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Fortpflanzung
Die Quellblasenschnecke ist wie die übrigen heimischen Süßwasserlungenschnecken (Basommatophora) zwittrig angelegt. Anhand über fünf Generationen jeweils einzeln im Labor aufgewachsener Tiere konnte HOLTZFUSS (1914) zeigen, daß die Art zur Selbstbefruchtung fähig ist.
Nach HEITKAMP (1982; in: GLÖER 2002) erstreckt sich die Reproduktionsperiode im Freiland Niedersachsens von Mai bis in den Herbst. GRABOW (2000) gibt hierfür April bis September an. DUNCAN (1959) beobachtete die Haupaktivität englischer Freilandtiere im April und Mai. In den russischen Populationen fand NEKRASSOW (1928) hauptsächlich im Juli bis zur ersten Augusthälfte.
Die sehr transparenten, gallertigen Gelege werden an Wasserpflanzen und andere Substrate geheftet. DUNCAN (1959) beobachtete im Labor, daß die Gelege hauptsächlich nachts, zwischen Mitternacht bis 8 Uhr morgens abgelgt werden. Sie sind relativ hoch-konvex und von jüngeren Tieren rundlich, von älteren kurz-oval geformt (GRABOW 2000). Jedes der etwa 10mm langen Gelege enthält nach HAZAY (1881; in NEKRASSOW 1928) 10-20, NEKRASSOW etwa 10, seltener 16-20, nach MERMOD (1930; in: GLÖER 2002) 5 bis 22 bzw. nach GRABOW (2000) 10 bis 20 Eier. Die kurz-ovalen, fast runden Eier sind nach Messungen von NEKRASSOW 0,92-0,97mm lang und 0,7-0,78mm breit. Ihre innere Membran ist an einem oder beiden Polen leicht eingedrückt. Die äußere Membran ist mehrschichtig, wobei sich die äußeren Schichten an den Polen etwas von der inneren Membran abheben oder leicht verdickt sind. Die alleräußerste Membranschicht ist oft an den Rändern aufgebogen und offen. Je nach Wassertemperatur knabbern sich die Jungtiere nach zwei bis vier Wochen nach der Eiablage aus den Gelegen heraus. Während der ersten drei Lebensmonate von im Frühjahr geschlüpften Jungtieren beobachtete (CAQUET 1993) ein rasantes Wachstum auf ~5mm Gehäusehöhe. Die Zuwachsrate der beobachteten Tiere stagnierte dann nahezu um erst im kommenden Frühjahr erneut anzusteigen.
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Haltung und Vergesellschaftung Aquarium:
Im Gegensatz zu den aus Aquarien bekannten Blasenschnecken der Gattung Physella liegen der Redaktion keine Erfahrungsberichte zur Haltung von Phya fontinalis vor. Es kann jedoch angenommen werden, daß die Quellblasenschnecke empfindlicher gegenüber hohen Wassertemperaturen und suboptimalen Wasserwerten reagiert. Für Haltungsversuche kann in jedem Fall eine dichte Aquarienabdeckung zur Vermeidung von Verlusten durch unternehmungslustige Landgänger empfohlen werden.
Parasiten, Kommensalen:
NEKRASSOW (1928) beobachtete, daß die Gelege oft vom räuberischen Rädertier Proales gigantea befallen werden. Auch Käfer der Gattung Haliplidae legen zuweilen ihre Eier in die Gelege der Quellblasenschnecke.
Neben anderen Wasserschnecken werden auch die heimischen Blasenschnecken von verschiedenen Arten von Trematoden (Leberegel) als Zwischenwirt befallen. Planmäßiger Endwirt der die Schnecke verlassenden Cercarien (= ein Larvenstadium der Egel) sind i.Allg. Wasservögel, Fische, Amphibien oder Säugetiere. Die meisten Cercarien gelangen in ihren Endwirt indem sie mitsamt der infizierten Schnecke gefressen werden. Dort bohren sie sich durch die Darmwand und befallen die inneren Organe. In Quellblasenschnecken wurden u.a. von FUCHS (2002, s. weblinks) im Raum Westfalen-Lippe verschiedene Trematodenarten gefunden, deren Endwirt Vögel oder Egel sind.
Besonders im Kopfbereich sind an Physidae (auch Radix, Lymnaea, Planorbidae und Arten weiterer Familien) aus dem Freiland häufig bis zu 3mm lange, weiße Würmer zu finden, die sich mit ihrem Hinterende am Körper der Schnecke festhalten und mit dem vorderen Ende suchende Bewegungen ausführen. Vielfach handelt es sich um den Bauchborstenwurm Chaetogaster limnaei limnaei (BAER 1827), der unspezifisch winzige Partikel als Futter unmittelbar vor der Schnecke sowie Futterreste aufsaugt. Im Gegensatz zur parasitisch in Wasserschnecken lebenden Unterart C. l. vaghini (GRUFFYDD 1965) wird die Vitalität oder das Verhalten der Schnecke von der erstgenannten, Unterart nicht beeinträchtigt (s. weblinks: WÄGELE et.al. sowie Wikipedia).
Gefährdung:
Aufgrund vielerorts zurückgehender Populationen wurde die Quellblasenschnecke auf der bundesweiten Roten Liste Deutschlands in die Vorwarnstufe aufgenommen (1998) und gilt in Tschechien (2005) als potentiell gefährdet ("NT)". In Slovenien (2001) und der Schweiz (1994) gilt die Art als gefährdet. In Österreich (1994) als stark gefährdet. Auf der internationalen Roten Liste (IUCN, Stand 2008) sowie denjenigen von Norwegen (2006), Schweden (2001), Estland (Jahr?), Lettland (2003), Niederlande (2004) und Polen (2004) wird sie nicht geführt.
Sonstiges:
Für den Bearbeitungsbereich der FaunaEuropaea (s. weblinks) werden keine weiteren Arten der Gattung Physa oder Unterarten der Quellblasenschnecke Physa fontinalis gelistet.
Literatur:
CAQUET, T. (1993): Comparative life-cycle, biomass and secondary production of three sympatric freshwater gastropod species. Journal of Molluscan Studies 59: 43-50.
[Lebenszyklus und Produktivität von Lymnaea palustris, Physa fontinalis und Anisus rotundatus in einem Graben bei Paris/F]
GLÖER, P. (2002): Süßwassermollusken Nord und Mitteleuropas. Bestimmungsschlüssel, Lebensweise, Verbreitung. In: Die Tierwelt Deutschlands. Conchbooks, Hackenheim. ISBN 3-925919-60-0. [Angaben zu Merkmalen, Verbreitung, Biologie, Ökologie usw.]
GLÖER, P & MEIER-BROOK, C. (2003): Süßwassermollusken. Ein Bestimmungsschlüssel für die Bundesrepublik Deutschland. Deutscher Jugendbund für Naturbeobachtung, Hamburg. ISBN 3-923376-02-2. [kurze Artbeschreibung, Verbreitungskarte für Deutschland]
GRABOW, K. (2000): Farbatlas Süßwasserfauna – Wirbellose. Eugen Ulmer GmbH & Co., Stuttgart. ISBN 3-8001-3145-5. [kurze Artbeschreibung u.a. auch mit Angaben Biologie und Ölologie]
NEKRASSOW, A.D. (1928): Vergleichende Morphologie der Laiche von Süßwassergastropoden. Z. f. Morphol. u. Ökol. d. Tiere, Bd. 18, pp. 1-35. [Exakte Beschreibungen der Gelege verschiedener Arten aus dem Fluß Kljasma und Tümpeln bei Bolschewo/Rußland]
TOWNSEND, C.R. & MCCARTHY, T.K. (1980): On the defence strategy of Physa fontinalis (L.), a freshwater pulmonate snail. Oecologia 46: 15-79.
[zum Verhalten des Abschüttelns von Schneckenegeln, aber auch Artgenossen]
WIESE, V: (1991): Atlas der Land- und Süßwassermollusken in Schleswig-Holstein. Landesamt für Naturschutz und Landschaftspflege, Kiel. ISBN 3-923339-40-2. [Verbreitungskarte von Schleswig-Holstein, Zeichnung und kurze Angaben zu Vorkommen]
weblinks:
Aquarienschnecken-Forum.de: [Beschreibung eines gemeinsamen Habitates mit Theodoxus fluviatilis, Fotos] Rote Listen Süßwassermollusken [Linksammlung]
ALEXANDER, J.E. & COVICH, A.P. (1991): Predation Risk and Avoidance Behavior in Two Freshwater Snails. Bid. Bull. 180: 387-393. [Feindreaktion von Physella virgata und Planorbella trivolvis in Gegenwart von Procambarus simulans]
Atlasproject Nederlandse Mollusken (ANM): Physa fontinalis (LINNAEUS, 1758) Bron-blaashoren. [Verbreitungskarte der Niederlande]
BERG, K. & OCKELMANN, K.W. (1959): The Respiration of Freshwater Snails. J. Exp. Biol. Vol. 36 No. 4 pp. 690-708. [Untersuchung des Sauerstoffzehrung div. Süßwasserschneckenarten]
CARLSSON, R. (2006): Freshwater snail assemblages of semi-isolated brackish water bays on the Åland Islands, SW Finland. Boreal Environment Research ISSN 1239-6095, 11: 371-382. [Vorkommen von Süßwasserschnecken in Buchten der Åland-Inseln]
CIOBOIU, O. (2003): Diversity of Gastropoda in the Romanian sector of the Danube lower hydrographic basin. [Darstellung der Vorkommen in Rumänien auf Flußgebietsniveau]
DALFREDDO, C. & MAIOLINI, B. (2004): Il popolamento malacologico di alcuni laghi trentini a confronto 70 anni dopo. Studi Trent. Sci. Nat., Acta Biol., 80 (2003): 175-177. ISSN 0392-0542 [u.a. Erstnachweis von P. fontinalis im Caldonazzo-See/Trentin/Italien]
Deutsche Malakozoologische Gesellschaft (Red.: WIESE, V., Stand: 07/2008): Molluscs of Central Europe – Nomenklaturliste. [Systematik europäischer Mollusken – auch mit deutschen Namen]
FUCHS, C. (2002): Cercarien aus Physa fontinalis. Webseite der Universität Bielefeld, Fakultät für Biologie, Parasitologie/Gewässerökologie, Arbeitsgruppe Mannesmann. [im Raum Westfalen-Lippe in Physa fontinalis gefundene Trematodenfauna]
Fauna Europaea [europäische Systematik, Hinweise zur Verbreitung von Physa fontinalis]
HEROLD, H. (1974): Zum Abwehrreflex bei Physa fontinalis (LINNAEUS) und Radix auricularia (LINNAEUS). Mitt. Zool. Ges. Braunau Bd. 2, Nr. 1/2, pp. 33-36. [Beobachtungen zum Abwehrreflex]
National Biodiversity Network: Grid map of records on the Gateway for Common Bladder Snail Physa fontinalis [Datenbank-basierte Verbreitungskarten der Britischen Inseln]
USTAOĞLU, M. R. & BALIK, S. & ÖZBEK, M. (2001): Işıklı Gölü (Çivril-Denizli)’nün Mollusca Faunası. - Ege University Press, Volume 18, Issue (1-2): 135-139. ISSN 1300 – 1590. [Malakozoologische Untersuchung; auch mit Angaben von Wasserwerten, in türkisch]
WÄGELE, H. & SCHÄFER, F.W. & SCHÄFER, A. & STANJEK, G.H. (Stand: 08.06.2008): Bauchborstenwürmchen, Chaetogaster limnaei. Ein auf Schnecken lebender Gliederwurm. [website mit kurzer Vorstellung und Mikroskop-Fotos von Chaetogaster limnaei]
: Family Physidae. A supplement to the workbook accompanying the FMCS Freshwater Identification Workshop, University of Alabama, Tuscaloosa. [Übersicht über die Gattung der Physidae, Anleitung zur Genitalpräparation]
WETHINGTON, A.R. & LYDEARD, C. (2007): A Molecular Phylogeny of Physidae (Gastropoda: Basommatophora) based on Mitochondrial DNA Sequences. Journal of Molluscan Studies pp. 1 of 17. Published by Oxford University Press on behalf of The Malacological Society of London. [molekulargenetische Untersuchung der Physidae
WIESE, V: (1991): Atlas der Land- und Süßwassermollusken in Schleswig-Holstein. Landesamt für Naturschutz und Landschaftspflege Schleswig-Holstein. ISBN 3-923339-40-2. [Verbreitungskarte von Schleswig-Holstein, Zeichnung und kurze Angaben zu Vorkommen]
Wikipedia (Stand: 10.05.2008): Chaetogaster. [Arten mit besonderem Augenmerk auf die Lebensweisen der Unterarten von Chaetogaster limnaei]
YILDIRIM, M. Z. & GÜMÜŞ, B. A. & KEBAPÇI, Ü. & KOCA, S. B. (2006): The Basommatophoran Pulmonate Species (Mollusca: Gastropoda) of Turkey. Turk J Zool 30: 445-458. [Angaben über die Verbreitung der Pulmonata in der Türkei]
ZETTLER, M. L. (2000): Bewertung des ökologischen Zustandes von Fließgewässern in Mecklenburg-Vorpommern über die Malakofauna als Indikatororganismen. Natur und Naturschutz in Mecklenburg-Vorpommern. 35: 3-36. [Angaben zu Habitaten und Verbreitung der Art auf Seite 16]
ZETTLER, M. L., ZETTLER, A. & DAUNYS, D. (2005): Bemerkenswerte Süßwassermollusken aus Litauen. Aufsammlungen vom September 2004. Malak. Abh. 23: 27-40. [Fundortangaben für Litauen]
Seite aktualisiert am 08.12.2008
Autor: schneckli
internationale Trivialnamen für die Suchmaschinen: englisch: Common Bladder Snail französisch: Physe des fontaines holländisch: Bron-blaashoren lettisch: burbuļu kreiļgliemezis polnisch: rozdętka pospolita schwedisch: Allmän blåssnäcka slovakisch: fyza pririečna tschechisch: levatka říční
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