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Melanoides tuberculatus (O. F. MÜLLER 1774) - Nadel- Kronenschnecke

 

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Melanoides tuberculatus

Klasse:          Gastropoda (CUVIER 1795) – Schnecken
Unterklasse:   Prosobranchia (M
ILNE & EDWARDS 1848) – Vorderkiemer
Überordnung: Caenogastropoda (C
OX 1960) – Neuschnecken
Ordnung:       Neotaenioglossa (H
ALLER 1892) – Neu-Bandzüngler
Überfamilie:   Cerithioidea (A. F
ÉRUSSAC 1819)
Familie:         Thiaridae (T
ROSCHEL 1857)
Unterfamilie: Thiarinae (T
ROSCHEL 1857)
Gattung:       Melanoides (O
LIVIER 1804)
Art:               Melanoides tuberculatus (O. F. M
ÜLLER 1774) – Nadel- Kronenschnecke

Beschreibung:

Das schlank-turmförmige Gehäuse der Nadel- Kronenschnecke (in Aquarianerkreisen Turmdeckelschnecke - TDS genannt) wird 20 bis 27mm hoch und 7 bis 10mm breit. Die 10 bis 15 mäßig gewölbten Umgänge nehmen gleichmäßig zu.
Bei älteren Tieren fehlt oft die Gehäusespitze (der Apex) aufgrund von mechanischem Verschleiß oder auch geringer Wasserhärte. Die Mündung und das hornige Operculum sind oben spitz ausgezogen.

Das Gehäuse ist durch leicht geschwungene Querrippen sowie feine spiralig verlaufende Rippen skulpturiert. Das Operculum ist paucispiral mit stark exzentrischem Nukleus nahe der Basis.

Das hell-hornfarbene bis braune Gehäuse ist mit braunen Streifen oder Flecken versehen. Bei sehr dunkelbraun bis schwarz gefärbten Gehäusen sind keine Flecken erkennbar. Das Operculum ist schwarzbraun gefärbt.

Der Fuß des Tieres ist sehr kurz und wirkt vorn wie gerade abgeschnitten. Der Kopf ist vom Fuß deutlich abgesetzt und beim aktiven Tier rüsselartig vorgestreckt. An der Basis der dünnen Fühler sitzen die Augen.
Das Tier ist meist grau, hellbeige oder braun gefärbt mit gelblichen Punkten.

Insgesamt gesehen ist die Art aufgrund ihrer Fortpflanzungsart äußerst formvariabel. Mehrere Unterarten sowie Zwergformen wurden beschrieben (s. Abschnitt „Formen, Unterarten“).

Verbreitung:

Das natürliche Verbreitungsgebiet der Nadel- Kronenschnecke erstreckt sich in den Subtropen und Tropen weite Teile Afrikas und Asiens:
Im östlichen Afrika von Natal/Südafrika bis Ägypten. Im nördlichen Afrika in Marokko und in Oasen verstreut. Im östlichen Mittelmeerraum. Im Nahen Osten in nahezu jedem Gewässer (z.B. Oasen Ostanatoliens, Saudi-Arabiens; Irak, Iran). In Indien, Sri Lanka, Andamanen, Nicobaren, Thailand, Malaysia, Südchina bis nördlich zu den japanischen Ryukyu-Inseln sowie übriges Südostasien. In der Indo-pazifischen Region in ganz Indonesien, Philippinen, Neuguinea und Teilen Ost-Australiens. Außerdem in Polynesien, Melanesien und Vanatu auf den meisten Südseeinseln.
Für den Indopazifischen Raum wird davon ausgegangen, daß das natürliche Verbreitungsgebiet der Nadel- Kronenschnecke durch den Menschen (Verschleppung bei der Verbreitung des Reisanbaues) erheblich ausgedehnt worden ist.

Etwa um 1947 wurde die Art durch Aquarianer auch im karibischen Raum eingeschleppt und breitet sich hier z.Zt. weiter aus: Kleine Antillen (Guadeloupe, Martinique, Saint Lucia, Grenada), USA (s. weblinks: USGS), Mexico (Veracruz), Puerto Rico, Panama und Brasilien (1986; in: R
OCHA-MIRANDA & MARTINS-SILVA 2006).

Auch sämtliche Vorkommen in Europa werden auf Verschleppung durch den Menschen (Aquarianer) zurückgeführt:
Österreich (Warmbad Villach und Thermen von Bad Vöslau), Tschechien (Pistany), Ungarn (Budapest), Niederlande (s. weblinks: Atlasproject Nederlandse Mollusken) und Spanien (Peniscola südl. Tortosa). Für die Populationen auf Malta und Rhodos, die bereits JAECKEL (~1962) bekannt waren, ist eine Einschleppung durch dem Menschen anzunehmen.

In Deuschland erhalten sich einzelne Populationen eingeschleppter Tiere in erwärmten Gewässern wie z.B. Thermalquellen im Kaiserstuhl, in Schwandorf und in Brandenburg.

Natürliches Habitat:

Die Nadel- Kronenschnecke kommt in der Natur in verschiedensten Gewässern vor: Von schnellfließenden Bergbächen in Madagaskar bis 1500m Höhe, im Uferbereich von Flüssen und Strömen bis in die Ästuare. Außerdem in Bewässerungskanälen, Reisfeldern, Seen (z.B. im See Genezareth bis 15m Wassertiefe), Teichen, Thermalquellen und sogar Viehtränken.
Meist ist sie dabei auf und in Weichböden mit Sand- oder Schlammgrund zu finden. Aus dem Oman sind auch Vorkommen auf Algenmatten und mit Algen überzogenen Steinen im Flachwasser bekannt.

Ein Habitat, in dem nach eigenen Beobachtungen Nadel- Kronenschnecken auf steinigem Substrat im Bereich sublacustriner Thermalquellen im Südosten der Türkei gefunden wurden ist unter folgendem Link kurz vorgestellt: 0004

Wasserwerte:

Der dauerhaft von der Nadel- Kronenschnecke tolerierte Temperaturbereich liegt zwischen 18 und 25 (32) °C.
Im Freiland sind Populationen u.a. aus Thermalquellen mit einer Wassertemperatur bis 30°C (Europa) bzw. bis zu 35°C (Java/Indonesien) bekannt. Die untere Temperatur-Toleranzgrenze der Art ist für das Freiland aufgrund jahreszeitlicher Schwankungen in den meisten Gewässern weniger exakt zu bezeichnen. In nicht erwärmten Gewässern kommt Melanoides tuberculatus jedoch nicht nördlicher als Ostanatolien vor. Bei suboptimalen Wassertemperaturen überdauern die Tiere inaktiv im Substrat und erwachen nach zu langen Wintern u.U. nicht mehr.
Experimentell wurde die Temperaturtoleranz der Art durch M
ITCHELL & BRANDT (2005) untersucht.

Bezüglich des Salzgehaltes ist die Art ebenfalls sehr tolerant: Populationen wurden in Florida im brackigen Wasser der Mangrovenwälder in Ästuaren bei einem Salzgehalt von bis zu 30ppm gefunden. Tiere am Toten Meer/Israel werden in leicht brackigem Wasser bei 4‰ besonders groß.

Auf Madagaskar wurde die Nadel- Kronenschnecke bisher nur in Gewässern mit einer Härte über 1°dH gefunden.
Sehr detaillierte physikalische und chemische Werte für den Tiberias-See (=See Genezareth), in dem Melanoides tuberculatus sehr häufig ist, einschließlich jahreszeitlichem Verlauf der Wassertemperaturen sind in der „World Lakes Database“ im Internet zu finden (s. weblinks).

Nach eigenen Beobachtungen konnte die Art in oben erwähnen Habitat im Südwesten der Türkei mit folgenden Wasserwerten gefunden werden:
Tieflandsee mit kleinem Zufluß und teilweise thermalquelligen Bereichen, der Brandung ausgesetzt, mit Kies- und Steinsubstrat in der Provinz Muğla unter und an Steinen: 22°C (20.09.2006), 19,0°C (16.04.2008), 21,3°C (28.04.2008); GH = 16°dH; KH = 13,5-14,5°dH; pH = 8,0; NH3/NH4 < 0,1mg/l; NO2 < 0,3mg/l; NO3 ~ 10mg/l; Salzgehalt ca. 3,4 PSU.

Ihre hohe Toleranz gegenüber verschiedenen Wasserparametern zeigt die Nadel- Kronenschnecke auch im Aquarium: Sie kommt z.B. gut mit sehr weichem bis hartem Wasser bei pH-Werten ab 5 bis 8,5 zurecht.
 

Fortpflanzung:

Die Nadel- Kronenschnecke ist - wie auch die meisten anderen Vorderkiemer (Prosobranchia) - getrenntgeschlechtlich angelegt. Sie vermehrt sich jedoch fast ausschließlich parthenogenetisch, d.h. die Weibchen vermehren sich ohne Befruchtung – die Nachkommen sind mit dem Muttertier genetisch identisch. Die parthenogenetisch entstandenen Jungtiere sind dabei (weil sie ja Klone des Muttertieres sind) wiederum ausschließlich Weibchen.
Bisher wurden nur in wenigen Vorkommen, so z.B. in isolierten Populationen in Israel, größere Anteile männlicher Tiere gefunden (bis 30%). In Afrika kommen männliche Tiere nur vereinzelt vor. Auch in diesen bisexuellen Beständen konnte nachgewiesen werden, daß die Weibchen zur Parthenogenese fähig sind. In der Mehrzahl der bekannten Populationen (Asien einschl. Indien, Aquarientiere) ist höchstens ausnahmsweise geschlechtliche Vermehrung belegt.

Als weitere Besonderheit der Art ist zu nennen, daß die Nadel- Kronenschnecke echt vivipar ist, d.h. die im Muttertier aus 0,06mm winzigen Eiern schlüpfenden Embryonen gelangen zunächst in einen Brutbeutel im „Nacken“ der Schnecke. Hier werden sie von besonderen Nährzellen ernährt, bis die Jungtiere fertig entwickelt entlassen werden. Die Nährzellen werden aus dem Brutbeutelepithel abgesondert und enthalten u.a. Vitamin C, Glycogen, Fett und Proteine. Geboren werden die Jungtiere durch einen muskulösen Brutporus, der 1 bis 2mm hinter dem rechten Auge liegt. Bei der Geburt weisen die Jungtiere bereits 4 bis 6 Gehäusewindungen und eine Gehäusehöhe von 1,5 bis 2 (max. 4,3) mm auf. Größere Weibchen entlassen dabei größere Jungtiere als gerade geschlechtsreife Tiere.

Die Weibchen der Nominatform werden mit 10 bis 11mm Gehäusehöhe fortpflanzungsfähig. Nach Untersuchungen von DUDGEON (1986; in: R
OCHA-MIRANDA & MARTINS-SILVA 2006) an Tieren in Hong Kong beträgt die Höhe der Gehäusemündung dann 2,8mm. Je nach Größe der Weibchen entwickeln sich gleichzeitig bis zu 70 Embryonen/Jungtiere gleichzeitig und unabhängig von der Jahreszeit in unterschiedlichen Stadien im Brutbeutel. Die ältesten Jungtiere befinden sich dabei im Brutbeutel näher am Brutporus, bis sie dann einzeln mit dem Apex oder Fuß voran geboren werden. In der Natur wurde nicht nur beobachtet, daß die Entwicklung der Embryonen bei kälteren Temperaturen verlangsamt abläuft, sondern auch, daß die Muttertiere offenbar bei ungünstigen Bedingungen den Schlupf aufschieben können. So werden z.B. Jungtiere bei Populationen im See Genezareth/Israel nach dem Winter erst ab Mitte Mai geboren.
Der Schlupf erfolgt meist zwischen Anbruch der Dunkelheit und Mitternacht.

Eigene Beobachtungen zum Fortpflanzungsverhalten im Aquarium:
Im Aquarium werden die Jungtiere bevorzugt bald nach einem Wasserwechsel geboren. Bei einem z.B. 10-tägigen Rhythmus synchronisiert sich der Fortpflanzungsrythmus fast aller Tiere entsprechend. Besonders bei vorauasgegangenem, üppigen Nahrungsangebot werden die Jungtiere dann fast aller Tiere am selben Tag, zur selben Stunde massenhaft geboren. In einem darauffolgenden Zeitraum von drei Monaten ohne Wasserwechsel wurde dieser 10-Tages-Rythmus von den meisten Tieren beibehalten. In einem Aquarium mit täglichem Wasserwechsel bildete sich kein solcher Rhythmus aus. Jedoch bildeten sich hier Gruppen von Weibchen, die gemeinsam Jungtiere zur Welt brachten.

Je nach Größe des Muttertieres wurde beobachtet, daß unterschiedlich viele Jungtiere je Muttertier und Geburtsvorgang geboren werden (2cm Gehäusehöhe: ein Jungtier; 2,5cm: ein bis 2 Jungtiere; 3cm: 2 bis 5 Jungtiere).

Bei hoher Populationsdichte oder Nahrungsknappheit suchen die Weibchen zum Entlassen der Jungtiere strömungsreiche Bereiche nahe der Wasseroberfläche auf. Bei geringer Populationsdichte bleiben die Muttertiere auch zur Geburt im Bodensubstrat oder sind nur kurz auf dem Boden zu beobachten.

Im ersteren Fall würde mehrfach beobachtet, daß das werdende Muttertier auf dem Weg zum Ort starker Strömung von einer meist kleineren Schnecke begleitet wird, die sich zur Geburt neben dem adulten Tier plaziert. Zur Geburt klappt das Muttertier das Gehäuse zur Seite. Der Vorgang des Entlassens des ersten Jungtieres dauert ca. 5 Minuten, während die folgenden Jungschnecken dann im Minutenrhytmus folgen. Anschließend kehren Mutterschnecke und das kleinere Tier wieder in den Bodengrund zurück. Ob die kleinere Schnecke lediglich die bei der Geburt der Jungtiere mit freigesetzten Nährzellen und Detritus frißt oder auch weitere Funktionen erfüllt, ist der Redaktion noch unklar.

Lebenserwartung:

Unter natürlichen Bedingungen beträgt die Lebensdauer in Hongkong 2 bis 2,5 Jahre, in Malaysia bis 3,5 Jahre. Tiere aus der Karibik erreichten unter Laborbedingungen über 5 Jahre.

Melanoides tuberculatus aus der Türkei, Provinz Moglu
Operculum - der Deckel -
Operculum - der Deckel -
Melanoides tuberculatus
Melanoides tuberculatus an Gurke

Nahrung:

In der Natur ernährt sich die Nadel- Kronenschnecke im und auf dem Bodengrund von Diatomeen und anderen Algen, Detritus, verrottenden Pflanzenteilen und Aas. Lebende, höhere Wasserpflanzen werden nicht angefressen.

Diese Anspruchslosigkeit machen die Kronenschnecke auch im Aquarium zu einem nützlichen Resteverwerter. Abgestorbene Pflanzenteile, zuviel gegebenes (Fisch-) Futter, Kot anderer Aquarienbewohner usw. werden von der Schnecke zu unschädlichem Mulm verarbeitet, bevor diese Stoffe in Fäulnis übergehen.
Eine besondere Fütterung der Schnecken ist im Gesellschaftsaquarium daher nicht erforderlich. In einem reinen Schneckenbecken nimmt sie auch angebotene Nahrung in Form von verschiedenen Gemüsesorten oder Futterflocken und Tabletten jedweder Art an. Bevorzugt wird dabei Futter mit hohem pflanzlichen Anteil.


Verhalten:

Allgemein gelten die Nadel- Kronenschnecken als vorwiegend nachts aktiv und dabei hauptsächlich im Bodengrund der Gewässer aktiv.
Im Yemen konnte A
L-SAFADI (1990) die Tiere in den Morgenstunden auf Sandboden und flachen Steinen beobachten. Ab Mittags verkriechen sich die Schnecken unter den Steinen oder im Sandsubstrat.

Wie viele andere deckeltragende Schnecken, die zu den Vorderkiemern (Prosobranchia) gezählt werden, kann auch die Nadel- Kronenschnecke ungünstige Bedingungen (z.B. Trockenfallen des Gewässers) mit zugedeckeltem Gehäuse im Schlamm eingegraben überdauern. Eine kleine Wassermenge, die im Gehäuse eingeschlossen wird, reicht dabei um die Kiemen feucht zu halten, sodaß sie indirekt atmosphärischen Sauerstoff atmen kann.

Wie in der Natur leben die Nadel- Kronenschnecken auch im Aquarium fast ausschließlich im Bodengrund. Nur gelegentlich kriechen sie auf Nahrungssuche durch das gesamte Aquarium. Bei Besatz mit unruhigen Fischen oder Krebsen sind die Nadel- Kronenschnecken viel seltener zu sehen, als in reinen Schneckenbecken. In einem reinen Schneckenbecken sind sie häufiger auch oberhalb des Bodengrundes am Futter zu sehen. Besonders die noch jungen Schnecken können auch beim Fressen der Kahmhaut unterhalb der Wasseroberfläche beobachtet werden. Adulten Kronenschnecken gelingt es seltener sich an der Wasseroberfläche treiben zu lassen.

Wenn die Schnecken häufiger im Aquarium oberhalb des Bodengrundes zu sehen sind, kann dies durch Nahrungsmangel bzw. Überbesiedlung des Substrates verursacht sein. Wie viele andere Schneckenarten auch kriechen die Kronenschnecken bei Sauerstoffmangel oder anders schlechten Wasserwerten zur Wasseroberfläche, da hier im Grenzbereich zur Luft der Sauerstoffgehalt immer ein wenig höher ist. Ein entsprechendes Verhalten der gesamten Schneckenpopulation zeigt dem Aquarianer an, daß ein dringend zu behebendes Problem vorliegt. Dies kann z.B. ein verfaulender, großer Fischkadaver, zu hohe Wassertemperatur (im Sommer) oder ein Totalausfall des Filtersystems sein.

Besondere Verhaltensweisen junger Schnecken im Aquarium:
Nach Verlassen des Muttertieres gehen die Jungtiere umgehend selbstständig auf Nahrungssuche. Die Jungtiere, die nahe der Wasseroberfläche entlassen werden, kriechen zur Oberfläche und lassen sich kopfüber mit dem Fuß als "Surfbrett" treiben. Häufig zu mehreren bilden sie eine kleine Kette und fressen dabei Partikel der Kahmhaut. Nach der ersten Nahrungsaufnahme kriechen die Jungtiere dann in ihren eigentlichen Lebensraum, den Bodengrund.

Auch bei plötzlichem Ausbleiben der Nahrung wurde beobachtet, daß die Jungtiere zur Wasseroberfläche kriechen, um sich dort wieder mit dem Fuß nach oben an die Oberflächenspannung zu hängen. Möglicherweise dient dieses Verhalten nicht nur unmittelbar dem Fressen der Kahmhaut, sondern auch dazu sich mit der Strömung in anderes Terrain treiben zu lassen.

Haltung im Aquarium:

Die Nadel- Kronenschnecke wird oft nicht bewußt ins Aquarium eingesetzt, sondern meist über die Wurzelballen von Pflanzen eingeschleppt. Da sie bezüglich des Substrates, der Wasserwerte und anderer Parameter sehr anspruchslos ist, etabliert sie sich -vom Aquarianier zunächst unbemerkt- recht schnell.

Zunehmend mehr Aquarianer setzen die Kronenschnecke wegen ihrem hohen Nutzen oder einfach zum Beobachten bewußt ins Aquarium ein.

Nützlich ist sie nicht nur als Resteverwerter im Aquarium, sondern sie gilt vor Allem aufgrund ihrer Wühltätigkeit als „Regenwurm des Aquarianers“:
Durch ihre Wühltätigkeit durchmischen sie das Substrat und verhindern dadurch die Entstehung stinkender (sauerstoffreier) Fäulnisherde im Bodengrund, die für das Pflanzenwachstum und die Wasserqualität im Aquarium insgesamt schädlich sind. Die von den Schnecken aufgearbeiteten organischen Stoffe (Nahrung: s.o.) können von den aerob lebenden Bodenbakterien vollständig mineralisiert werden, werden durch die Wühltätigkeit der Schnecken gleichmäßig im Substrat verteilt und stehen so den wurzelnden Wasserpflanzen als natürlicher Dünger wieder zur Verfügung. Dabei wühlen die Schnecken aber nicht so stark, daß etablierte Wasserpflanzen ausgegraben werden könnten.

Eine besondere Einrichtung des Aquariums ist für die "Turmdeckelschnecke" nicht erforderlich. Aquarien ab 10 Liter Inhalt bzw. 20cm Kantenlänge sind ausreichend für die Erhaltung einer kleinen Population.
Um den Schnecken ihre nützliche Arbeit zu erleichtern, ist ein Sandboden von Vorteil, jedoch finden sie auch in groben Kies ihren Weg.
Da sich Melanoides tuberculatus je nach Gehäusegröße meist nicht tiefer als 3cm in den Grund wühlt, kommen wesentlich tiefere Bodenschichten nur ausnahmsweise in den Genuß ihrer Arbeit. Eine wesentlich dickere Substrathöhe als ca. 4cm ist somit weniger zu empfehlen.
Die recht stabilen Gehäuse der Schnecken können die Pumpe von Filtern blockieren oder sich in CO2-Reaktoren ansammeln. Um die Wartungsintervalle an der Pumpe zu verlängern, hilft es ein Stück feinen Filterschwamm über den Ansaugkorb zu stecken. Daß auch kleinste Schnecken angesaugt werden, läßt sich nur mit einer feinen Gaze verhindern, die sich durch anderen Schmutz zwar schnell dichtsetzt, aber bei guter Zugänglichkeit des Ansaugstutzens leichter zu reinigen ist als eine Pumpe.


Vergesellschaftung im Aquarium:

Durch ihre meist verborgene Lebensweise im Bodengrund ist eine Vergesellschaftung der Nadel- Kronenschnecke mit nahezu allen anderen Aquarientieren möglich. Bei der Vergesellschaftung mit schneckenfressenden Krebsen, Krabben (kommt im Mittelmeerraum z.B. mit der Süßwasserkrabbe Potamon potamios gemeinsam vor), Kugelfischen oder Prachtschmerlen werden die Schnecken zwar dezimiert, aber ihre Population erhält sich meist (nicht immer!) dennoch.
Aktive Kronenschnecken sind oberhalb des Bodengrundes bei Vergesellschaftung mit o.g. Freßfeinden oder unruhigen Fischen kaum zu beobachten. Bei Vergesellschaftung mit anderen Schnecken oder Zwergarnelen sind sie häufiger zu sehen.


Parasiten:

Wie alle Süßwasserschnecken werden auch die Melanoides im Freiland von Zwischenstadien (=Zerkarien) verschiedener Arten von Saugwürmern befallen.
Melanoides tuberculatus dient u.a. z.B. als Zwischenwirt für den Chinesischen Leberegel Clonorchis sinensis (C
OBBOLD 1872, LOOSS 1907). Um den Lebenszyklus dieser Parasiten abzuschließen, müssen infizierte Schnecken von einem Fisch gefressen werden und dieser wiederum von einem Säugetier als Endwirt. Besonders in Südostasien, in denen durch solche infizierten Fische auch roh von den Menschen verzehrt werden, werden auch diese infiziert. Als weiterer Parasit, für die die Nadel- Kronenschnecke indirekt in Ostasien auch für Menschen gefährlich werden kann, ist der Lungenwurm Paragonimus westermani (KERBERT 1878, BRAUN 1899) bekannt. Nach der Schnecke benötigen Zwischenstadien dieses Parasiten Flußkrebse oder Krabben als weiteren Zwischenwirt zum Endwirt, einem Säugetier. In Texas/ USA führen mit Trematoden der Art Centrocestus formosanus infizierte Kronenschnecken zu massiver Erkrankungen von Fischen und Enten (BRANDT 2000; in: ROCHA-MIRANDA & MARTINS-SILVA 2006).
Die im Aquarium gehaltenen "Turmdeckelschnecken" können als frei von diesen Parasiten angesehen werden, da der Lebenszyklus des Parasiten nach mehreren Schneckengenerationen unterbrochen ist. Auch Infektionen durch neu importierte Schnecken oder Fische sind nicht bekannt, da in unserem Kulturkreis üblicherweise kein rohes Fleisch verzehrt wird.

Melanoides tuberculatus auf Kies

Formen, Unterarten:

Aufgrund der fast ausschließlich parthenogenetischen Fortpflanzung der Gattung
Melanoides finden sich im weiten Verbreitungsgebiet eine Vielzahl klonaler Stämme, die sich aufgrund des mangelnden Genaustausches über viele Generationen auch erheblich unterscheiden können. Eine Differenzierung in echte Arten oder Unterarten ist für die gesamte Gattung taxonomisch daher äußerst problematisch. Nach G
LAUBRECHT (1996) können für Afrika etwa 28 Arten, für Asien weitere 9 Arten angenommen werden.

Beispielhaft für die Variabilität der Art Melanoides tuberculatus seien hier verzwergte Formen aus dem Brackwasser der Seychellen mit höchstens 8,3mm Gehäusehöhe oder sehr große Formen aus z.B. dem Lake Edward mit über 50mm oder Texas mit sogar 70 bis 80mm (?) Gehäusehöhe genannt.
Bekannt ist außerdem, daß die Gehäuse östlich Hinterindiens verbreiteter Formen kaum skulpturierte und sehr flache Umgänge aufweisen.

Allgemein führte die Formvariabilität von Melanoides tuberculatus dazu, daß je nach Autor geographische Unterarten oder sogar eigenständige Arten abgegrenzt wurden. Zur Klärung sind international insb. weitere molekularbiologische und interdisziplinäre Forschungen erforderlich.

Die Artzugehörigkeit einer Form mit nur 5 bis 6 Umgängen, die ebenfalls seit Jahren in der Aquaristik vertreten ist, ist der Redaktion z.Zt. noch unklar: Die schwach ausgeprägte Gehäuseskulptur (kaum spiralige oder sonstige Rippen) und die flachen Umgänge deuten jedoch auf eine Herkunft aus Ostasien hin. Die Form ist im Aquarium häufiger oberhalb des Bodensubstrates zu beobachten und ist toleranter gegenüber ungünstigen Wasserwerten und Brackwasser als die Nominatform.


Gefährdung:

Eine Gefährdung der eingeschleppten und invasiven Art ist im europäischen Freiland per Definition nicht festzustellen. In Österreich gilt die Art entsprechend der Einstufung auf der Roten Liste (1994) mittlerweile als eingebürgert.


Sonstiges:

Die häufig anzutreffende Bezeichnung Melanoides tuberculata ist nach FALKNER (1991) im Hinblick auf die internationalen Regeln zur Nomenklatur (ICZN Art. 30b) nicht korrekt, da auf den Suffix -oides endende Gattungsnamen grundsätzlich maskulin sind. Dem Artnamen ist daher eine entsprechend maskuline Endung (M. tuberculatus) zu geben. Diese Ansicht wird indes u.a. von der Deutschen Malakozoologischen Gesellschaft (s. weblinks: www.mollbase.de) nicht geteilt.
Da die Diskussion unter den Taxonomen noch nicht abgeschlossen scheint, bleibt die Redaktion auf dieser Seite vorläufig beim Namen M. tuberculatus entsprechend den internationalen CLECOM-Listen, FaunaEuropaea und ITIS.
 

 

Melanoides tuberculatus

Literatur:

AL-SAFADI (1990): Freshwater molluscs of Yemen Arab Republic. Hydrobiologia 208: 245-251. Kluwer Academic Publishers, Belgium.
[Süßwassermollusken in der Arabischen Republik Yemen]

FECHTER, R. & FALKNER, G. (1990): Weichtiere. Mosaik Verlag GmbH, München. ISBN 3-570-03414-3.
[Kurzbeschreibung, deutscher Name, Farbfoto]

GLAUBRECHT, M. (1996): Evolutionsökologie und Systematik am Beispiel von Süß- und Brackwasserschnecken (Mollusca: Caenogastropoda: Cerithioidea): Ontogenese-Strategien, paläontologische Befunde und historische Zoogeographie. Backhuys Publishers, Leiden, NL. ISBN 90-73348-52-8.
[Morphologie, Anatomie, Reproduktionsbiologie, Verbreitung mit Karte usw.]

GLÖER, P. (2002): Süßwassermollusken Nord und Mitteleuropas. Bestimmungsschlüssel, Lebensweise, Verbreitung. In: Die Tierwelt Deutschlands. Conchbooks, Hackenheim. ISBN 3-925919-60-0.
[Angaben zu Merkmalen, Verbreitung usw.]

GLÖER, P & MEIER-BROOK, C. (2003): Süßwassermollusken. Ein Bestimmungsschlüssel für die Bundesrepublik Deutschland. Deutscher Jugendbund für Naturbeobachtung, Hamburg. ISBN 3-923376-02-2.
[Angaben zu Merkmalen, Verbreitungskarte für Deutschland]

JAECKEL, S.G.A.: Mollusca. In: ILLIES, J. (ed.) (1967): Limnofauna europea. Eine Zusammenstellung aller die europäischen Binnengewässer bewohnenden mehrzelligen Tierarten mit Angaben über ihre Verbreitung und Ökologie. G. Fischer Verlag.
[Kapitel mit tabellarischer Übersicht zur Verbreitung europäischer Süßwassergastropoden]

 

weblinks:

Atlasproject Nederlandse Mollusken (ANM): Melanoides tuberculatus (MÜLLER 1774) Slanke knobbelhoren.
[Verbreitungskarte der Niederlande]

Deutsche Malakozoologische Gesellschaft (Red.: WIESE, V., Stand: 02/2008): Molluscs of Central Europe – Nomenklaturliste.
[Systematik europäischer Mollusken – auch mit deutschen Namen]

Fauna Europaea
[europäische Systematik, Hinweise zur Verbreitung]


Gulf States Marine Fisheries Commission:
Fact Sheet for Melanoides tuberculata (MÜLLER 1774)
[Artbeschreibung; Vorkommen und Ausbreitung in der Karibik]

Medical Helminthology (2002)
[Informationen zu verschiedener Zerkarien, ihren Lebenszyklen, Wirten und Krankheitssymptomen]

MITCHELL, A.J. & BRANDT, T. (2005): Temperature tolerance of the red-rim melania Melanoides tuberculatus, an exotic aquatic snail established in the United States. American Fisheries Society Transaction. 134:126-131.
[nur Kurzfassung über die Temperaturtoleranz öffentlich zugänglich]

www.mollbase.de
[Begründung für die Beibehaltung des lat. Namens M. tuberculata statt M. tuberculatus]

ROCHA-MIRANDA, F. & MARTINS-SILVA, M. J. (2006): First record oF the invasive snail Melanoides tuberculatus (Gastropoda: Prosobranchia: Thiaridae) in the Paranã river basin, GO, Brazil. Braz. J. Biol., Nov. 2006, Vol. 66, No. 4, pp.1109-1115. ISSN 1519-6984.
[zur Ausbreitung der Art in Brasilien]

SUPIAN, Z. & IKHWANUDDIN, A.M. (2002): Population Dynamics of Freshwater Molluscs (Gastropod: Melanoides tuberculata) in Crocker Range Park, Sabah. ASEAN Review of Biodiversity and Environmental Conservation (ARBEC).
[zur Populationsdynamik und Habitat der Melanoides tuberculata in Malaysia]

SysTax - a Database System for Systematics and Taxonomy
[Angaben von Fundorten in Asien von Sammlungsmaterial]

USGS - Nonindigenous Aquatic Species (NAS) information resource for the United States Geological Survey
[Verbreitungskarte für die USA, Fotos, kurze Angaben zur Art]

World Lakes Database:
[Wasserwerte vom Tiberias-See]

YILDIRIM, M. Z. (1995): Türkiye Prosobranchia (Mollusca: Gastropoda) Türleri ve Zoocoğrafik Yayılışları. 1. Tatlı ve Acı Sular.
[Angaben über die Vorkommen in der Türkei, in türkisch]

 

 

 

Seite wurde akualisiert am 13.11.2008

Autor: schneckli

internationale Trivialnamen für die Suchmaschinen:
englisch: red-rim melania = red-rimmed melania
holländisch: Slanke knobbelhoren
japanisch:
Nunome-Kawanina = ヌノメカワニナ
lettisch: mainīgā melānija
schwedisch: Knottrig kronsnäcka
slovakisch: tiara škvrnitá
tschechisch: piskořka hrbolkovitá

 

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