüche und Bedürfnisse:
Solange die Blasenschnecke ein pflanzenreiches Gefäss vorfindet, mit nicht allzugroßer Wasserbewegung (Physa) und regelmässigem Wasserwechsel, gibt sie sich auch mit kleinen Behältnissen zufrieden, aber auch große Aquarien bevölkert sie fleissig.
Eine erfolgreiche Haltung kann unter optimierten Bedingungen schon in einem 2 Liter Glas erfolgen, auch wenn ihr Lebensraum eigentlich irgendwo am ruhigen Uferbereich eines grossen Sees (Physella) oder in einem kleinen Hochmoor liegt (Aplexa).
Oft ist so der erste Anfang der Aquaristik gemacht in Mamas Glasvase, mit etwas Sand und Pflanzen bestückt, in der die ersten Bewohner die Blasenschnecken sind. Sie finden hier genau das richtige Minibiotop mit wenig bzw. keiner Wasserbewegung und starker Bepflanzung.

 

Vergesellschaftung:
Wir finden die Blasenschnecke in den unterschiedlichsten Gesellschafts- oder Artenbecken.
Unpassend für Schneckenliebhaber ist die Vergesellschaftung mit schneckenfressenden Fischen, manchen Garnelenarten oder Krebsen. Hier ist die Population meist schnell ausgerottet.
Ein weiteres Problem ist ein Zusammenleben mit Apfelschnecken oder anderen laichfressenden Schneckenarten. In Gesellschaft dieser Arten werden die Blasenschnecken recht zügig aussterben, da ihre Nachkommenschaft schon vor dem Schlupf verspeist wird. Selbst wenn dies nicht der Fall ist, so kann ein Stamm Schlammschnecken (Radix sp.) zum Auslöschen einer Blasenschneckenpopulation führen - die Blasenschnecke besteht den Konkurrenzkampf um Nahrung leider nicht.
Möchte man diese Wasserschnecke in Ruhe beobachten, hält man sie am besten nur mit Melanoides tuberculatus oder Einzelindividuen (z.B. Vittina cormandeliana, unter der Bezeichnung Zebrarennschnecke bekannt) zusammen, die sich im Aquarium nicht vermehren, so dass sich die Blasenschnecke ungehindert ausbreiten kann.

Ernährung:
Pflegt man ein kleines Becken ohne Zufütterung ausschliesslich mit Blasenschnecken, kann man am besten beobachten, was dieser Zwerg für Dienste leistet in der Algenvernichtung. Sie frisst nahezu alle Algen von den Scheiben und der Einrichtung, beseitigt erfolgreich abgestorbene Pflanzenteile, frisst Aufwuchs und auch eine tote Fliege, die versehentlich ins Becken gekommen ist, wird angenagt - sie ist ein wahres Allroundtalent unter den Schnecken. Entgegen der landläufigen Meinung, dass die Physiden intakte Pflanzen fressen, kann sie die meist zu harten grünen Schönheiten wegen ihrer weichen Zähne nicht schädigen sondern lediglich die Algen und den Aufwuchs daran abraspeln.
Soll die Population grösser werden als es das Algenvorkommen hergibt, ist sie auch beim Zufüttern nicht anspruchsvoll. Gerne nimmt sie Futtertabletten jeder Art, geht aber auch an angebotenes Gemüse oder tierisches Eiweiss.

Physidae sp

Die Fortpflanzung:
Mit Erreichen der Geschlechtsreife beginnen die zwittrigen Tiere mit der Fortpflanzung. Sie setzen sich aufeinander, das oben sitzende Tier stülpt sein Geschlechtsorgan aus, das linksseitig an der Basis angelegt ist und führt es in das Geschlechtsorgan des unten sitzenden Tieres ein, das den Part des Weibchens übernimmt. Dieses nimmt die Samen auf. Nach der erfolgreichen Aufnahme wandelt sich das Tier in ein Weibchen und legt wenige Tage später ihre Gelege ab.

Bild
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Der Laichballen:
Die Eigelege werden überall hingeheftet, auf Pflanzen, Scheiben, Einrichtungsgegenständen oder anderen grösseren Schnecken, wobei Pflanzen bevorzugt bestückt werden. Es enthält je nach Art zwischen 5 und 50 Eier. Die Form der Gelege ist ebenfalls artspezifisch - während die Physella akuta nierenförmige Gelege (7 - 53 Eier) legt, sehen die Eipakete bei der Physa fontinalis (5 - 20 Eier) wie ein Klumpen aus. Die Aplexa hypnorum legt kugelige, durchsichtige Pakete mit 5 - 31 ovalen Eiern.
Die Gelege entwickeln sich im Warmwasseraquarium recht zügig, ab 20 Grad braucht ein Gelege maximal 7 Tage um auszureifen.
Gerne werden die Laichballen auch an grosse harte Blätter geklebt, die direkt unter der Wasseroberfläche liegen. Selbst wenn der Wasserspiegel sinkt und die Ballen eine Zeit lang im Trockenen liegen, reichen der Wassergehalt des Laichballens und die Luftfeuchtigkeit im abgedeckten Aquarium aus, um sie heranreifen zu lassen.
Je wärmer das Wasser ist, desto schneller entwickelt sich die Jungschnecke im Ei. Die Schnecken schlüpfen vollständig entwickelt, als wenige Millimeter kleine Tiere.

Laichballen
Laichballen

Schlupf und Aufwuchs:
Nach erfolgreichem Verlassen des aufgebrauchten Laichballens kriechen die Jungtiere sofort auf Nahrungssuche, innerhalb von 8 Wochen wachsen sie zu ansehnlichen 5 - 7 mm grossen Tieren heran und sind dann schon in der Lage selbst Nachwuchs zu produzieren.

Physiden kurz vor dem Schlupf

Besonderheit:
Eine Besonderheit, die gelegentlich auch bei den Schlammschnecken beobachtet werden kann, ist das Hin- und Herschlagen des Gehäuses bei Belästigungen. Dies geschieht nicht nur bei Belästigungen durch andere Schnecken, die über sie hinwegkriechen oder bei Sexualpartnern, die abgeschüttelt werden sollen sondern auch in Aquarien, in denen ein starker Parasitenbefall vorhanden ist.
Einzelne Tiere schütteln ihr Gehäuse, obwohl weit und breit niemand zu sehen ist, der sie körperlich belästigen könnte. Meist liegen die Tiere dann wenige Tage später verendet am Bodengrund.

 

Allgemein:
In schwach strömenden bepflanzten Becken kann man beobachten, wie sich die Blasenschnecke ihre Wege "spinnt". Wie alle Wasserschnecken ist sie mit einer Drüse ausgestattet, aus der Schleim austritt. Beim Gleiten durch das Wasser hinterlässt sie einen feinen Schleimfaden. Beginnt sie nun also von der Wasseroberfläche nach unten Richtung Bodengrund zu "schweben", zieht sie den Faden hinter sich her. Durch die geringe Strömung bleibt der Faden erhalten. So zieht sich im Lauf der Tage eine beachtliche Menge an Fäden durch ein Aquarium. Sie kann daran nicht nur von der Wasseroberfläche nach unten kriechen, sondern auch von unten nach oben, auf ihrer selbstgemachten, stetig sich verdickenden Autobahn entlang und je nach Spannrichtung von rechts nach links oder diagonal.Hat sie einen bestimmten Futterplatz entdeckt, an dem sie immer Futter findet, führen ihre Wege aus allen erdenklichen Richtungen an diesen Platz. Sie bewegt sich zielgerichtet und koordiniert durch das Becken. Da die Blasenschnecke auch ohne ihre Fen eine sehr schnelle Schnecke ist, ist es erstaunlich, wie schnell sie mit Hilfe ihrer Straßen durch ihr Terrain flitzt.
Von Schmerlen-, Krebs- oder Kugelfischhaltern wird sie als anspruchslose, sich schnell vermehrende Schnecke bevorzugt. Ihre einfache Zucht, die durch ihre Vorliebe für stehende oder schwach fliessende Gewässer selbst im 10-Liter Eimer problemlos möglich ist, prädestiniert sie geradezu zur Nutzung als Futterschnecke.

 

Parasiten:
Die Physiden sind bekannte Zwischenwirte der Zerkarien (Larven) des Typus Trichobilharzia. Diese Saugwürmer sind als adulte Tiere bis zu einem Zentimeter lang und haarfein, die Zerkarien sind etwa 1 mm gross. Der Endwirt dieser Saugwürmer ist der Mensch, ein Befall führt bei uns zu einer typischen Badedermatitis.
http://www.bodensee-ufer.de/Inhalt/Archi...itis-Werner.pdf
Die Exantheme sind stark juckend und gerötet, die reagierende Hautstelle zwischen 1 und 3 cm gross. In unseren Warmwasseraquarien vermehrt sich dieser Parasit sehr gut, da die Haltetemperaturen adäquat sind. Allerdings gilt auch hier, daß die Parasiten in unseren Aquarien aussterben, sofern sie keinen Endwirt finden. Da die meisten Blasenschnecken als Gelege zu uns kommen, ist das Risiko eines Befalls mit diesen Saugwürmern oder des Einschleppens ihrer Eier relativ gering, wenn nicht fast ausgeschlossen.
Authors: S. Bechtold, U. Wintergerst, O. Butenandt November, 1997

 

Quellen:

 

P.GlöerC.Meier-Brook, SUESSWASSERMOLUSKEN,13.Auflage 2003
www.weichtiere.at , mollbase.de, /www.biologie.uni-ulm.de/
ttp://www.biologie.uni-erlangen.de, P.Glöer, Süßwassergastropoden

 

Seite aktualisiert am 29.12.2007

Autor: Alexandra Behrendt

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Blasenschnecken auf der Schleimspur