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Radix labiata und Radix balthica Schlammschnecken

(ROSSMAESSLER 1835 und LINNAEUS 1758)

Familie: Lymnaeidae Rafinesque, 1815 [
Gattung: Radix

 

Beschreibung: 

Die Gattung Radix ist untereinander sehr schwierig zu unterscheiden, für den Laien ist dies gar nicht möglich.
Die Radix labiata besitzt 4,5 - 5 Umgänge, die langsam und gleichmässig anwachsen. Der Mündungsrand, ist am oberen Ansatz scharf abgeknickt. Das Gehäuse ist meist dunkel hornfarben und bräunlich, während das vordere drittel hell ist mit einer dunklen Musterung. Die Farbenvariabilität des Fußes reicht von gelb bis anthrazitgrau. Die Mantelpigmentierun besitzt helle, weiße punktförmige Aussparungen mit dunklem Grund, das vordere Viertel des Mantels ist hell mit dunklen Zeichnungen.

 

 Das Gehäuse ist 12 - 20 mm groß und 7 - 13 mm hoch. Sie zeigt sich als formstabil.

Die Radix balthica besitzt ebensoviele Umgänge, allerdings wachsen diese schnell und bauchig an und besitzen eine konvexe Seitenlinie. Die Mündung ist weit geschwungen, mit abfallendem Mündungsrand. Die Farbe des Fußes ist gelblich, das Gehäuse hornfarben bis gelblich.Die Mantelpigmentierung weißt helle meist kreisförmige Aussparungen auf, auf schwarzem Grund, die vordere Hälfte ist hell mit dunkler Zeichnung.

Das Gehäuse ist 11 - 20 mm groß und 8 - 14 mm hoch. Sie zeigt sich als formstabil.

Verbreitung, natürliches Habitat:

Radix labiata kommt in stehenden oder langsam fliessenden Gewässern vor, auch in Mooren und höheren Gebirgslagen.

Radix balthica lebt in pflanzenreichen Gewässern, in gösseren Gewässern meist in Ufernähe, selbst bei Salzgehalten von 14% kommt sie noch vor. Sie ist die anpassungsfähigste unter den heimischen Süsswasserschnecken.
Da sie ein wahrer Algenvernichtungsprofi ist und selbst Blaualgen vertilgt, macht ihr fast keine Schnecke Konkurrenz. Sofern das Aquarium nach ihren Bedürfnissen gut bepflanzt ist und sie Trockenstellen zum Begehen hat, steht einer Massenpopulation nichts mehr im Wege.

Radix balthica Gehäuse (?)
Radix balthica Gehäuse
Planorbidae sp. mit Radix Hybriden

Wasserwerte:

Radix balthica - pH 5,8 bis 9,9 GH > 0,15°d optimale Temperatur zwischen 15 und 25°C.

Habitate in denen die Radix zu finden sind:

Habitat 2 , 3 , 9 , 12 , 13 , 16 , 17 , 18 , 19,. 20, 21, 22, 23 , 24 , 26, 27 , 28 , 29, 30, 31, 32, 34

Vermehrung:

Nach dem Erreichen der Geschlechtsreife verpaaren sich die zwittrig angelegten Schlammschnecken miteinander. Sie verfügen allerdings auch über die Möglichkeit der Selbstbefruchtung.
Ihre Geschlechtsorgane sind getrennt angelegt, das heisst eine Schnecke hat sowohl ein männliches als auch ein weibliches Genital.
Die länglichen Laichstränge werden gerne an Blätter angeheftet, allerdings nicht auf deren Rückseite, sondern obenauf, sie quellen in den ersten 3 Tagen etwas auf, um dann innerhalb der nächsten 3 Tage zu schlüpfen. Je wärmer das Wasser, desto schneller geht auch hier die Gelegeentwicklung vonstatten. Je nach Grösse des Laichstranges schlüpfen zwischen 20 und 30 Jungtiere.
Die R.balthica laicht gerne an hartem Substrat.
Innerhalb von 4 Wochen wachsen die Radix sp. zu 5 mm grossen, geschlechtsreifen Schnecken heran, die selbst bei einem ph Wert von 4,5 und dGH = 0 ein intaktes Gehäuse aufbauen und sehr gut wachsen.
Lebenserwartung:

 

Je nach dem ob das Individuum im Herbst schlüpft, oder im Frühjahr, wird eine Radix sp. entsprechend zwischen 4 Moanten und 12 Monaten alt

Vergesellschaftung:
Mit unwirschem Fischbesatz kommt sie sehr gut zurecht, sofern sie eine Rückzugsmöglichkeit hat. Weniger gut klappt es mit Lymnaea stagnalis, hier wurde ein Rückgang der Population beobachtet.
In einem gewöhnlichen Gesellschaftsbecken lebt und vermehrt sie sich gut. Legt man allerdings Wert auf Blasenschnecken, sollte man die Radix aussortieren, denn die Blasenschnecken haben in ruhigem Gewässer und guter Bepflanzung keine Chance gegen die Radix. Sobald sich die Bedingungen aber ändern und eine starke Strömung vorherrscht, dreht sich der Spiess um und die Blasenschnecke erweist sich als erfolgreicher.
Mit Posthornschnecken, Turmdeckelschnecken (Melanoides tuberculatus und maculatus) und Zwerggarnelen ist sie ohne Probleme vergesellschaftbar.
Bei einer Massenpopulation der Radix sp. zeigen sich Apfelschnecken (Pomacea bridgesii) und selbst die robusten Posthornschnecken (Planorbidae sp.), Brotia sp. und auch Neritidae sp. deutlich gestört. Die Radix kriecht in die Gehäuseöffnungen anderer Schnecken - was sie dort macht, konnte noch nicht beobachtet werden.

 

Das Aquarium - Ihre Ansprüche und Bedürfnisse
Sie liebt starke Bepflanzung und jede Menge Algen. Das Aquarium sollte ihr genügend Platz für ihre Landausflüge lassen und entsprechend sicher abgedeckt sein. Ich habe in jedem Becken, in denen ich die Radix balthica oder R. labiata pflege einen Abstand von 3 - 10 cm zur Abdeckung. Aus dem Becken mit den 10 cm Abstand ist noch nie eine Schnecke ganz herausgekrochen, während bei dem Aquarium mit nur 3 cm Mindestabstand die Schnecken regelmässig neben diesem zu finden sind.
Täglich erscheinen sie über der Wasseroberfläche, entweder um eventuell hängengebliebene Futterreste vom Glas zu entfernen, oder um bei starker Population Neuland zu entdecken. Eine starke Strömung sollte vermieden werden, diese gefällt ihnen nicht.
Radix balthica und labiata haben sich bei mir als wenig anspruchsvoll erwiesen. Eine Haltung ab 5 Litern ist gar kein Problem, die Grösse des Gefässes ist natürlich nach oben offen.

Die Befruchtung

Ernährung:
Gefressen werden Grün - und Blaualgen, Mulm und jede Art von zugeführtem Trockenfutter. Sie reinigt die Scheiben, alle Einrichtungsgegenstände und auch die Wasserpflanzen unermüdlich und ist somit eine einheimische Art, die den Neritiden nicht nur Konkurrenz in der Algenbekämpfung macht, sondern auch noch einfach in der Haltung ist.

Radix ab Gurke

Besonderheit:
Eine Atmungsform, die erwähnenswert ist, ist die Hautatmung. Mit Hilfe dieser Atmung können die Schlammschnecken einen Teil ihres Sauerstoffbedarfes decken, ansonsten gehören auch sie zu den Lungenatmern.
Die zur Basis hin verbreiterten Fühler (Dreiecksform) und die an der Basis befindlichen Augen sind typische Merkmale dieser Schnecke.

 

Sonstiges:
Eine Schnecke, die auch in unseren Heimatgewässern vorkommt, ist die Schlammschnecke. Ein erstaunlich anpassungsfähiges Tier, das in meinen Aquarien mit ph Werten von 4,5 bis 8 und den entsprechenden dGH Werten sehr gut zurechtkommt.
Meine Begeisterung für diese einheimische Schnecke liegt klar auf der Hand. Sie ist eine hervorragende Nutzschnecke passt sich auch den widrigsten Umständen an, ausserdem ist sie dazu in der Lage das Wasser zu verlassen, so dass bei einem eventuellen Supergau im Becken immer ein paar Exemplare überleben. Nicht zuletzt ist sie auch wirklich witzig und schön zu beobachten. Sie ist etwas langsamer als die Physiden (Blasenschnecken), mit kurzen dreieckigen Fühlern. Ihre enorme Vermehrungsrate macht sie geeignet zur Futtertierzucht.

Radix und Physide

Häufig werden die radix sp. mit den Physiden (Blasenschnecken) verwechselt, deswegen hier ein Beispiel. Deutlich sieht man die dreieckigen Fühler der Radix, im Vergleich zu den fadenförmigen Fühlern der Physidae

Parasiten:
Wie auch die Physiden (Blasenschnecken) kann sie Wirt verschiedener Würmer sein. Hier sei nochmals der Erreger der Badedermatitis erwähnt. Die Badedermatitis wird durch die Larven von Saugwürmern hervorgerufen. In unseren Regionen ist es meist der Saugwurm der Gattung Trichobilharzia. Der eigentliche Endwirt sind Wasservögel, die von den im Wasser schwimmenden Larven befallen werden. Diese dringen in die Haut ein und wandern zur Nasenschleimhaut, dort bleiben sie bis zum adulten Stadium. Die freigesetzten Eier wandern über die Schleimhaut aus dem Körper der Wasservögel und dann ins Wasser. Aus jedem Ei schlüpft eine Larve, diese schwimmt aktiv zu einer Süsswasserschnecke, in unserem Fall eine Radix. Sie dringen in die Schnecke ein, wandern in die Mitteldarmdrüse und entwickeln sich dort wieder zu Cercarien (Larven im zweiten Larvenstadium), die ins Wasser schwimmen und neue Enten oder versehentlich auch Menschen zur Weiterentwicklung aufsuchen. Sie können sich im Menschen zwar nicht weiterentwickeln, aber der Versuch der Penetration erzeugt die bekannte Badedermatitis. Meist sind unsere Radix jedoch nicht befallen, sofern sie nicht direkt aus dem nächsten Tümpel kommen.

 

Literatur:
GLÖER, P. (2002): Süßwassermollusken Nord und Mitteleuropas. Bestimmungsschlüssel, Lebensweise, Verbreitung. In: Die Tierwelt Deutschlands. Conchbooks, Hackenheim. ISBN 3-925919-60-0.
GLÖER, P & MEIER-BROOK, C. (2003): Süßwassermollusken. Ein Bestimmungsschlüssel für die Bundesrepublik Deutschland. Deutscher Jugendbund für Naturbeobachtung, Hamburg. ISBN 3-923376-02-2.

 

Weblinks:
Aquarienschnecken-Forum

 [thread zur Nahrung von Radix sp.]

Sytematische Übersicht der Land- und Süßwassermollusken Mitteleuropas.

 [aktuelle Systematik]

weichtiere.at

[allgemeines zu den Schlammschnecken]

Conchology, Inc

[eine Vielzahl von leer Gehäusen der Radix labiata und balthica zum Vergleich]

www.uni-ulm.de

www.uni-kiel.de

 

Seite aktualisiert: 05.05.2008

Autor: Alexandra Behrendt

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