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Bythinella dunkeri (V. FRAUENFELD 1857) – Dunkers Quellschnecke

Bythinella dunkeri

Klasse:            Gastropoda CUVIER 1795  – Schnecken
Unterklasse:   Orthogastropoda PONDER & LINDBERG 1995 – Vorderkiemer
Überordnung: Caenogastropoda COX 1960
Ordnung:         Neotaenioglossa HALLER 1892  – Neu-Bandzüngler
Überfamilie:   Rissooidea J.E. GRAY 1847
Familie:         Hydrobiidae TROSCHEL 1857  – Wasserdeckelschnecken
Unterfamilie: Amnicolinae TRYON 1862
Gattung:         Bythinella MOQUIN-TANDON 1856 – Quellschnecken
Art:               Bythinella dunkeri (V. FRAUENFELD 1857) – Dunkers Quellschnecke

 

Beschreibung:

Die Gehäuse der Dunkers  Quellschnecke sind rechtsgewundenen und zylindrisch -eiförmig. Sie werden bis 3 mm hoch und bis 1,6mm breit. Die bis zu 4 bis 4,5 mäßig bauchigen Umgänge sind voneinander durch eine tiefe Naht abgesetzt. Der Apex ist stumpf und flach abgestutzt. Die Mündung und damit auch das Operculum sind schief -eiförmig und oben stumpf gerundet.

Das Gehäuse ist glatt, einfarbig grauweiß bis hornfarben und mattglänzend.

Die kurze Schnauze ist vom Fuß deutlich abgesetzt und beim aktiven Tier rüsselartig vorgestreckt. An der Basis der borstenförmigen (d.h. nicht von der Basis an gleichmäßig zugespitzten) Fühler sitzen die Augen. Der Fuß ist vorn gerade und seitlich wenig verbreitert, hinten gleichmäßig gerundet.

Das Tier ist hellgrau gefärbt. Kopf und Oberseite des Fußes sind dunkler grau pigmentiert. Bei starker Vergrößerung kann man am Kopf über den Augen und im Bereich des Gehäuses an der Fußoberseite weiße Pigmentpunkte erkennen.  

Bythinella dunkero
Bythinella dunkeri

Verbreitung, natürliches Habitat:

Allgemein kommt die Art im Westen Deutschlands und in angrenzenden Arealen in den Niederlanden (nur ein bekanntes Vorkommen im äußersten Süden bei Melleschet; s. weblinks: Atlasprojekt Nederlandse Mollusken), Belgien (Ardennen: Ourthe und deren Abflüssen, Maas, Vesdre, Warche), in Luxemburg (nur im Ösling, zerstreut, s. weblinks: GROH & WEITMANN 2005) und Frankreich (nur Vogesen) vor.

Im Westen Deutschlands kommt Dunkers Quellschnecke rechtsrheinisch vom Einzugsgebiet der Emscher bei Dortmund, im Sauerland, Bergischen Land, Kellerwald, Burgwald, Westerwald und im Taunus vor. Ein davon isoliertes Verbreitungsareal liegt im nördlichen Schwarzwald. Linksrheinisch kommt sie in Quellen von Eifel, Hunsrück und Pfälzer Wald vor.

Wie auch die verwandten Quellschnecken der Gattung kommt Bythinella dunkeri in Quellen, Quellbächen und Spaltengewässern der kalkarmen (silikatischen) Mittelgebirge vor. Nur ausnahmsweise wird sie in sommerkalten Seen gefunden.

Die Tiere sind bevorzugt in schattigen Habitaten und an den Unterseiten von Fallaub, Steinen und Holz oder in Wassermoosen zu finden.

Ein Habitat, in dem nach eigenen Beobachtungen Bythinella dunkeri im Freiland gefunden wurde, ist unter folgendem Link kurz vorgestellt:
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Wasserwerte:

Als Charakterart von Quellgewässern stellt Dunkers Quellschnecke sehr hohe Ansprüche an die Gewässerqualität und gleichbleibende Wassertemperaturen. Sie kommt somit nur in oligotrophen, kalkstenothermen Gewässern vor. Kalkarme Gewässer werden bevorzugt, versauertes Wasser jedoch gemieden.

GROH & WEITMANN (2005, s. weblinks) fanden B. dunkeri in 8 verschiedenen Quellgewässern Luxemburgs zwischen 300 und 467müNN. Die Wassertemperaturen betrugen zwischen 7,3 und 13,0°C; die Leitfähigkeiten zwischen 87 und 274µS/cm.

Die auf dieser Seite abgebildeten Tiere wurden in einem kleinen Waldbach, ca. 70m unterhalb der Quelle in Nordrhein- Westfalen, in über 300 m ü NN, gefunden. Am 10.10.2007 konnten dort folgende Wasserwerte gemessen werden: Wassertemperatur = 8,7°C, Leitfähigkeit = 115µS, pH = 7, GH = 3dH, KH = 1dH) Das glasklare Wasser hatte am 31.05.2008 folgende Wasserwerte: pH = 7, GH = 4dH, KH = 2dH.

 

Fortpflanzung:

Aufgrund der gleichbleibenden Wassertemperaturen in ihren Gewässern können sich die Quellschnecken ganzjährig fortpflanzen.

Die Eier der getrennt geschlechtlichen Tiere werden einzeln in Form 0,9 mm kleiner Eikapseln an Steine, Holz, Wasserpflanzen, Fallaub oder Gehäusen der Artgenossen geheftet.

Die Tiere sind nach 18- 20 Monaten ausgewachsen.

Nahrung:

In der Natur ernährt sich Dunkers Quellschnecke als Weidegänger von Aufwuchs (Cyanobakterien, Grünalgen, Diatomeen) und Detritus.

Verhalten:

Die lichtscheuen Quellschnecken sind ganztägig aktiv, verstecken sich tagsüber jedoch bevorzugt an den Unterseiten und in den Zwischenräumen der vorhandenen Substrate. Nachts werden sie auch an den Oberseiten häufiger sichtbar. Sie kriechen nicht über den Wasserspiegel des Gewässers hinaus 

Bythinella dunkeri

Gefährdung:

Dunkers Quellschnecke wird auf der Roten Liste Deutschlands (1998) als „gefährdet“ geführt. Auf der internationalen Roten Liste der IUCN (1996) ist die Art auch aufgrund ihrer disjunkten Verbreitung und spezieller Habitatansprüche als „vulnerable“ eingestuft. Die Art ist insbesondere gefährdet durch Wasserverschmutzung, Eingriffe in den Wasserhaushalt sowie die Fassung von Quellen.

 

Weitere Arten der Gattung Bythinella:

In Deutschland werden 4 weitere Arten unterschieden. Da die Arten relativ formvariabel sind, sich ihre Verbreitungsareale jedoch nicht (außer: B. dunkeri und B. badensis im mittleren Kinzigtal im Schwarzwald) überschneiden, erfolgt die Bestimmung über die exakte Fundortangabe. Tiere aus genannten Überschneidungsgebiet lassen sich nur mittels Genitalpräparation, mikroskopischer Untersuchung der Radula oder enzymelektrophoretisch sicher bestimmen.

Die Verbreitungsgebiete der 4 weiteren in Deutschland unterschiedenen Arten der Quellschnecken sind:

Österreichische Quellschnecke (Bithynella austriaca cylindrica): Ostbayerisch östlich München. Außerdem (z.T. andere Unterarten) in Österreich, Tschechien, Süd-Polen, Slovakei und West-Rumänien.

Badische Quellschnecke (Bithynella badensis): Süd-Schwarzwald.

Bayerische Quellschnecke (Bithynella bavarica): Bayern, südlich der Donau zwischen Bodensee und München, Innsbruck.

Rhön-Quellschnecke (Bithynella compressa): Rhön und Vogelsberg.

Außer den auf dieser Seite vorgestellten, insgesamt 5 Arten werden in FaunaEuropaea (s. weblinks) noch insgesamt 61 weitere Arten der Gattung für Europa als „valid“ gelistet.

Leider stehen der Redaktion für die hier zuletzt erwähnten Arten z.Zt. weder Bildmaterial noch für eine gesonderte Darstellung hinreichende Informationen zur Verfügung – make us happy and provide pics and information about these species to us!

Literatur:

GLÖER, P. (2002): Süßwassermollusken Nord und Mitteleuropas. Bestimmungsschlüssel, Lebensweise, Verbreitung. In: Die Tierwelt Deutschlands. Conchbooks, Hackenheim. ISBN 3-925919-60-0.

[Angaben zu Merkmalen, Verbreitung usw.]

GLÖER, P & MEIER-BROOK, C. (2003): Süßwassermollusken. Ein Bestimmungsschlüssel für die Bundesrepublik Deutschland. Deutscher Jugendbund für Naturbeobachtung, Hamburg. ISBN 3-923376-02-2.

[Angaben zu Merkmalen, Verbreitungskarte für Deutschland]

weblinks:

Deutsche Malakozoologische Gesellschaft (Red.: WIESE, V., Stand: 02/2008): Molluscs of Central Europe – Nomenklaturliste.
[Systematik europäischer Mollusken – auch mit deutschen Namen]

Atlasproject Nederlandse Mollusken (ANM): Bythinella dunkeri (V FRAUENFELD, 1857) Grijze bronslak.                             [Verbreitungskarte der Niederlande]

Fauna Europaea                                                                                                                                                                                                         [europäische Systematik, Hinweise zur Verbreitung von B. dunkeri]

Fauna Europaea                                                                                                                                                                                                         [europäische Systematik, Liste valider Arten der Gattung Bythinella]

GLÖER, P. & ZETTLER, M. L. (2005): Kommentierte Artenliste der Süßwassermollusken Deutschlands. Malak. Abh. 23: 3-26.[Feststellung, daß die bayerischen Vorkommen von Bythinella austriaca der Unterart cylindrica zuzuordnen sind]

GROH, K. & WEITMANN, G. (2005): Kap. 5.1 Mollusca. In: GERECKE, R. et al.: Die Fauna der Quellen und des hyporheischen Interstitials in Luxemburg. Ferrantia 41.[Vorkommen der Quellen bewohnenden Arten Luxemburgs. Artbeschreibung und Fundort- und Habitatangaben von B. dunkeri auf S. 86, 122, 124, 126]

Mollusc Specialist Group 1996. Bythinella dunkeri. In: IUCN 2007. 2007 IUCN Red List of Threatened Species. .[internationale Einstufung der Art als „vulnerable“] 

SysTax - a Database System for Systematics and Taxonomy                                                                                                                 [Angaben von Fundorten von Sammlungsmaterial]

WIESE, V: (Red.) (2007): Systematische Übersicht der Land- und Süßwassermollusken Nord- und Mitteleuropas.[Systematik europäischer Mollusken – auch mit deutschen Namen]

 

Autor: schneckli

Seite aktualisiert: 22.09.09

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