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Aquarienschnecken.de |
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Potamopyrgus antipodarum - neuseeländische Deckelschnecke ( Gray, 1843) |
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Verbreitung, natürliches Habitat: Die Neuseeländische Deckelschnecke wurde vermutlich mit Ballastwasser nach Europa eingeschleppt und ist seit 1837 aus England bekannt. Weitere Erstfunde in Europa folgten in Deutschland (1887), Niederlande (1890), Nordfrankreich (1912), Belgien (1927) und Österreich (1985). Mittlerweile ist die Art im zentralen Europa (z.T. von Südnorwegen bis in die Schweiz, von Irland bis Ungarn) weit verbreitet.Außerdem wurde sie auch bereits nach Australien (1870), Japan und die USA (1987) eingeschleppt. Die Schnecke kann in verschiedensten Gewässern (z.B. Seen, einschl. Brandungszonen, Flüsse, Ästuare usw.) gefunden werden. Auch für bestimmte Bodensubstrate ist keine Präferenz festzustellen. Sie kommt jedoch mit höchsten Dichten (Züricher See: bis 800.000 Individuen/ mg 2; !) in eutrophen Gewässern vor. Diese weisen i.d.R. ein schlammiges Substrat und reichlichen Pflanzenwuchs auf. Habitate in denen die Potamopyrgus antipodarum zu Hause ist: Habitat 1, 2 , 9, 14, 17, 19 , 21, 24, 25, 26, 28, 34 Wasserwerte: Die optimale Wassertemperatur liegt bei 18°C.Als Temperatur-Obergrenze wurde experimentell 32°C angegeben (50% der Tiere sterben dann).0°C wird im Freiland auch über mehrere Monate vertragen, Gefrieren nicht. Der pH - Toleranzbereich liegt bei 6,3 bis 8,7. Die Schnecke lebt in Süss- und Brackwasser (0 bis 17, max. 24‰ Salzgehalt), wobei Tiere im Brackwasserbereich kleiner bleiben. Die Neuseeländische Deckelschnecke gilt als gegenüber organischen Verschmutzungen relativ tolerant. Die Toleranz gegenüber Schwermetallen entspricht etwa derjenigen anderer Wasserschnecken. Nach eigenen Beobachtungen konnte die Art in verschiedenen Gewässern mit folgenden Wasserwerten gefunden werden: Ehemalige Sandkuhle bei Oldenburg/Niedersachsen mit Sandsubstrat, z.T. Fallaub und Schlamm: 7°C (24.11.2006), 17°C (30.06.2007); GH = 6 bis 7°dH; KH = 7°dH; pH = 8,0; NH3/NH4 cs 0,2mg/l; NO2 < 0,3mg/l; NO3 cs 5mg/l. Ehemalige Sandkuhle in Oldenburg/Niedersachsen mit Substrat wie vor: 7,5°C (26.11.2006), 20,5°C (24.06.2007); GH = 7 bis 8°dH; KH = 3,5 bis 4,5°dH; pH = 7,5 bis 9,0; NH3/NH4 cs 1mg/l; NO2 cs 0,3mg/l; NO3 cs 15mg/l. Ehemalige Sandkuhle in Oldenburg/Niedersachsen mit Substrat wie vor: 14°C (03.10.2007); GH = 11°dH; KH = 3°dH; pH = 7,2; NH3/NH4 ~ 0mg/l; NO2 < 0,3mg/l; NO3 ~ 0mg/l. Ehemalige Sandkuhle in Wilhelmshaven/Niedersachsen mit Substrat wie vor: GH = 16,5°dH; KH = 9°dH; pH = 8; NH3/NH4 ~ 0,2mg/l; NO2 < 0,3mg/l; NO3 ~ 5mg/l. Bach, jährlich geräumt bei Oldenburg/Niedersachsen mit Sandsubstrat, einzelnen Kieseln: 6,5°C (04.02.2007), 15,5°C (30.06.2007); GH = 7,5 bis 9°dH; KH = 4 bis 5°dH; pH = 7,2 bis 7,5; NH3/NH4 ~ 0,2mg/l; NO2 cs 0,3mg/l; NO3 ? 30mg/l. Eingestauter Fluß mit Schlammsubstrat und sehr geringer Strömung in Bremen: 17°C (24.09.2007); GH = 9°dH; KH = 4°dH; pH = 7,5; NH3/NH4 ~ 0,25mg/l; NO2 < 0,3 mg/l; NO3 ~ 5mg/l. Altarm der Ems mit Schlammsubstrat und reichlich Wasserpflanzen bei Meppen/Niedersachsen: 20,5°C (14.07.2007); GH = 12°dH; KH = 6°dH; pH = 7,5; NH3/NH4 ~ 0mg/l; NO2 ~ 0,3 mg/l; NO3 ~ 15mg/l. Drei Stationen am Dortmund-Ems-Kanal (Niedersachsen) am 14.07.2007): 15,5 bis 21°C, GH = 12 bis 14°dH; KH = 7 bis 8°dH; pH = 7,5; NH3/NH4 ~ 0mg/l; NO2 < 0,3mg/l; NO3 ~ 12 bis 18mg/l. Kanal (Störkanal) mit Schlammsubstrat, Steinen und geringer Strömung in Mecklenburg-Vorpommern: 18°C (29.07.2007); GH = 13°dH; KH = 7°dH; pH = 7,5; NH3/NH4 ~ 0mg/l; NO2 < 0,3 mg/l; NO3 ~ 5mg/l. Fluß mit Schlammsubstrat und geringer Strömung bei Bergum/Niederlande: 8°C (08.12.2007); GH = 8°dH; KH = 4°dH; pH = 7,5; NH3/NH4 ~ 0,3mg/l; NO2 ~ 0,3 mg/l; NO3 ~ 12mg/l.
Fortpflanzung: Die getrenntgeschlechtliche Potamopyrgus antipodarum wird im Alter von 2 bis 3 Monaten bzw. bei einer Größe von etwa 3mm geschlechtsreif. Außerhalb ihrer Heimat Neuseeland sind männliche Schnecken äußerst selten zu finden. In Australien beträgt der Anteil 10%, in England und den USA wurden erst kürzlich einzelne Männchen festgestellt. Die Tiere vermehren sich ovovivipar, d.h. die Entwicklung der Eier wird vollständig im Inneren (Uterus) der Schnecke abgeschlossen, sodaß vollständig entwickelte, 0,4 mm bis 1,6 mm kleine Schneckenbabies geboren werden. Die Art vermehrt sie sich dabei i.d.R. parthenogenetisch, d.h. die Jungtiere entwickeln sich aus unbefruchteten Eizellen und sind somit 100%ig genetisch identische Klone ihrer Mütter. Insbesondere abhängig von den Temperaturverhältnissen kann jedes Tier 80 – 200 (nach anderen Angaben: 20 – 120) Jungschnecken /a produzieren. 2 bis 6 Generationen /a wurden beobachtet. Täglich kann ein Muttertier 2 bis 3 Junge gebären.Auch bei einer Temperatur von nur 7°C wurde Reproduktion beobachtet. Über einen Zeitraum von 2 Monaten hielt DERMOTT (in: ZARANKO et.al.) Tiere aus dem Ontario-See bei 21°C im Aquarium. Zu Versuchsende konnten im Durchschnitt 9,6 Jungtiere je eingesetzter, erwachsener Schnecke gezählt werden. Nach Angaben anderer Wissenschaftler wurde auch noch bei einer Temperatur von nur 7°C Reproduktion beobachtet.
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Lebenserwartung: 6 Monate bis 2 Jahre. I.M. wird auch 7 Monate angegeben. Nahrung: In der Natur frißt sie hauptsächlich Dentritus, insb. verfaulende Pflanzenteile sowie Diatomeen und andere Algen. Im Aquarium geht sie auch an künstliches Trockenfutter, bevorzugt mit hohem pflanzlichen Anteil. Lebende Pflanzen werden nicht angeknabbert. Verhalten: In der Natur ist die Neuseeländische Deckelschnecke am einfachsten an der Unterseite von hohl liegenden Steinen, Holz oder Fallaub zu finden – sie wühlt sich aber auch durch Mulm oder feinen Sand und klettert an Wasserpflanzen.Die Art ist das ganze Jahr über aktiv / hält keine Winterruhe. Sie ist Tag & Nacht aktiv und ist mit max. 1m/h relativ schnell. Wie in der Natur, ist sie auch im Aquarium überall unterwegs. Wie Blasenschnecken kann sich auch P. antipodarum an der Wasseroberfläche hängend fortbewegen. Ist der Bodengrund feinsandig und enthält genügend Futter, ist sie auch hierin zu finden. Ausflüge bis 1cm über dem Wasserspiegel werden oft unternommen – die meisten Tiere finden auch wieder zurück in ihr Element. Vergesellschaftung im Aquarium: Die Neuseeländische Deckelschnecke wird trotz ihres recht festen Gehäuses gern von Fischen gefressen. Obwohl (zumindest bei Forellen) schon festgestellt wurde, daß etliche Schnecken unbeschadet von den Fischen wieder ausgeschieden werden, ist eine dauerhafte Vergesellschaftung mit größeren Fischen somit weniger Erfolg versprechend. Mit anderen Schneckenarten und Zwerggarnelen (Neocaridina, Caridina) kann die Art problemlos gemeinsam gehalten werden.Weil sie lebendgebärend ist, gibt es im Aquarium auch keine Probleme bei Vergesellschaftung mit laichfressenen Fischarten oder laichfressenden, anderen Schneckenarten. Sonstiges: Gelegentlich sind Exeplare zu finden, die mehr Umgänge haben und bis zu 9mm groß sind. Als Ursache ist eine Kastration durch Parasitenbefall (Microphallus und Stegodexamene) bekannt, die dazu führt, daß die Schnecken ihre Energie nur noch komplett im Wachstum investieren (können). Ähnliches ist auch von anderen Schneckenarten bekannt. Zu den nächsten in Deutschland heimischen Verwandten der Neuseeländischen Deckelschnecke zählt die in Salz- und Brackwasser (min. 10‰ Salzgehalt) vorkommende Wattschnecke (Hydrobia ulvae). Die beiden, sehr ähnlichen Arten können in Flußmündungen in Nord- und Ostsee gemeinsam vorkommen und werden manchmal verwechselt. Aufgrund ihrer hohen Toleranz gegenüber organischen Verschmutzungen kann die Neuseeländische Deckelschnecke in entprechend stark beeinträchtigten Gewässern aufgrund fehlender Konkurrenz (d.h. bei Ausfall der ursprünglichen Fauna) manchmal massenhaft vorkommen. Hohe Populationsdichten werden auch in künstlichen Gewässern (z.B. Kiesgruben) erreicht, in die die heimische Nahrungskonkurrenz oder Freßfeinde noch nicht einwandern konnten. Weil sich die Art sehr einfach im Aquarium halten läßt, die reichliche Vermehrung kontiunierlich zu beobachten ist und es sich um genetisch identische Klone handelt, wird begonnen sie auch als Testorganismus für toxische Stoffe in Laboren zu halten. Hierbei wird nicht nur beobachtet ab welcher Giftkonzentration die Tiere sterben, sondern noch vorher Auswirkungen auf Mobilität und Reproduktion. |
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Literatur: GLÖER, P. (2002): Süßwassermollusken Nord und Mitteleuropas. Bestimmungsschlüssel, Lebensweise, Verbreitung. In: Die Tierwelt Deutschlands. Conchbooks, Hackenheim. ISBN 3-925919-60-0. GLÖER, P & MEIER-BROOK, C. (2003): Süßwassermollusken. Ein Bestimmungsschlüssel für die Bundesrepublik Deutschland. Deutscher Jugendbund für Naturbeobachtung, Hamburg. ISBN 3-923376-02-2. weblinks: [auch mit Infos aus Aquarienhaltung] [auch mit ein paar Wasserwerten, Habitatangaben aus Norddeutschland ] Hessisches Landesamt für Umwelt und Geologie:
[Kurzvorstellung der Art mit Bild] Montana State University: http://www.esg.montana.edu/aim/mollusca/nzms/ [sehr umfassende Seiten der Montana State University, USA; Darstellung der Biologie, Auflistung der Bibliographie, auch mit einigen amerikanischen links] [enthält u.a. auf S. 54f einen kurzen Abriß der Einwanderungshistorie, kurze Darstellung der Ökologie und etwas Biographie] [Entwurf eines nationalen Verteidigungsplanes gegen die Art; mit sehr vollständiger Darstellung der Biologie] WIESE, V: (1991): Atlas der Land- und Süßwassermollusken in Schleswig-Holstein. Landesamt für Naturschutz und Landschaftspflege, Kiel.http://www.mollbase.de/sh/hydrobiidae/potamopyrgus_antipo_atl.htm [nicht mehr ganz aktuell, aber mit Verbreitungskarte und einigen Angaben zu Vorkommen] WIESE, V: (Red.) (2007): Systematische Übersicht der Land- und Süßwassermollusken Nord- und Mitteleuropas. [aktuelle Systematik] WINTERBOURN, M. J. (1969): Water Temperature as a Factor limiting the Distribution of Potamopyrgus antipodarum (Gastropoda-Prosobranchia) in the New Zealand Thermal Region. N.Z. Journal of Marine & Freshwater Research. Sept. 1969: 453-458. [Einfluß der Wassertemperatur auf die Verbreitung] ZARANKO, D.T. & FARARA, D.G. & THOMPSON, F.G. (1997): Another exotic mollusc in the Laurentian Great Lakes: the New Zealand native Potamopyrgus antipodarum (GRAY 1843) (Gastropoda, Hydrobiidae). Can. J. Fish. Aquat. Sci. 54: 809-814. [Ausbreitung von P. antipodarum in den Großen Seen/USA, Kanada]
[kurze Angaben für Österreich auf S. 98 und 100]
ZETTLER, M. L. (2000): Bewertung des ökologischen Zustandes von Fließgewässern in Mecklenburg-Vorpommern über die Malakofauna als Indikatororganismen. Natur und Naturschutz in Mecklenburg-Vorpommern. 35: 3-36. [gute Habitatangaben auf S. 6 und 8 – auch gut vergleichbar mit anderen heimischen Arten]
Seite aktualisiert am 08.05.2008 Autor: schneckli |
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