|
Aquarienschnecken.de |
|||||||||||||||||||
|
|||||||||||||||||||
|
Lithoglyphus naticoides (C. PFEIFFER 1828) – Flußsteinkleber |
|||||||||||||||||||
![]() |
|||||||||||||||||||
|
Überfamilie: Rissooidea (GRAY 1847) Familie: Hydrobiidae (TROSCHEL 1857) – Wasserdeckelschnecken Unterfamilie: Lithoglyphinae (TRYON 1866) Gattung: Lithoglyphus (C. PPFEIFFER 1828) – Flußsteinkleber Art: Lithoglyphus naticoides (C. PFEIFFER 1828) – Flußsteinkleber Beschreibung: Die rechtsgewundenen, kugeligen bis konischen Gehäuse des Flußsteinklebers sind sehr festwandig und nicht durchscheinend. Sie werden 6,5 bis 8mm hoch und 5,5 bis 7,5mm breit. Die bis zu 4,5 bis 5 stark konvexen Umgänge sind voneinander durch eine tiefe Naht abgesetzt. Der Apex ist stumpf, der Nabel geschlossen. Die Mündung ist breit-eiförmig mit einem einfachen Mundsaum. Das Operculum ist entsprechend eiförmig geformt, wobei es oben schmaler gerundet ist als unten. Das Wachstumsmuster des dünnen Operculums ist paucispiral; der Nukleus ist deutlich unterhalb der Mitte. Bis auf feinste Zuwachslinien ist das Gehäuse glatt. Es ist einfarbig grauweiß bis grünlich-gelb und mattglänzend. Der breite Fuß des Tieres ist vorn seitlich stark zu zwei Lappen eingeschnürt, hinten gerundet. Die Schnauze ist vom Fuß deutlich abgesetzt und beim aktiven Tier rüsselartig vorgestreckt. An der außen verdickten Basis der langen, fadenförmigen Fühler sitzen die Augen. Körper und Fuß der Tiere sind oberseits grau gefärbt. Der gesamte Körper ist zudem mit goldgelben bis orangefarbenen Punkten übersät, die an der Fühlerbasis zu Flecken verschmelzen. Der Fuß ist unterseits heller grau und an den Rändern durchscheinend. Verbreitung, natürliches Habitat: Pontisch-danubisch mit Schwerpunkt westlich des Schwarzen Meeres, im mittleren Donauraum beheimatet. Von hier aus breitete sich die Art wahrscheinlich vom Dnjepr über den Dnjepr- Bug-Kanal (1775) über die Oder und weitere Kanalbauten bzw. Binnenschiffsverkehr weiter nach Westeuropa aus. Rezente Vorkommen im europäischen Raum: Lettland (Düna), Litauen (seit 1903; Vorkommen s. weblinks: ZETTLER et al. 2005), Polen (s. weblinks: PIECHOCKI), Weißrußland (s. weblinks: MASTITSKY & SAMOILENKO 2006), Niederlande (seit 1870, zerstreute Vorkommen s. weblinks: Atlasproject Nederlandse Mollusken), Belgien (Maas, Kanäle von Charleroi und Campine), Österreich (seit 1950; Donau bei Wien und in der March), Tschechien (nur in Mähren), Slowakei (Donau-Einzugsgebiet, südöstliches Tiefland), Frankreich (seit 1909), Ungarn, Slovenien, Serbien (z.B. in der Theiß), Bulgarien, Rumänien (s. weblinks: CIOBOIU 2003), Moldavien (s. weblinks: ANDREEV 2001 und COAD? & POPA 2006), Ukraine (häufig), Türkei (nur Marmara-Region: Sepanca Gölü; s. weblinks: KOªAL ªAHiN& YILDIRIM 2007) und Rußland (z.B. Ostpreußen, Wolgadelta. In Deutschland Reliktvorkommen an der Donau. 1883 wurden weitere Vorkommen an der Elbe und der Unterspree gefunden. Über Kanäle hat sich die Art dann besonders im Nordosten Deutschlands und am Rhein weiter ausgebreitet, bis die Bestände aufgrund zunehmender Wasserverschmutzung in den 1960er Jahren stark zurückgingen. Mittlerweile erholen sich die zerstreuten Bestände wieder. Die heutigen Vorkommen in Deutschland liegen schwerpunktmäßig im Nordosten (s. weblinks: ZETTLER 2000 und WIESE 1991) und in Brandenburg. Weitere Vorkommen in Niedersachsen (Dortmund-Ems-Kanal) und entlang des Rheins. In der Natur ist der Flußsteinkleber vorrangig in größeren Fließgewässern an Orten schwacher Strömung zu finden. Außerdem in Kanälen. Seltener und mit geringeren Abundanzen auch in Seen und Stauseen. Lebt dort bevorzugt im Flachwasser auf weichem Schlamm- oder Sandsubstrat oder sitzt an Steinen, Holz oder auch an Wasserpflanzen. Wasserwerte: Der Flußsteinkleber gilt allgemein als calciphil und besonders sauerstoffbedürftig. Im Freiland kommen Populationen bis max. 3‰ Salzgehalt vor. Einige Wasserwerte (Temperatur, Nitrat, Phosphat, Trübung) für den Balaton, z.T. mit Jahresverlauf sind in der World Lakes Database zu finden (s. weblinks). Weitere Wasserwerte (Temperatur, Sauerstoffgehalt, pH-Wert, Trübung) in einem See in der Türkei (am äußersten Rand des Verbreitungsgebietes des Flußsteinklebers) wurden durch KOªAL ªAHiN. & YILDIRIM, M. Z. (2007, s. weblinks) veröffentlicht. Fortpflanzung: Die Tiere werden erst nach ihrem ersten überstandenen Winter ab einer Gehäusehöhe von 5mm geschlechtsreif. Die etwa 1mm großen, gelblichen Eikapseln werden ab April bevorzugt auf Gehäusen der Artgenossen einzeln abgelegt. Die Eikapseln enthalten jeweils nur ein einziges Ei. Lebenserwartung: Der Flußsteinkleber wird 3 bis 5 Jahre alt. Nahrung: Nach KRAUSE (1949, in: GLÖER 2002) bilden in der Natur Diatomeen und Grünalgen die Hauptnahrung des Flußsteinklebers. Nach SCHÄFER (1952) ist der Flußsteinkleber als typischer Schlammfresser anzusehen. Im Zusammenhang mit den Habitaten, an denen die Art vorkommt, scheint das Vorhandensein von schlammigen Substrat essentiell zu sein. Zumindest teilweise ernährt sich die Art auch indem sie Detritus aus dem Atemwasserstrom herausfiltert und aufnimmt. Sonstiges: Der Flußsteinkleber wird auf den Roten Listen Deutschlands und Österreichs als „stark gefährdet“ sowie in Polen (s. weblinks: ZAJAC 2005), Tschechien und der Slovakei als „gefährdet“ geführt. Nach PIECHOCKI (s. weblinks) sollte die Art jedoch (für Polen) von der Roten Liste getilgt werden, da ihre Einwanderung erst in der Neuzeit durch Kanalbauten des Menschen ermöglicht wurde. In Lettland ist die Art gesetzlich geschützt und ist als „stark gefährdet“ auf der Roten Liste geführt (s. weblinks: Entomological Society of Latvia). Die dickschaligen Flußsteinkleber können mit geschlossenem Operculum unbeschadet den Magen-Darm-Trakt von Wasservögeln passieren und können auf diese Weise verbreitet werden. Unterarten, Formen: Der Flußsteinkleber gilt aufgrund des variablen Höhen-Breiten-Verhälnisses des Gehäuses sowie unterschiedlicher Mündungsformen insgesamt als formvariabel. Von der Checkliste der Gastropoden der Ukraine (s. weblinks: SON) ist der Redaktion die Unterart Lithoglyphus naticoides berolinensis (WESTERLUND 1897) bekannt. Literatur: GLÖER, P. (2002): Süßwassermollusken Nord und Mitteleuropas. Bestimmungsschlüssel, Lebensweise, Verbreitung. In: Die Tierwelt Deutschlands. Conchbooks, Hackenheim. ISBN 3-925919-60-0. [Angaben zu Merkmalen, Verbreitung usw.] GLÖER, P & MEIER-BROOK, C. (2003): Süßwassermollusken. Ein Bestimmungsschlüssel für die Bundesrepublik Deutschland. Deutscher Jugendbund für Naturbeobachtung, Hamburg. ISBN 3-923376-02-2. [Angaben zu Merkmalen, Verbreitungskarte für Deutschland] weblinks: ANDREEV,N. & BURCOVSCHI, I. (2001): Distribuþia unor Specii de Moluºte Acvatice în Zona Fluviului nistru de pe Teritoriul Republicii Moldava. [Vorkommen von Süßwassermollusken in Moldavien mit kurzen Habitatangaben] Atlasproject Nederlandse Mollusken (ANM):Lithoglyphus naticoides (PFEIFFER 1828) Eeltslak. [Verbreitungskarte der Niederlande] CIOBOIU, O. (2003): Diversity of Gastropoda in the Romanian sector of the Danube lower
hydrographic basin. [Darstellung der Vorkommen in Rumänien auf Flußgebietsniveau] COADÃ, V. & POPA, V. (2006): Diversitatea Malacologic Alacologicã a Fluviului Nistru în Porþiunea Or. Otaci Or. Vadul-Lui-Vodã. In: Academician Leo Berg 130: Collection of Scientific Art. Bender: Eco-TIRAS, 2006 (Tipogr. “ELAN POLIGRAF”). ISBN 978-9975-66-054-9 [Vorkommen der Art in Moldavien auf den Seiten 66 bis 68] [europäische Systematik, Hinweise zur Verbreitung] Entomological Society of Latvia (2003): Protected Latvian Invertebrates. Complete List. [Rote Liste der Wirbellosen in Lettland] KOªAL ªAHiN, S. & YILDIRIM, M. Z. (2007): The Mollusk Fauna of Lake Sapanca (Turkey: Marmara) and some Physico-Chemical Parameters of their Abundance. Turk J Zool 31: 47-52. [Vorkommen u.a. von L. naticoides in der Türkei; mit Wasserwerten zu den Fundorten im Jahresverlauf] MASTITSKY, S. E. & SAMOILENKO, V. M. (2006): The gravel snail, Lithoglyphus naticoides (Gastropoda: Hydrobiidae), a new Ponto-Caspian species in Lake Lukomskoe (Belarus). Aquatic Invasions (2006) Volume 1, Issue 3: 161-170. [Einwanderung von L. naticoides in Weißrußland und Europa; exakte Fundortangaben, Fotos] PIECHOCKI, A.: Lithoglyphus naticoides (C. Pfeiffer, 1828). Namurek pospolity. [allgemeine Artbeschreibung, Verbreitung in Polen] SLOBODNÍK, J. et al. (2005): Final report on sampling, chemical analysis and ecotoxicological studies. [Beschreibung von Fundorten, ökol. Ansprüchen u.a. von L. naticoides in der Donau] SON, M.: Check-list of freshwater Gastropoda of Ukraine. [Artenliste der Gastropoden der Ukraine: u.a. Listung von L. naticoides und der Unterart berolinensis] SysTax - a Database System for Systematics and Taxonomy [Systematik; Angaben von Fundorten von Sammlungsmaterial] WIESE, V: (1991): Atlas der Land- und Süßwassermollusken in Schleswig-Holstein. Landesamt für Naturschutz und Landschaftspflege Schleswig-Holstein. ISBN 3-923339-40-2. [Verbreitungskarte Schleswig-Holstein, kurze Angaben zu Habitat und Merkmalen]
WIESE, V: (2005): Ergänzung zum Atlas der Land- und Süßwassermollusken in Schleswig-Holstein. Landesamt für Naturschutz und Landschaftspflege Schleswig-Holstein. [Fotos, kurze Angaben zu Habitat und Merkmalen]
WIESE, V: (Red.) (2007): Systematische Übersicht der Land- und Süßwassermollusken Nord- und Mitteleuropas. [Systematik europäischer Mollusken – auch mit deutschen Namen] World Lakes Database: Lake Balaton. [Wasserwerte vom Balaton] ZAJAC, K. (2005): Threatened Mollusks of Poland. In: Tentacle No. 13. ISSN 0958-5079. [Rote Liste der Mollusken Polens] ZAUNER, G., PINKA, P. & MOOG, O. (2001): Pilotstudie Oberes Donautal. Gewässerökologische Evaluierung neugeschaffener Schotterstrukturen im Stauwurzelbereich des Kraftwerks Aschach. Österreichischen Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie, Wasserstraßendirektion, Wien. [kurze Angaben für Österreich auf Seiten 93, 98, 100f] ZETTLER, M. L. (2000): Bewertung des ökologischen Zustandes von Fließgewässern in Mecklenburg-Vorpommern über die Malakofauna als Indikatororganismen. Natur und Naturschutz in Mecklenburg-Vorpommern. 35: 3-36. [Angaben zu Habitaten und Verbreitung der Art auf Seite 9] ZETTLER, M. L. et al. (2005): Bemerkenswerte Süßwassermollusken aus Litauen. Aufsammlungen vom September 2004. Malak. Abh. 23: 27-40. [Fundortangaben für Litauen]
Autor: schneckli Seite aktualisiert: 04.01.2007 |
|||||||||||||||||||
|
Bilder/Text/Fotografien sowie Inhalte in Wort/ Text & Bild unterliegen dem © von Alexandra Behrendt Dezember 2004 - 2010 |
|||||||||||||||||||
|
Pictures/texts/photos as well as word, text and pictorial content underlie the copyright of Alexandra Behrendt, December 2004 – 2010.Please note: Any and all photos and pictures are copyrighted!If you are interested in using pictures or photos on private web sites please send me an email. Tax no. 49108/30501 |
|||||||||||||||||||