![]() |
|
|||||||||||||
|
Viviparus viviparus (LINNAEUS 1758) – Stumpfe Flußdeckelschnecke
|
|||||||||||||
![]() |
|||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Die Oberfläche ist durch Zuwachslinien fein strukturiert. Bei Wachstumsunterbrechungen, insb. im Winter entsteht ein deutlicher „Jahresring“. Die Wachstumsringe des hornigen Operculums sind konzentrisch um den außermittigen Nukleolus angeordnet Das Gehäuse ist graugelb oder grünlichbraun gefärbt mit 3 unterschiedlich stark ausgeprägten, rotbraunen Bändern. Der breite Fuß des Tieres ist vorn flachbogig gerundet, mit einer Drüsenrinne gesäumt, hinten etwas schmaler gerundet. Die Fühler sind lang und borstenförmig, wobei der rechte Fühler der Männchen auch als Kopulationsorgan dient und deutlich verdickt ist. Die Augen sitzen auf kurzen Zapfen an der Basis der Fühler. Seitlich hinter den Fühlern ragt je ein Lappen hervor. Der linke dient der Wasserzufuhr zu den Kiemen. Am rechten Lappen sitzt das Ausström-Siphon und die Nahrungsrinne. Körper und Fuß der Tiere sind dunkelbraun gefärbt mit orangegelben oder goldgelben Punkten. |
![]() |
|||||
![]() |
|||||
|
ähnliche Arten Mitteleuropas:
|
|||||
|
Verbreitung, natürliches Habitat: Die Stumpfe Flußdeckelschnecke ist in Mittel- und Osteuropa bis zum Ural, in gemäßigten und warm-gemäßtigten Klimata verbreitet: In Skandinavien sehr selten: östliches Süd-Norwegen (zwei Fundorte), Schweden (östliche Regionen Mittelschwedens: Provinzen Småland bis Gästrikland sowie weitere, isolierte Vorkommen), Dänemark (ein Fundort in der Nørre Aa bei Randers). Allgemein verbreitet in Estland, Lettland, Litauen (häufig), Polen, Niederlande (s. Atlasproject Nederlandse Mollusken) und Belgien. Sonst, z.T. mit eingeschränkten Arealen verbreitet in: Portugal (?), Großbritannien und Irland (s. National Biodiversity Network), Frankreich (z.B. mittlere Pyrenäen; Bassin Artois-Picardie;canal d´Ille-de-Rance), Luxemburg (Mosel), Norditalien (Veneto, Mantova), Tschechien (z.B. Elbe, Ohr e, Nordwest- Böhmen), Slowakei, Slovenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Jugoslavien (z.B. in der Tiza), Makedonien, Albanien (z.B. Ohrid-See), Griechenland (z.B. auf der Insel Síros), Bulgarien, Rumänien, Moldavien, Türkei Durusu Gölü, Seen bei Samsun, Gala Gölü), Ukraine (z.B. in Flüssen u. großen Seen der Pripjet-Sümpfe; Babje-See, Fluß Desna), Rußland (z.B. im Don bei Rostov; Westsibirien, z.B. im Zivorodka/Novosibirsk). Fehlt in Finnland, der Schweiz, Österreich (FISCHER 2008) und Ugarn. In Deuschland ist die Art seit 1912 bekannt und im Tiefland, besonders im norddeutschen Hügelland allgemein verbreitet. Auch in der Rheinischen Tiefebene und im Unterlauf des Main. Fehlt weitgehend in den Mittelgebirgen und gänzlich im Gebiet der oberen Donau und im Bodensee. In der Natur finden wir die Flußdeckelschnecke in mäßig bewegtem Wasser von größeren Bächen und Flüssen, aber auch in in Kanälen, seltener in Seen. Sie kommt nicht nur auf Schlamm- und Sandsubstrat vor, sondern (in Habitaten mit stärkerer Strömung) auch auf kiesig-steinigen Böden. Einige Habitate, in denen nach eigenen Beobachtungen Viviparus contectus im Freiland gefunden wurde, sind unter folgenden Links kurz vorgestellt: 25, 26, 27, 28, 29 Wasserwerte: Lebt in Mitteleuropa in Gewässern mit jahreszeitlich schwankenden Temperaturen zwischen 3 und 26°C. Der pH-Toleranzbereich der Art wird zu 6,8 bis 8,6 bei einer Gesamthärte von 0,82 bis 5,2°d angegeben. Die Stumpfe Flußdeckelschnecke toleriert einen Salzgehalt bis 3‰. Eutrophe Gewässer werden toleriert, sofern der Sauerstoffgehalt ganzjährig ausreichend ist. Nach eigenen Beobachtungen konnte die Art in Gewässern mit folgenden Wasserwerten gefunden werden: Fortpflanzung: Wie alle Viviparidae ist auch die Stumpfe Flußdeckelschnecke getrenntgeschlechtlich und vermehrt sich ovovivipar, d.h. lebendgebärend. In der Natur ist zu beobachten, daß die Tiere, besonders die Weibchen, im Frühjahr aus tieferen Zonen in die wärmeren Flachwasserzonen der Gewässer wandern und sind dann auch den Sommer über stellenweise in hoher Dichte zusammenfinden. Paarungen finden während der gesamten Aktivitätsperiode zwischen März und November statt. Im wintermilden Südengland konnte keine signifikante Unterbrechung der Fortpflanzung im Winter beobachtet werden. Das Männchen kriecht zur Paarung auf die rechte Gehäuseseite des Weibchens und führt seinen aus dem rechten Fühler weit ausgefahrenen Penis in die Vagina des Weibchens ein. Je nach Größe des Weibchens entwickeln sich im Uterus der Weibchen i.M. 10 bis 24 (max. 80) Eikapseln parallel in unterschiedlichen Stadien. Weibchen mit Embryonen können in der Natur zu allen Jahreszeiten, d.h. auch im Winter gefunden werden, wobei die Anzahl der Embryonen/Weibchen im Winter nur ein Zehntel dessen beträgt wie im Sommer. Während der Winterruhe verläuft die Entwicklung stark verlangsamt weiter, sodaß auch im Winter noch einzelne Jungtiere geboren werden. Schwerpunktmäßig werden die Jungtiere in der Natur jedoch den Sommer über einzeln geboren, besonders zwischen Juni und August. Sie haben dann bereits einen Gehäusedurchmesser von 5 bis 10mm. Im Gegensatz zurSpitzen Sumpfdeckelschnecke (Viviparus contectus) ist der vordere Mantelsaum der Jungtiere glatt oder hat höchstens winzige Ausbuchtungen. Dementsprechend sind ihre Gehäuse kahl oder besitzen nur wenige winzige Härchen. Lebenserwartung: In der Natur werden die Tiere 4 bis 10 Jahre alt. Nahrung: Wie alle Viviparidae ernährt sich auch die Stumpfe Flußdeckelschnecke in der Natur als Weidegänger von Algenaufwuchs, nimmt Detritus und Bakterien beim Fressen von Schlamm auf und ernährt sich besonders im Sommer auch in erheblichem Umfang von Plankton. Lebende, höhere Pflanzen werden nicht gefressen. Untersuchungen des Darminhaltes ergaben ca. 5% Grünalgen, 10% höhere Pflanzen und 85% Detritus. Das Plankton wird mit einem ultrafeinem Netz aus Schleimfäden (Maschenweite nur 9 x 11 nm) an der Kiemenbasis aus dem Atem- Wasserstrom herausgefiltert. Die verklumpten Nahrungspartikel werden von einem Flimmerepithel zu einer Nahrungswurst geformt, die in einer Rinne rechts zum Kopf nach außen transportiert wird. Von Zeit zu Zeit dreht die Schnecke ihren Kopf um die so konzentrierten Planktonpallets zu fressen. |
|
Verhalten: Adulte Flußdeckelschnecken halten sich fast ausschließlich auf dem Boden auf. Der gedrungene, breite Fuß wird auch als Anpassung gegen Einsinken in weichem Schlamm gedeutet. Jungtiere sind wesentlich mobiler und klettern häufig auf Wasserpflanzen. Den Winter (etwa Oktober/November bis März/April) überdauern die Flußdeckelschnecken eingegraben im Bodenschlamm. Währenddessen nehmen die Tiere keine Nahrung zu sich und zehren von ihren Reserven. Bei sehr lange andauernden Wintern kann es vorkommen, daß ein erheblicher Teil einer Population nicht mehr aus der Ruhephase erwacht. Auch bei Nahrungsmangel werden die Tiere inaktiv und graben sich ein. Der dann zusätzlich gebildete „Jahresring“ kann zur Überschätzung des tatsächlichen Alters führen. Haltung und Vergesellschaftung im Aquarium: Vermutlich weitgehend wie für die Donau- Flußdeckelschnecke (Viviparus acerosus) beschrieben. Parasiten: Wie auch andere Wasserschnecken werden auch die heimischen Viviparidae von verschiedenen Arten von Trematoden (Leberegel) als Zwischenwirt befallen. Planmäßiger Endwirt der die Schnecke verlassenden Zerkarien (= ein Larvenstadium der Egel) sind Wasservögel, Fische, Amphibien oder Säugetiere. Die meisten Zerkarien gelangen in ihren Endwirt indem sie mitsamt der infizierten Schnecke gefressen werden. Dort bohren sie sich durch die Darmwand und befallen die inneren Organe. Für die Stumpfe Sumpfdeckelschnecke wurde u.a. die Art Neoacanthoparyphium echinatoides festgestellt, dessen Endwirt Wasservögel sind. Gefährdung:
Sonstiges: Jungschnecken, die sich bevorzugt in der Flachwasserzone von Gewässern aufhalten, werden sehr gern von Enten, z.B. Stockenten gefressen. Adulte Viviparidae auch vom Bisam, Wanderratten und Fischotter. Die Stumpfe Flußdeckelschnecke wird auf der Roten Liste in Deutschland allgemein als stark gefährdet geführt. In Polen ist sie als selten, in Tschechien als potentiell gefährdet eingestuft. Als Gefährdungsursachen gelten wasserbauliche Maßnahmen sowie allgemein schlechte Gewässergüte. In Polen konnten in einem natürlichen Gewässer fertile Hybride mit der Spitzen Sumpfdeckelschnecke (Viviparus contectus) enzymelekrophoretisch nachgewiesen werden. Die Tiere wiesen insgesamt intermediäre Merkmale auf, werden jedoch deutlich größer (bis 55mm hoch und 42mm breit). Da die beiden Elternarten normalerweise verschiedene Habitate bevorzugen, kommen Hybride äußerst selten vor. Bei den regelmäßig im Frühjahr im Zoohandel und Baumärkten als „Teichschnecken“ angebotenen Sumpf- und Flußdeckelschnecken handelt es sich um Wildfänge aus Osteuropa, meist aus Ungarn oder Polen. Es handelt sich dabei eher selten um die auf dieser Seite beschriebene Viviparus viviparus, sondern vielmehr die verwandten Arten Viviparus acerosusund Viviparus contectus . Möglicherweise ist Viviparus viviparus in den 1970er Jahren auch in Georgia/USA eingeschleppt worden. Da die Art jedoch conchologisch nicht sicher von der dort einheimischen Art Viviparus georgianus unterscheidbar ist, sind entsprechende Nachweise noch umstritten. |
||||||||||||||||
|
Als eine rezente Unterart der Stumpfen Flußdeckelschnecke in Europa ist in der Literatur Viviparus viviparus penthicus (SERVAIN 1884) beschrieben: GLÖER & ZETTLER (2005) konstatieren nach genauerer Betrachtung, daß es sich bei dieser Unterart wohl nur um eine Kümmerform von V. v. viviparus handelt. Denn Letztere erreicht in Flüssen geringere Gehäusehöhen (z. B. Oder bei Frankfurt: 24mm, Elbe bei Teufelsbrück: 21mm) und Gehäusebreiten (15 bis 20mm) als in stehenden Gewässern (z. B. im wenig strömenden Isebekkanal in Hamburg: 34mm). Auch die Tiefe der Naht, bzw. die Wölbung der nur bis zu 5 Windungen, die bei V. v. penthicus besonders ausgeprägt sein sollen, liegt demnach innerhalb der intraspezifischen Variabilität der Art. |
||||||||||||||||
|
Als weitere rezente Unterart ist Viviparus viviparus costae (MOUSSON 1863) beschrieben: Beschreibung: Diese geographische Form zeichnet sich durch etwas bauchigere Umgänge des kontrastreicher gezeichneten Gehäuses aus. Der Körper ist feiner punktiert als bei der Nominatform. Verbreitung, Habitat: Griechenland (Thrakien),Türkei (Regionen Marmara, Schwarzes Meer und Ost-Anatolien: z.B. Ýstanbul Baçeköy, Yalova, Ýzmit, Bursa Apolyont Gölü, Ýstanbul Terkos Gölü, Abant Gölü, Sapanca Gölü, Gýcý Gölü, Cernek Gölü), Ukraine (Krim), Kaukasus. Wurde von ÖKTENER (2004) in den beiden oben zuletzt genannten, türkischen Seen auf verschiedensten Substraten wie Steinen, Holz, Laub und Wasserpflanzen gefunden. |
||||||||||||||||
|
Literatur: FECHTER, R. & FALKNER, G. (1990): Weichtiere. Mosaik Verlag GmbH, München. ISBN 3-570-03414-3. [kurze Artbeschreibung. mit Farbfotos lebender Tiere und Gehäusen der Art und Unterart]
weblinks: Aquarienschnecken-Forum.de: Atlasproject Nederlandse Mollusken (ANM): Viviparus viviparus (LINNAEUS 1758) Stompe moerasslak. CIOBOIU, O. (2003):Diversity of Gastropoda in the Romanian sector of the Danube lower hydrographic basin. Fauna Europaea
Seite aktualisiert: 30.11.2008 Autor: schneckli
internationale Trivialnamen für die Suchmaschinen:
|
||||||||||||||||
|
Bilder/Text/Fotografien sowie Inhalte in Wort/ Text & Bild unterliegen dem © von Alexandra Behrendt Dezember 2004 - 2010 |
||||||||||||||||
|
Pictures/texts/photos as well as word, text and pictorial content underlie the copyright of Alexandra Behrendt, December 2004 – 2010.Please note: Any and all photos and pictures are copyrighted!If you are interested in using pictures or photos on private web sites please send me an email. Tax no. 49108/30501 |
||||||||||||||||