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Theodoxus (Theodoxus) euxinus (CLESSIN 1887) – Schwarzmeer-Kahnschnecke

 

2ergeh01

Klasse: Gastropoda (CUVIER 1795) – Schnecken
Unterklasse: Prosobranchia (MILNE & EDWARDS 1848) – Vorderkiemer
Überordnung: Archaeogastropoda (T
HIELE 1925) – Altschnecken
Ordnung: Neritaemorphi (K
OKEN 1896) – Kahnschneckenartige
Überfamilie: Neritoidea (L
AMARCK 1809)
Familie: Neritidae (L
AMARCK 1809) – Kahnschnecken
Gattung: Theodoxus (M
ONTFORT 1810) – Kahnschnecken
Untergattung: Theodoxus (M
ONTFORT 1810) – Kahnschnecken
Art: Theodoxus (Theodoxus) euxinus (C
LESSIN 1887) – Schwarzmeer-Kahnschnecke


Beschreibung:

Sehr ähnlich der Gemeinen Kahnschnecke (Theodoxus fluviatilis)
Nach Angaben in Eukarya.ro werden die Gehäuse bis 10mm lang, 7mm breit und 5mm hoch. Das Gehäuse wird nach eigenen Messungen an Exemplaren aus dem Südwesten der Türkei bis 8,9mm lang, 6,0mm breit und 4,3mm hoch. 2 bis drei rasch zunehmende Windungen. Die Mündung ist halbkreisförmig. Der Apex und der erste Umgang sind meist leicht erhoben.
An der Innenseite des fein paucispiral skulpturierten Operculums befindet sich eine schmale, sichelförmige, spitz zulaufende Rippe, an der die Muskulatur zum Verschließen der Gehäuseöffnung ansetzt. Ein zusätzlicher, kürzerer Zapfen wie z.B. bei der Donau-Kahnschnecke (Theodoxus danubialis) ist nicht vorhanden.

Die Gehäusezeichnung ist je nach Fundort, aber auch innerhalb der einzelnen Populationen äußerst variabel: Auf hellem, oft gelblichen oder chremefarbenen Grund verschiendenste Zeichnungen (netzförmig, Tupfen, auch Zickzackstreifen ähnlich T. danubialis), die gleichmäßig über die Höhe der Umgänge verteilt sind. Callus an der Mündung weißlich; Mündung innen meist safrangelb.

Der hellgraue, seitlich und am Kopf unterschiedlich stark dunkel pigmentierte Körper des Tieres ragt kaum unter dem Gehäuse hervor. Bei aktiven Tieren sind meist lediglich die langen, fadenförmigen Fühler zu sehen.

 

Theodoxus euxinus-Operculum#0004-1

Verbreitung, natürliches Habitat:

Vorkommen im Bereich des Schwarzen Meeres und der Donaumündung: Griechenland (z.B. südl. Ausläufer der Rhodopen, Thrazien), Bulgarien, Rumänien (Region Dobrudscha), Ukraine (z.B. Bilhorod-Dnistrovskyi, Pervomaisk, Odessa), Türkei (Region Marmara). Nach eigenen Untersuchungen kommt die Art auch in den türkischen Provinzen an der Ägäis und Mittelmeerregion vor.
Ist nach S
CHÜTT (1965) allgemein in küstennahen Gewässern wie Seeufern oder Flüssen mit eher geringer Strömung, aber auch z.T. massenhaft bis in die Quellregionen zu finden.
Meist ist sie hier beim Abweiden der Algenbeläge von Steinen zu beobachten; weniger häufig an Holz oder Wasserpflanzen.

Einige Habitate, in denen die Art nach eigenen Untersuchungen gefunden werden konnten sind unter folgenden Links kurz vorgestellt:
0004, 0040, 0049, 0105


Wasserwerte:

Für verschiedene Fundorte im Köyceğiz-Gölü in der Provinz Muğla/Türkei ermittelten USTAOĞLU et.al. (2003) folgende Jahresmittelwerte:
17,3-19,3°C; pH ~ 8-8,5; O2 = 8,3-9,1mg/l; O2-Sättigung = 86-96%; Leitfähigkeit = 660-5814µS; Salzgehalt 0,23-3,0‰; SBV = 5,1-6,5.

BUTENKO (2001) gibt für die Bucht von Odessa/Ukraine einen Salzgehalt von 4‰ an.

Nach eigenen Beobachtungen konnte die Art in Gewässern der Türkei mit folgenden Wasserwerten gefunden werden:
Flachlandsee mit kleinem Zufluß und teilweise quelligen Bereichen, der Brandung ausgesetzt, mit Kies- und Steinsubstrat in der Provinz Muğla an Steinen und Wasserpflanzen: 22°C (20.09.2006), 19,0°C (16.04.2008), 21,3°C (28.04.2008); GH = 16°dH; KH = 13,5-14,5°dH; pH = 8,0; NH3/NH4 < 0,1mg/l; NO2 < 0,3mg/l; NO3 ~ 10mg/l; Salzgehalt 3,4 PSU.
See in der Provinz Sarkarya an Felsen, brandungsexponiert: 13,1°C (24.03.2008), 19,0°C (30.04.2008); GH = 7°dH; KH = 5°dH; pH = 8,0.
Flachlandsee mit felsigem Ufer in der Provinz Bursa: 13,7°C (03.04.2008), 15,9°C (30.04.2008); GH = 13°dH; KH = 8,5°dH; pH = 8,2.
Abfluß desselben Sees, an Steinen, geringe Strömung: 15,9°C (02.04.2008), 16,6°C (29.04.2008); GH = 14°dH; KH = 9-10,5°dH; pH = 8,0-8,4; NH3/NH4 ~ 0mg/l; NO2 < 0,3mg/l; NO3 ~ 5mg/l.

Für die Dauerhaltung im Aquarium können ähnliche Wasserwerte wie für die Gemeine Kahnschnecke (Theodoxus fluviatilis) angegeben empfohlen werden. Am natürlichsten mit jahreszeitlichen Schwankungen zwischen 6  und maximal 28°C.


Fortpflanzung:

Nach eigenen Beobachtungen kriecht das Männchen zur Paarung auf das Gehäuse des Weibchens und und beginnt die weibliche Geschlechtsöffnung zu suchen. Das Männchen streckt dabei den Penis nahe dem Innenrand seines rechten Fühlers nach vorn. Nach einigen Minuten ertastet es so die weibliche Geschlechtsöffnung, die an der rechten Körperseite liegt. Erst dann stellt das Weibchen jegliche Aktivitäten (Nahrungsaufnahme, Umherkriechen) ein und verharrt während der ca. 5-minütigen Kopulation.
Im Freiland konnte festgestellt werden, daß die Eikapseln sehr häufig an die Gehäuse der Artgenossen, anderer Wasserschnecken, aber auch seitlich und an die Unterseiten von Steinen geheftet werden. Entsprechend werden die Eikapseln auch im Aquarium an verschiedenem Hartsubstrat sowie den Silikonnähten der Aquarienscheiben abgelegt. Die Gelege sind etwas kleiner als diejenigen der Gemeinen Kahnschnecke (Theodoxus fluviatilis) . Weitere Daten zur Fortpflanzungsbiologie der Schwarzmeer-Kahnschnecke sind der Redaktion derzeit nicht bekannt, dürften jedoch der Gemeinen Kahnschnecke ähnlich sein.


Lebenserwartung: Vermutlich entsprechend der Gemeinen Kahnschnecke (Theodoxus fluviatilis)

 

Theodoxus euxinus-Operculum#0004-3
Theodoxus euxinus-Paarung#0004-4
Theodoxus euxinus-Paarung#0004-1

Nahrung:

Wahrscheinlich sehr ähnlich der
Gemeinen Kahnschnecke (Theodoxus fluviatilis)

Verhalten:

Sehr ähnlich der Gemeinen Kahnschnecke (Theodoxus fluviatilis). Im direkten Vergleich ist T. euxinus etwas häufiger auch auf Wasserpflanzen zu finden. Im natürlichen Habitat sogar auch auf den feingliedrigen Blättern von Myriophyllum sp..


Vergesellschaftung im Freiland und im Aquarium:

Allgemein bieten die Kahnschnecken (Theodoxus sp.) Freßfeinden kaum Angriffsfläche, da ihr Körper komplett durch das Gehäuse bedeckt ist und nur ihre dünnen Fühler darunter hervorschauen. Auch die Eikapseln sind durch Kalkeinlagerung gut vor Laichräubern geschützt.

An mehreren der oben verlinkten Fundorte der Schwarzmeer-Kahnschnecke im Freiland kommt die Süßwassergarnele Palaemonetes antennarius vor, die bei einem Vergesellschaftungsversuch mit der heimischen Posthornschnecke (Planorbarius corneus) kein frisch geschlüpftes Jungtier überleben ließ. Gleichfalls wurde an Fundorten der Art die Süßwasserkrabbe Potamon potamios gefunden, von denen bekannt ist, daß sie gern Schnecken frißt. Vor diesen potentiellen Feinden ist die Kahnschnecke offenbar gut geschützt.

Im Aquarium läßt sich beobachten, daß sich die Kahnschnecken bei dauerhafter, leichter Störung (z.B. aufdringliche Zwerggarnelen der Gattungen Caridina oder Neocaridina) mit seitlich unter dem Gehäuserand versteckten Fühlern weitgehend unbeeindruckt weiterbewegen. Die Vergesellschaftung mit anderen Wasserschnecken (auch Apfelschnecken) sowie div. Fischen (z.B. Badis sp., Etheostoma bellator, Gobio gobio, Leucistus leucistus (juv.)) führt zu keinen Verlusten unter den Kahnschnecken oder deren Gelegen. Vor größeren Flußkrebsen (Cherax sp.) sind Kahnschnecken nicht sicher.

Bei mehrjähriger, gemeinsamer Haltung von Theodoxus euxinus mit der heimischen T. fluviatilis im Kaltwasseraquarium konnten besonders im Frühjahr auch Paarungsversuche männlicher T. fluviatilis mit weiblichen T. euxinus beobachtet werden. Diese Paarungsversuche wurden nach ca. 2 Minuten augenscheinlich abgebrochen. Auch, weil bisher aber noch keine aufgrund ihrer Musterung als Hybriden einzustufenden Jungtiere festgestellt wurden, scheint bisher keine erfolgreiche Befruchtung erfolgt zu sein.

 

Theodoxus euxinus#0004-04

Sonstiges:

T. euxinus wurde von verschiedenen Autoren als östliche Rasse/Form (J
AECKEL 1954 und 1962; SCHÜTT 1965) oder Unterart (BUNJE 2005) der Gemeinen Kahnschnecke Theodoxus fluviatilis angesehen. Seitdem sind jedoch die Untersuchungsmethoden feiner geworden und die Anzahl der molekulargenetisch untersuchten Tiere konnte erheblich erweitert werden. Nach pers. Mitt. der Universität Gießen (2008) ist die Schwarzmeer-Kahnschnecke als eine der Gemeinen Kahnschnecke zwar sehr nahe verwandte, aber doch eigenständige Art aufzufassen.

Die auf dieser Seite mit Bildern vorgestellten Tiere sind teils Wildfänge, teils Nachzuchten und stammen aus der Provinz Muğla, im Südwesten der Türkei. Einige, wenige Exemplare wurden erstmals im Frühjahr 2005 nach Deutschland eingeführt und an erfahrene Aquarianer abgegeben. (Fehl-) Bestimmt wurde die Art zunächst nach den Hinweisen bezügl. des Operculums und den Angaben zur natürlichen Verbreitung in SCHÜTT & SEESEN (1992). Nach Untersuchung der mitochondrialen Gene COI (proteinkodierend, Cytochromoxydase 1) an der Universität Gießen stellten sich die Tiere 2008 schließlich als Theodoxus euxinus heraus.


Literatur:

BUNJE, P.M.E. (2005): Pan-European phylogeography of the aquatic snail Theodoxus fluviatilis (Gastropoda: Neritidae). Molecular Ecology 14: 4323-4340.
[vergleichende genetische Untersuchung über das Verbreitungsgebiet von Thedoxus fluviatilis; Bezeichnung von Theodoxus f. euxinus als Unterart von Theodoxus fluviatilis]
 

GLÖER, P. (2002): Süßwassermollusken Nord und Mitteleuropas. Bestimmungsschlüssel, Lebensweise, Verbreitung. In: Die Tierwelt Deutschlands. Conchbooks, Hackenheim. ISBN 3-925919-60-0.
[nur allgemeine Angaben zur Gattung – T. euxinus fehlt]

S
CHÜTT, H. (1965): Zur Systematik und Ökologie türkischer Süßwassergastropoden. Zoologische Mededelingen, Rijksmuseum van naturlijke Historie te Leiden.
[Übersicht über einen Teil der türkischen Süßwassergastropoden; mit Angaben zu Verbreitung und Merkmalen]

S
CHÜTT, H. & ŞEŞEN, R. (1992): The genus Theodoxus in South-western Anatolia, Turkey (Gastropoda, Prosobranchia, Neritidae. Zoology in the Middle East 6: 63-67.
[Fundortangaben, Erstbeschreibung der Unterart Th. h. fluvicola]


weblinks:

Aquarienschnecken-Forum.de:
[Artvorstellung, Fotos, auch vom Habitat usw.]

[allgemeiner thread zur Nahrung von Theodoxus sp. im Aquarium]:
[allgemeiner thread zu Verhalten und Vergesellschaftung von Theodoxus sp. im Aquarium]

B
UTENKO, O. (2001): Mollusks of Theodoxus genus (Gastropoda, Neritidae) in the Odessa Bay (the Black Sea). Ekologiya Morya (58). pp. 27-28.
[T. euxinus und neuerdings auch T. fluviatilis in der Bucht von Odessa/Ukraine; auf russisch]

Eukarya.ro: Theodoxus euxinus.
[kurze Beschreibung der Art; auf rumänisch]

J
AECKEL, S. (1954): Zur Kenntnis der Meeres- und Brackwasser-Mollusken von Varna (Bulgarien). Hydrobiologia Vol.6, No. 1-2, pp. 70-82.
[u.A. Bezweiflung des Artstatus von T. euxinus]

Örstan, Aydin (2007):
[Artvorstellung mit guten Bildern – versehentlich allerdings als Th. fluviatilis, die am beschriebenen Fundort nach eigenen Untersuchungen nicht vorkommt]

S
HUBRAT, YU. (2007): Complex Analysis of the Conchological Indications of Theodoxus Species of Ukraine. VISNYK OF LVIV UNIV. Biology series. 2007. Is. 45. P. 154-159.
[Vermessung und statistische Auswertung der Gehäuse von T. fluviatilis, T. danasteri und T. euxinus ukrainischer Populationen; auf russisch]

U
STAOĞLU, M. R. & BALIK, S. & ÖZBEK, M. (2003): Yuvarlakçay’ın (Köyceğiz-Muğla) Mollusca Faunası. - Ege University Press, Volume 20, Issue (3-4): 433-438. ISSN 1300 – 1590.
[Malakozoologische Untersuchung; auch mit Angaben von Wasserwerten, in türkisch. Die Angabe von T. fluviatilis fluviatilis bezieht sich nach eigenen Untersuchungen richtigerweise auf T. euxinus; ebenfalls fehlbestimmt wurde eine schwarze Form der T. fluviatilis als T. subthermalis]

YILDIRIM, M. Z. (1999): Türkiye Prosobranchia (Mollusca: Gastropoda) Türleri ve Zoocoğrafik Yayılışları. 1. Tatlı ve Acı Sular.
[Angaben über die Fundorte in der Türkei, in türkisch]



Seite aktualisiert: 05.07.2010

Autor: schneckli

 

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