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Ferrissia fragilis (TYRON 1863) – Zerbrechliche Mützenschnecke

Ferrissia wautieri

Klasse:            Gastropoda CUVIER 1795  – Schnecken
Unterklasse:   Pulmonata C
UVIER 1814  – Lungenschnecken
Überordnung: Basommatophora K
EFERSTEIN 1864  – Grundäugler, Süßwasserlungenschnecken
Ordnung:         Hygrophila A. F
ÉRUSSAC 1822
Unterordnung: Branchiopulmonata M
ORTON 1855
Infraordnung:  Planorboinei H. N
ORDSIECK 1993
Überfamilie:   Planorboidea G
RAY 1840
Familie:         Planorbidae G
RAY 1840  – Tellerschnecken
Unterfamilie: Ancylinae (R
AFINESQUE 1815) sensu ALBRECHT et.al. 2007
Gattung:         Ferrissia W
ALKER 1903  – Mützenschnecken
Art:                 Ferrissia fragilis (T
YRON 1863) – Zerbrechliche Mützenschnecke

vorab dieser Artbeschreibung einige Hinweise zur Taxonomie:

Seit ihrer Entdeckung in Europa wurde die auf dieser Seite vorgestellte Art Ferrissia fragilis von europäischen Malakologen mehrfach als neue Art beschrieben oder bereits bekannten Arten zugeordnet. Durch unterschiedliche Ansätze begründet wurden verschiedene Theorien zu ihrer Artzugehörigkeit und Herkunft aufgebaut, die an dieser Stelle nicht alle aufgezählt werden können. Beispielhaft für die nomenklaturische Verwirrung wird auf die Anmerkungen in GLÖER & ZETTLER (2005), BERAN & HORZÁK (2007), SON (2007) und BANK et.al. (2007) verwiesen. Aufgrund einer molekulargenetischen Untersuchung durch WALTHER et.al. (2006) gibt es nun deutliche Hinweise darauf, daß es sich zumindest bei den mitteleuropäischen Tieren, die aktuell als Ferrissia wautieri (MIROLLI 1960) oder Ferrissia clessiana (JICKELI 1882) bezeichnet werden, um die in Nordamerika beheimatete Ferrissia fragilis (TYRON 1863) handeln dürfte. Nach einem Aufruf im Aquarienschnecken-Forum wurden 17 Proben aus deutschen, zwei aus österreichischen und eine aus niederländischen Aquarien gesammelt und 2007 durch die Universität Gießen molekulargenetisch untersucht. Zusätzlich einige Tiere aus einem Parkteich in Bremen. Sämtliche Tiere, bei denen die Sequenzierung gelang, stellten sich hierbei eindeutig als Ferrissia fragilis heraus (pers. Mitt. ALBRECHT 2008). Nach Kenntnisstand der Redaktion ist bisher in Mitteleuropa noch keine andere Art der Gattung Ferrissia genetisch sicher bestimmt worden. Abweichend von der in Europa etablierten Nomenklatur wird die Art daher hier auch als Ferrissia fragilis vorgestellt. Der hier verwendete deutsche Trivialname "Zerbrechliche Mützenschnecke" wurde in Anlehnung an den bisher für Ferrissia wautieri verwendeten Namen "Septenmützenschnecke" und dem lateinischen Artnamen gebildet.
Es sei schließlich angemerkt, daß bei genaueren Untersuchungen -insb. auch der südeuropäischen Ferrissia-Populationen- weitere Arten gefunden werden könnten.

Zur Recherche für diese Seite wurden i.W. die europäische Quellen herangezogen. Ergänzend wurden einzelne amerikanische Quellen, die explizit auf die F. fragilis bezogen sind, berücksichtigt. Informationen aus letzteren Quellen sind in der folgenden Artbeschreibung durch die grüne Textfarbe hervorgehoben.

Ferrissia wautieri
Ferrissia wautieri

Beschreibung:

Die flach-schildförmigen Gehäuse der Zerbrechlichen Mützenschnecke sind sehr dünnwandig und durchscheinend. Sie werden bis 1mm hoch, 1,5mm breit und 3,2mm lang (nach VAN DER VELDE bis max. 3,9mm). Der abgerundete Apex ist nach hinten rechts gerichtet. Die lang-eiförmige Mündung ist nach hinten leicht verschmälert.
Bei ungünstigen Umweltbedingungen kann die Art die hinteren ⅔ der Mündung mit einer Zwischenwand (Septum) verschließen. Nach RICHARDOT 1977 (in: VAN DER VELDE, 2000) wird die Bildung des Septums durch hohe Wassertemperatur und Tageslänge sowie ungünstige Wasserwerte (insb. Sauerstoffmangel) ausgelöst. Diese Faktoren treten z.B. in langsam austrocknenden Kleingewässern auf. Bei sich wieder bessernden Umweltbedingungen setzt das weitere Schalenwachstum am Septum neu an. Tiere in konstant günstigen Habitaten sollten kein Septum ausbilden.
Nach eigenen Beobachtungen im Aquarium konnte dies dennoch bei einzelnen Tieren beobachtet werden, ohne, daß sich hierfür eine Erklärung fand.

Ferrissia im Schlafrock

Bis auf feine, konzentrische Zuwachslinien ist das Gehäuse glatt und einfarbig hellgraugrau bis transparent. Typisch für die Arten der Gattung Ferrissia ist eine strahlenförmig vom Apex ausgehende Feinstruktur auf dem Embryonalschälchen. Deutlich sichtbar wird die Feinstruktur allerdings erst durch Betrachtung mit einem Rasterelektronenmikroskop (s. weblinks: TOMASZEWSKI).

Das Tier selbst ragt nicht unter dem Gehäuserand hervor und ist somit nur von unten, z.B. an einer Aquarienscheibe oder aber beim Überwinden von Hindernissen zu sehen. Der Fuß des Tieres ist vorn meist etwas breiter als hinten gerundet. Der Kopf setzt in der Breite entsprechend dem Fuß an und ist vorn gleichmäßig gerundet. An der Basis der kurzen, stiftförmigen Fühler sitzen die Augen.

Der Körper des Tieres ist einfarbig schwach hellgrau pigmentiert, teilweise auch rosa durchscheinend. Im hinteren rechten Bereich ist manchmal der gefüllte Magen als dunkler Fleck zu erkennen.

Ferrissia wautieri

ähnliche Arten:

Jungtiere der Teichnapfschnecke (Acroloxus lacustris), die sehr ähnliche Habitate bevorzugt, können mit der Mützenschnecke verwechselt werden. Mit einer Lupe ist jedoch zu erkennen, daß der spitze (!) Apex der Acroloxus im Gegensatz zur Ferrissia nach hinten links gebogen ist. Auch die Fühler und Gelege der beiden Arten unterscheiden sich eindeutig.

Auch junge Flußnapfschnecken (Ancylus fluviatlis)können auf den ersten Blick für Mützenschnecken gehalten werden. Der Apex der Flußnapfschnecke ist jedoch verhältnismäßig deutlich erhobener, die Mündung meist rundlicher. Die Fühler, Gelege und üblichen Habitatasprüche sind verschieden.

Verbreitung, natürliches Habitat:

Die Zerbrechliche Mützenschnecke ist erst seit jüngerer Zeit in Europa bekannt. Von den zunächst nur sehr zerstreuten Vorkommen scheint sich die Art allmählich (besonders in den Tiefländern) flächendeckend auszubreiten. Bisher sind der Redaktion Vorkommen aus folgenden Ländern Europas bekannt:
Schweden (1998), Lettland, Polen (seit 1986, Konin-Seen in Zentral-Polen; in: STRZELEC 2005), Tschechien (seit 1942; zersteut; BERAN & HORZÁK), Slowakei (südl. des Mittellaufs der Gran), Österreich, Ungarn, Slovenien, Albanien, Griechenland (Festland, Ägäische Inseln), Bulgarien, Rumänien (verbreitet außer im Osten; s. weblinks: CIOBOIU 2003), Ukraine (möglicherweise schon seit 1925 auf der Krim/ sicher seit 2002 am Djnestr; SON 2007), Rußland (Wolgadelta; RIEDEL et al. 2001), Türkei (versch. Regionen; YILDIRIM et.al. 2006),
Britische Inseln (seit 1977; zerstreut, nicht in Irland; s. weblinks: National Biodiversity Network), Niederlande (verbreitet; s. weblinks: Atlasproject Nederlandse Mollusken), Belgien, Luxemburg (im Südosten), Schweiz (seit 1957; zerstreut im Tief- und Mittelland), Frankreich (Festland, Korsika), Portugal (Azoren), Spanien (z.B. Extremadura), Italien (Festland, Sardinien).

In Deutschland wurde die Art erstmals in den 1940er Jahren in Aquarien gefunden. Auch heute noch werden die winzigen Schnecken leicht mit Wasserpflanzen in Aquarien verschleppt. Die ersten Freilandfunde wurden ab 1952 in der Elbe, Stecknitz und Berlin gemeldet. Durch Überprüfung von Sammlungsmaterial am Senckenberg-Institut konnte KINZELBACH (1984) die ersten Freilandfunde für 1930 nachweisen (in: ZETTLER 1997). Die Mützenschnecke kommt in Deutschland mittlerweile allgemein zerstreut vor.


Die Heimat der Mützenschnecke Ferrissia fragilis erstreckt sich über weite Teile der USA (s. weblinks: NatureServe.org) bis in den Süden Kanadas (s. weblinks: Canadian Biodiversity Web Site).
Mit molekularbiologischen Methoden konnten WALTHER et.al. (2006, s. weblinks) F. fragilis auch für die Philippinen und Taiwan nachweisen.

In Tschechien (BERAN & HORZÁK, 2007) wurde die Art verhältnismäßig häufig in Altarmen, Weihern im Überflutungsbereich von Flüssen, Kieskuhlen und Talsperren gefunden. Seltener in langsam fließenden Flüssen und Kanälen. Die Art konnte hier in Habitaten bis 552müNN nachgewiesen werden. BERAN & HORZÁK beobachteten, daß die Mützenschnecke das flache Wasser der Uferzonen bevorzugt. Hier konnte sie an den Blättern und Stängeln von Sumpf- und Wasserpflanzen (z.B. Phragmites, Typha, Glyceria, Nymphea, Nuphar), Holz, Fallaub oder Steinen gefunden werden.
STRZELEC (2005) stellte fest, daß Ferrissia in Polen bis zu seiner Untersuchung nur an teilweise verrotteten oder lebendem Rohrkolben (Typha latifolia) gefunden wurden, nicht jedoch an anderen Wasserpflanzen. In den von Ihm untersuchten, künstlichen Gewässern (Sand- und Kieskuhlen, durch Bergsenkung entstandene Gewässer, Talsperren) in Schlesien fand er Tiere auch auf sämtlichen anderen dort vorhandenen Substraten (Glyceria aquatica, algenbewachsene Steine, Laub, sonstige abgestorbene Pflanzen).
Nach Untersuchungen von ZETTLER (2000) in Mecklenburg-Vorpommern kommt Ferrissia sowohl in fließenden Gewässern wie Flüssen, Abflüssen von Seen und kanalisierten Gewässern sowie stehenden Gewässern wie Seen und Teichen vor. Sie teilte dabei sehr häufig das Habitat mit der ähnlichen Teichnapfschnecke (Acroloxus lacustris)
 

HADDERINGH et.al. (1987, s. Literatur) fand die Art in hohen Dichten im nordholländischen Bergumermeer im näheren Bereich eines Kühlwasserauslasses. Hier waren die Tiere auf verschiedensten Substraten (Steine, Pflanzen) und ohne erkennbare Präferenzen für geschützte oder exponierte Bereiche zu finden. In größerer Entfernung vom Kühlwasserauslaß, fand sich die Art in signifikant geringeren Abundanzen.

Beobachtungen von BLINN et.al. (1989 ) zufolge wurde F. fragilis in einem näher untersuchten Teich in Arizona/USA sommers ausschließlich an den Unterseiten der Teichrosenblätter (Nuphar luteum) gefunden. Andere Wasserpflanzen (Scirpus, Polygonum, Carex) wurde nicht besiedelt. Im Winter dagegen fand sich die Art auch an den faserigen Wurzeln von Carex senta.

Ein Habitat, in denen nach eigenen Beobachtungen Ferrissia fragilis im Freiland in Bremen gefunden wurde, ist unter folgendem Link kurz vorgestellt:
0015

 

Wasserwerte:

In Fließgewässern ist die Zerbrechliche Mützenschnecke nach ZETTLER (2000) aufgrund ihrer Toleranz gegenüber Verschmutzungen als Anzeiger eutrophierter Bereiche anzusehen. Nach GRABOW (2000) soll die Art zudem relativ unempfindlich gegenüber Sauerstoffmangel und hohen Temperaturen sein.

HADDERINGH et.al. (1987 ) untersuchte insbesondere den Einfluß künstlicher Wassererwärmung auf die Populationen in Bereichen zweier Kraftwerke in den Niederlanden. In den vom Kraftwerksbetrieb unbeeinflußten Habitaten schwankte die Wassertemperatur im Jahresverlauf zwischen 1,5 und 25,7°C (i.M. ~11°C). Im vom Kühlwasserstrom beeinflußten Bereichen schwankte die Wassertemperatur im Jahresverlauf zwischen 2,0 und 33,0°C (i.M. ~13,6 bzw. 18,4°C). An den erwärmten Stellen kam Ferrissia in deutlich höheren Abundanzen vor, jedoch schwankten die Populationsdichten extrem stark ohne, daß ein Zusammenhang hergestellt werden konnte. Andere von HADDERINGH et.al. an den beiden Standorten gemessene Wasserwerte (Jahresmittelwerte) sind: 8,9 - 12,4mg/l O2; pH 7,8-8,3; Leitfähigkeit 751-999µS/cm; 154-207mg Cl-/l; 62-80mg Ca2+/l.

Nach eigenen Beobachtungen konnte die Art im Freiland in einem Parkteich mit Schlammgrund, reichlich Fallaub und Totholz in Bremen mit folgenden Wasserwerten gefunden werden (24.09.2007): Wassertemperatur: 17°C; GH = 4°dH; KH = 3°dH; pH = 7; NH3/NH4 ~ 0,25mg/l; NO2 < 0,3mg/l; NO3 ~ 0mg/l

BLINN et.al. (1989 ) stellten im Rahmen ihrer oben erwähnten Untersuchung an F. fragilis im Zeitraum Mai-Sept. 1997 folgende Wasserwerte fest: 14 bis 19°C; 5,5 bis 7,4mg/l O2; pH 6,8 bis 7,2; 80 bis 90mg/l CaCO3; Leitfähigkeit 190µS/cm.

In Aquarien hält sich Ferrissia nach Angaben verschiedener user des Aquarienschnecken-Forums bei folgenden Wasserwerten: Wassertemperatur 18 ... 28°C, pH 6,5 ... 8; GH 4 ... 14°dH; KH 2 ... 12°dH; NO2 0mg/l bis Nitritpeaks noch einfahrender Aquarien; NO3 25-30mg/l. Die Unempfindlichkeit der Freilandpopulationen bestätigt sich somit auch bei Aquarientieren.

Bild

Fortpflanzung:

Die Mützenschnecken sind wie die übrigen heimischen Süßwasserlungenschnecken (Basommatophora) zwittrig angelegt. In der Zwitterdrüse (Glandula hermaphroditica) produziert jedes Tier sowohl Ei- wie auch Samenzellen.

Nach Beobachtungen von WAUTIER & TACHET (1973, in: VAN DER VELDE, 1991) können sich einzeln gehaltene Individuen durch Selbstbefruchtung fortpflanzen. Durch Sektion stellte WAUTIER dann 1977 fest, daß die Geschlechtsorgane bei nur 4% der Tiere vollständig ausgebildet sind - die übrigen sind aphallisch (der Penis fehlt). Die Art muß sich somit weit überwiegend durch Selbstbefruchtung fortpflanzen.

VAN DER VELDE (1991 ) beobachtete die Populationsdynamik und -struktur der Mützenschnecken in einem Teich bei Nijmegen/Niederlande. Hier konnte er -offensichtlich abhängig von der Wassertemperatur- die meisten Jungtiere in den Sommermonaten Juni bis August finden. Außer im März/ April konnten jedoch auch in anderen Monaten geringe Anzahlen Jungtiere gefunden werden. Einzelindividuen über 3,1mm traten nur in April - Juni auf.

Für Mitteleuropa nimmt VAN DER VELDE an, daß zwei Typen von Generationen auftreten: Ein langsam wachsender, kleiner bleibender und gering produktiver Typ, der den Winter meist am Gewässergrund überdauert. Und ein ungleich produktiverer mit unbekannter Anzahl von Generationen im Sommer.

JOKINEN (1985) beobachtete in Connecticut, USA, daß bei Ferrissia fragilis 3 Generationen / Jahr auftreten.

HERMAN & DILLON (2007) stellten bei in South Carolina aus der Natur entnommenen und im Labor gehaltenen Tieren fest, daß sie bereits nach 3-4 Wochen geschlechtsreif sind. Die fertig entwickelten Jungtiere schlüpften bereits nach einer Woche. Es kann somit angenommen werden, daß F. fragilis unter günstigen Bedingungen eine Vielzahl von Generationen/Jahr hervorbringen kann. HERMAN & DILLON konnten mit molekulargenetischen Methoden darüberhinaus nachweisen, daß sich die Art überwiegend durch Selbstbefruchtung fortpflanzt.

Die sehr flachen, transparent-gallertigen Laichkapseln sind rundlich mit einem transparenten Saum. Die Laichkapseln mit einem Durchmesser von ~1mm enthalten jeweils nur ein einziges Ei. Aufgrund ihrer geringen Größe und Farblosigkeit werden sie (außer an Aquarienscheiben) kaum wahrgenommen. Hier ist jedoch zu beobachten, wie sich aus dem zunächst winzigem, weißlichem Ei das grau-weißliche Jungtier mit seiner Embryonalschale entwickelt. Kurz vor dem Schlupf füllt das Jungtier den gesamten Innenraum der Eikapsel aus. Frisch geschlüpfte Jungtiere haben eine Schalenlänge von etwa 0,6mm.

Lebensdauer:

Zur erreichbaren Lebensdauer der Zerbrechlichen Mützenschnecke F. fragilis liegen der Redaktion z.Zt. leider keine spezifischen Daten vor.

Für die verwandte Art Ferrissia rivularis (SAY, 1817) beobachtete A.J. BURKY 1971 in zwei verschiedenen Gewässern im Staat New York, USA erhebliche Unterschiede: In einem eutrophen Gewässer wuchsen die Tiere im Sommer rasch heran, wurden aber nicht älter als 3 Monate. Überwinternde Tiere wurden hier bis 11 Monate alt. Im weniger produktivem Gewässer erreichte F. rivularis eine Lebensdauer von 13 Monaten. Die Lebensdauer ist somit in Abhängigkeit von Temperatur und Nahrungsangebot äußerst variabel.

Nahrung:

Die Mützenschnecken ernähren sich als Weidegänger in der Natur von Diatomeen und anderen Algenbelägen.

BLINN et.al. (1989 ) untersuchten die Ernährungsökologie der Ferrissia fragilis in einem Teich in Arizona/USA detailliert: Sie konnten zeigen, daß die Tiere selektiv kleinzellige und kurzrasig wachsende Diatomeenarten bevorzugen. Im Verhältnis zu den im Habitat vorgefundenen Anteilen des Aufwuchses an der Unterseite von Teichrosenblättern (Nuphar luteum) bildenden Algenarten wurde diese gegenüber langkettig wachsenden, oder großzelligen Diatomeen sowie fädigen Grünalgen signifikant bevorzugt. Diese größeren Algenarten werden bei der Fortbewegung vom dicht am Substrat liegenden Gehäuserand beiseite geschoben oder abgerissen. Vermutlich könnte die kleine Ferrissia diese "großen" Algen auch nicht mit ihrer angepaßten Radula aufnehmen.

Im Aquarium benotigen die Mützenschnecken nach Beobachtungen von usern des Aquarienschnecken-Forums (s. weblinks: Aquarienschnecken-Forum) keine besondere Fütterung. Sie lassen sich auch nicht mit eingebrachtem Futter (z.B. Fischfutter, Gemüse) anlocken. Die Tiere begnügen sich mit dem Abweiden von Belägen an Aquarienscheiben und Wasserpflanzen. Die Wasserpflanzen selbst werden nicht angefressen. Interessanterweise wurde mehrfach beobachtet, daß sie Hydra anfressen - zum Vernichten von Hydra im Aquarium sind sie indes nicht ausreichend effektiv.

Gelege und Cyclops
Gelege

Verhalten:

Nach Beobachtungen von VAN DER VELDE (1991) halten die Mützenschnecken in Mitteleuropa keine Winterruhe / sind ganzjährig aktiv. In natürlichen Gewässern verlassen die überwinternden Tiere zumindest teilweise das Flachwasser und sind dann auch auf Substraten der Gewässersohle zu finden.

Im Aquarium sieht man die winzigen Mützenschnecken meist nur an der Aquarienscheibe herumkriechen. Bei genauerer Beobachtung sind sie auch an Einrichtungsgegenständen (Steine, Holz) sowie an Stängeln und Blättern verschiedener Wasserpflanzen zu entdecken. Nicht jedoch an der Wasseroberfläche hängend beim Fressen der Kahmhaut oder oberhalb des Wasserspiegels. Die Ferrissia zeigen keine Präferenzen für stärker durchströmte oder strömungslose Aquarienbereiche.

Vergesellschaftung im Freiland:

S
TRZELEC (2005) stellte fest, daß Ferrissia bis zu seiner eigenen Untersuchung im Freiland Polens stets mit Gyraulus albus und Radix peregra vergesellschaftet gefunden wurde; häufig auch mit Segmentina nitida und Lymnaea stagnalis. In den von ihm untersuchten Gewässern Schlesiens fand er ein deutlich größeres Spektrum an weiteren Arten, das i.W. von der Art des Biotopes abhängig war.

 

Haltung und Vergesellschaftung im Aquarium

Die Mützenschnecken lassen sich dauerhaft in Warmwasseraquarien oder im ungeheizten Becken bei Zimmertemperatur halten. Es ist dabei unerheblich, ob die Aquarien komplett techniklos, nur mit Sprudelstein oder irgendwie gefiltert betrieben werden.

Sie vermehren sich im Aquiarium kontinuierlich, jedoch nur in frisch eingerichteten oder bei Überfüttertung mit entsprechend folgendem Algenwuchs übermäßig. In Vergesellschaftung mit Flußkrebsen, Fadenfischen oder LG6 reduziert sich die sichtbare Anzahl der Schnecken schnell - einzelne Tiere bleiben dennoch meist übrig. Gemeinsame Haltung mit den meisten Fischarten (z.B. Cordyoras, L147, Betta, ...) und/oder Schnecken (z.B. Kronen-, Apfel-, Posthorn-, Schlamm-, Kahn-, Sumpfdeckelschnecken, Brotia) oder Zwergarnelen ist unproblematisch für die Ferrissia.

Tödlich für den Bestand der Mützenschnecken im Aquarium sind Behandlungen mit Schnecktol® und Flubenol®.

Sonstiges:

Ferrissia sp. wird z.Zt. noch auf den Roten Listen einiger deutscher und österreichischer Bundesländer geführt. Die Aufstellung dieser Roten Listen erfolgte zu einem Zeitpunkt, als noch allgemein angenommen wurde, daß die Mützenschnecke eine aufgrund ihrer Kleinheit bisher nur übersehene, europäische Art ist. Eine Einstufung in Gefährdungskategorien einer Rote Liste ist jedoch für eingeschleppte Arten grundsätzlich nicht zu vertreten.

 

ferrissia wautieri

Literatur:

ALBRECHT, C. & KUHN, K. & STREIT, B. (2007): A molecular phylogeny of Planorboidea (Gastropoda, Pulmonata): Insights from enhanced taxon sampling. Zoologica Scripta, 36: 1, January 2007, pp. 27–39.
[Phylogenie (=Verwandschaftsbeziehungen) der Planorboidea]

BANK, R.A. & FALKNER, G. & VON PROSCHWITZ, T. (2007): Clecom-Projekt. A revised checklist of the non-marine Mollusca of Britain and Ireland. Heldia Vol. 5, Part 3, pp. 41-72. ISSN 0176-2621.

BLINN, W. & TRUITT, R.E. & PICKART, A. (1989): Feeding Ecology and Radular Morphology of the Freshwater Limpet Ferrissia fragilis. Journal of the North American Benthological Society, Vol. 8, No. 3 (Sep., 1989), pp. 237-242.                                    [Ernährungsbiologie und Radulaform von Ferrissia fragilis]

GLÖER, P. (2002): Süßwassermollusken Nord und Mitteleuropas. Bestimmungsschlüssel, Lebensweise, Verbreitung. In: Die Tierwelt Deutschlands. Conchbooks, Hackenheim. ISBN 3-925919-60-0.                                                                             [Angaben zu Merkmalen, Verbreitung usw.]

GLÖER, P & MEIER-BROOK,C. (2003): Süßwassermollusken. Ein Bestimmungsschlüssel für die Bundesrepublik Deutschland. Deutscher Jugendbund für Naturbeobachtung, Hamburg. ISBN 3-923376-02-2.                                                                      [Angaben zu Merkmalen, Verbreitungskarte für Deutschland]

GRABOW, K. (2000): Farbatlas Süßwasserfauna – Wirbellose. Eugen Ulmer GmbH & Co., Stuttgart. ISBN 3-8001-3145-5.        [kurze Artbeschreibung u.a. auch mit Angaben zu Habitatansprüchen und Reproduktionsbiologie]

HADDERINGH, R.H. & VAN DER VELDE, G. & SCHNABEL P.G. (1987): The effect of heated effluent on the occurrence and the reproduction of the freshwater limpets Ancylus fluviatilis MÜLLER, 1774, Ferrissia wautieri (MIROLLI, 1960) and Acroloxus lacustris (L., 1758) in two Dutch water bodies. Aquatic Ecology, Vol. 21, No. 2, pp. 193-205.                                                 [Einfluß künstlicher Wassererwärmung auf A. fluviatilis, F. fragilis und A. lacustris]

VAN DER VELDE, G. (1991): Population dynamics and population structure of Ferrissia wautieri (MIROLLI, 1960) (Gastropoda, Ancylidae) in a pond near Nijmegen (The Netherlands). Aquatic Ecology, Vol. 24, No. 2, pp. 141-144.                                   [Untersuchung der Populationsdynamik von F. fragilis in einem Teich]

 

weblinks:

Aquarienschnecken-Forum.de:
[thread zur Haltung und Vergesellschaftung im Aquarium]
[thread zur Unterscheidung der Ferrissia von Acroloxus; Beobachtungen aus Haltung im Aquarium]
Mützenschnecke (Ferrissia): Aufruf zur Mithilfe bei der Bestimmung

Atlasproject Nederlandse Mollusken (ANM): Ferrissia wautieri (MIROLLI, 1960) Smurfslak.                                                   [Verbreitungskarte der Niederlande]

BERAN, L. & HORZÁK, M. (2007): Distribution of the alien freshwater snail Ferrissia fragilis (TRYON, 1863) (Gastropoda: Planorbidae) in the Czech Republic.                                                                                                                                 [Verbreitung und Habitatansprüche der Art in Tschechien]

Canadian Biodiversity Web Site: Canada&acute;s Species Molluscs. Oval Lake-Limpet Ferrissia fragilis.                               [Verbreitungskarte für Kanada]

CIOBOIU, O. (2003) :Diversity of Gastropoda in the Romanian sector of the Danube lower hydrographic basin                 [Darstellung der Vorkommen in Rumänien auf Flußgebietsniveau]"

Deutsche Malakozoologische Gesellschaft (Red.: WIESE, V., Stand: 02/2008): Molluscs of Central Europe – Nomenklaturliste.[Systematik europäischer Mollusken – auch mit deutschen Namen; lat. Artname noch nicht aktualisiert]
 

hydrographic basin.                                                                                                                                                        [Darstellung der Vorkommen in Rumänien auf Flußgebietsniveau]

DILLON, R.T.jr.: Freshwater Gastropods of North America. Ferrissia fragilis (TRYON 1863).                                                                   [Bild, Angaben zur Ökologie, Verbreitungskarten von North Carolina, South Carolina und Georgia]

Fauna Europaea                                                                                                                                                             [europäische Systematik, Hinweise zur Verbreitung von Ferrissia (Pettancylus) clessiana]

GLÖER, P. & ZETTLER, M. L. (2005):Kommentierte Artenliste der Süßwassermollusken Deutschlands. Malak. Abh. 23: 3-26.[beispielhafter Kommentar zur Nomenklatur der europäischen Ferrissia]

KNOBLAUCH, M. (2009): Aqua-Alien.
[Video einer Ferrissia beim Futtern (durchs Mikroskop von unten betrachtet)]

National Biodiversity Network: Grid map of records on the Gateway for Wautier´s limpet (Ferrissia wautieri).
[Datenbank-basierte Verbreitungskarten der Britischen Inseln]

NatureServe.org: Ferrissia fragilis - (Tryon, 1863) Fragile Ancylid.
[Verbreitung in Nordamerika]

RIEDEL, F. & RÖPSTORF, P. & KLUTE, J. & BANDEL, K. & ALADIN, N. (2001): Gastropods from the Volga delta: a systematic and biogeographic review. In: SALVINI-PLAWEN, L. & VOLTZOW, J. & SATTMANN, H. & STEINER, G. (eds., 2001): Abstracts, World Congress of Malacology 2001, Vienna, Austria. Unitas Malacologica, 2001.
[Kurzfassung des Vortrages über Mollusken des Wolgadeltas]

SON, M.O. (2007): North American freshwater limpet Ferrissia fragilis (TRYON, 1863) (Gastropoda: Planorbidae) – a cryptic invader in the Northern Black Sea Region.                                                                                                                         [Korrekturen zur Herkunft, Namensgebung. Beschreibung der Vorkommen in der Ukraine]

STRZELEC, M. (2005): The settlement of anthropogenic water-bodies of Silesia by Ferrissia clessiniana (Jickeli). Malacologica Bohemoslovaca ISSN 1336-6939, Vol. 4, pp. 5-9.
[über die jüngste Besiedlung künstlicher Gewässer in Schlesien durch Ferrissia fragilis]

TOMASZEWSKI, D.: (szare i ślimacze) MYDŁO I POWIDŁO, czyli PRZYTULIK WAUTIERA
[REM- Bilder des Gehäuses, Text in polnisch]

WALTHER, A.C. & LEE, T. & BURCH, J.B. & Ó FOIGHIL, D. (2006): Confirmation that the North American ancylid Ferrissia fragilis (TRYON, 1863) is a cryptic invader of European and East Asian freshwater ecosystems. J. Mollus. Stud. 72: 318-321.
[Feststellung für eine mitteleuropäische Stichprobe, daß F. wautieri wohl Synonym von F. fragilis ist und F. clessiana eine unrichtiger Bestimmung darstellt]

WIESE, V: (1991): Atlas der Land- und Süßwassermollusken in Schleswig-Holstein. Landesamt für Naturschutz und Landschaftspflege Schleswig-Holstein. ISBN 3-923339-40-2.

[Verbreitungskarte von Schleswig-Holstein. Gehäusezeichnung, kurze Angaben zu Vorkommen, Hinweis auf häufige Funde an Aquarienpflanzen]

YILDIRIM, M. Z. & GÜMÜZ, B. A. & KEBAPÇI, Ü. & KOCA, S. B. (2006): The Basommatophoran Pulmonate Species (Mollusca: Gastropoda) of Turkey. Turk J Zool 30: 445-458.                                                                                                                [Angaben über die Verbreitung der Pulmonata in der Türkei, in englisch]

ZETTLER, M.L. (1997): Zur Verbreitung von Ferrissia wautieri (MIROLLI, 1960) (Gastropoda: Ancylidae) in Mecklenburg-Vorpommern. Mitteilungen der Deutschen Malakozoologischen Gesellschaft 60: 41-44.                                                        [Verbreitung von Ferrissia wautieri in Mecklenburg-Vorpommern]

 

ZETTLER, M. L. (2000): Bewertung des ökologischen Zustandes von Fließgewässern in Mecklenburg-Vorpommern über die Malakofauna als Indikatororganismen. Natur und Naturschutz in Mecklenburg-Vorpommern. 35: 3-36.                                    [Angaben zu Habitaten und Verbreitung der Art auf Seite 16]

 

 internationale Trivialnamen für die Suchmaschinen:
englisch: Wautier´s limpet
holländisch: Smurfslak
schwedisch: Orientalisk hättesnäcka
tschechisch: člunka pravohrotá = jezernice pravohrotá
US-amerikanisch: Fragile Ancylid = Oval Lake Limpet

 

Autor: schneckli

Seite aktualisiert:14.10.09

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