|
Theodoxus spec. – weitere rezente Kahnschnecken Europas und des Nahen Ostens
Klasse: Gastropoda (CUVIER 1795) – Schnecken Unterklasse: Prosobranchia (MILNE & EDWARDS 1848) – Vorderkiemer Überordnung: Archaeogastropoda (THIELE 1925) – Altschnecken Ordnung: Neritaemorphi (KOKEN 1896) – Kahnschneckenartige Überfamilie: Neritoidea (LAMARCK 1809) Familie: Neritidae (LAMARCK 1809) – Kahnschnecken Gattung: Theodoxus (MONTFORT 1810) – Kahnschnecken
Leider stehen der Redaktion für die Arten dieser Seite z.Zt. weder Bildmaterial noch für eine gesonderte Darstellung hinreichende Informationen zur Verfügung – make us happy and provide pics and information about these rarely known species to us!
Untergattung: Theodoxus (MONTFORT 1810)
Verbreitung der Untergattung: Paläarktisch.
Theodoxus (Theodoxus) astrachanicus (STAROBOGATOV 1994)
Verbreitung: Endemisch im Delta der Wolga (Rußland).
weblinks:
ZETTLER, M.L. (2007): A redescription of Theodoxus schultzii (GRIMM, 1877), an endemic neritid gastropod of the Caspian Sea. Journal of Conchology 39(3): 245-251. [Neubeschreibung von Theodoxus schultzii mit Hinweisen auf die Verbreitung von T. astrachanicus]
---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Theodoxus (Theodoxus) baeticus (LAMARCK 1822) – Andalusische Kahnschnecke
Beschreibung: Das Gehäuse mit bis zu 3 Umgängen, wobei der letzte deutlich ausladend ist, sodaß dar leicht erhabene Apex ähnlich unserer heimischen Arten stark exentrisch liegt. Mündung an der Spindelseite stark verdickt. Das Operculum besitzt an der Innenseite eine kräftige Rippe und einen kurzen, gezähnelten Zapfen. Die glänzenden Gehäuse sind sehr variabel gemustert: Vollständig dunkel-violett bis grau-blau, mit bis zu 4 dunklen Sektoren auf hellem Grund, oder auch mit Netzmusterung oder verschmelzender Zickzack-Zeichnung. Gehäusemündung grau oder weiß. Das Operculum ist grau mit rötlichem Saum.
Verbreitung, natürliches Habitat: Endemisch im Südosten Spaniens (Provinzen Valencia, Murcia und Ost-Andalusien). Fundorte z.B. Quart, Anna und Buñol La Jarra. Bevorzugt Fließgewässer (Quellen, Bäche, Flüsse) mit Hartsubstrat (Steine, Kiesel).
Wasserwerte: bevorzugt hartes Wasser
Nahrung: Die Art ernährt sich von Diatomeen, anderen Algen und Detritus.
Sonstiges: Gegenüber früheren Belegen aus der Literatur oder Sammlungen sind die heutigen Vorkommen erheblich reduziert. Als Gefährdungsursachen werden Wasserverschmutzung, Gewässerausbau und Entnahme von Wasser angenommen. Besonders gefährdet ist die Art aufgrund ihrer disjunkten Einzelvorkommen. Hier können die Tiere jedoch lokal auch in erheblichen Dichten vorkommen. Verschiedene Einzelvorkommen weisen erhebliche Differenzen zur Nominatform auf – deren taxonomischer Status ist z.Zt. noch nicht geklärt.
Literatur: FECHTER, R. & FALKNER, G. (1990): Weichtiere. Mosaik Verlag GmbH, München. ISBN 3-570-03414-3. [kurze Artbeschreibung, Farbfotos der Gehäuse und vom Operculum]
weblinks: Banco de Datos de Biodiversidad, Communidad de Vallenciana (2003) [Beschreibung der Art, mit Foto, Verbreitungskarte und Habitatangaben, auf spanisch]
internationale Trivialnamen für die Suchmaschinen: tschechisch: zubovec andalúzský
Theodoxus (Theodoxus) brauneri (LINDHOLM 1908)
Verbreitung: Ukraine.
Theodoxus (Theodoxus) danasteri (LINDHOLM 1908)
Verbreitung: Ukraine.
weblinks: SHUBRAT, YU. (2007): Complex Analysis of the Conchological Indications of Theodoxus Species of Ukraine. VISNYK OF LVIV UNIV. Biology series. 2007. Is. 45. P. 154-159. [Vermessung und statistische Auswertung der Gehäuse von T. fluviatilis, T. danasteri und T. euxinus ukrainischer Populationen; auf russisch]
Theodoxus (Theodoxus) elongatulus (MORELET 1854)
Verbreitung: Endemisch auf der Iberischen Halbinsel (Portugal, Spanien).
Theodoxus (Theodoxus) heldreichi heldreichi (MARTENS 1875) – Heldreichs Kahnschnecke
Beschreibung: Sehr ähnlich der Gemeinen Kahnschnecke (Theodoxus fluviatilis) Nach Angaben von SCHÜTT (1965) kann das relativ flache Gehäuse der Theodoxus heldreichi heldreichi eine Länge bis zu 13mm erreichen. Der Apex und der erste Umgang sind meist leicht erhoben. An der Innenseite des fein paucispiral skulpturierten Operculums befindet sich eine schmale, sichelförmige, spitz zulaufende Rippe, an der die Muskulatur zum Verschließen der Gehäuseöffnung ansetzt. Ein zusätzlicher, kürzerer Zapfen wie z.B. bei der Donau-Kahnschnecke (Theodoxus danubialis) ist nicht vorhanden.
Verbreitung: Endemisch in der Türkei mit Schwerpunkt an den Ufern der südwestanatolischen Seen („Pisidian Lakes“: Beyşehir Gölü, Eğrirdir Gölü, Hoyran Gölü).
Unterart: SCHÜTT & ŞEŞEN (1992) fanden in Quellen und kleineren Bächen eine mit max. 6mm Länge und 5,5mm Breite etwas kleinere Form, die durch Übergangsformen mit der Nominatform verbunden sein soll. Entsprechend der Originalbeschreibung weisen die Gehäuse typischerweise eine schwarze, netzförmige oder sich überkreuzende Musterung auf gelblich-weißem Grund auf, die erheblich enger ist als bei der Nominatform. Die Musterung ist meist unter einem dünnen schwarzem Belag verborgen. Ein violetter Farbton in der Musterung wie bei Theodoxus fluviatilis wurde bisher nicht gefunden.. Die Unterart soll wie die Nominatform in der Türkei endemisch sein und ihren Verbreitungsschwerpunkt westlich der „Pisidian Lakes“ im Südwesten Anatoliens bis zur Ägäisküste haben. Die Autoren beschrieben die Form als Unterart Theodoxus heldreichi fluvicola (SCHÜTT & ŞEŞEN 1992).
Sonstiges: Eine molekulargenetische Untersuchung der Universität Gießen an vom Autor 2008 im Westen der Türkei gesammelten Materials konnte weder den Artstatus von T. heldreichi noch der beschriebenen Unterart bestätigen. An den beschriebenen Fundorten wurden dagegen Formen von T. fluviatilis , T. euxinus und T. anatolicus gefunden (pers. Mitt. 2008). Die bis dahin unzutreffenden Bestimmungen lassen sich durch die enorme Variabilität der Farbmusterungen und auch der gewissen Variabilität der Gehäuseformen erklären. Auch wurde bisher nicht angenommen, daß das Verbreitungsgebiet der genetischen T. euxinus und T. fluviatilis so weit wie nun gefunden in die Türkei hineinreicht.
Literatur: SCHÜTT, H. (1965): Zur Systematik und Ökologie türkischer Süßwassergastropoden. Zoologische Mededelingen, Rijksmuseum van naturlijke Historie te Leiden. [Übersicht über einen Teil der türkischen Süßwassergastropoden]
SCHÜTT, H. & ŞEŞEN, R. (1992): The genus Theodoxus in South-western Anatolia, Turkey (Gastropoda, Prosobranchia, Neritidae. Zoology in the Middle East 6: 63-67. [Fundortangaben, Erstbeschreibung der Unterart Th. h. fluvicola]
weblinks: YILDIRIM, M. Z. (1999): Türkiye Prosobranchia (Mollusca: Gastropoda) Türleri ve Zoocoğrafik Yayılışları. 1. Tatlı ve Acı Sular. [Angaben über die Fundorte der Art und Unterart in der Türkei, in türkisch]
Theodoxus (Theodoxus) hispalensis (E. VON MARTENS 1879)
Verbreitung: Spanisches Festland.
Theodoxus (Theodoxus) meridionalis (PHILIPPI 1836)
Beschreibung: Das Gehäuse wird bis zu 8,4mm lang und 6,2mm hoch. Das Gewinde ist kaum erhoben. Die Form der Apophyse des Operculums ähnelt derjenigen von Theodoxus fluviatilis In der Art der Färbung und Musterung ist die Art sehr variabel. Sofern das Gehäuse nicht komplett schwarz gefärbt ist (eher selten), sind rötlich-violette Netzmuster auf gelblichem Grund typisch.
Verbreitung, natürliches Habitat: Italien (nur Sizilien), Tunesien. Bewohnt kleinste und kleine Bäche sowie Quellen. Vorkommen in stehenden bzw. erwärmten Gewässern werden gemieden. Die Schnecke scheint auf kühle, sauerstoffreiche Gewässer mit steinigem Substrat angewiesen zu sein.
weblinks: ZETTLER, M.L., RICHARD, D. (2003): Kurze Bemerkungen über Süßwassermollusken Siziliens unter besonderer Berücksichtigung von Theodoxus meridionalis (PHILIPPI, 1836). Malakologische Abhandlungen 21: 29-38. ISSN 0070-7260. [exakte Habitat- und Fundortangaben, Gehäusefotos]
Theodoxus (Theodoxus) pallasi (LINDHOLM 1924)
Beschreibung: Nach Angaben in Eukarya.ro werden die Gehäuse bis 5-6mm hoch, 6-10mm lang und 7-8mm breit. Die Gehäuseoberseite ist äußerst variabel gemustert. Meist gelblich-weiße Fleckenzeichnung auf schwarzem oder dunkelbraunem Grund. Auch Varianten mit dunklen Spiralzonen oder vollständig helle Gehäuse kommen vor.
Verbreitung, natürliches Habitat: Pontokaspisch verbreitet: Rußland (Kaspisches Meer, Wolgadelta, im Fluß Ural), Usbekistan (Zuflüsse des Aral-Sees; im Aralsee selbst aufgrund Versalzung seit Anfang der 1980er Jahre nicht mehr nachgewiesen), Armenien. Die Funde im Schwarzen Meer und dessen Zuflüsse [Rumänien (Donaudelta, Sinoe-See), Bulgarien (Schwarzmeerregion), Ukraine (Asowsches Meer), Armenien] konnte ZETTLER 2007 nicht bestätigen und vermutet Verwechslungen mit anderen dort vorkommenden Arten.
Lebt in Ufernähe und in bis zu 35m Wassertiefe.
Wasserwerte: Lebt in Süßwasser und leicht brackigem Wasser.
weblinks: ALADIN, N. V. et al. (2003): Monitoring of the Aral Sea level variations and consequences on lacustrine and riverines ecosystems. [Veränderung des Makrozoobenthos des Aralsees]
www.Eucarya.ro: [Kurzbeschreibung der Art, in rumänisch]
ZETTLER, M.L. (2007): A redescription of Theodoxus schultzii (GRIMM, 1877), an endemic neritid gastropod of the Caspian Sea. Journal of Conchology 39(3): 245-251. [Neubeschreibung von Theodoxus schultzii mit Hinweisen auf die Verbreitung von Th. pallasi]
internationale Trivialnamen für die Suchmaschinen: russisch: НЕРИТИДА ЧЕРНОМОРСКАЯ
Theodoxus (Theodoxus) peleponnesa ( ... ?)
Verbreitung: Peleponnes/Griechenland.
Theodoxus (Theodoxus) prevostianus (C. PFEIFFER 1828) – Thermen- Kahnschnecke
Beschreibung: Das sehr gedrungene, fast halbkugelige Gehäuse wird bis 6,3mm hoch und 4,5mm breit. Das Gewinde ist etwas erhoben; der letzte Umgang deutlich absteigend. Die Oberfläche des Gehäuses ist entsprechend den Wachstumslinien fein quergestreift mit angedeuteten Spirallinien. Die Apophyse des Operculums endet stiftförmig. Die Gehäuseoberseite ist meist ungemustert schwarz glänzend. Die Unterseite und Spindel sind weiß und perlmuttartig gefärbt. Das Operculum ist dem der Donau-Kahnschnecke (Theodoxus danubialis) ähnlich, jedoch mit dunkelgrauem Mittelfeld und orangefarbenen Rändern.
Verbreitung, natürliches Habitat: Verbreitung nordbalkanisch: In Niederösterreich in Bad Vöslau und Bad Fischau. In Ungarn ein einziges Vorkommen in Kàcs. Außerdem zurückgehende Vorkommen in Rumänien (Criş- Basin: Episcopeşti-Quellen. Bei Răbăgani ausgestorben. Unterlauf der Donau), Slovakei und Slovenien.
Die Art lebt ausschließlich in Thermalquellen auf kiesigem Substrat. Reine Sand- und Schlammböden werden gemieden. Bei Fließgeschwindigkeiten zwischen 0,3 und 0,40m/s wurden höchste Dichten von bis zu 6800 Ind./m² beobachtet.
Fortpflanzung: Die Eiablage findet fast das ganze Jahr über statt, schwerpunktmäßig von August bis Februar. Die Eikapseln von Th. prevostianus weisen eine durchschnittliche Länge von 0,86 mm auf. Nach einer Entwicklung von 40-49 Tagen (Aquariumhaltung bei Raumtemperatur) schlüpft aus jeder Kapsel ein einziges Individuum.
Lebenserwartung: Die Individuen werden 3-4 Jahre alt.
Sonstiges: Die wärmeliebende Art gilt als Relikt aus dem Tertiär (70 Mill. bis 600.000 Jahre vor heute), die die Eiszeiten in Thermalquellen überdauerte und hierin bis heute isoliert vorkommt.
Theodoxus prevostianus gilt in Österreich als vom Aussterben bedroht (1994). Aufgrund ihrer isolierten, kleinen Populationen gilt dies auch grundsätzlich für alle anderen Vorkommen. Die Art ist daher im Anhang IV der europäischen FFH-Richtlinie als gem. Artikeln Nr. 12-16 „streng zu schützende Art von gemeinschaftlichem Interesse“ gelistet. Auf der internationalen Roten Liste des IUCN wird hingegen hervorgehoben, daß aufgrund unzureichender Datenbasis derzeit keine Einstufung in eine Gefährdungskategorie möglich ist.
Literatur: FECHTER, R. & FALKNER, G. (1990): Weichtiere. Mosaik Verlag GmbH, München. ISBN 3-570-03414-3. [kurze Artbeschreibung, Farbfotos der Gehäuse und vom Operculum]
GLÖER, P. (2002): Süßwassermollusken Nord und Mitteleuropas. Bestimmungsschlüssel, Lebensweise, Verbreitung. In: Die Tierwelt Deutschlands. Conchbooks, Hackenheim. ISBN 3-925919-60-0.
weblinks:
Mollusc Specialist Group 1996. 2007 IUCN Red List of Threatened Species. . [Status auf der internationalen Roten Liste: "Data Deficient"]
SÁRKÁNY-KISS, A. et.al. (1995): Freshwater molluscs from the Criş/Körös rivers. [Angabe von Fundorten in Rumänien]
internationale Trivialnamen für die Suchmaschinen: tschechisch: zubovec termální
Theodoxus (Theodoxus) sarmaticus (LINDHOLM 1901)
Verbreitung: Ukraine (endemisch).
Theodoxus (Theodoxus) saulcyi (BOURGUIGNAT 1852)
Verbreitung: Griechenland (Kreta, Kykladen, Festland).
weblinks: BOURGUIGNAT, J.-B. (1852): Testacea novissima. [Erstbeschreibung der Art / scan, in latein]
Theodoxus (Theodoxus) schultzii (GRIMM 1877)
Beschreibung: Die im Umriß fast runden oder nur leicht eiförmigen Gehäuse der Art werden bis 6,7mm lang und bis 6,5mm breit (nach ANDRUSSOW 1912 bis 8mm lang und bis 10mm breit). Charakteristisch für die Art sind Verlängerungen des spindelseitigen Mündungssaumes, die meist etwas über den Umriß des Gewindes hinausgehen und den Umriß dadurch insgesamt eckig erscheinen lassen. Das Gehäuse ist meist zitronengelb gefärbt. Seltener finden sich Gehäuse mit hellvioletter Grundfarbe und dunkleren Zickzacklinien oder orangegelber Grundfarbe mit Punktmuster (letztere Färbung ähnlich der von Theodoxus pallasi).
Verbreitung, natürliches Habitat: Endemisch im mittleren und südlichen Kaspisches Meer auf den Staatsterritorien von Aserbaidshan, Kasachstan, Russland und Turkmenistan. Die Art lebt in Wassertiefen von 20 bis 100m auf Hartsubstrat (insb. Muschelbänke von Dreissena spec.) oder Mischböden aus Muschelschalen, Sand und Schluff. Der Salzgehalt beträgt hier 11 bis 12,5psu.
weblinks: ZETTLER, M.L. (2007): A redescription of Theodoxus schultzii (GRIMM, 1877), an endemic neritid gastropod of the Caspian Sea. Journal of Conchology 39(3): 245-251. [Neubeschreibung von Theodoxus schultzii mit Abbildungen]
Theodoxus (Theodoxus) subthermalis (ISSEL 1865)
Verbreitung: Iran, Kaukasus.
Sonstiges: Ist möglicherweise eine Unterart der Gemeinen Kahnschnecke (Theodoxus fluviatilis)
Theodoxus (Theodoxus) syriacus (BOURGUIGNAT 1852)
Verbreitung: Vorkommen in der Türkei (Süd-Anatolien: Silifke/ Provinz Diyarbakir), Syrien.
weblinks: YILDIRIM, M. Z. (1999): Türkiye Prosobranchia (Mollusca: Gastropoda) Türleri ve Zoocoğrafik Yayılışları. 1. Tatlı ve Acı Sular. [Angaben über Fundorte in der Türkei und Syrien, in türkisch]
Theodoxus (Theodoxus) transversalis (C. PFEIFFER 1828) – Gebänderte Kahnschnecke
Beschreibung: Das Gehäuse adulter Tiere wird bis 6mm hoch und 8mm breit. Das Gewinde ist wenig hervorragend. Der Zapfen des Operculums ist kräftig und spiralig gedreht. Die Gehäuse sind ohne Netz- Flecken- oder Zickzackzeichnungen. Fast immer besitzen sie auf grauem oder gelblichgrauem Untergrund 3, selten 4 dunkle Spiralzonen. Der Deckel ist fleisch- bis orangefarben mit rotem Saum. Das Gehäuse frisch geschlüpfter Tiere ist transparent.
Verbreitung, natürliches Habitat: Verbreitung danubisch: einzelne Reliktvorkommen im Donau-Einzugsgebiet Deutschlands. Weitere Vorkommen: Ungarn (z.B. bei Edelèny), Kroatien, Yugoslavien, Mazedonien, Bulgarien, Rumänien (weit verbreitet, in Transsylvanien aber wohl ausgestorben), Moldavien, Ukraine (Djnestr). Gilt in Österreich und der Slovakei als ausgestorben. Bevorzugt saubere, sauerstoffreiche Fließgewässer mit steinigem Grund. Im Aufstaubereich von Staustufen erlöschen die Populationen.
Sonstiges: Die Gebänderte Kahnschnecke wird in den Roten Listen Deutschlands (1998) und Österreichs (1994) als vom Aussterben bedrohte Art geführt. Im Zuge der Osterweiterung der EU am 01.05.2004 wurde sie in den Anhang IV der europäischen FFH-Richtlinie als gem. Artikeln Nr. 12-16 „streng zu schützende Art von gemeinschaftlichem Interesse“ aufgenommen. Außerdem ist die Art im Anhang II „Tiere und Pflanzenarten von gemeinschaftlichem Interesse, für deren Erhaltung besondere Schutzgebiete ausgewiesen werden müssen“ gelistet. D.h. sie ist gem. Artikel 6 der Richtlinie bei der Meldung von Schutzgebieten für das System „Natura 2000“ besonders zu berücksichtigen. Durch die Listung in der FFH-Richtlinie ist die auch in Deutschland als vom Aussterben bedroht geführte Art gem. §10 Abs. 2 Nr. 10 und 11 BnatSchG besonders und streng geschützt.
Literatur: FECHTER, R. & FALKNER, G. (1990): Weichtiere. Mosaik Verlag GmbH, München. ISBN 3-570-03414-3. [kurze Artbeschreibung, Farbfotos der Gehäuse und vom Operculum]
GLÖER, P. (2002): Süßwassermollusken Nord und Mitteleuropas. Bestimmungsschlüssel, Lebensweise, Verbreitung. In: Die Tierwelt Deutschlands. Conchbooks, Hackenheim. ISBN 3-925919-60-0.
GLÖER, P & MEIER-BROOK, C. (2003): Süßwassermollusken. Ein Bestimmungsschlüssel für die Bundesrepublik Deutschland. Deutscher Jugendbund für Naturbeobachtung, Hamburg. ISBN 3-923376-02-2.
weblinks: Arbeitskreis Mollusken NRW: Weichtier des Jahres 2004 [Kurzvorstellung von Th. fluviatilis und ihrer heimischen Verwandten]
CIOBOIU, O. (2003):Diversity of Gastropoda in the Romanian sector of the Danube lower hydrographic basin. [Darstellung der Vorkommen in Rumänien auf Flußgebietsniveau]
COADĂ, V. & POPA, V. (2006): Diversitatea Malacologic Alacologică a Fluviului Nistru în Porţiunea Or. Otaci – Or. Vadul-Lui-Vodă. In: Academician Leo Berg – 130: Collection of Scientific Art. Bender: Eco-TIRAS, 2006 (Tipogr. “ELAN POLIGRAF”). ISBN 978-9975-66-054-9 [Vorkommen in Moldavien auf den Seiten 66 bis 68]
FISCHER, W.: Checklist of Austrian Mollusca. [Gehäusefotos von Tieren aus der Donau bei Wien]
Richtlinie 92/43/EWG des Rates vom 21. Mai 1992 zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen: [FFH-Richtlinie]
RUSSEV, B. K. (1972):Influence of some ecological factors on changes of the standing crop of zoobenthos of the Danube in the Bulgarian stretch. Productivity Problems of Freshwater Warzawa Krakow 1972. Proceedings of the IBP-UNESCO Symposim. [Untersuchung der ökoloscher Bedingungen in der Donau]
VAVROVA, L. (2005): The Mollusk Species in Slovakia listed in the Habitats Directive. In: Tentacle No. 13. ISSN 0958-5079. [Meldung über das wahrscheinliche Aussterben der Art in der Slovakei]
internationale Trivialnamen für die Suchmaschinen: slovakisch: teodox pásavý tschechisch: zubovec pruhovaný
Theodoxus (Theodoxus) valentinus (GRAËLLS 1846) – Getürmte Kahnschnecke (= Th. valentina = Th. velascoi)
Beschreibung: Das sehr dickwandige Gehäuse ist bis 11mm hoch mit bis zu 4 schnell zunehmenden Umgängen. Deutlich, meist sogar turmförmig erhabenes Gewinde. Äußerer Mündungsrand nicht gleichmäßig gerundet, sondern wie von oben etwas eingedrückt wirkend. Mündung an der Spindelseite stark verdickt. Weißliches Operculum mit schmaler Rippe und kurzem, vollständig angewachsenen Zapfen. Gehäuse mit hellem Streifenmuster auf braunem oder rotbraunem Grund, auch z.T. mit Tupfenmuster überlagert. Gehäusemündung weiß.
Verbreitung, natürliches Habitat: Endemisch in der Provinz Valencia, Spanien. Letzte bekannte Vorkommen im Quellbereich des Riu Verd und im Nebenfluß Barranc of Misana bei Massalavés. Der ursprüngliche Verbreitungsschwerpunkte im Fluß Saints in Alcudia de Crespins ist seit den 1980er Jahren durch Wasserentnahmen erloschen. Ebenfalls ausgestorben an den Orten Játiva, Bellús, Cerdá and Albaida. Bevorzugt Fließgewässer mit steinigem Substrat.
Wasserwerte: Bevorzugt hartes Wasser sowie gleichbleibende Wassertemperaturen zwischen 16 und 18°C.
Fortpflanzung: Die zwischen 0,8 und 1mm großen ovalen Eikapseln werden das ganze Jahr über an Steinen oder Gehäusen anderer Artgenossen abgelegt. Aus jeder Eikapsel schlüpft nur ein Jungtier.
Lebenserwartung: 17,8 bis 22 Monate.
Nahrung: Raspelt Diatomeen und andere Algen vom Substrat.
Sonstiges: Die Art gilt als unmittelbar vom Aussterben bedroht. Gefährdungsursachen sind Wasserverschmutzung und Eingriffe in das Wasserregime durch menschliche Nutzungen. Die ehemals als eigenständige Art betrachtete Th. velascoi ist nach FaunaEuropaea ein Synonym zu Th. valentinus.
Literatur: FECHTER, R. & FALKNER, G. (1990): Weichtiere. Mosaik Verlag GmbH, München. ISBN 3-570-03414-3. [kurze Artbeschreibung von T. valentinus, Farbfotos der Gehäuse und vom Operculum]
weblinks:
Banco de Datos de Biodiversidad, Communidad de Vallenciana (2003) [Beschreibung von Th. velascoi, mit Foto, Verbreitungskarte und Habitatangaben, auf spanisch]
MARTÍNEZ-ORTÍ, A. & GÓMEZ, B. & BUNJE, B. & PUJANTE, A. M₫ (2006): Theodoxus valentinus (GRAELLS 1846). In: Libro Rojo de los Invertebrados de España pp. 335-336. Ministerio de Medio Ambiente. ISBN 9788480146449. [Beschreibung von Th. valentinus. mit Foto, Verbreitungskarte und Habitatangaben, auf spanisch]
Ministerio de Medio Ambiente (1997): [Beschreibung von Th. velascoi, der Habitate und Gefährdungsursachen, auf spanisch]
www.animalbase.uni-goettingen.de: [wenige Infos zu Th. valentinus, Gehäusebilder]
internationale Trivialnamen für die Suchmaschinen: tschechisch: zubovec protáhlý
Theodoxus (Theodoxus) velox (V. ANISTRATENKO 1999)
Verbreitung, natürliches Habitat: Ukraine (endemisch): Schwarzes Meer, Asowsches Meer, Unterlauf des Dnjepr bei Kherson.
Sonstiges: Genetische Untersuchungen deuten darauf hin, daß Th. velox keine selbstständige Art, sondern lediglich eine Form der Gemeinen Kahnschnecke (Theodoxus fluviatilis) ist.
Literatur:
BUNJE, P. M. E. & LINDBERG, D. R. (2007): Lineage divergence of a freshwater snail associated with post-Tethys marine basin development. Elsevier Molecular Phylogenetics and Evolution 42: 373-387. [vergleichende genetische Untersuchung von Arten der Gattung Thedoxus]
Untergattung: Neritea (ROTH 1855)
Verbreitung der Untergattung: Osteuropa, Nordafrika, Naher und Mittlerer Osten.
Theodoxus (Neritea) cinctellus (MARTENS 1874)
Beschreibung: Deutlich ausgebildete Apophyse an der Innenseite des Operculums, letzter Umgang gekantet.
Verbreitung, natürliches Habitat: Syrien, Türkei (Ceylanpınar/Urfa). Erstbescheibung von den Quellen des Chabur-Flusses, Ras-el ain, Mesopotamien.
weblinks: YILDIRIM, M. Z. (1995): Türkiye Prosobranchia (Mollusca: Gastropoda) Türleri ve Zoocoğrafik Yayılışları. 1. Tatlı ve Acı Sular. [Angaben über Fundorte in der Türkei und Syrien, in türkisch]
Theodoxus (Neritea) jordani (SOWERBY 1832)
Beschreibung: Die Gehäuse werden 4 bis 7mm groß. Das Gewinde ist unterschiedlich deutlich erhoben. Auf der Gehäuseoberseite unterschiedlich breite helle Querstreifen, oft im zickzack, auch unterbrochen, auf dunkelbraunem bis schwarzem Untergrund. Musterung nicht unähnlich der Theodoxus danubialis (C. PFEIFFER 1828). Gehäuseunter- und -innenseite einfarbig weiß oder mit gelben Außenrand.
Verbreitung, natürliches Habitat: Ostmediterran: Jordanien (z.B. im Fluß Yarmuk, Oase Azraq), Syrien, Libanon, Israel (Jordan, Tiberias-See; bei Banias, bei Tabha; Form „macrii“ bei Hakibbutzim), Türkei (Provinz Hatay), Irak (z.B. Tigris). Lebt in verschiedensten Habitaten wie Seen, Flüssen, Kanälen und Ästuaren. Im irakischen Marschland wurde eine Bevorzugung flacher, kaum bewachsener Seeufer festgestellt.
Wasserwerte: Für drei Fundorte in israelischen Bewässerungskanälen wurden am 15.05.2003 folgende Wasserwerte gemessen: Temperatur: 17,7 ... 18,5°C O2-Gehalt: 8,9 ... 9,7 mg/l O2-Sättigung: 94 ... 109% Leitfähigkeit: 362 ... 379 µS (25°C) Salinität: 0,2 ppt pH: 7,97 ... 8,14 Gesamt-Stickstoff: <0,02 mg/l BSB5,20 0,8 ... 1,5 mg/l Trübung: 20 NTU
Weitere sehr detaillierte physikalische und chemische Werte für den Tiberias-See einschließlich jahreszeitlichem Verlauf der Wassertemperaturen sind in der „World Lakes Database“ im Internet zu finden (s. weblinks).
Fortpflanzung: Aus Untersuchungen der Dynamik einer irakischen Poulation ist bekannt, daß Th. jordani die Eikapseln, aus denen jeweils nur ein Jungtier schlüpft, in einer klar abgrenzbaren Saison von Anfang Dezember bis Ende April legt. Anschließend stirbt ein Großteil der Alttiere.
Sonstiges: Paläontologischen Untersuchungen aus Höhlen in der Türkei (Üçağızlı Cave in der Provinz Hatay) Libanon (Ksar’ Akil, bei Beirut) und Syrien (Kaus Kozah Cave bei Ma`aloula) zufolge wurden die Gehäuse bereits vor über 30.000 Jahren von Steinzeitmenschen gezielt gesammelt, durchbohrt und als Schmuck getragen.
Die Unterart Theodoxus jordani turris (MOUSSON 1861) zeichnet sich durch ein turmförmig erhobenes Gewinde aus. Vorkommen sind aus Palästina und vom Tiberias-See bekannt. Theodoxus mesopotamicus (MOUSSON 1874), Theodoxus euphraticus (MOUSSON 1874) und Theodoxus macrii (RECLUZ 1841) sind vermutlich weitere Unterarten oder Formen der Art.
Literatur: GLAUBRECHT, M. (1996): Evolutionsökologie und Systematik am Beispiel von Süß- und Brackwasserschnecken (Mollusca: Caenogastropoda: Cerithioidea): Ontogenese-Strategien, paläontologische Befunde und historische Zoogeographie. Backhuys Publishers, Leiden, NL. ISBN 90-73348-52-8. [Verbreitungskarte, Darstellung und Deutung unterschiedlicher Formen der rezenten, z.T. isolierten Vorkommen auf den Seiten 281ff]
weblinks: AL-DABBAGH, K. Y. & LUKA, J. Y. (1986): Population dynamics of the gastropod Theodoxus jordani (Sowerby) in the Shatt Al-Arab river. Freshwater Biology 16 (4), 443–448. [einzelne Grunddaten zur Populationsdynamik in der Zusammenfassung des Artikels]
Anonymus (2004): [Wasserwerte von israelischen Bewässerungskanälen, Habitatfotos, in hebräisch]
PLAZIAT, J.-P. & YOUNIS, W. R. (2005): The modern environments of Molluscs in southern Mesopotamia, Iraq: A guide to paleogeographical reconstructions of Quaternary fluvial, palustrine and marine deposits. Carnets de Géologie / Notebooks on Geology. Brest, Article 2005/01 (CG2005_A01) [kurze Habitatinfos, Bilder von Gehäusen auf Seite 15]
SYSTAX: [wenige Infos, Gehäusebilder]
World Lakes Database: [Wasserwerte vom Tiberias-See]
internationale Trivialnamen für die Suchmaschinen: japanisch: ジョルダンカノコ (仮称)
Theodoxus (Neritea) subterrelictus (SCHÜTT 1963) – Metkovich Cave Nerite
Verbreitung, natürliches Habitat: Kroatien, Bosnien-Herzegowina. Vorkommen in Höhlen.
Sonstiges: Gilt in Kroation als gefährdete Art.
Theodoxus (Neritea) varius (MENKE 1828) – Veränderliche Kahnschnecke
Beschreibung: Das glänzende Gehäuse nur 4-5mm groß; helle Tupfen oder Streifen auf braun-rötlichem Grund. Die Rippe an der Innenseite des schmalen Operculums ist kurz und hakenförmig, der Zapfen kräftig ausgebildet. Das Operculum ist blaß blaugrau mit orangefarbenen Saum gefärbt.
Verbreitung, natürliches Habitat: Süd-Albanien, Ionische Inseln und angrenzendes Festland. Vorkommen in Quellen.
Sonstiges: Als Unterart mit Vorkommen auf dem griechischen Festland ist Theodoxus varius callosus (DESHAYES 1835) beschrieben.
Literatur: FECHTER, R. & FALKNER, G. (1990): Weichtiere. Mosaik Verlag GmbH, München. ISBN 3-570-03414-3. [kurze Artbeschreibung, Farbfotos der Gehäuse und vom Operculum]
weblinks: www.animalbase.uni-goettingen.de: [wenige Infos, Gehäusebilder]
internationale Trivialnamen für die Suchmaschinen: tschechisch: zubovec proměnlivý
Allgemeine weblinks zu Arten dieser Seite:
Deutsche Malakozoologische Gesellschaft (Red.: WIESE, V., Stand: 02/2008): Molluscs of Central Europe – Nomenklaturliste. [Systematik europäischer Mollusken – auch mit deutschen Namen]
Fauna Europaea: [europäische Systematik]
Seite aktualisiert am 04.01.2009
Autor: schneckli
|