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Ancylus fluviatilis (O.F. MÜLLER 1774) – Flußnapfschnecke

 

Flussnapfschnecke

Klasse:            Gastropoda (CUVIER 1795) – Schnecken
Unterklasse:   Pulmonata (CUVIER 1814) – Lungenschnecken
Überordnung: Basommatophora (K
EFERSTEIN 1864) – Grundäugler, Süßwasserlungenschnecken
Ordnung:       Hygrophila (A. F
ÉRUSSAC 1822)
Unterordnung: Branchiopulmonata (M
ORTON 1855)
Infraordnung: Planorboinei (H. N
ORDSIECK 1993)
Überfamilie: Planorboidea (G
RAY 1840)
Familie:         Planorbidae (G
RAY 1840) – Tellerschnecken
Unterfamilie: Ancylinae (R
AFINESQUE 1815) sensu ALBRECHT et.al. 2007
Gattung:       Ancylus (O.F. M
ÜLLER 1774) – Flußnapfschnecken
Art:                 Ancylus fluviatilis (O.F. M
ÜLLER 1774) – Flußnapfschnecke

Beschreibung:

Die mützenförmigen Gehäuse der Flußnapfschnecke werden 3,5 bis 6 mm breit, 3,5 bis 8mm lang und 2 bis 3,5 mm hoch. Die stumpfe Gehäusespitze ist nach hinten überhängend und zeigt leicht nach hinten rechts. Die breit -eiförmige Mündung ist vorn etwas breiter als hinten. Vom Apex ausgehend weisen die Gehäuse eine strahlenförmige Skulpurierung auf, die sich meist fast nur auf die Embryonalschale beschränkt. Die weitere Gehäuseoberfläche ist von feinen, konzentrischen Zuwachslinien geprägt. Das Gehäuse ist wenig durchscheinend, meist einfarbig braun bis gelblich, seltener weißlich. Die winterliche Verlangsamung des Wachstums zeichnet sich bei Gehäusen adulter Tiere in Mitteleuropa meist deutlich als dunkler gefärbter Ring ab.

Nur beim aktiven Tier ragen die Fühler über den vorderen Gehäuserand hinaus. Der einfarbig grau-bläulich pigmentierte Körper inaktiver Tiere ist vollständig vom Gehäuse verborgen und somit nur von unten, z.B. an einer Aquarienscheibe zu sehen. Die Kriechsohle des Fußes ist breit-oval gerundet. Der Kopf setzt in der Breite entsprechend dem Fuß an. Beim Suchen nach festem Untergrund kann das Tier die Kriechsohle des Kopfes in zwei Lappen aufspalten. An der stark verbreiterten Basis der pfriemenförmigen Fühler sitzen die Augen.

Die Geschlechtsöffnungen befinden sich an der linken Körperseite. Nach GRABOW (2000) ist die Lungenhöhle reduziert; die Sauerstoffaufnahme erfolgt über die Haut und über einen Mantelzipfel, der als Kieme fungiert.

 

Flussnapfschnecke

ähnliche Arten:                                                                                                                                            Die Gehäuse der Teichnapfschnecke (Acroloxus lacustris) und Septenmützenschnecke (Ferrissia wautieri) sind wesentlich flacher schildförmig. In Zweifelsfällen sind die Tiere eindeutig an der Form und Richtung der Gehäusespitze zu unterscheiden.

Verbreitung, natürliches Habitat:

Die Gattung Ancylus ist westpaläarktisch in Europa, östlich bis mindestens zum Ural allgemein verbreitet. Einschließlich dem gesamten Mittelmeerraum (mit Nordafrika) sowie Kaukasien und Transkaukasien. Nach Auffassung von BROWN & WRIGHT (1980, in: AL-SAFADI 1990) sind darüberhinaus auch die Vorkommen im Nahen Osten (Syrien, Saudi-Arabien, Yemen) der Art Ancylus fluviatilis zuzuordnen.

Aufgrund ihrer conchologischen Merkmale wurden die Tiere im obigen Verbreitungsgebiet bisher weitestgehend der Art Ancylus fluviatilis zugeordnet. PFENNINGER et.al. (2003) konnten mit molekulargenetischen Methoden dies im engeren Sinne jedoch nur für die die in west-, mittel- und nordeuropäischen Populationen bestätigen (s. weblinks: ALBRECHT et.al. 2006a). Nach Auffassung von ALBRECHT et.al. sind die im Mittelmeeraum untersuchten Vorkommen genetisch so deutlich verschieden, daß sie bis zu einer vollständigen Neubeschreibung als "Ancylus sp. A bis D" provisorisch zu bezeichnen sind.

Aufgrund dieser Erkenntnisse und der noch nicht flächenscharf bekannten Verbreitungen der Arten können an dieser Stelle nur Vorkommen der Art Ancylus fluviatilis einschl. der Arten "Ancylus sp. A bis D" für Europa angegeben werden: Norwegen (nur Südosten), Süd-Schweden (verstreut), Dänemark (verstreut), Finnland (verbreitet), Rußland (Kaliningrad bis mindestens zum Ural; Wolgadelta VINARSKI et.al. 2007), Estland (verbreitet), Lettland (verbreitet), Litauen (zerstreut; ZETTLER et al. 2005), Polen (verbreitet), Tschechien (zersteut), Slowakei (zerstreut), Liechtenstein, Österreich (verbreitet; nicht im Burgenland und Osttirol), Ungarn (zerstreut), Slovenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Serbien+Mentenegro, Makedonien, Albanien, Bulgarien, Rumänien (im Süden, Osten und im Einzugsgebiet der Pruth; CIOBOIU 2003), Moldavien (ANDREEV & BURCOVSCHI 2001), Ukraine, Griechenland (Festland, ägäische Inseln), Türkei (in versch. Regionen; s. weblinks: YILDIRIM et.al.2006), Zypern, Britische Inseln (verbreitet; Karte s. weblinks: National Biodiversity Network), Niederlande (zerstreut; Karte s. weblinks: Atlasproject Nederlandse Mollusken), Belgien (zerstreut, nicht in Flandern), Luxemburg (verbreitet, im Norden häufiger; GROH & WEITMANN), Schweiz (zerstreut unterhalb 960müNN vom Genfer Becken bis zum Bodensee sowie im Südtessin), Frankreich (Festland, Korsika), Andorra, Portugal, Spanien (Festland, Balearen), Italien (Festland, Sardinien, Sizilien), Malta.

In Deutschland ist die Flußnapfschnecke (Ancylus fluviatilis) allgemein verbreitet, jedoch nicht überall häufig. Im Erzgebirge bis 800 m ü NN.

Die Flußnapfschnecke besiedelt typischerweise kleine Fließgewässer mit mäßiger bis starker Strömung. Sie kommt auch in großen Flüssen, Kanälen, Brandungszonen und quelligen Ufern größerer Seen vor. In Windermere/England konnte GELDIAY (1956) die Art auch in einer Wassertiefe von 12m nachweisen, wesentlich häufiger war sie jedoch in geringerer Tiefe bis 2m zu finden.Sie ist dabei fast ausschließlich auf Hartsubstrat (auf und unter Steinen, an Ufermauern, Spundwänden) zu finden - nur ausnahmsweise auf Holz, Pflanzen oder sandig-/schlammigem Substrat. DILLON (2000; in: STRZELEC & KRÓLCZYK 2004) stellt fest, daß die Vorkommen der Flußnapfschnecke eher an das Vorhandensein von Steinen als an bestimmte Strömungsverhältnisse gebunden sind.

Einige Habitate, in denen nach eigenen Beobachtungen
Ancylus fluviatilis im Freiland gefunden wurden, sind unter folgenden Links kurz vorgestellt:
0024, 0025, 0026, 0028, 0029

Wasserwerte:

Nach GRABOW (2000) kommt die Flußnapfschnecke in Deutschland auch in relativ sauren und basenarmen Gewässern vor. Nach ØKLAND (1991, in: GLÖER 2002) bevorzugt die Art in Norwegen pH-Werte zwischen 6,6 und 7,8 bei einer Gesamthärte über 0,40°d.
Die Art ist wesentlich empfindlicher gegenüber Gewässerverschmutzung und Sauerstoffarmut als die
Teichnapfschnecke (Acroloxus lacustris) . Für die Bewertung von Fließgewässern gilt die Flußnapfschnecke als oxybionte Art oligo- bis β-mesosaproben Gewässer. ZETTLER (2000) konnte beobachten, daß die Tiere in höchsten Dichten in oligosaproben Fließgewässern vorkommen. Hier bleiben die Einzelindividuen aber kleiner als in eutrophierten Gewässern.

H
ADDERINGH et.al. (1987) untersuchten den Einfluß künstlicher Wassererwärmung u.a. auf Populationen im Bereich von Kraftwerken (hier: Kraftwerk "Flevo") in den Niederlanden. In den vom Kraftwerksbetrieb unbeeinflußten Habitaten schwankte die Wassertemperatur im Jahresverlauf zwischen 1,7 und 24,5°C (i.M. 11,1°C). Im vom Kühlwasserstrom beeinflußten Bereich wurden Wassertemperaturen zwischen 7 und 33°C (i.M. 18,4°C) gemessen. Die Autoren stellten fest, daß die Tiere in den erwärmten Habitaten in 5 bis 6facher Dichte vorkamen als in den nicht erwärmten. Positiv auf die Bestandsdichte wirkten sich Wassertemperaturen bis 27°C aus - in künstlich erwärmten Gewässern mit Temperaturen über 30°C werden in Mitteleuropa kaum noch Tiere gefunden. Andere von HADDERINGH et.al. in den Niederlanden gemessene Wasserwerte (Jahresmittelwerte) sind: 8,9 - 12,4mg/l O2; pH 7,8-8,3; Leitfähigkeit 751-999µS/cm; 154-207mg Cl-/l; 62-80mg Ca2+/l.

Nach eigenen Beobachtungen konnte die Art in verschiedenen Gewässern mit folgenden Wasserwerten gefunden werden:
Kleiner Bach in Baden-Württemberg am 02.04.2007: 10°C; GH = 4°dH; KH = 2°dH; pH = 8,5; NO3 < 12,5mg/l.
Drei Stationen am Dortmund-Ems-Kanal (Niedersachsen) am 14.07.2007): 15,5 bis 21°C, GH = 12 bis 14°dH; KH = 7 bis 8°dH; pH = 7,5; NH3/NH4 ~ 0mg/l; NO2 < 0,3mg/l; NO3 ~ 12 bis 18mg/l.
In zwei weiteren Kanälen in Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein (beide: 27.07.2007): 18 bis 19°C, GH = 12 bis 13°dH; KH = 7°dH; pH = 7,5; NH3/NH4 ~ 0mg/l; NO2 < 0,3mg/l; NO3 ~ 5mg/l.

 

Fortpflanzung:

Die Flußnapfschnecken sind wie die übrigen heimischen Süßwasserlungenschnecken (Basommatophora) zwittrig angelegt. Untersuchungen von Populationen am Vogelsberg, Spessart und Mainfranken durch STÄDLER (1997, in: BUGERT 2001) zufolge vermehrt sich zu Ancylus fluviatilis zu über 90% durch Selbstbefruchtung. GELDIAY (1956) konnte im Lake District/England sehr häufig beobachten, daß bis zu 7 Individuen zur Kopulation aufeinandersaßen, wobei jeweils des obere Tier als Männchen fungiert. Eine gleichzeitig erfolgende, gegenseitige Befruchtung zweier Individuen konnte GELDIAY nicht beobachten.Im nord- und mitteleuropäischen Freiland entwickelt sich i.d.R. nur eine Generation/Jahr. In einem besonders günstigen Habitat konnte GELDIAY jedoch auch beobachten, daß sich einige der im Frühsommer geschlüpften Exemplare noch im Spätherbst desselben Jahres verpaaren. Deren Nachkommen überwintern dann gemeinsam mit ihren Eltern und reproduzieren sehr wahrscheinlich im darauffolgenden Frühjahr erneut.Nach HADDERINGH et.al. (1987) sind die Gelege unter natürlichen Bedingungen im Freiland Hollands zwischen April und August, mit Schwerpunkt im Juni/Juli zu finden. In künstlich erwärmten Gewässern konnten die Autoren eine Vorverlagerung des Schwerpunktes um bis zu 3 Monate auf den April feststellen.

GELDIAY (1956) konnte im Lake District/England in einem starkem Wellenschlag ausgesetztem Seeufer Reproduktion erst im Juli feststellen. In derselben Region, jedoch in einem geschützten Habitat, fand GELDIAY Jungtiere bereits im Mai. Im Gegensatz zu vielen anderen Pulmonata wie z.B. Lymnaea oder Planorbarius, die im Laufe ihres Lebens 1000 und mehr relativ kleine Eier legen, werden von Ancylus relativ weige und verhältnismäßig große Eier gelegt: Jedes Tier produziert im Laufe der Fortpflanzungsperiode meist nachts nur 10 bis 15 (20) Gelege, die insgesamt etwa 46 bis 50 Eier enthalten (HUNTER 1953; GELDIAY 1956). Die Eiablage erfolgt fast ausschließlich an Steinen wobei Bereiche der geschütztere Unterseite oder Seiten bevorzugt werden.

Die einzelnen, transparent-gallertigen Gelege sind flach und im Umriß fast kreisrund mit einem durchschnittlichen Durchmesser von 3,42x2,7mm (GELDIAY 1956) bzw. 3,3x2,8mm (BONDESEN 1950; in: GELDIAY 1956). Sehr große Gelege können bis zu 4,72x3,9mm (GELDIAY 1956) bzw. 4,5x4,2mm (BONDESEN 1950; in: GELDIAY 1956) groß sein. Die Gelege enthalten durchschnittlich jeweils 4 Eier, wobei die Spannbreite zwischen Null (Ende der Fortpflanzungsperiode) bis zu 11 umfaßt. Die einzelnen Eier sind 1,38x1,23mm (GELDIAY 1956) bzw. nach Messungen von BONDESEN (1950; in: GELDIAY 1956) 1,42x1,2mm groß.

Die Jungtiere schlüpfen im Freiland nach 3 bis 4 Wochen ab Mai mit einer Gehäuselänge von durchschnittlich 1,05mm (HUNTER 1953).Nach Beobachtungen des Aquarienschnecken-Forums erfolgt der Schlupf bei einer Wassertemperatur von 20°C bereits nach 10 Tagen.

 

 

Bild
Gelege

Lebensdauer:

Aufgrund des Verlaufes der Populationsdichten schließen HADDERINGH et.al. (1987) darauf, daß die erwachsenen Tiere zum Ende der Reproduktionsperiode sterben während zeitgleich die Jungtiere quantitativ die Oberhand gewinnen. Entsprechendes stellten unabhängig voneinander auch HUNTER (1953) und GELDIAY (1956) im Juni bis August an Tieren in England fest. Die Flußnapfschnecken werden im mitteleuropäischem Freiland somit etwa ein Jahr alt.

 

Nahrung:

Die Flußnapfschnecken ernähren sich als Weidegänger in der Natur von Diatomeen, bevorzugt der Gattung Gomphonema (CARLOW 1973) sowie anderen Algenbelägen und Cyanobakterien. Nach SCHWENK & SCHWÖRBEL (1973, in: GLÖER 2002) nehmen die Tiere dabei auch feine Sandkörner auf, die ihnen beim Zerbrechen der stabilen Zellwände der Diatomeen in ihrem muskulösen Magen helfen.

 

Verhalten:

Flußnapfschnecken weiden in der warmen Jahreszeit die Algenbeläge von den Oberseiten der Hartsubstrate ab. Besonders die größeren Exemplare sind dabei auch an strömungsexponierten Stellen zu finden, während Jungtiere in schnellfließenden Bächen sich eher an den strömungsabgewandten Seiten von Steinen oder deren Unterseiten aufhalten. Die relativ langsamen Tiere erreichen beim Abweiden von Hartsubstrat Geschwindigkeiten zwischen 6 und 12cm/Stunde (HUNTER 1953).

Einige der nicht näher verwandten marinen Napfschnecken (z.B. Patella spec.) kehren ihr Leben lang zu immer demselben Ruheplatz zurück, und ihre Gehäusemündung ist perfekt an die Unebenheiten dieses Platzes angepaßt. Ancylus zeigt dieses Verhalten nicht und die Mündung ist glatt und eben. Um dennoch an jedem Ort das Gehäuse gegen den Untergrund verschließen zu können, ist der äußerste Rand der Mündung nicht verkalkt, sondern kann sich flexibel an die Unebenheiten anpassen (HUNTER 1953).

Nach Beobachtungen von SCHWENK & SCHWÖRBEL (1973, in: ZETTLER 2000) ziehen sich die Tiere im Spätherbst bei Wassertemperaturen unter 6°C an die Steinunterseiten zurück, sind nur noch wenig aktiv und wachsen kaum noch. Nach Beobachtungen von STREIT (1975) haben die Tiere dann eine Gehäuselänge von 2 bis 5mm. Im folgenden Frühjahr setzen bei Wassertemperaturen über 7°C Nahrungsaufnahme und Wachstum wieder ein. GELDIAY (1956) beobachtete eine aktive Wanderung der Tiere zur Fortpflanzungsperiode aus tieferen Bereichen in die Flachwasserzone.

Entsprechend ihren Nahrungsgewohnheiten in der Natur halten sich die Flußnapfschnecken auch im Aquarium ausschließlich an Steinen und Aquarienschieben auf. Nicht jedoch an der Wasseroberfläche hängend beim Fressen der Kahmhaut oder oberhalb des Wasserspiegels. Sie scheinen sich bevorzugt in Bereichen starker Strömung aufzuhalten.

 

Haltung und Vergesellschaftung im Aquarium:

Beobachtungen von usern des Aquarienschnecken-Forums (s. weblinks: Aquarienschnecken-Forum) zufolge sind Flußnapfschnecken auch im ungeheiztem Zimmeraquarium nicht einfach dauerhaft zu halten. Möglicherweise weil sie höhere Wassertemperaturen nicht vertragen oder weil sie ausschließlich Algenbeläge von Hartsubstraten (Steine, Aquarienscheiben) fressen. Das bisher ausprobierte, zusätzlich eingebrachte Futter wird offenbar nicht angenommen.

Aus den einzelnen, der Redaktion bisher bekannten Berichten länger gelungener Haltung lassen sich z.Zt. noch keine Empfehlungen ableiten.

In draußen aufgestellten Behältern, die sommers vor Überhitzung/Sauerstoffarmut geschützt werden, scheint eine Haltung einfacher möglich. Dies könnte evtl. darauf zurückzuführen sein, daß die Algennahrung im Sonnenlicht besser gedeiht.

Gefährdung:

Auf der internationalen Roten Liste der IUCN (1994) sowie denjenigen der Niederlande (2005), von Norwegen (2006), Schweden (2001), Estland (Jahr?), Polen (2005), Tschechien (2005) und der Schweiz (1994) wird die Flußnapfschnecke derzeit nicht gelistet.
In Lettland (2003) ist sie in die Kategorie "2" (stark gefährdet), in Slovenien (2001) in die Kategorie "V" (gefährdet) eingestuft.
Auf den bundesweiten Roten Listen Deutschlands (1998) und Österreichs ("LC", 2006) gilt
Ancylus nicht als gefährdete Art. Regional sind die Bestandsentwicklungen jedoch uneinheitlich, sodaß sie auf Ebene mancher Bundesländer in verschiedene Gefährdungskategorien eingestuft ist. Durch die allgemeine Verbesserung der Wasserqualität und das Einbringen von Steinen in die Gewässer konnten sich dagegen andernorts ehemals zurückgegangene Bestände deutlich erholen.

Flussnapfschnecke

Weitere Arten der Gattung Ancylus in Europa:

Die folgenden 7 Arten sind für Europa beschrieben bzw. deren umfassende wissenschaftliche Beschreibung steht noch aus (PFENNINGER et.al. 2003, temporäre Bezeichnungen und Abbildungen der Tiere mit Karte in ALBRECHT et.al. 2006a):

Ancylus lapicidus (HUBENDICK 1960), Ancylus scalariformis (STANKOVIC & RADOMAN 1953), Ancylus tapirulus (POLINSKI 1929) und Ancylus sp. D kommen sämtlich im Ohrid-See/Makedonien endemisch vor.

Ancylus sp. A: bisher ein Fundort im Süden Portugals bekannt.                                                       Ancylus sp. B: Kanarische Inseln, Marokko, Griechenland, Türkei. Auch ein Nachweis in Österreich, wo die Art vermutl. neben A. fluviatilis vorkommt.                                                                 Ancylus sp. C: bisher nur aus Italien bekannt.

Des weiteren gelten gem. Fauna Europaea ( bisher noch nicht mit den Ergebnissen von PFENNINGER et.al. 2003 abgeglichen) noch folgende zwei Arten in Europa derzeit als anerkannt:               Ancylus aduncus (A.A. GOULD 1847): endemisch auf Madeira.                                                     Ancylus striatus (QUOY & GAIMARD 1834): endemisch auf den Kanarischen Inseln - eine Meldung von den Azoren (E. FISHER-PIETTE 1946) konnte seitdem nicht bestätigt werden (RAPOSEIRO et.al. 2007).

 

 

Literatur:

ALBRECHT, C. & TRAJANOWSKI, S. & KUHN, K. & STREIT, B. & WILKE, T. (2006): Rapid evolution of an ancient lake species flock: Freshwater limpets (Gastropoda: Ancylidae) in the Balkan lake Ohrid. Organisms, Diversity & Evolution 6: 294-307.                                                                                                                            [molekulargenetische Untersuchung der Ancylidae im Ohrid-See]

ALBRECHT, C. & KUHN, K. & STREIT, B. (2007): A molecular phylogeny of Planorboidea (Gastropoda, Pulmonata): insights from enhanced taxon sampling. Zoologica Scripta, 36: 1, January 2007, pp. 27–39.
[Phylogenie (=Verwandschaftsbeziehungen) der Planorboidea]

AL-SAFADI(1990): Freshwater molluscs of Yemen Arab Republic. Hydrobiologia 208: 245-251. Kluwer Academic Publishers, Belgium.                                                                                                                                     [Süßwassermollusken in der Arabischen Republik Yemen]

GELDIAY, R. (1956): Studies on Local Populations of the Freshwater Limpet Ancylus fluviatilis Müller. The Journal of Animal Ecology, Vol. 25, No. 2 (Nov. 1956), pp. 389-402.                                                                                   [ökologische Untersuchung im Lake District, GB, mit Schwerpunkt der Populationsökologie]

GLÖER, P. (2002): Süßwassermollusken Nord und Mitteleuropas. Bestimmungsschlüssel, Lebensweise, Verbreitung. In: Die Tierwelt Deutschlands. Conchbooks, Hackenheim. ISBN 3-925919-60-0.                                                       [Angaben zu Merkmalen, Verbreitung usw.]

GLÖER, P & MEIER-BROOK, C. (2003): Süßwassermollusken. Ein Bestimmungsschlüssel für die Bundesrepublik Deutschland. Deutscher Jugendbund für Naturbeobachtung, Hamburg. ISBN 3-923376-02-2.                                     [Angaben zu Merkmalen, Verbreitungskarte für Deutschland]

GRABOW, K. (2000): Farbatlas Süßwasserfauna – Wirbellose. Eugen Ulmer GmbH & Co., Stuttgart. ISBN 3-8001-3145-5.                                                                                                                                                         [kurze Artbeschreibung u.a. auch mit Angaben zu Habitatansprüchen und Biologie]

HADDERINGH, R.H. & VAN DER VELDE, G. & SCHNABEL P.G. (1987): The effect of heated effluent on the occurrence and the reproduction of the freshwater limpets Ancylus fluviatilis MÜLLER, 1774, Ferrissia wautieri (MIROLLI, 1960) and Acroloxus lacustris (L., 1758) in two Dutch water bodies. Aquatic Ecology, Vol. 21, No. 2, pp. 193-205.                   [Einfluß künstlicher Wassererwärmung auf A. fluviatilis, F. fragilis und A. lacustris]

HUNTER, W.R. (1953): On the growth of the fresh-water limpet, Ancylus fluviatilis MÜLLER. Proc. zool. Soc. Lond., 123: 623-636. London.                                                                                                                                 [Populationsdynamik und Wachstum]

PFENNINGER, M. & STAUBACH, S. & ALBRECHT, C. & STREIT, B. & SCHWENK, K. (2003): Ecological and morphological differentiation among cryptic evolutionary lineages in freshwater limpets of the nominal form-group Ancylus fluviatilis (O.F. MÜLLER, 1774). Molecular Ecology 12 (10), 2731-2745.                                                                                 [genetisch-biogeographische Untersuchung europäischer Ancylus]

WIESE, V: (1991): Atlas der Land- und Süßwassermollusken in Schleswig-Holstein. Landesamt für Naturschutz und Landschaftspflege, Kiel. ISBN 3-923339-40-2.
[Verbreitungskarte von Schleswig-Holstein. Gehäusezeichnung, kurze Angaben zu Vorkommen]
 

 

weblinks:

Aquarienschnecken-Forum.de:
[thread zum Fund der Ancylus in einem Bach]
[thread zur Gelegeentwicklung, Haltung, natürlichen Habitaten]
[Habitatbeschreibung, Wasserwerte, weitere Arten in einem Bach in Baden-Württemberg]
Rote Listen Süßwassermollusken [Linksammlung]


ALBRECHT, C. & TRAJANOWSKI, S. & KUHN, K. & STREIT, B. & WILKE, T. (2006a): Appendix: List of studied species and specimens. Electr. Suppl. 6, part 1. - to: Rapid evolution of an ancient lake species flock: freshwater limpets (
Gastropoda: Ancylidae) in the Balkan Lake Ohrid. Org. Divers. Evol. 6(4): 294-307.                                                  [Karte und Phylogramm mit Fotos der untersuchten Ancylidae]

ALBRECHT, C. & TRAJANOWSKI, S. & KUHN, K. & STREIT, B. & WILKE, T. (2006b): Appendix: List of studied species and specimens. Electr. Suppl. 6, part 2. - to: Rapid evolution of an ancient lake species flock: freshwater limpets (Gastropoda: Ancylidae) in the Balkan Lake Ohrid. Org. Divers. Evol. 6(4): 294-307.                                                  [Liste untersuchter Ancylidae mit Anmerkungen zur unklaren Nomenklatur der südeuropäischen Arten]

ANDREEV, R.N. & BURCOVSCHI, I. (2001):Distribuţia unor Specii de Moluşte Acvatice în Zona Fluviului nistru de pe Teritoriul Republicii Moldava                                                                                                                                 [Bericht über Vorkommen von Süßwassermollusken in Moldavien]

Atlasproject Nederlandse Mollusken (ANM): Ancylus fluviatlis MÜLLER, 1774 Ronde Beekmuts.                             [Verbreitungskarte der Niederlande]

BERG, K. & LUMBYE, J. & OCKELMANN, K.W. (1958): Seasonal and experimental Variations of the Oxygen Consumption of the Limpet Ancylus fluviatilis (O.F. MÜLLER). Journal of Experimental Biology 35,43-73 (1958). Published by Company of Biologists 1958.                                                                                                                              [jahreszeitlicher und temperaturabhängiger Sauerstoffkonsum von Ancylus fluviatilis]

BUGERT, M. (2001): Molekulare Systematik und Phylogeographie der Formengruppe Ancylus fluviatilis O. F. MÜLLER 1774. Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades der Naturwissenschaften, vorgelegt beim Fachbereich Biologie der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main.                                                                               [phylogeographische Arbeit]

CIOBOIU, O. (2003):Diversity of Gastropoda in the Romanian sector of the Danube lower hydrographic basin [Darstellung der Vorkommen in Rumänien auf Flußgebietsniveau]                                                                                                                                                                       Deutsche Malakozoologische Gesellschaft (Red.: WIESE, V., Stand: 10/2008): Molluscs of Central Europe – Nomenklaturliste.                                                             [Systematik europäischer Mollusken – auch mit deutschen Namen]

Fauna Europaea   [europäische Systematik, Hinweise zur Verbreitung von Ancylus fluviatilis]

FERRERI, D. (1995): Molluschi, Irudinei, e Turbellari Tricladi delle acque dolci della Provincia di Lecce. Thalassia Salentina Vol. 21: pp. 29-49.                                                                                                                              [Untersuchung der Mollusken, Egel und Turbellaria in Italien, Provinz Lecce mit Fundort- und Habitatangaben]

GELDIAY, R. (1956): Studies on Local Populations of the Freshwater Limpet Ancylus fluviatilis Müller. The Journal of Animal Ecology, Vol. 25, No. 2 (Nov., 1956), pp. 389-402.                                                                                      [Abstract zur Untersuchung der Ökologie und Population von A. fluviatilis im Lake District/England]

GLÖER, P. & ZETTLER, M.L. (2005): Kommentierte Artenliste der Süßwassermollusken Deutschlands. Malak. Abh. 23: 3-26.                                                                                                                                                                [Verweis auf PFENNINGER et. al. demzufolge die Verbreitung von A. fluviatilis auf Nord- und Zentraleuropa (einschl. Deutschland) beschränkt ist]

GROH, K. & WEITMANN, G. (2005): Kap. 5.1 Mollusca. In: GERECKE, R. et al.: Die Fauna der Quellen und des hyporheischen Interstitials in Luxemburg. Ferrantia 41.                                                                                         [Vorkommen in Luxemburg]

National Biodiversity Network: Grid map of records on the Gateway for River Limpets (Ancylus fluviatilis).                  [Datenbank-basierte Verbreitungskarten der Britischen Inseln]

STRZELEC, M. & KRÓLCZYK, A. (2004): Factors affecting snail (Gastropoda) community structure in the upper course of the Warta river (Poland). Biologia, Bratislava, 59/2: 159-163. ISSN 0006-3088.
[zum Einfluß von Substrattyp und Macrophyten auf Süßwasserschnecken-Gemeinschaften]

VINARSKI, M.V. et al. (2007): Aquatic Gastropods of the Ilmeny State Reserve (Southern Urals, Russia). In: Tentacle No. 15. ISSN 0958-5079.                                                                                                                                      [Vorkommen von Wasserschnecken im südlichen Ural, Rußland]

WIESE, V: (1991): Atlas der Land- und Süßwassermollusken in Schleswig-Holstein. Landesamt für Naturschutz und Landschaftspflege Schleswig-Holstein. ISBN 3-923339-40-2.                                                                                  [Verbreitungskarte von Schleswig-Holstein. Gehäusezeichnung, kurze Angaben zu Vorkommen]

YILDIRIM, M.Z. & GÜMÜŞ, B.A. & KEBAPÇI, Ü. & KOCA, S.B. (2006): The Basommatophoran Pulmonate Species (Mollusca: Gastropoda) of Turkey. Turk J Zool 30: 445-458.                                                                                   [Angaben über die Verbreitung der Pulmonata in der Türkei]

ZETTLER, M.L. (2000): Bewertung des ökologischen Zustandes von Fließgewässern in Mecklenburg-Vorpommern über die Malakofauna als Indikatororganismen. Natur und Naturschutz in Mecklenburg-Vorpommern. 35: 3-36.                   [Angaben zu Habitaten und Verbreitung der Art auf Seite 15]

ZETTLER, M.L. & ZETTLER, A. & DAUNYS, D. (2005): Bemerkenswerte Süßwassermollusken aus Litauen. Aufsammlungen vom September 2004. Malak. Abh. 23: 27-40.         [Fundortangaben für Litauen]

internationale Trivialnamen :
englisch: River limpet
französisch: Ancyle fluviatile
holländisch: Ronde beekmuts
japanisch:
カワコザラガイの仲間
lettisch: upju micīte
polnisch: przytulik strumieniowy
russisch: камнелюб речной
schwedisch: Flodhättesnäcka
slovakisch: čiapočka potočná
tschechisch: kamomil říční

 

Seite aktualisiert am 30.11.2008   Autor: schneckli

 

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