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Klasse: Gastropoda (CUVIER 1795) – Schnecken Unterklasse: Prosobranchia (MILNE & EDWARDS 1848) – Vorderkiemer Überordnung: Caenogastropoda (COX 1960) – Neuschnecken Ordnung: Neotaenioglossa (HALLER 1892) – Neu-Bandzüngler Überfamilie: Rissooidea (GRAY 1847) Familie: Hydrobiidae (TROSCHEL 1857) – Wasserdeckelschnecken Unterfamilie: Amnicolinae (TRYON 1862) Gattung: Marstoniopsis (VAN REGTEREN ALTENA 1936) – Zwergdeckelschnecken Art: Marstoniopsis insubrica (KÜSTER 1853) – Schöngesichtige Zwergdeckelschnecke
Beschreibung:
Die rechtsgewundenen, konisch-eiförmigen Gehäuse der Zwergdeckelschnecken sind dünnwandig und durchscheinend. Die Gehäuse der Schöngesichtigen Zwergdeckelschnecken werden 2 bis 2,9mm hoch und 1,2 bis 1,7mm breit. Die bis zu 4 bis 4,5 bauchigen Umgänge sind voneinander durch eine tiefe Naht abgesetzt. Der Apex ist stumpf und typischerweise schief abgestutzt. Der Nabel ist als schmaler Ritz offen. Die Mündung und damit das Operculum ist schief-eiförmig und oben stumpfeckig. Bis auf feinste Zuwachslinien ist das Gehäuse glatt. Es ist einfarbig grauweiß bis hell-hornfarben und mattglänzend. Der Fuß des Tieres ist vorn seitlich zu zwei Ecken eingeschnürt, hinten gerundet. Die Schnauze ist vom Fuß deutlich abgesetzt und beim aktiven Tier rüsselartig vorgestreckt. An der außen verdickten Basis der fadenförmigen, nicht zugespitzten Fühler sitzen die Augen (vgl. Foto in weblinks: WIESE 2002). Körper und Fuß der Tiere sind oberseits grau gefärbt. Der gesamte Körper ist zudem mit orangefarbenen Punkten übersät, die am insgesamt dunkler pigmentierten Kopf über den Augen zu Flecken verschmelzen. Der Fuß ist unterseits heller grau und an den Rändern durchscheinend.
Verbreitung, natürliches Habitat:
Allgemein zerstreut mitteleuropäisch- baltisch verbreitet. Vorkommen im europäischen Raum: Süd-Dänemark (allgemein selten: Seen in Ost-Jütland, Fünen, weitere Inseln; im Furesø verschollen), Schweden (allgemein selten; nur südl. 58. Breitengrad), Süd-Finnland, Estland, Lettland, Litauen (ZETTLER et al. 2005), Nord- und Zentral-Polen, Weißrußland, Großbritannien (National Biodiversity Network), Frankreich (im Nordosten, isolierte Vorkommen in West-Frankreich: Loire-Atlantique), Belgien (zerstreut im Tiefland), Niederlande (zerstreute Vorkommen; s. Atlasproject Nederlandse Mollusken), Nord-Italien (z.B. Lago Maggiore, di Garda, Caldonazzo, di Levico, Ledro, Piano, Canale Cagnola), Slovenien, Ukraine (? als M. steini, SON) und Rußland (z.B. Ostpreußen, Ladoga-See, Dnjepr-Einzugsgebiet, nördl. Einzugsgebiet der Wolga, Seliger-See, Zabolotskoje-See). Das letzte in der Schweiz bekannte Vorkommen (Muzzanersee) gilt als erloschen.
In Deutschland liegen die sehr zerstreuten Vorkommen im Nordosten (Östliches Hügelland Schleswig-Holsteins (WIESE 1991 und WIESE 2002), Mecklenburg-Vorpommern (ZETTLER 2000), Berlin, Brandenburg). Weitere einzelne Vorkommen sind aus Hamburg (GLÖER & HAUSDORF 2001), Bremen, dem Norden Niedersachsens, Sachsen-Anhalts sowie bei Münster bekannt.
In der Natur bewohnt M. insubrica stehende, pflanzenreiche Seen, langsam fließende Flüsse und Kanäle im Tiefland. Sofern ausreichend Sauerstoff vorhanden, besiedelt sie nicht nur das Flachwasser (meist nicht tiefer als 2 bis 3m), sondern auch tiefere Seeregionen (Gehäusefunde in Dänemark bis 13m). Italienische Populationen sind auch von sublakustrinen Quellen bekannt. Sie ist an den Unterseiten von Holz, Steinen und Kunststoffen, aber auch von Schwimmblättern (Nuphar) und anderen Wasserpflanzen zu finden. Ein Habitat, in dem nach eigenen Beobachtungen Marstoniopsis insubrica in Schleswig-Holstein gefunden wurden, ist unter folgendem Link kurz vorgestellt: 0003
Wasserwerte:
Nach ZETTLER (2000, s. weblinks) stellt die Art hohe Ansprüche an die Gewässerqualität. Sie besiedelt oligo- bis mesotrophe Gewässer.
STAŃCZKOWSKA et al. (1983) stellten u.a. nach Untersuchung von 42 polnischen Seen fest, daß M. insubrica in eutrophen Gewässern signifikant seltener als in meso- oder oligotrophen Seen zu finden ist.
Nach eigenen Beobachtungen konnte die Art in einem schleswig-holsteinischen See mit folgenden Wasserwerten gefunden werden: Abfluß des Sees mit wenig Strömung, Kies- und Steinsubstrat an Steinen und Holz: 6°C (25.12.2006), 16°C (10.09.2007); GH = 13-16°dH; KH = 9-11°dH; pH = 7,5-8,0; NH3/NH4 ~ 0,25mg/l; NO2 < 0,3mg/l; NO3 ~ 10mg/l.
Fortpflanzung:
Die Eiablage erfolgt hauptsächlich zwischen Mai und Juli. Nach etwa 6 Wochen schlüpfen die Jungtiere.
Nahrung:
Nach FRETTER & GRAHAM (1978, in: LARSEN 2004/ s. weblinks) bilden in der Natur Diatomeen und Detritus die Hauptnahrung der Schöngesichtigen Zwergdeckelschnecke.
Gefährdung:
Die Schöngesichtige Zwergdeckelschnecke gilt entsprechend der Einstufung auf der Roten Liste Deutschlands (1998) als "vom Aussterben bedroht". In Estland (Jahr?) und den Niederlanden (2005) gilt sie als "gefährdet". In Polen (2005) ist sie in der Kategorie "NT" (near threatened) eingestuft. In Slovenien (2001) in die Kategorie "R". Auf der internationalen Roten Liste der IUCN sowie denjenigen von Schweden (2001) und Lettland (2003) ist sie derzeit nicht gelistet. In der Schweiz (1994) gilt sie als ausgestorben.
Sonstiges:
Die Schöngesichtige Zwergdeckelschnecke wird allgemein noch vielfach unter dem Namen Marstoniopsis scholtzi (A. SCHMIDT 1856) geführt. Nachdem FALINOWSKI phänotypisch keine signifikanten Unterschiede zwischen den mitteleuropäischen Populationen der M. scholtzi und der südalpin verbreiteten M. insubrica feststellen konnte, wurden Exemplare aus Deutschland, Polen und Norditalien auch genetisch untersucht. Da auch hier keine signifikanten Unterschiede gefunden werden konnten (FALINOWSKI & WILKE 2001), sind die untersuchten Populationen als eine einzige Art mit isolierten Verbreitungsarealen anzusehen. Aus Prioritätsgründen ist sie als M. insubrica (KÜSTER 1853) zu bezeichnen (vgl.: Anmerkung 2 der Checkliste von ANDERSON 2005 sowie BANK et.al. 2007). Der Artstatus der übrigen drei in der FaunaEuropaea als „valid“ gelisteten Marstoniopsis-Spezies ist nach Kenntnis der Redaktion bisher nicht mit molekularbiologischen Methoden überprüft worden.
Im russischen Sprachraum wird die Schöngesichtige Zwergdeckelschnecke z.T. noch unter dem Synonym Marstoniopsis steini (V. MARTENS 1858) geführt.
Literatur:
BANK, R.A. & FALKNER, G. & VON PROSCHWITZ, T. (2007): Clecom-Projekt. A revised checklist of the non-marine Mollusca of Britain and Ireland. Heldia Vol. 5, Part 3, pp. 41-72. ISSN 0176-2621.
FALINOWSKI, A & WILKE, T. (2001): The Genus Marstoniopsis (Gastropoda: Rissoidea): intra- and intergenetic phylogenetic relationships. Journal of Molluscan Studies. Vol. 67: 483-488. [Darlegung, daß M. scholtzi = M. insubrica. Verbreitungskarte für Europa. Weitere Angaben zu den Arten]
GLÖER, P. (2002): Süßwassermollusken Nord und Mitteleuropas. Bestimmungsschlüssel, Lebensweise, Verbreitung. In: Die Tierwelt Deutschlands. Conchbooks, Hackenheim. ISBN 3-925919-60-0. [Angaben zu Merkmalen, Verbreitung usw.]
GLÖER, P & MEIER-BROOK, C. (2003): Süßwassermollusken. Ein Bestimmungsschlüssel für die Bundesrepublik Deutschland. Deutscher Jugendbund für Naturbeobachtung, Hamburg. ISBN 3-923376-02-2. [Angaben zu Merkmalen, Verbreitungskarte für Deutschland]
weblinks:
Aquarienschnecken-Forum.de: Rote Listen Süßwassermollusken. [Linksammlung Roter Listen im www]
ANDERSON, R. (2005): Annotated List of the Non-Marine Mollusca of Britain and Ireland. Journal of Conchology Vol. 38 (6): 607-637. [kommentierte Liste der Süßwasser- und Landmollusken der Britischen Inseln]
Atlasproject Nederlandse Mollusken (ANM): Marstoniopsis scholtzii (SCHMIDT, 1856) Geelvlekslak. [Verbreitungskarte der Niederlande]
DALFREDDO, C. & MAIOLINI, B. (2004): Il popolamento malacologico di alcuni laghi trentini a confronto 70 anni dopo. Studi Trent. Sci. Nat., Acta Biol., 80 (2003): 175-177. ISSN 0392-0542 [Nachweise in oberitalienischen Seen]
Deutsche Malakozoologische Gesellschaft (Red.: WIESE, V., Stand: 02/2008): Molluscs of Central Europe – Nomenklaturliste. [Systematik europäischer Mollusken – auch mit deutschen Namen]
Fauna Europaea [europäische Systematik, Hinweise zur Verbreitung von M. scholtzi]
Fauna Europaea [europäische Systematik, Hinweise zur Verbreitung von M. insubrica]
GLÖER, P. & ZETTLER, M. L. (2005): Kommentierte Artenliste der Süßwassermollusken Deutschlands. Malak. Abh. 23: 3-26. [Feststellung, daß M. insubrica aufgrund des von M. scholzi isolierten Verbreitungsareals weiterhin als distikte Art aufgefaßt werden kann]
GLÖER, P. & HAUSDORF, B. (2001): Erstnachweise von (A. Schmidt 1856) und (Lessona & Pollonera 1882) für Hamburg. - Mitt. dtsch. malakozool. Ges., : 9-12. Frankfurt am Main. [Arten an der Dove Elbe in Hamburg-Wilhelmsburg]
JUEG, U. et al. (2002): Rote Liste der gefährdeten Schnecken und Muscheln des Binnenlandes Mecklenburg-Vorpommern. [Rote Liste mit Foto von Marstoniopsis auf dem Titelblatt]
LARSEN, H. S. et al. (2004): Udviklingen i Furresøens Bundfauna gennem 100 År. Specialerapport. Ferskvandsbiologisk Laboratorium, Københavns Universitet, Biologisk Institut. [umfängliche, auch historische Aufarbeitung des Zoobenthos des Furresö, Dänemark]
National Biodiversity Network [Datenbank-basierte Verbreitungskarten der Britischen Inseln]
SON, M.: Check-list of freshwater Gastropoda of Ukraine. [Artenliste der Gastropoden der Ukraine: u.a. Listung von M. steini (MARTENS 1858)]
WIESE, V: (1991): Atlas der Land- und Süßwassermollusken in Schleswig-Holstein. Landesamt für Naturschutz und Landschaftspflege Schleswig-Holstein. ISBN 3-923339-40-2. [Verbreitungskarte von Schleswig-Holstein. Gehäusezeichnung, kurze Angaben zu Vorkommen]
WIESE, V: (2002): Atlas der Land- und Süßwassermollusken in Schleswig-Holstein. [auf Basis der Karte von 1991 ergänzte Verbreitungskarte von Schleswig-Holstein. Lebendfoto]
ZAJAC, K. (2005): Threatened Mollusks of Poland. In: Tentacle No. 13. ISSN 0958-5079. [Rote Liste der Mollusken Polens]
ZETTLER, M. L. (2000): Bewertung des ökologischen Zustandes von Fließgewässern in Mecklenburg-Vorpommern über die Malakofauna als Indikatororganismen. Natur und Naturschutz in Mecklenburg-Vorpommern. 35: 3-36. [Angaben zu Habitaten und Verbreitung der Art auf Seiten 8 und 9]
ZETTLER, M. L. et al. (2005): Bemerkenswerte Süßwassermollusken aus Litauen. Aufsammlungen vom September 2004. Malak. Abh. 23: 27-40. [Fundortangaben für Litauen]
internationale Trivialnamen für die Suchmaschinen: englisch: Taylor's Spire Snail estnisch: samblatigu lettisch: Šteina amnikola holländisch: Geelvlekslak schwedisch: Sjötusensnäcka
Autor: schneckli
Seite aktualisiert: 04.01.2009
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