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Lebensdauer: Lymnaea stagnalis wird nach GLÖER (2002) im Freiland etwa zwei Jahre alt. Für finnische Seen stellen VÄYRYNEN et al. (2000) fest, daß die Tiere einen zweiten Winter überleben können und maximal 2 bis 2,5 Jahre alt werden können. Für den nordgriechischen Kerkini-See geben HATZIIOANNOU & LAZARIDOU-DIMITRIADOU (2001) ein Höchstalter von 18 bis 24 Monaten an.
Nach Angaben von GRABOW (2000) überleben sie im Freiland meist keine zweite Überwinterung. In seinem Aquarium lebten sie dagegen bis zu 4 Jahre.
Nahrung:
Nach CARRIKER (1946) ernährt sich das Spitzhorn im Freiland vorwiegend vegetarisch, verschmäht aber auch Aas (z.B. tote Artgenossen) nicht. RAEVELL (1980; in: GLÖER 2002) konnte im Darminhalt 85% Detritus und 15% Diatomeen finden. Nach Angaben von GRABOW (2000) ernährt sich die Art von Algenaufwuchs, weichen Pflanzenteilen und Aas. In einer schweizerischen Aquakulturanlage beobachtete BUTZ (1998), daß Muschelblumen (=Wassersalat; Pistia stratiotes), Wasserhyazinthen (Eichornia crassipes) und die Untergetauchte Wasserlinse (Lemna trisulca) nicht so gern gefressen wird wie Algen, abgestorbene Pflanzenteile oder die Kleine Wasserlinse (Lemna minor). Im Labor fütterte CARRIKER (1946) seine Lymnaea über viele Generationen mit Salat und einem gekochten Weizenbrei. Er stellte fest, daß die Tiere zur weiteren Zerkleinerung der aufgenommenen Nahrung auf ein Minimum an Sand in ihrem Muskelmagen angewiesen sind. Unabhängig von der Art der angebotenen Nahrung stellten die Tiere bei völlig sandfreier Haltung nach einigen Tagen die Nahrungsaufnahme ein und starben. Zur Optimierung der Haltungsbedingungen für die amerikanische Unterart L. s. appressa führte CRABB (1929) u.A. auch Fütterungsexperimente durch: Er fand, daß insb. Jungtiere bei Fütterung mit Kopfsalat erheblich besser wachsen als mit Eisbergsalat. Auch erwachsene Tiere bevorzugen die grünen Blätter gegenüber dem zarten, weißen Blättern. In einem anderen Experiment wurde den Tieren gleichzeitig Kopfsalat, Eisbergsalat, Grünkohlblätter und Wasserpest (Elodea) angeboten. Hierbei fraßen sie den Kopfsalat und legten ihre Gelege an Kohl und Wasserpest. Wurde der Kopfsalat nicht wieder ersetzt, so wandten sie sich dem Eisbergsalat zu. Auch dünne Scheiben Zuckerrübe, Karotte und Spinat wurden gegenüber Grünkohl oder Wasserpest bevorzugt gefressen. Nebenbei bemerkte CRABB, daß auch tote Artgenossen gefressen werden. Für optimales Wachstum der Art empfiehlt CRABB schlußendlich die Tiere mit Kopfsalat in Abständen von 2 bis 3 Tagen zu füttern. Gelegentlich sollte die Diät mit gekochtem Weizen und Filterpapier ergänzt werden. Bei gemeinsamer Haltung in Laboraquarien mit der Gemeinen Schnauzenschnecke (Bithynia tentaculata) beobachtete RICHTER (2001), daß die Gelege zwar nicht gezielt, über die Versuchsdauer doch aber fast komplett von Lymnaea aufgefressen wurden. Von den wenigen zwischenzeitlich geschlüpften Schnauzenschnecken waren zum Versuchsende keine mehr auffindbar, sodaß anzunehmen ist, daß das Spitzhorn auch die lebenden Jungtiere verzehrt hat. MEIER (1985; in: GLÖER 2002) beobachtete, daß sich die Sterberate der Eiförmigen Schlammschnecke (Radix balthica) bei Vergesellschaftung im Aquarium mit Lymnaea stagnalis verdoppelte. Im Freiland koexistiert Lymnaea häufig mit Bithynia und Radix in denselben Habitaten. Daß die kleineren Arten sich hier dennoch halten können, ist vermutl. auf die geringere Dichte der Lymnaea zurückzuführen sowie daß die kleineren Arten genügend Versteckmöglichkeiten vorfinden.
Im Aquarium frißt das Spitzhorn hauptsächlich Algen (auch Blaualgen), Mulm, Fischfutter (-reste), abgestorbene Pflanzenteile, aber auch lebende, zarte Wasserpflanzern (z.B. Wurzeln von Wasserpest, Schwimmfarn (Salvinia natans), Wasserlinsen (Lemna sp.), Wassernabel (Hydrocotyle sp.), Wasserstern (Callitriche palustris)) und Aas. Die Verluste unter den Wasserpflanzen können durch Zufütterung mit Spirulina, überbrühtem Salat, sonstigem Gemüse (z.B. Kohlblätter, Zuccini, Gurke) oder auch Nudeln verringert werden. Sehr hartblättrige Wasserpflanzen wie z.B. Hornblatt (Ceratophyllum demersum) werden nicht angefressen. Nach Beobachtungen mehrerer Aquarianer werden neben Gelegen anderer Wasserschnecken (Posthorn- und Blasenschnecken) auch Hydra im Aquarium gefressen. Obwohl sie nicht gezielt, sondern eher zufällig gefressen wird, wird sie doch deutlich reduziert.
Verhalten:
Auch in sauerstoffreichem Wasser gehaltene Spitzschlammschnecken kommen etwa halbstündlich an die Wasseroberfläche um den Luftvorrat in ihrer Mantelhöhle auszutauschen. Der Vorgang dauert etwa 15s (LUKOWIAK et al. 1996). Bei höheren Wassertemperaturen (sommers im Freiland / im Aquarium) und/oder geringem Sauerstoffgehalt kommen sie häufiger an die Wasseroberfläche. Bei geringeren Temperaturen und entsprechend geringerer Aktivität reicht ihnen die Atmung über die Haut und die dann mit Wasser gefüllte Mantelhöhle. In milden Wintern ist die Art weiterhin aktiv und ist manchmal sogar unter einer dünnen Eisdecke zu beobachten. In strengen Wintern kann Lymnaea auch im Sediment eingegraben ruhen und zehrt währendessen von ihren Reserven.
Jungtiere kriechen oft über die Wasseroberfläche hinaus. Auch adulte Tiere sind oft an der Wasseroberfläche hängend beim Fressen der Kahmhaut zu beobachten. Die Art kann im Schlamm vergraben auch ein Austrocknen des Gewässers überdauern. Auch das "Ausfrieren" abgelassener Fischteiche kann sie im Schlamm vergraben überstehen.
MEGUŠAR (1907) beobachtete, daß sich Spitzschlammschnecken ihren Feinden (z.B. den Wasserkäfern Hydrophilus piceus und H. aterrimus entzieht, indem sie sich zu Boden fallen läßt. Die in der Mantelhöhle meist vorhandene Luft wird hierbei von der Schnecke ausgestoßen.
Im Aquarium sind die stets aktiven Tiere auf verschiedenen Substraten, sämtlichen Einrichtungsgegenständen, an der Wasseroberfläche und an Wasserpflanzen zu beobachten.
Haltung und Vergesellschaftung im Teich und Aquarium:
Lymnaea stagnalis wird im Handel jedes Frühjahr als Wildfang aus Osteuropa für den Besatz von Gartenteichen angeboten. Für die dauerhafte Haltung der Spitzschlammschnecke im Gartenteich sollte dieser über eine ausreichende Wassertiefe (je nach regionalem Klima; ca. 50 bis 100cm), eine Flachwasserzone, Bereiche mit weichem Substrat (Teicherde, Schlamm kommt mit der Zeit von selbst hinzu) und reichlich Pflanzen verfügen. Eine Fütterung der Schnecken ist dann nicht erforderlich. Eine ausreichende Sauerstoffversorgung insb. der überwinternden Tiere kann mit Wasserpflanzen (z.B. Wasserpest, Hornblatt, Tausendblatt) gewährleistet werden. In strengen Wintern ist es sinnvoll gelegentlich Fenster in die auf dem Eis liegende Schneedecke zu schieben. Eine künstliche Wasserumwälzung/Belüftung/Wasserfilterung ist für die Schnecken selbst so zu keiner Jahreszeit erforderlich. Auch in kleineren Teichen ist eine Vergesellschaftung mit kleinen Fischen wie z.B. Moderlieschen, Stichling oder Gründling gut möglich. Bei gemeinsamer Haltung mit größeren Cypriniden halten sich die Schnecken nur in einer großzügigen Flachwasserzone. Gegen Flußkrebse haben die dünnschaligen Spitzschlammschnecken keine Überlebenschance.
In geschützter Lage, z.B. auf einer Terrasse unmittelbar an einer Hauswand, lassen sich Spitzschlammschnecken auch in einem Mörtelkübel (ab 200l) dauerhaft halten. Der Standort ist gewissenhaft auszuwählen, damit die Wassertemperaturen im Hochsommer in solch kleinen Behältnis möglichst nicht 25°C überschreitet ( --> Halbschatten) und das Wasser im Winter nicht von unten her (wo die Tiere in weichem Substrat überwintern) gefrieren kann. Gegen letzteres Problem hilft es den Kübel möglichst bis zu seiner Oberkante in das Erdreich einzulassen. Die Nähe zu einem (üblicherweise wenig gedämmten) Keller ist vorteilhaft. Weil die Jungtiere gern das Wasser verlassen, sollte der Kübel nich randvoll mit Wasser gefüllt werden, sondern mind. 5cm Freibord verbleiben. Im Übrigen können für die Haltung der Spitzschlammschnecken im Mörtelkübel sinngemäß obige Ausführungen bzgl. der Haltung im Gartenteich empfohlen werden.
Aufgrund ihrer Größe, relativen Anspruchslosigkeit und leichter Vermehrung wurde das Spitzhorn ein beliebtes Labortier für wissenschaftliche Untersuchungen in der Neurologie, Toxikologie und Verhaltensforschung (vgl. z.B.: The Journal of Experimental Biology . Ihre ständige Aktivität macht sie auch für Aquarianer zu interessanten Pfleglingen. In Übereinstimmung mit den Erkenntnissen von SEMPER (1874, 1883; in: CRABB 1929) empfiehlt die Redaktion für die dauerhafte Haltung im Aquarium zur Vermeidung innerartlicher Konkurrenz nicht mehr als 2 adulte Tiere je 10l Aquarieninhalt. Als Standort für ein Aquarium ist ein schattiger bis halbschattiger Platz in sommers nicht zu warm werdenden Zimmern geeignet. Die Wassertemperatur sollte 20 ± 5°C betragen. Die Installation eines Heizstabes ist damit bei üblichen Zimmertemperaturen nicht erforderlich. Bereits 1929 stellte CRABB fest, daß eine Belüftung des Wassers, regelmäßige Wasserwechsel und das Entfernen von Mulm und Futterresten für ein gesundes Wachstum der Tiere essentiell sind. Ein Wasserfilter ist dann nicht unbedingt erforderlich. Für die Einrichtung des Aquariums ist üblicher Aquariensand, reichlich Wasserpflanzen und Wurzelholz geeignet. Sollte sich Nachwuchs eingestellt haben, hilft eine dichte Abdeckung gegen Verluste durch "Aussteiger". Ohne Abdeckung ist reichlich Freibord nur die zweitbeste Lösung. Für das Einfahren des Aquariums und regelmäßige Wasserwechsel sind die in der Süßwasseraquaristik allgemein bekannten Regeln zu beachten. Hinsichtlich der Vergesellschaftung mit anderen Arten im Aquarium wurden bisher von usern des Aquarienschnecken-Forums einige Beobachtungen gepostet: So wird von gemeinsamer Haltung mit Pomacea bridgesii, Asolene spixi und Marisa cornuarietis abgeraten (adulte Lymnaea wird gebissen oder gar lebendig gefressen; Laich und Jungtiere wird gefressen). Größere Flußkrebse wie z.B. Cherax sp. "Zebra" fressen auch erwachsene Spitzschlammschnecken - Laich und Jungtiere fallen auch kleinen Flußkrebsarten zum Opfer. Außerdem wurde beobachtet, daß Jungtiere von der "Raubschnecke" Anentome helena gefressen werden. Andererseits dezimiert das Spitzhorn die Gelege anderer Wasserschnecken (z.B. Blasen- und Posthornschnecken). Eine Vergesellschaftung mit Zwerggarnelen, friedlichen Fischen wie Panzerwelsen oder anderen, pflanzenfressenden Kleinfischen ist im Aquarium unproblematisch.
Parasiten:
Neben anderen Wasserschnecken werden besonders auch die heimischen Lymnaea von verschiedenen Arten von Trematoden (Leberegel) als Zwischenwirt befallen. Planmäßiger Endwirt der die Schnecke verlassenden Cercarien (= ein Larvenstadium der Egel) sind Wasservögel, Fische, Amphibien oder Säugetiere. Die meisten Cercarien gelangen in ihren Endwirt indem sie mitsamt der infizierten Schnecke gefressen werden. Dort bohren sie sich durch die Darmwand und befallen die inneren Organe. Cercarien der Familie Schistosomatidae schwimmen dagegen aktiv auf ihren Endwirt zu und bohren sich durch dessen Haut. In den Tropen führen verschiedene Trematodenarten auch zu Erkrankungen der Menschen (Schistosomiasis = Bilharziose). Die in Mitteleuropa nicht seltene Art Trichobilharzia ocellata, deren planmäßiger Endwirt Wasservögel sind, kann auch hier badende Personen als Fehlwirt befallen, wird aber noch in der Haut vom Immunsystem abgetötet. Während dabei beim ersten Befall noch keine Hautreaktion zu bemerken ist, kommt es bei wiederholtem Male an den Ein“stich“stellen zu Rötungen und stark juckendem Hautausschlag, der mehrere Tage anhält („Badedermatitis“). In Süddeutschland stellte ALLGÖWER (1990; in: GLÖER 2002) fest, daß 4,4 bis 8,4% der untersuchten Spitzschlammschnecken mit Trichobilharzia ocellata infiziert sind. In Spitzschlammschnecken wurden u.a. von FUCHS (2002, s. weblinks) im Raum Westfalen-Lippe weitere, für die menschliche Gesundheit ungefährliche Trematodenarten gefunden. Auch VÄYRYNEN et al. (2000) fanden in finnischen Seen eine Reihe Trematodenarten, deren Endwirte Vögel oder Fische sind. Nach BARGUES & MAS-COMA (1997) ist Lymnaea stagnalis genetisch so verschieden von den Haupt-Zwischenwirten (Radix spec. Stagnicola palustris, Galba truncatula) der für den Menschen gefährlichen Trematodenarten Fasciola hepatica und Fasciola gigantica, daß sie nur ausnahmsweise von diesen befallen wird.
Gefährdung:
Die Spitzschlammschnecke wird derzeit nicht auf der bundesweiten Roten Liste Deutschlands (1998) geführt. Ebenso nicht auf der internationalen Roten Liste der IUCN und derjenigen von Estland (Jahr?), Lettland (2003), Niederlande (2004) und Polen (2004). In Slovenien (2001) wird sie als gefährdet ("V") geführt. In Österreich gilt sie als nicht gefährdet ("LC", in PATZNER 2006).
Sonstiges:
Die Spitzschlammschnecke wird derzeit nicht auf der bundesweiten Roten Liste Deutschlands geführt. Ebenso nicht auf der internationalen Roten Liste (IUCN 2007) und derjenigen von Estland (Jahr?), Lettland (2003), Niederlande (2004) und Polen (2004). In Slovenien (2001) wird sie als gefährdet ("V") geführt. In Österreich gilt sie als nicht gefährdet ("LC", in PATZNER 2006).
Die Systematik innerhalb der Gattung Lymnaea ist derzeit in Europa noch umstritten. Aufgrund von DNA-Analysen und Kreuzungsversuchen gibt es jedoch deutliche Hinweise darauf, daß nicht alle Formen auf die Variabilität der Art L. stagnalis zurückzuführen sind. Insbesondere in Süd- und Osteuropa ist damit zu rechnen, daß weitere Arten abgegrenzt werden (vgl.: Wikipedia). Bisher werden für den Bearbeitungsbereich der FaunaEuropaea (s. weblinks) indes keine weiteren Arten oder Unterarten gelistet.
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Seite aktualisiert am 30.11.2008
Autor: schneckli
nternationale Trivialnamen dänisch: Stor Mosesnegl englisch: Great Pond Snail französisch: Limnée des étangs = Limnée d'étang holländisch: Poelslak japanisch: Yohroppa-Monoaragai = ヨーロッパモノアラガイ lettisch: lielais dīķgliemezis polnisch: błotniarka stawowa rumänisch: melc de mâl russisch: ПРУДОВИК schwedisch: Stor dammsnäcka slovakisch: vodniak vysoký tschechisch: plovatka bahenní ungarisch: Nagy mocsárcsiga
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