test0202

Ferrissia (Pettancylus) wautieri (MIROLLI 1960) – Septenmützenschnecke

Ferrissia wautieri

Klasse: Gastropoda (CUVIER 1795) – Schnecken

Unterklasse: Pulmonata (CUVIER 1814) – Lungenschnecken

Überordnung: Basommatophora (KEFERSTEIN 1864) – Süßwasserlungenschnecken

Ordnung: Hygrophila (A. FÉRUSSAC 1822)

Unterordnung: Branchiopulmonata (MORTON 1855)

Infraordnung: Planorboinei (H. NORDSIECK 1993)

Überfamilie: Planorboidea (GRAY 1840)

Familie: Planorbidae (GRAY 1840) – Tellerschnecken

Gattung: Ferrissia (WALKER 1903) – Septenmützenschnecken

Untergattung: Pettancylus (IREDALE 1943)

Art: Ferrissia (Pettancylus) wautieri (MIROLLI 1960) – Septenmützenschnecke

vorab dieser Artbeschreibung ein Hinweis zur Taxonomie:

Seit ihrer Entdeckung in Europa wurde die auf dieser Seite vorgestellte Art Ferrissia wautieri von europäischen Malakologen mehrfach als neue Art beschrieben oder bereits bekannten Arten zugeordnet. Durch unterschiedliche Ansätze begründet wurden verschiedene Theorien zu ihrer Artzugehörigkeit und Herkunft aufgebaut, die an dieser Stelle nicht alle aufgezählt werden können. Beispielhaft für die nomenklaturische Verwirrung wird auf die Anmerkungen in GLÖER & ZETTLER (2005), BERAN & HORZÁK (2007), SON (2007) und BANK et.al. (2007) verwiesen. Aufgrund einer molekulargenetischen Untersuchung durch WALTHER et.al. (2006) gibt es nun deutliche Hinweise darauf, daß es sich zumindest bei den mitteleuropäischen Tieren, die aktuell als Ferrissia wautieri (MIROLLI 1960) oder Ferrissia clessiana (JICKELI 1882) bezeichnet werden, um die in Nordamerika beheimatete Ferrissia fragilis (TYRON 1863) handeln dürfte. Weil bisher nur eine sehr kleine Stichprobe untersucht worden ist, empfehlen derzeit führende europäische Taxonomen den Artnamen wautieri zunächst noch provisorisch weiterzuführen - obwohl er sich wahrscheinlich als unzutreffend herausstellen wird. Aktuell werden nähere molekulargenetische Untersuchungen zur endgültigen Klärung der Artzugehörigkeit, insbesondere auch der südeuropäischen Populationen der Ferrissia durchgeführt.

Zur Recherche für diese Seite wurden i.W. die europäische Quellen herangezogen. Ergänzend wurden einzelne amerikanische Quellen, die explizit auf die F. fragilis bezogen sind, berücksichtigt. Informationen aus letzteren Quellen sind in der folgenden Artbeschreibung durch diegrüne Textfarbe hervorgehoben.

Ferrissia wautieri
Ferrissia wautieri

Beschreibung:

Die flach-schildförmigen Gehäuse der Septenmützenschnecke sind sehr dünnwandig und durchscheinend. Sie werden bis 1mm hoch, 1,5mm breit und 3,2mm lang (nach VAN DER VELDE bis max. 3,9mm). Der abgerundete Apex ist nach hinten rechts gereichtet. Die lang-eiförmige Mündung ist nach hinten leicht verschmälert.

Bei ungünstigen Umweltbedingungen kann die Art die hinteren 2/3 der Mündung mit einer Zwischenwand (Septum) verschließen. Nach RICHARDOT 1977 (in: VAN DER VELDE, 2000) wird die Bildung des Septums durch hohe Wassertemperatur und Tageslänge sowie ungünstige Wasserwerte (insb. Sauerstoffmangel) ausgelöst. Diese Faktoren treten z.B. in langsam austrocknenden Kleingewässern auf. Bei sich wieder bessernden Umweltbedingungen setzt das weitere Schalenwachstum am Septum neu an. Tiere in konstant günstigen Habitaten bilden kein Septum aus.

Ferrissia im Schlafrock

Bis auf feine, konzentrische Zuwachslinien ist das Gehäuse glatt und einfarbig hellgraugrau bis transparent. Typisch für die Arten der Gattung Ferrissia ist eine strahlenförmig vom Apex ausgehende Feinstruktur auf dem Embryonalschälchen. Deutlich sichtbar wird die Feinstruktur allerdings erst durch Betrachtung mit einem Rasterelektronenmikroskop (s. weblinks: TOMASZEWSKI).

Das Tier selbst ragt nicht unter dem Gehäuserand hervor und ist somit nur von unten, z.B. an einer Aquarienscheibe oder aber beim Überwinden von Hindernissen zu sehen. Der Fuß des Tieres ist vorn meist etwas breiter als hinten gerundet. Der Kopf setzt in der Breite entsprechend dem Fuß an und ist vorn gleichmäßig gerundet. An der Basis der kurzen, stiftförmigen Fühler sitzen die Augen.

Der Körper des Tieres ist einfarbig schwach hellgrau pigmentiert, teilweise auch rosa durchscheinend. Im hinteren rechten Bereich ist manchmal der gefüllte Magen als dunkler Fleck zu erkennen.

Ferrissia wautieri

ähnliche Arten:

Jungtiere der Teichnapfschnecke (Acroloxus lacustris), die sehr ähnliche Habitate bevorzugt, können mit der Septenmützenschnecke verwechselt werden. Mit einer Lupe ist jedoch zu erkennen, daß der spitze (!) Apex der Acroloxus im Gegensatz zur Ferrissia nach hinten links gebogen ist. Auch die Fühler und Gelege der beiden Arten unterscheiden sich eindeutig.

Auch junge Flußnapfschnecken (Ancylus fluviatlis)können auf den ersten Blick für Septenmützenschnecken gehalten werden. Der Apex der Flußnapfschnecke ist jedoch verhältnismäßig deutlich erhobener, die Mündung meist rundlicher. Die Fühler, Gelege und üblichen Habitatasprüche sind verschieden.

Verbreitung, natürliches Habitat:

Die Septenmützenschnecke ist erst seit jüngerer Zeit in Europa bekannt. Von den zunächst nur sehr zerstreuten Vorkommen scheint sich die Art allmählich (besonders in den Tiefländern) flächendeckend auszubreiten. Bisher sind der Redaktion Vorkommen aus folgenden Ländern Europas bekannt:

Schweden (1998), Lettland, Polen (seit 1986, in Schlesien), Tschechien (seit 1942; zersteut; s. weblinks BERAN & HORZÁK), Slowakei (südl. des Mittellaufs der Gran), Österreich, Ungarn, Slovenien, Albanien, Griechenland (Festland, Ägäische Inseln), Bulgarien, Rumänien (verbreitet außer im Osten; s. weblinks: CIOBOIU 2003), Ukraine (möglicherweise schon seit 1925 auf der Krim/ sicher seit 2002 am Djnestr; s. weblinks: SON 2007), Türkei (versch. Regionen; s. weblinks: YILDIRIM et.al.),

Britische Inseln (seit 1977; zerstreut, nicht in Irland; s. weblinks: National Biodiversity Network), Niederlande (verbreitet; s. weblinks: Atlasproject Nederlandse Mollusken), Belgien, Luxemburg (im Südosten), Schweiz (seit 1957; zerstreut im Tief- und Mittelland), Frankreich (Festland, Korsika), Portugal (Azoren), Spanien (z.B. Extremadura), Italien (Festland, Sardinien).

In Deutschland wurde die Art erstmals in den 1940er Jahren in Aquarien gefunden. Die ersten Freilandfunde wurden ab 1952 in der Elbe, Stecknitz und Berlin gemeldet. Durch Überprüfung von Sammlungsmaterial am Senckenberg-Institut konnte KINZELBACH (1984) die ersten Freilandfunde für 1930 nachweisen (in: ZETTLER 1997). Die Septenmützenschnecke kommt in Deutschland mittlerweile allgemein zerstreut vor.

Sofern sich bestätigen sollte, daß die europäische Art gleich der nordamerikanischen Art Ferrissia fragilis ist, sei hier erwähnt, daß sich deren Heimat über weite Teile der USA (s. weblinks: NatureServe.org) bis in den Süden Kanadas (s. weblinks: Canadian Biodiversity Web Site) erstreckt.

Mit molekularbiologischen Methoden konnten WALTHER et.al. (2006, s. weblinks) F. fragilis auch für die Philippinen und Taiwan nachweisen.

Eine bisher noch nicht bestimmte Art der Ferrissia wird nicht selten mit Wasserpflanzen in Aquarien eingeschleppt.

In Tschechien (s. weblinks: BERAN & HORZÁK, 2007) wurde die Art verhältnismäßig häufig in Altarmen, Weihern im Überflutungsbereich von Flüssen, Kieskuhlen und Talsperren gefunden. Seltener in langsam fließenden Flüssen und Kanälen. Die Art konnte hier in Habitaten bis 552müNN nachgewiesen werden.

BERAN & HORZÁK beobachteten, daß die Septenmützenschnecke das flache Wasser der Uferzonen bevorzugt. Hier konnte sie an den Blättern und Stängeln von Sumpf- und Wasserpflanzen (z.B. Phragmites, Typha, Glyceria, Nymphea, Nuphar), Holz, Fallaub oder Steinen gefunden werden.

Nach Untersuchungen von ZETTLER (2000, s. weblinks) in Mecklenburg-Vorpommern kommt Ferrissia sowohl in fließenden Gewässern wie Flüssen, Abflüssen von Seen und kanalisierten Gewässern sowie stehenden Gewässern wie Seen und Teichen vor. Sie teilte dabei sehr häufig das Habitat mit der ähnlichen Teichnapfschnecke (Acroloxus lacustris) .

HADDERINGH et.al. (1987, s. Literatur) fand die Art in hohen Dichten im nordholländischen Bergumermeer im näheren Bereich eines Kühlwasserauslasses. Hier waren die Tiere auf verschiedensten Substraten (Steine, Pflanzen) und ohne erkennbare Präferenzen für geschützte oder exponierte Bereiche zu finden. In größerer Entfernung vom Kühlwasserauslaß, fand sich die Art in signifikant geringeren Abundanzen.

Beobachtungen von BLINN et.al. (1989, s. Literatur) zufolge wurde F. fragilis in einem näher untersuchten Teich in Arizona/USA sommers ausschließlich an den Unterseiten der Teichrosenblätter (Nuphar luteum) gefunden. Andere Wasserpflanzen (Scirpus, Polygonum, Carex) wurde nicht besiedelt. Im Winter dagegen fand sich die Art auch an den faserigen Wurzeln von Carex senta.

Wasserwerte:

In Fließgewässern ist die Septenmützenschnecke nach ZETTLER (2000) aufgrund ihrer Toleranz gegenüber Verschmutzungen als Anzeiger eutrophierter Bereiche anzusehen. Nach GRABOW (2000) soll die Art zudem relativ unempfindlich gegenüber Sauerstoffmangel und hohen Temperaturen sein.

HADDERINGH et.al. (1987, s. Literatur) untersuchte insbesondere den Einfluß künstlicher Wassererwärmung auf die Populationen in Bereichen zweier Kraftwerke in den Niederlanden. In den vom Kraftwerksbetrieb unbeeinflußten Habitaten schwankte die Wassertemperatur im Jahresverlauf zwischen 1,5 und 25,7°C (i.M. ~11°C). Im vom Kühlwasserstrom beeinflußten Bereichen schwankte die Wassertemperatur im Jahresverlauf zwischen 2,0 und 33,0°C (i.M. ~13,6 bzw. 18,4°C). An den erwärmten Stellen kam Ferrissia in deutlich höheren Abundanzen vor, jedoch schwankten die Populationsdichten extrem stark ohne, daß ein Zusammenhang hergestellt werden konnte. Andere von HADDERINGH et.al. an den beiden Standorten gemessene Wasserwerte (Jahresmittelwerte) sind: 8,9 - 12,4mg/l O2; pH 7,8-8,3; Leitfähigkeit 751-999µS/cm; 154-207mg Cl-/l; 62-80mg Ca2+/l.

Nach eigenen Beobachtungen konnte die Art im Freiland in einem Parkteich mit Schlammgrund, reichlich Fallaub und Totholz in Bremen mit folgenden Wasserwerten gefunden werden (24.09.2007): Wassertemperatur: 17°C; GH = 4°dH; KH = 3°dH; pH = 7; NH3/NH4 ~ 0,25mg/l; NO2 < 0,3mg/l; NO3 ~ 0mg/l

BLINN et.al. (1989, s. Literatur) stellten im Rahmen ihrer oben erwähnten Untersuchung an F. fragilis im Zeitraum Mai-Sept. 1997 folgende Wasserwerte fest: 14 bis 19°C; 5,5 bis 7,4mg/l O2; pH 6,8 bis 7,2; 80 bis 90mg/l CaCO3; Leitfähigkeit 190µS/cm.

In Aquarien hält sich Ferrissia nach Angaben verschiedener user des Aquarienschnecken-Forums (s. weblinks) bei folgenden Wasserwerten: Wassertemperatur 18 ... 28°C, pH 6,5 ... 8; GH 4 ... 14°dH; KH 2 ... 12°dH; NO2 0mg/l bis Nitritpeaks noch einfahrender Aquarien; NO3 25-30mg/l. Die Unempfindlichkeit der Freilandpopulationen bestätigt sich somit auch bei Aquarientieren.

Bild

Fortpflanzung:

Die Septenmützenschnecken sind wie die übrigen heimischen Süßwasserlungenschnecken (Basommatophora) zwittrig angelegt. In der Zwitterdrüse (Glandula hermaphroditica) produziert jedes Tier sowohl Ei- wie auch Samenzellen.

Nach Beobachtungen von WAUTIER & TACHET (1973, in: VAN DER VELDE, 1991) können sich einzeln gehaltene Individuen durch Selbstbefruchtung fortpflanzen. Durch Sektion stellte WAUTIER dann 1977 fest, daß die Geschlechtsorgane bei nur 4% der Tiere vollständig ausgebildet sind - die übrigen sind aphallisch (der Penis fehlt). Die Art muß sich somit weit überwiegend durch Selbstbefruchtung fortpflanzen.

VAN DER VELDE (1991, s. Literatur) beobachtete die Populationsdynamik und -struktur der Septenmützenschnecken in einem Teich bei Nijmegen/Niederlande. Hier konnte er -offensichtlich abhängig von der Wassertemperatur- die meisten Jungtiere in den Sommermonaten Juni bis August finden. Außer im März/ April konnten jedoch auch in anderen Monaten geringe Anzahlen Jungtiere gefunden werden. Einzelindividuen über 3,1mm traten nur in April - Juni auf.

Für Mitteleuropa nimmt VAN DER VELDE an, daß zwei Typen von Generationen auftreten: Ein langsam wachsender, kleiner bleibender und gering produktiver Typ, der den Winter meist am Gewässergrund überdauert. Und ein ungleich produktiverer mit unbekannter Anzahl von Generationen im Sommer.

JOKINEN (1985) beobachtete in Connecticut, USA, daß bei Ferrissia fragilis 3 Generationen / Jahr auftreten.

HERMAN & DILLON (2007) stellten bei in South Carolina aus der Natur entnommenen und im Labor gehaltenen Tieren fest, daß sie bereits nach 3-4 Wochen geschlechtsreif sind. Die fertig entwickelten Jungtiere schlüpften bereits nach einer Woche. Es kann somit angenommen werden, daß F. fragilis unter günstigen Bedingungen eine Vielzahl von Generationen/Jahr hervorbringen kann. HERMAN & DILLON konnten mit molekulargenetischen Methoden darüberhinaus nachweisen, daß sich die Art überwiegend durch Selbstbefruchtung fortpflanzt.

Die sehr flachen, transparent-gallertigen Laichkapseln sind rundlich mit einem transparenten Saum. Die Laichkapseln mit einem Durchmesser von ~1mm enthalten jeweils nur ein einziges Ei. Aufgrund ihrer geringen Größe und Farblosigkeit werden sie (außer an Aquarienscheiben) kaum wahrgenommen. Hier ist jedoch zu beobachten, wie sich aus dem zunächst winzigem, weißlichem Ei das grau-weißliche Jungtier mit seiner Embryonalschale entwickelt. Kurz vor dem Schlupf füllt das Jungtier den gesamten Innenraum der Eikapsel aus. Frisch geschlüpfte Jungtiere haben eine Schalenlänge von etwa 0,6mm.

Gelege und Cyclops
Gelege

Lebensdauer:

Zur erreichbaren Lebensdauer der Septenmützenschnecke F. wautieri liegen der Redaktion z.Zt. leider keine spezifischen Daten vor.

Für die verwandte Art Ferrissia rivularis (SAY, 1817) beobachtete A.J. BURKY 1971 in zwei verschiedenen Gewässern im Staat New York, USA erhebliche Unterschiede: In einem eutrophen Gewässer wuchsen die Tiere im Sommer rasch heran, wurden aber nicht älter als 3 Monate. Überwinternde Tiere wurden hier bis 11 Monate alt. Im weniger produktivem Gewässer erreichte F. rivularis eine Lebensdauer von 13 Monaten. Die Lebensdauer ist somit in Abhängigkeit von Temperatur und Nahrungsangebot äußerst variabel.

Nahrung:

Die Septenmützenschnecken ernähren sich als Weidegänger in der Natur von Diatomeen und anderen Algenbelägen.

BLINN et.al. (1989, s. Literatur) untersuchten die Ernährungsökologie der Ferrissia fragilis in einem Teich in Arizona/USA detailliert: Sie konnten zeigen, daß die Tiere selektiv kleinzellige und kurzrasig wachsende Diatomeenarten bevorzugen. Im Verhältnis zu den im Habitat vorgefundenen Anteilen des Aufwuchses an der Unterseite von Teichrosenblättern (Nuphar luteum) bildenden Algenarten wurde diese gegenüber langkettig wachsenden, oder großzelligen Diatomeen sowie fädigen Grünalgen signifikant bevorzugt. Diese größeren Algenarten werden bei der Fortbewegung vom dicht am Substrat liegenden Gehäuserand beiseite geschoben oder abgerissen. Vermutlich könnte die kleine Ferrissia diese "großen" Algen auch nicht mit ihrer angepaßten Radula aufnehmen.

Im Aquarium benotigen die Septenmützenschnecken nach Beobachtungen von usern des Aquarienschnecken-Forums (s. weblinks: Aquarienschnecken-Forum) keine besondere Fütterung. Sie lassen sich auch nicht mit eingebrachtem Futter (z.B. Fischfutter, Gemüse) anlocken. Die Tiere begnügen sich mit dem Abweiden von Belägen an Aquarienscheiben und Wasserpflanzen. Die Wasserpflanzen selbst werden nicht angefressen. Interessanterweise wurde mehrfach beobachtet, daß sie Hydra anfressen - zum Vernichten von Hydra im Aquarium sind sie indes nicht ausreichend effektiv.

Verhalten:

Nach Beobachtungen von VAN DER VELDE (1991, s. Literatur) halten die Septenmützenschnecken in Mitteleuropa keine Winterruhe / sind ganzjährig aktiv. In natürlichen Gewässern verlassen die überwinternden Tiere zumindest teilweise das Flachwasser und sind dann auch auf Substraten der Gewässersohle zu finden.

Im Aquarium sieht man die winzigen Septenmützenschnecken meist nur an der Aquarienscheibe herumkriechen. Bei genauerer Beobachtung sind sie auch an Einrichtungsgegenständen (Steine, Holz) sowie an Stängeln und Blättern verschiedener Wasserpflanzen zu entdecken. Nicht jedoch an der Wasseroberfläche hängend beim Fressen der Kahmhaut oder oberhalb des Wasserspiegels. Die Ferrissia zeigen keine Präferenzen für stärker durchströmte oder strömungslose Aquarienbereiche.

Haltung und Vergesellschaftung im Aquarium

Die Mützenschnecken lassen sich dauerhaft in Warmwasseraquarien oder im ungeheizten Becken bei Zimmertemperatur halten. Es ist dabei unerheblich, ob die Aquarien komplett techniklos, nur mit Sprudelstein oder irgendwie gefiltert betrieben werden.

Sie vermehren sich im Aquiarium kontinuierlich, jedoch nur in frisch eingerichteten oder bei Überfüttertung mit entsprechend folgendem Algenwuchs übermäßig. In Vergesellschaftung mit Flußkrebsen, Fadenfischen oder LG6 reduziert sich die sichtbare Anzahl der Schnecken schnell - einzelne Tiere bleiben dennoch meist übrig. Gemeinsame Haltung mit den meisten Fischarten (z.B. Cordyoras, L147, Betta, ...) und/oder Schnecken (z.B. Turmdeckel-, Apfel-, Posthorn-, Schlamm-, Kahn-, Sumpfdeckelschnecken, Brotia) oder Zwergarnelen ist unproblematisch für die Ferrissia.

Tödlich für den Bestand der Mützenschnecken im Aquarium sind Behandlungen mit Schnecktol® und Flubenol®.

ferrissia wautieri

Sonstiges:

Die Septenmützenschnecke wird z.Zt. noch auf den Roten Listen einiger deutscher und österreichischer Bundesländer geführt. Die Aufstellung dieser Roten Listen erfolgte zu einem Zeitpunkt, als noch allgemein angenommen wurde, daß die Mützenschnecke eine aufgrund ihrer Kleinheit bisher nur übersehene, europäische Art ist. Sollte sich bestätigen, daß es sich bei F. wautieri um eine eingeschleppte Art (z.B. F. fragilis) handelt, wäre dies mit einer Einstufung in Gefährdungskategorien einer Rote Liste grundsätzlich unvereinbar.

Literatur:

BANK, R.A. & FALKNER, G. & VON PROSCHWITZ, T. (2007): Clecom-Projekt. A revised checklist of the non-marine Mollusca of Britain and Ireland. Heldia Vol. 5, Part 3, pp. 41-72. ISSN 0176-2621.

BLINN, W. & TRUITT, R.E. & PICKART, A. (1989): Feeding Ecology and Radular Morphology of the Freshwater Limpet Ferrissia fragilis. Journal of the North American Benthological Society, Vol. 8, No. 3 (Sep., 1989), pp. 237-242.

[Ernährungsbiologie und Radulaform von Ferrissia fragilis]

GLÖER, P. (2002): Süßwassermollusken Nord und Mitteleuropas. Bestimmungsschlüssel, Lebensweise, Verbreitung. In: Die Tierwelt Deutschlands. Conchbooks, Hackenheim. ISBN 3-925919-60-0.

[Angaben zu Merkmalen, Verbreitung usw.]

GLÖER, P & MEIER-BROOK, C. (2003): Süßwassermollusken. Ein Bestimmungsschlüssel für die Bundesrepublik Deutschland. Deutscher Jugendbund für Naturbeobachtung, Hamburg. ISBN 3-923376-02-2.

[Angaben zu Merkmalen, Verbreitungskarte für Deutschland]

GRABOW, K. (2000): Farbatlas Süßwasserfauna – Wirbellose. Eugen Ulmer GmbH & Co., Stuttgart. ISBN 3-8001-3145-5.

[kurze Artbeschreibung u.a. auch mit Angaben zu Habitatansprüchen und Reproduktionsbiologie]

HADDERINGH, R.H. & VAN DER VELDE, G. & SCHNABEL P.G. (1987): The effect of heated effluent on the occurrence and the reproduction of the freshwater limpets Ancylus fluviatilis MÜLLER, 1774, Ferrissia wautieri (MIROLLI, 1960) and Acroloxus lacustris (L., 1758) in two Dutch water bodies. Aquatic Ecology, Vol. 21, No. 2, pp. 193-205.

[Einfluß künstlicher Wassererwärmung auf A. fluviatilis, F. fragilis und A. lacustris]

VAN DER VELDE, G. (1991): Population dynamics and population structure of Ferrissia wautieri (MIROLLI, 1960) (Gastropoda, Ancylidae) in a pond near Nijmegen (The Netherlands). Aquatic Ecology, Vol. 24, No. 2, pp. 141-144.

[Untersuchung der Populationsdynamik von F. fragilis in einem Teich]

 

weblinks:

Aquarienschnecken-Forum

[thread zur Haltung und Vergesellschaftung im Aquarium]

Aquarienschnecken-Forum

[thread zur Unterscheidung der Ferrissia von Acroloxus; Beobachtungen aus Haltung im Aquarium]

Atlasproject Nederlandse Mollusken (ANM): Ferrissia wautieri (MIROLLI, 1960) Smurfslak.

[Verbreitungskarte der Niederlande]

BERAN, L. & HORZÁK, M. (2007): Distribution of the alien freshwater snail Ferrissia fragilis (TRYON, 1863) (Gastropoda: Planorbidae) in the Czech Republic.

 

[Verbreitung und Habitatansprüche der Art in Tschechien]

Canadian Biodiversity Web Site: Canada&acute;s Species Molluscs. Oval Lake-Limpet Ferrissia fragilis.

[Verbreitungskarte für Kanada]

CIOBOIU, O. (2003) :Diversity of Gastropoda in the Romanian sector of the Danube lower

 

hydrographic basin.

[Darstellung der Vorkommen in Rumänien auf Flußgebietsniveau]

DILLON, R.T.jr.: Freshwater Gastropods of North America. Ferrissia fragilis (TRYON 1863).

[Bild, Angaben zur Ökologie, Verbreitungskarten von North Carolina, South Carolina und Georgia]

Fauna Europaea

[europäische Systematik, Hinweise zur Verbreitung von Ferrissia (Pettancylus) clessiana]

GLÖER, P. & ZETTLER, M. L. (2005):Kommentierte Artenliste der Süßwassermollusken Deutschlands. Malak. Abh. 23: 3-26.

[beispielhafter Kommentar zur Nomenklatur der europäischen Ferrissia]

National Biodiversity Network: Grid map of records on the Gateway for Ferrissia wautieri.

[Datenbank-basierte Verbreitungskarten der Britischen Inseln]

NatureServe.org

[Verbreitung in Nordamerika]

SON, M.O. (2007): North American freshwater limpet Ferrissia fragilis (TRYON, 1863) (Gastropoda: Planorbidae) – a cryptic invader in the Northern Black Sea Region.

 [Korrekturen zur Herkunft, Namensgebung. Beschreibung der Vorkommen in der Ukraine]

TOMASZEWSKI, D.

[REM- Bilder des Gehäuses, Text in polnisch]

WALTHER, A.C. & LEE, T. & BURCH, J.B. & Ó FOIGHIL, D. (2006): Confirmation that the North American ancylid Ferrissia fragilis (TRYON, 1863) is a cryptic invader of European and East Asian freshwater ecosystems. J. Mollus. Stud. 72: 318-321.

[Feststellung für eine mitteleuropäische Stichprobe, daß F. wautieri wohl Synonym von F. fragilis ist und F. clessiana eine unrichtiger Bestimmung darstellt]

WIESE, V: (1991): Atlas der Land- und Süßwassermollusken in Schleswig-Holstein. Landesamt für Naturschutz und Landschaftspflege Schleswig-Holstein. ISBN 3-923339-40-2.

[Verbreitungskarte von Schleswig-Holstein. Gehäusezeichnung, kurze Angaben zu Vorkommen, Hinweis auf häufige Funde an Aquarienpflanzen]

WIESE, V: (Red.) (2007): Systematische Übersicht der Land- und Süßwassermollusken Nord- und Mitteleuropas.

[Systematik europäischer Mollusken – auch mit deutschen Namen; lat. Artname noch nicht aktualisiert]

YILDIRIM, M. Z. & GÜMÜ?, B. A. & KEBAPÇI, Ü. & KOCA, S. B. (2006): The Basommatophoran Pulmonate Species (Mollusca: Gastropoda) of Turkey. Turk J Zool 30: 445-458.

[Angaben über die Verbreitung der Pulmonata in der Türkei, in englisch]

ZETTLER, M.L. (1997): Zur Verbreitung von Ferrissia wautieri (MIROLLI, 1960) (Gastropoda: Ancylidae) in Mecklenburg-Vorpommern. Mitteilungen der Deutschen Malakozoologischen Gesellschaft 60: 41-44.

[Verbreitung von Ferrissia wautieri in Mecklenburg-Vorpommern]

 

ZETTLER, M. L. (2000): Bewertung des ökologischen Zustandes von Fließgewässern in Mecklenburg-Vorpommern über die Malakofauna als Indikatororganismen. Natur und Naturschutz in Mecklenburg-Vorpommern. 35: 3-36.

[Angaben zu Habitaten und Verbreitung der Art auf Seite 16]

 

 

Autor: schneckli

Seite aktualisiert: 29.12.2007

to the top

Top

avatar-199

Zum Besucherbuch / guestbook

Bilder/Text/Fotografien sowie Inhalte in Wort/ Text & Bild unterliegen dem © von Alexandra Behrendt Dezember 2004 - 2009
Achtung! Sämtliche Fotos und Bilder unterliegen dem Urheberrecht.
Bei Interesse an Bildern oder Fotos für private Webseiten
bitte eine mail senden.
Steuernummer: 49108/30501

Pictures/texts/photos as well as word, text and pictorial content underlie the copyright of Alexandra Behrendt, December 2004 – 2009.Please note: Any and all photos and pictures are copyrighted!If you are interested in using pictures or photos on private web sites please send me an email.       Tax no. 49108/30501