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Planorbarius corneus (LINNAEUS 1758) – Posthornschnecke |
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Sehr junge Tiere sind zunächst noch etwas höher als breit, der untere Mündungsrand ist deutlich heruntergezogen. Ihre Gehäuse besitzen eine feine gitterförmige Skulpturierung, wobei die Spirallinien bei zunehmenden Wachstum weniger auffällig werden. Mit einer guten Lupe sind auf diesen Spiralrippen eine Vielzahl sehr kurzer Haarreihen zu erkennen, die aus Material des Periostrakums in Taschen der Mantelfurche gebildet werden, im weiteren Wachstum nicht weiter nachgebildet werden und bald durch Abnutzung verschwinden.
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Das Gehäuse ist meist einfarbig dunkelrotbraun bis grünlichgrau und matt glänzend, wobei die Oberseite meist heller, manchmal weißlich oder etwas bläulich gefärbt ist. Nach BOETTGER (1933) kommen auch Mutanten mit pigmentlosem Gehäuse vor, bei denen der Weichkörper dann normal pigmentiert oder pigmentarm ist. Der Gendefekt, der zu einem pigmentlosem Gehäuse führt, vererbt sich rezessiv. Die lebende Posthornschnecke trägt das Gehäuse aufrecht und nur leicht nach links gekippt. Der Fuß des Tieres ist etwa so lang wie der Gehäusedurchmesser, vorn breit und hinten schmaler gerundet. Bei an einer Glasscheibe kriechenden Tieren ist erkennbar, daß der Kopf vom Fuß deutlich abgesetzt und etwas breiter ist. Beim Suchen nach festem Untergrund kann das Tier die Kriechsohle des Kopfes vorn in zwei kurze Lappen aufspalten. An der verbreiterten Basis der langen, pfriemenförmigen Fühler sitzen die Augen. Der Körper ist normalerweise einfarbig dunkelbraun, rotbraun oder graubraun. Besonders in schattigen Waldtümpeln kommen pigmentarme Tiere vor. Auch Albinos kommen vor. Bei letzteren, jedoch auch an weniger pigmentierten Körperstellen normalfarbiger Tiere (z.B. Fußunterseite) ist der Körper durch den Blutfarbstoff Hämoglobin rot. BOETTGER (1933) stellt fest, daß die Pigmentarmut vererbbar sein kann, wobei dieser Genfaktor gegenüber normalfarbigen Tieren rezessiv ist und die Ausprägung der Pigmentarmut und -verteilung phänotypisch beeinflußbar ist. Unter optimalen, gleichmäßigen Wachstumsbedingungen sind die Tiere bei relativ dünnschaligem Gehäuse leuchtend dunkelrot. Diese Mutante war Anfang des 20. Jahrhunderts eine beliebte Aquarienschnecke, die auch gezüchtet wurde. Der Genfaktor für albinotische Tiere vererbt sich gegenüber den pigmentarmen und den normalfarbigen Tieren rezessiv. Die Geschlechtsöffnungen befinden sich an der linken Körperseite. Die männliche Geschlechtsöffnung befindet sich dabei hinter dem linken Fühler und ist als pigmentarme Stelle erkennbar. Beim aktiven Tier ragt meist ein lappenförmiger Fortsatz aus der linken Mantelhöhle heraus. Er wird als Pseudo- oder Hilfskieme bezeichnet und unterstützt die Atmung über die Mantelhöhle und die Haut. Kurz vor dieser Pseudokieme befindet sich ebenfalls an der linken Körperseite der After.
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ähnliche Arten: Anhand der Gehäuseform und -größe nicht mit anderen in Europa heimischen Arten verwechselbar. Selbst junge Planorbarius sind aufgrund der von Beginn an hohen, bauchigen Umgänge leicht von anderen Arten mit planspiralem Gehäuse aus derselben Familie unterscheidbar. Die folgenden aus Amerika in Aquarien und vereinzelt im europäischen Freiland eingeschleppten Planorbella bzw. Helisoma spec. erreichen nur ca. 20mm Gehäusedurchmesser. Der obere Mündungsrand nicht gleichmäßig gerundet, sondern hier unterschiedlich deutlich gekantet und dann etwas schief zum äußeren Mündungsrand abfallend. Auf der flach eingesenkten Gehäuseoberseite sind mindestens die ersten Windungen nicht bauchig, sondern nur durch eine flache Naht voneinander abgesetzt. Die Gehäuse der Jungtiere amerikanischer Arten sind nach Kenntnis der Redaktion ohne Haarreihen. Bei der aus dem östlichen Nordamerika stammenden und nach DILLON in Aquarien weit verbreiteten Art Helisoma (=Planorbella) trivolvis (SAY 1817) sind nach BURCH (1982) deutlich hervortretende Wachstumslinien charakteristisch; die 15 bis 18mm Durchmesser erreichenden Gehäuse sind matt. Der letzte mm des äußeren Mündungsrandes kann bei adulten Tieren leicht erweitert sein. Die Gehäuse der sehr formvariablen, aus Florida stammenden Planorbella (=Helisoma) duryi (WEATHERBY 1879) sind bei der Nominatform sehr ähnlich vorgenannter Art, jedoch ist die Oberfläche der Gehäuse nur durch sehr feine Zuwachslinien skulpturiert und glänzend-glatt (BURCH 1982; THOMPSON 1984). Der äußere Mündungsrand adulter Tiere ist gerade und nicht aufgebogen. Ebenfalls ähnlich sind die Gehäuse der vereinzelt in Aquarien zu findenden Art Planorbella anceps (MENKE 1830), bei denen jedoch die letzte Windung adulter Tiere deutlich erweitert und der obere Mündungsrand stark abgewinkelt ist.
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Verbreitung, natürliches Habitat: Die Posthornschnecke ist allgemein paläarktisch in Europa bis nach Ostsibirien verbreitet: Norwegen (vereinzelt im Süden), Schweden (im Süden und auf Gotland verbreitet), Dänemark (einschl. Bornholm; verbreitet), Finnland (besonders im Süden verbreitet), Rußland (Kaliningrad bis mindestens zum Ural; VINARSKI et.al. 2007), Estland (verbreitet), Lettland (verbreitet), Litauen (verbreitet; vgl. ZETTLER et.al. 2005), Polen (verbreitet), Tschechien (zersteut), Slowakei (im Tief- und Mittelland verbreitet), Liechtenstein, Österreich (verbreitet), Ungarn, Slovenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Serbien+Mentenegro, Makedonien, Albanien, Bulgarien, Rumänien (allg. verbreitet; CIOBOIU 2003), Moldavien (ANDREEV & BURCOVSCHI 2001; COADÄ‚ & POPA 2006), Ukraine (auch Krim), Griechenland (Festland), Türkei (in Provinzen an der Ägäis und des Mittelmeeres sowie verstreut in der zentralanatolischen Region; YILDIRIM et.al. 2006), nördlicher Kaukasus und Transkaukasus, Britische Inseln (in England verbreitet, sonst verstreut; Karte s. weblinks: National Biodiversity Network. In Nordirland nach ANDERSON 1996 nicht autochton, als Gartenteichbesatz eingeschleppt), Niederlande (verbreitet; Karte s. weblinks: Atlasproject Nederlandse Mollusken), Belgien (fast allg. verbreitet), Luxemburg (bis auf ein Vorkommen im Süden verschwunden), Schweiz (trotz häufiger Aussetzungen ohne stabile Populationen), Frankreich (Festland), Portugal (Madeira), Italien (Festland. In Deutschland ist die Posthornschnecke (Planorbarius corneus) in der Norddeutschen Tiefebene und am Oberrhein allgemein verbreitet. In den Mittelgebirgen fehlt sie weitgehend und kommt in Süddeutschland nur zerstreut vor. Im Erzgebirge bis 750müNN, in den Ostalpen bis 532müNN vorkommend. Die Posthornschnecke kommt in pflanzenreichen stehenden und langsam fließenden Gewässern bis etwa 3 (5)m Wassertiefe vor. Auch in vorübergehend austrocknenden Kleingewässern. In Gräben, Tümpeln, (Fisch-) Teichen, Kanälen und ruhigen Buchten von Seen ist sie dabei meist an Wasserpflanzen sowie auf Fallaub und anderen Bodensubstraten zu finden. Für Fundorte in der Provinz Bihor/Rumänien haben SÎRBU & BENEDIK (2006) einige Habitatbeschreibungen veröffentlicht (s. weblinks).Einige Habitate, in denen nach eigenen Beobachtungen Posthornschnecken im Freiland gefunden wurden sind unter folgenden Links kurz vorgestellt: 0006, 0011, 0016, 0018, 0027, 0030, 0031, 0035
Wasserwerte: Nach Langzeithaltung hunderter Tiere (Ursprung: Bretagne/Frankreich), die in Gruppen bei verschiedenen, konstanten Temperaturen gehalten wurden, berechnete COSTIL (1994) eine für das Wachstum optimale Temperatur zu 20,5°C. IMHOF (1973; in :COSTIL 1994) beobachtete dagegen eine optimale Temperatur von 17°C. Abgesehen von der Möglichkeit evtl. unterschiedlicher methodischer Ansätze könnten die verschiedenen Temperaturangaben auch in regional verschiedenen Anpassungen der jeweils untersuchten Populationen begründet sein. Nach BECHTLE (1914; in: BOETTGER 1933) verkraftet die Art vorübergehend eine Wassertemperatur von 30°C. Die Art gilt allgemein als calciphil. In natürlichen Habitaten in Norwegen fand ØKLAND (1980; in: GLÖER 2002) Planorbarius bevorzugt in Wasser mit einer Gesamthärte über 2,3°d und pH-Werten zwischen 6,0 und 8,8. Für Vorkommen von Planorbarius corneus ssp. im flachen Hochlandsee Işıklı Gölü, Provinz Denizli/Türkei veröffentlichten USTAOĞLU et.al. (2001) im Jahresverlauf stark schwankende Wasserwerte: 5,5-27°C; pH = 8,0-8,8; O2 = 6,7-13,3mg/l; Leitfähigkeit = 194-405µS25°C; SBV = 1,7-4,4mmol/l; Ca2+ = 26,5-76,2mg/l; Mg2+ = 27,2-91,4mg/l. An zwei Fundorten im Unterlauf des Yavurlakçay, Provinz Muğla/Türkei wurden von denselben Autoren 2003 im Durchschnitt des Jahres folgende Wasserwerte gemessen: 17,3-18,5°C; pH = 7,9; O2 = 8,9-9,1mg/l; O2-Sättigung = 95-96%; Leitfähigkeit = 552-660µS25°C; Salzgehalt 0,22-0,23%; SBV = 5,4-6,5mmol/l. BALIK et.al. (2003) fanden Planorbarius corneus ssp. in verschiedenen Seen im Taurus, Provinz Sedişehir/Türkei bei u.a. folgenden Wasaserwerten (alle: 17.07.1996): 22,5-27,0°C; pH = 6,7-8,8; O2 = 4,8-6,2mg/l; O2-Sättigung = 68-94%; Ca2+ = 16-36mg/l; Mg2+ = 10-34mg/l. Nach eigenen Beobachtungen konnte die Art in verschiedenen Gewässern mit folgenden Wasserwerten gefunden werden: Nicht unterhaltener, stark verkrauteter Wiesengraben ohne Strömung bei Oldenburg/Niedersachsen an Wasserpflanzen und auf Schlammsubstrat: 6°C (09.12.2006), 21°C (24.06.2007); GH = 15-22°dH; KH = 5-7°dH; pH = 7,0; NH3/NH4 ~ 1-2mg/l; NO2 < 0,3mg/l; NO3 ~ 8-10mg/l. Graben in Oldenburg/Niedersachsen auf Wasserstern und Schlammsubstrat (05.05.2007): GH = 22,5°dH; KH = 10,5°dH; pH = 8,0; NH3/NH4 ~ 1,5mg/l; NO2 ~ 0,3 mg/l; NO3 ~ 10mg/l. Jährlich geräumter Graben mit Schlammsubstrat und geringer Strömung in Oldenburg/Niedersachsen: 18°C (24.06.2007); GH = 8°dH; KH = 4°dH; pH = 7,0; NH3/NH4 ~ 1mg/l; NO2 ~ 0,5 mg/l; NO3 ~ 10mg/l. Wenig unterhaltener, stark verkrauteter Wiesengraben fast ohne Strömung bei Jaderberg/Niedersachsen an Wasserpflanzen und auf Schlammsubstrat: 22°C (05.08.2007); GH = 11°dH; KH = 8°dH; pH = 7,5; NH3/NH4 ~ 0,2mg/l; NO2 < 0,3mg/l; NO3 ~ 0mg/l. Eingestauter Fluß mit abgestorbenen Sumpfpflanzen und Schlammsubstrat, wenig Strömung bei Rostock/Mecklenburg-Vorpommern (29.07.2007): 19°C; GH = 15°dH; KH = 9°dH; pH = 7,5; NH3/NH4 ~ 0,25mg/l; NO2 < 0,3mg/l; NO3 ~ 5mg/l. Teilweise verkrauteter Graben in Kiel/Schleswig-Holstein (leichte Strömung, nach starkem Niederschlag) am 10.09.2007: 15°C; GH = 4,5°dH; KH = 4°dH; pH = 7; NH3/NH4 ~ 0,25mg/l; NO2 < 0,3mg/l; NO3 ~ 0mg/l. Tieflandfluß mit Schlammsubstrat und geringer Strömung bei Bergum/Niederlande: 8°C (08.12.2007); GH = 8°dH; KH = 4°dH; pH = 7,5; NH3/NH4 ~ 0,3mg/l; NO2 ~ 0,3 mg/l; NO3 ~ 12mg/l.
Fortpflanzung: Die Posthornschnecken sind wie die übrigen heimischen Süßwasserlungenschnecken (Basommatophora) zwittrig angelegt.Selbstbefruchtung ist möglich, jedoch reduziert sich hierdurch die Schlupfrate auf nur 5 bis 6% (COSTIL & DAGUZAN 1995; in: GLÖER 2002). Bei Wassertemperaturen über 15°C (COSTIL & DAGUZAN 1995; in: GLÖER 2002) werden die gallertigen Laichballen meist nachts an Wasserpflanzen oder Steine geheftet. WAHL (2008) beobachtete, daß Posthornschnecken bei der Eiablage an den Unterseiten der Blätter von Teichrosen (Nuphar lutea) Blätter meidet, die von den minierenden Larven des Käfers Galerucella nymphaeae befallen sind. Die Schnecken werden dabei von Stoffen, die die befallene Pflanze abgibt, nicht von den Käferlarven selbst. Als Ursächlich für das Vermeidungsverhalten fand WAHL heraus, daß die Embryonen der Posthornschnecke von der UV-Strahlung, die die Miniergänge fast ungehindert durchdringt, abgetötet werden können. Eine ausgewachsene Posthornschnecke kann in einer Nacht zwei bis drei Gelege produzieren. Die an sich transparente Gallertmasse ist im Licht rötlich oder bläulich irisierend. Die Gelege sind flach, im Umriß oval mit einer Breite von 10 bis 15mm und einer Länge von bis zu 30mm (GRABOW 2000). Jedes Gelege enthält durchschnittlich 16 Eier (COSTIL 1997); nach Angaben von GRABOW 60 bis 70 Eier. Im Laufe ihres Lebens summiert sich die Anzahl gelegter Eier pro Schnecke auf etwa 1000 (HUNTER 1953). COSTIL (1997) untersuchte den Temperatureinfluß auf die Entwicklung des Laichs, indem er die Gelege von in 20°C warmen Wasser gehaltenen Tiere aus der Bretagne/Frankreich in unterschiedlich temperierte Behältnisse überführte: Bei einer Wassertemperatur von 5°C entwickelten sich die Embryonen in keinem der Gelege. Bei 10°C schlüpfte immerhin aus 28% der Gelege wenigstens ein Jungtier; aus durchschnittlich 37,3% der Eier schlüpften sie nach 67,1 ± 7,6 Tagen. Aus jedem der bei Temperaturen von 15, 20 und 25°C gehälterten Gelege schlüpften Jungtiere. Hierbei entwickelten sich 92 bis 94% der Eier zu Jungschnecken. Der Schlupf erfolgte bei 15°C nach 25,7 ± 1,1 Tagen, bei 20°C 13,9 ± 0,8 Tagen (zum Vergleich: nach PIECHOCKI (1979; in: COSTIL 1997):11-14d) und bei 25°C 8,5 ± 0,6 Tagen. So wie sich die Embryonalentwicklung mit zunehmender Temperatur verkürzt, so verrigert sich auch die individuelle Entwicklung der einzelnen Eier/Gelege: Bei 10°C vergingen durchschnittlich 10,8 Tage, bis sämtliche Tiere eines Geleges geschlüpft waren. Bei 15°C dauerte dies 3,5 Tage, bei 20°C 2,9 Tage und bei 25°C 2,7 Tage. Bis zum Erreichen der Geschlechtsreife (im Labor je nach Wassertemperatur nach 20 bis 40 Monaten) wachsen die Jungtiere rapide wobei der Gehäusedurchmesser unter optimalen Bedingungen bis zu 1mm/Woche zunehmen kann. Mit Erreichen der Geschlechtsreife nimmt die Zuwachsrate signifikant ab und verringert sich kontinuierlich bis zum Tod.
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Lebensdauer: COSTIL (1994) stellte bei im Labor bei konstant 15°C gehaltenen Planorbarius ein maximal erreichbares Alter von 231 Wochen (4,4a) fest. Aufgrund der hohen Sterblichkeit der Jungtiere (rund 25% im ersten Jahr) beträgt die durchschnittliche Lebenserwartung bei 15°C allerdings nur 2,6 Jahre. Bei der für das Wachstum günstigeren Wassertemperatur von 20°C reduziert sich die Lebenserwartung auf knapp 2 Jahre. Andere Autoren (z.B. BOYCOTT 1936, BOETTGER 1944, HUNTER 1953) geben etwa 3 Jahre bzw. 4 Jahre (GRABOW 2000) als erreichbares Alter an. Nahrung: Planorbarius ernährt sich im Freiland von Algen, abgestorbenen Pflanzenteilen, Detritus und Aas (u.a. GRABOW 2000). Intakte Wasserpflanzen werden nicht angefressen. REAVELL (1980; in: GLÖER 2002) konnte im Darminhalt ausschließlich Detritus finden. Die für Verhaltensstudien in Aquarien gehaltenen Posthornschnecken wurden von DELIAGINA & ORLOVSKY (1990a) mit auf die Wasseroberfläche gestreuten, getrockneten Daphnien sowie Salat gefüttert. COSTIL (1994) fütterte seine über mehrere Jahre gehaltenen Labortiere mit frischem Salat. Nach Beobachtungen von BOETTGER (1933) wachsen die Tiere besonders schnell und zeigen einen gleichmäßigen Gehäuseaufbau bei kombinierter Fütterung pflanzlichem Futter wie Salat (frisch, besser getrocknet und zerstoßen) und tierischem Futter (getrocknete Daphnien, div. Zierfischfutter). Im Londoner Zoo wurde den Tieren auch gelegentlich ein Stückchen rohes Fleisch angeboten. Zur Vermeidung von durch Kalkmangel hervorgerufenen Gehäuseschäden empfiehlt SCHINZLER (1912; in: BOETTGER 1933) bei hoher Besatzdichte und/oder weichem Wasser die Zufütterung von Sepia. Nach eigenen Beobachtungen im Aquarium fressen die Posthornschnecken außer Grünalgen auch gern zugefütterten Spinat (überbrüht), Gurke, verschiedene Sorten Zierfischfutter (mit pflanzlichem Hauptanteil) und Spirulina.
Verhalten, Physiologie: Entsprechend ihrer unspezialisierten Ernährungsweise sind Posthornschnecken im Freiland wie auch im Aquarium besonders auf Wasserpflanzen, aber auch anderen Substraten wie Holz oder Schlamm bei der Nahrungsaufnahme zu beobachten. Jungtiere hängen beim Fressen der Kahmhaut oft an der Wasseroberfläche und werden dabei verdriftet. Die schwereren adulten Posthornschnecken halten sich hierbei öfter mit dem hinteren Ende des Fußes an Wasserpflanzen o.drgl. fest. DELIAGINA & ORLOVSKY (1990a) beobachteten die Bewegungsmuster der Posthornschnecken genauer um diese mit weitergehenden Untersuchungen des steuernden Nervensystems zu erklären (DELIAGINA & ORLOVSKY (1990b): In ersten Untersuchungen in Aquarien ohne Nahrung konnte ein deutlicher Tagesrythmus mit höherer Aktivität am Tage beobachtet werden: Ohne Nahrungsaufnahme krochen die Tiere tagsüber mit Geschwindigkeiten von 0,9 bis 1,6mm/s, nachts langsamer als 0,8mm/s. Nachts ist der Anteil inaktiver Schnecken signifikant höher. Nachts überwogen senkrechte Bewegungen an den Aquarienscheiben, tagsüber horizontale mit der linken Körperseite nach unten. Diese relativ gradlinigen Bewegungen wurden nach Hindernissen oder kleinen Störungen wieder aufgenommen. Beim Abweiden eines Algenbelages von den Aquarienscheiben werden pendelnde Kopfbewegungen ausgeführt. Die Kriechgeschwindigkeit wird dabei beibehalten, jedoch sich nicht weiter in einer klaren Richtung bewegt. Zur Fütterung mit Staubfutter (Daphnien) fanden sich die meisten Schnecken 15min nach der Futtergabe an der Wasseroberfläche ein. Hier zeigten sie drei unterschiedliche Strategien der Nahrungsaufnahme. Bei am Aquarienboden fixiertem Futter (Salat) beobachteten DELIAGINA & ORLOVSKY, daß sich sämtliche Tiere hier nach 1 bis 2 Stunden einfanden. Wurde es nahe der Aquarienscheibe plaziert, kriechen die Schnecken hieran gelegentlich vertikal zur Wasseroberfläche um dort über 10 bis 20s die Luft in ihrer Mantelhöhle auszutauschen. Nach einer 180°-Wendung nach rechts kriechen die Tiere ihrer vorherigen Spur folgend wieder zurück zum vorherigen Platz am Futter. Wurde das Salatblatt mittig des Aquariums, ohne Kontakt zu den vertikalen Scheiben plaziert, konnte beobachtet werden, daß sich die Tiere von der höchsten Salatspitze an einem Schleimfaden zur Wasseroberfläche treiben lassen könen. Nach Austausch der Atemluft wird dann derselbe Schleimfaden für den Rückweg zum Futter benutzt. Folgende Schnecken benutzten dann auch den vorhandenen Schleimfaden zur Wasseroberfläche. Posthornschnecken atmen hauptsächlich über die Haut (einschl. Hilfskieme) und kommen in ausreichend sauerstoffhaltigem Wasser erheblich seltener als z.B. Schlammschnecken (Radix sp., Lymnaea sp.) an die Oberfläche um den Luftvorrat in ihrer Mantelhöhle ("Lunge") auszutauschen. Planorbarius kann eine vorübergehende Austrocknung des Gewässers über längere Zeit überdauern, indem sie ihr Gehäuse mit einer Schleimlamelle verschließt, sich weit in ihr Gehäuse zurückzieht und von ihren Reserven zehrt (MATZKE 1961; in: GLÖER 2002). Ähnlich inaktiv verbringt sie in Nord- und Mitteleuropa eine Winterruhe am Gewässergrund. Nach Untersuchungen von RUSSEL-HUNTER (1985; in: GLÖER 2002) verloren die Tiere z.B. im Laufe einer 126 Tage dauernden Winterruhe 44% an Biomasse. Für 33% der Tiere war der Winter zu lang, die Reserven aufgebraucht und sie starben. Wie auch für einige andere Molluskenarten ist auch für die Posthornschnecke bekannt, daß sie über die Nierenzellen feste, i.W. aus Calziumphospat bestehende Kügelchen produziert und über den Urin ausscheidet. In Streßsituationen (ungewöhnliche Temperatur, Schwermetallbelastung, Salzgehalt, evtl. auch Reproduktion) werden diese normalerweise nur 5,4 bis 7,4µm kleinen Kügelchen vermehrt und auch größer gebildet. KLOBUČAR et.al. (2001) konnten dieses Phänomen bei Planorbarius corneus auch bei Exposition mit dem Umweltgift PCP nachweisen.
Haltung und Vergesellschaftung im Teich und Aquarium: Planorbarius wird im Handel jedes Frühjahr als Wildfang aus Osteuropa für den Besatz von Gartenteichen angeboten.Für die dauerhafte Haltung der Posthornschnecke im Gartenteich sollte dieser über eine ausreichende Wassertiefe (je nach regionalem Klima; ca. 80cm), eine Flachwasserzone, Bereiche mit weichem Substrat (Teicherde, Schlamm kommt mit der Zeit von selbst hinzu) und reichlich Pflanzen verfügen. Eine Fütterung der Schnecken ist dann nicht erforderlich. Eine ausreichende Sauerstoffversorgung inb. der überwinternden Tiere kann mit Wasserpflanzen (z.B. Wasserpest, Hornblatt, Tausendblatt) gewährleistet werden. In strengen Wintern ist es sinnvoll gelegentlich Fenster in die auf dem Eis liegende Schneedecke zu schieben. Eine künstliche Wasserumwälzung/Belüftung/Wasserfilterung ist für die Posthornschnecken selbst so zu keiner Jahreszeit erforderlich. Auch in kleineren Teichen ist eine Vergesellschaftung mit kleinen Fischen wie z.B. Moderlieschen, Stichling oder Gründling gut möglich. In einem reich strukturiertem Teich ist dies bei entsprechender Größe auch mit Cypriniden bis Goldfischgröße realisierbar, obwohl diese die Jungschnecken dezimieren. Nur in entsprechend natürlichen Gewässern angelegten großen Teichen mit ausgedehnten Flachwasserzonen können sich Posthornschnecken neben räuberischen Fischarten wie z.B. Barschen, Forellen, auch großen Cypriniden behaupten. Von Flußkrebsen werden die Schnecken als Futter angesehen. In geschützter Lage, z.B. auf einer Terrasse unmittelbar an einer Hauswand, lassen sich Posthornschnecken auch in einem Mörtelkübel (ab 200l) dauerhaft halten. Der Standort ist besonders gewissenhaft auszuwählen, damit die Wassertemperaturen im Hochsommer in solch kleinen Behältnis möglichst nicht 25°C überschreitet ( --> Halbschatten) und das Wasser im Winter nicht von unten her (wo die Tiere in weichem Substrat überwintern) gefrieren kann. Gegen letzteres Problem hilft es den Kübel möglichst bis zu seiner Oberkante in das Erdreich einzulassen. Die Nähe zu einem (üblicherweise wenig gedämmten) Keller ist vorteilhaft. Im Übrigen können für die Haltung der Posthornschnecken im Mörtelkübel sinngemäß obige Ausführungen bzgl. der Haltung im Gartenteich empfohlen werden.
Insbesondere albinotische Posthornschnecken waren früher aufgrund ihrer roten Färbung (durchscheinendes Blut) beliebte Aquarientiere. Durch die Einführung der im Aquarium einfacher zu haltenden und mittlerweile in einer Vielzahl von Farbformen gezüchteten amerikanischen Arten ist dies weitgehend in Vergessenheit geraten. COSTIL (1994) hielt seine Labortiere in den ersten 10 Lebensmonaten (entsprechend bis ca. 15mm Gehäusedurchmesser) in Gruppen zu 17 Stück in Behältnissen mit einer Wassermenge von 45ml/Einzeltier; im Weiteren Versuchsverlauf mit 150ml/Einzeltier. Abweichend hiervon empfiehlt die Redaktion die Haltung in erheblich geringerer Dichte von nicht mehr als 5 adulten Tieren je 10l Aquarieninhalt. Als Standort für ein Aquarium sind schattige bis halbschattige Standorte in sommers nicht zu warm werdenden Zimmern geeignet. Die Wassertemperatur sollte 20 ± 5°C betragen. Die Installation eines Heizstabes ist damit bei üblichen Zimmertemperaturen nicht erforderlich. Sinnvoll ist hingegen ein Sprudelstein, damit auch Futterreste nicht zu Fäulnis führen. Ein Wasserfilter ist nicht unbedingt erforderlich. Für die Einrichtung des Aquariums ist üblicher Aquariensand, Wasserpflanzen und Wurzelholz geeignet. Das Aquarium der Posthornschnecken sollte nicht randvoll gefüllt werden, sondern mindestens 2cm Freibord verbleiben. Besonders unter den agilen Jungtieren kann es anderenfalls zu Verlusten durch "Aussteiger" kommen. Für das Einfahren des Aquariums und regelmäßige Wasserwechsel sind die in der Süßwasseraquaristik allgemein bekannten Regeln zu beachten.
Parasiten, Kommensalen: Wie auch andere Wasserschnecken werden auch die heimischen Planorbidae von verschiedenen Arten von Trematoden (Saugwürmer) als Zwischenwirt befallen. Planmäßiger Endwirt der die Schnecke verlassenden Zerkarien (= ein Larvenstadium der Egel) sind Wasservögel, Fische, Amphibien oder Säugetiere. Die meisten Zerkarien gelangen in ihren Endwirt indem sie mitsamt der infizierten Schnecke gefressen werden. Dort bohren sie sich durch die Darmwand und befallen die inneren Organe. In Posthornschnecken im Raum Westfalen-Lippe wurden von FUCHS (2002) diverse Trematodenarten gefunden, von denen eine Art (Echinostoma echinatum) auch beim Menschen Krankheitssymptome (Echinostomiasis) auslösen kann. In Europa ist das (meist milde und kaum merkliche) Krankheitsbild äußerst selten, da kaum jemand rohe Wasserschnecken ißt. Besonders im Kopfbereich sind an Planorbidae (auch Radix, Lymnaea und weiteren Arten) aus dem Freiland häufig bis zu 3mm lange, weiße Würmer zu finden, die sich mit ihrem Hinterende am Körper der Schnecke festhalten und mit dem vorderen Ende suchende Bewegungen ausführen. Vielfach handelt es sich um den Bauchborstenwurm Chaetogaster limnaei limnaei (BAER 1827), der unspezifisch winzige Partikel als Futter unmittelbar vor der Schnecke sowie Futterreste aufsaugt. Im Gegensatz zur parasitisch in Wasserschnecken lebenden Unterart C. l. vaghini (GRUFFYDD 1965) wird die Vitalität oder das Verhalten der Schnecke von der erstgenannten, Unterart nicht beeinträchtigt (s. weblinks: WÄGELE et.al. sowie Wikipedia).
Sonstiges: Die Posthornschnecke wird derzeit nicht auf der bundesweiten Roten Liste Deutschlands (1998) geführt. Ebenso nicht auf der internationalen Roten Liste (IUCN 2007) und derjenigen von Estland (Jahr?), Lettland (2003), Niederlande (2004), Polen (2004) und Slovenien (2001). In Österreich gilt sie als nicht gefährdet ("LC", in PATZNER 2006). In der Schweiz ist sie als gefährdet eingestuft.
Unterarten von Planorbarius corneus in Europa: Derzeit werden in der FaunaEuropaea (s. weblinks) die Unterarten Planorbarius corneus corneus (LINNAEUS 1758) und Planorbarius corneus grandis (DUNKER 1850) als valide Unterarten gelistet. Sofern nicht anders hervorgehoben ist erstere Unterart auf dieser website beschrieben. Die Gehäuse der Unterart P. c. grandis sind besonders bauchig und hoch. Sie erreicht eine Gehäusehöhe von 16 bis 17mm bei einem Gehäusedurchmesser von 30mm. P. c. grandis scheint in Europa auf das griechische Festland beschränkt zu sein. Nach FRANK & KINZELBACH (1986, in: BANK et.al. 2007) kommt die Unterart auch in Anatolien/Türkei vor. Die auf dieser Seite abgebildeten Gehäuse von P. p. grandis wurden im Delta des Evros/Griechenland aufgefunden.
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Weitere Art der Gattung Planorbarius in Europa: Außer der in Algerien, Marokko, Portugal (Algarve) und Südspanien (Extremadura) vorkommenden Art Planorbarius metidjensis (FORBES 1838) = Planorbarius dufourii (GRAELLS 1846) sind derzeit von den führenden europäischen Taxonomen keine weiteren Arten der Gattung in Europa anerkannt. Das Gehäuse der P. metidjensis bleibt mit 8x16mm deutlich kleiner. Juvenile Tiere weisen wie P. corneus Spirallinien mit kurzen Haarreihen auf. Der letzte Umgang ist bei adulten Exemplaren relativ groß und abgewinkelt. Bei dem in AnimalBase (s. weblinks) lebend abgebildeten Exemplar scheint der gefleckte Mantel durch das Gehäuse. BECH I TABERNER & ALTIMIRAS I ROSET (2003) fanden die Art in der Extremadura in kleinen Gewässern wie Teichen und Stauseen auf Schlammsubstrat und Pflanzen. YACOUBI et.al. (2007) fanden P. metidjensis in der Provinz Agadir, Marokko nur in höheren Lagen des Atlas (340 bis 1380müM.). In dauerhaften Gewässern in Imouzzer wechselten sich drei Generationen (April-Juli, Juni-September und August-März) ab, sodaß kontinuierlich Jungtiere beobachtet werden konnten. In Marokko konnte für P. metidjensis nachgewiesen werden, daß er Zwischenwirt des auch für den Menschen pathogenen Leberegels Schistosoma haematobium sein kann.
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weblinks: Aquarienschnecken-Forum: [thread zur Unterscheidung der Posthornschnecken]
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Seite aktualisiert: 29.06.2008 Autor: schneckli |
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