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Der Fuß des Tieres ist vorn leicht gespalten und seitlich zu zwei spitzen, sehr beweglichen Ecken weit ausladend. Im Bereich des Operculums ist der Fuß besonders breit, hinten gerundet. Die Schnauze ist vom Fuß deutlich abgesetzt und beim aktiven Tier rüsselartig vorgestreckt. An der Oberseite der Basis der langen, fadenförmigen, kaum zugespitzten Fühler sitzen die nach vorn gerichteten Augen. Typisch für die Federkiemenschnecken ist die Federkieme, die nach vorn rechts aus der Mantelhöhle vorgestreckt werden kann. Wahrscheinlich zur Reinigung dieser Kieme und der Mantelhöhle besitzen die Schnecken einen fadenförmigen Fortsatz (Pallialtentakel), der ebenfalls nach rechts aus der Mantelhöhle vorgestreckt werden kann. Der Penis der zwittrigen Tiere kann von der Außenseite der rechten Fühlerbasis vorgestülpt werden. Bei sexueller Inaktivität des Tieres ist er hier als kurzes, tentakelförmiges Organ, das nach hinten an die Kopfseite angelegt ist, erkennbar.
Das Tier ist schwach graubraun pigmentiert. Die Oberseiten von Kopf und Fuß sind dabei etwas dunkler. Auf der gesamten Körperoberfläche sind helle Pigmentpunkte verteilt, die um die Augen zu Flecken zusammenfließen.
ähnliche Arten: Typisch für alle heimischen Arten der Gattung Valvata ist die kreisrunde Mündung und das ebenfalls kreisrunde Operculum mit zentrischem Nucleus. Adulte Valvata macrostoma sind anhand ihres wenig erhobenen Gewindes von der Gemeinen Federkiemenschnecke (Valvata (Cincinna) piscinalis) und der sehr flachen und kleiner bleibenden, Flachen Federkiemenschnecke (Valvata (Valvata) cristata) unterscheidbar. Juvenile Exemplare von V. piscinalis können relativ weit genabelt sein und sind dann leicht mit V. macrostoma zu verwechseln. Die der Sumpf- Federkiemenschnecke sehr ähnliche, jedoch flacher bleibende Sibirische Federkiemenschnecke Valvata (Tropidina) sibiricaist bisher nur aus Nordskandinavien und Sibirien bekannt. Die in ihrer Verbreitung auf den Alpenraum beschränkte Moor-Federkiemenschnecke (V. (Cincinna) studeri) weist einen engeren Nabel und ein stärker erhobenes Gewinde auf als V. macrostoma. Das Gehäuse ist zudem bis auf leichte Rippung im Bereich der Mündung weitgehend glatt. Die Mündung der in Mitteleuropa vom Aussterben bedrohten Fluß-Federkiemenschnecke (Borysthenia naticina) = Strom-Federkiemenschnecke (Valvata (Borysthenia) naticina) ist oben leicht zugespitzt; das Gehäuse festwandig mit ebenfalls stärker erhobenem Gewinde.
Verbreitung, natürliches Habitat:
Allgemein sehr zersteut und lückenhaft europäisch-sibirisch verbreitet. Vorkommen im europäischen Raum: Südschweden (Skåne, Jämtland, Öland), Dänemark (sporadisch verbreitet), Finnland (zerstreut), Estland (zerstreut), Lettland (zerstreut), Litauen (zerstreut; ZETTLER et al. 2005), Polen (zerstreut), Tschechien (zersteut in Böhmen), Slowakei (zerstreut im Bereich der Donau), Österreich (Nordtirol, Ober- u. Niederösterreich), Ungarn (zerstreut), Griechenland (Festland), Bulgarien, Rumänien (im Bereich der Donau; CIOBOIU 2003), Ukraine, Türkei (YILDIRIM & KOCA & KEBAPÇI 2006), Britische Inseln (vereinzelt und zurückgehend, s. weblinks: National Biodiversity Network), Niederlande (wenige Vorkommen im Osten), Belgien (wenige, zerstreute Vorkommen), Luxemburg (einige, zerstreute Vorkommen), Schweiz (wenige Fundorte im Südwesten), Frankreich (Festland), Spanien (BECH I TABERNER & ALTIMIRAS I ROSET 2003).
In Deutschland sind zerstreute Vorkommen vor Allem aus der Norddeutschen Tiefebene bekannt. Außerdem im Oberrheintal und an wenigen Fundorten an der Donau und im südlichen Bayern.
In den Auen des Bug/Polen lebt V. macrostoma nach Untersuchungen von JURKIEWICZ-KARNKOWSKA (2008) typischerweise in temporären, flachen Kleingewässern. WATSON & OMEROD (2004) fanden die Tiere im Südosten Englands in Gräben des Marschlandes mit reichlich Sumpf- und Schwimmpflanzen. Im Nationalpark Wicken Fen/Cambridgeshire/England kommen sie vereinzelt in ehemaligen Tonkuhlen vor. ÖKTENER (2004) fand sie im Flachwasser auf Schlammboden am Fluß Sırakaraağaçlar/Türkei. Für Mecklenburg-Vorpommern beschreibt ZETTLER (2000) die Art als Bewohner sumpfiger Uferbereiche von Seen und Auen großer Ströme. Auch in Torfgräben und stehenden Sümpfen sei die Art zu finden. Nach MAY et. al. (1997) sind die Vorkommen der Sumpf- Federkiemenschnecke allgemein auf stehende Gewässer/ Gewässer mit geringer Fließgeschwindigkeit in fortgeschrittenen Sukzessionsstadien beschränkt. Insbesondere Gräben in der Marsch, in denen sie dann nur punktuell auf kurzen Abschnitten zu finden ist. Nach Angaben von WIESE (1991) kommt die Art allgemein in mehr oder weniger pflanzenreichen Kleingewässern, wie z.B. Gräben und Sümpfen vor. FECHTER & FALKNER (1990) zufolge ist V. macrostoma allgemein in Temporärgewässern der Auen großer Ströme, im Norden auch im sumpfigen Uferbereich von Seen zu finden.
Abweichend von diesen Habitatangaben gelangen eigene Funde in klaren Quellbächen in der nordwestlichen Türkei sowie im anatolischen Hochland. Die Tiere waren hier tagsüber an den Unterseiten gering veralgter Steine verborgen. Zwei dieser Habitate, in denen Valvata macrostoma im Freiland gefunden wurden, sind unter folgenden Links kurz vorgestellt: 0039, 0089
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Wasserwerte:
WATSON & OMEROD (2004) fanden Sumpf- Federkiemenschnecken in Gräben der Marsch Südenglands mit leicht brackigem Wasser. Eutrophierte Gräben mit erhöhten Nitrat / Nitritkonzentrationen wurden hier nicht besiedelt. ZETTLER (2000) bezeichnet die Art als sehr sauerstoffbedürftig. Nach MAY et. al. (1997) ist Valvata macrostoma calciphil und ihre Vorkommen sind ein Indikator für sauberes Wasser und gute Habitatbedingungen für Wirbellose i.Allg.. Nach Angaben von WIESE (1991) erträgt sie auch Wässer, die durch Huminsäuren pH-Werte unter 7 aufweisen. Weitere Literaturangaben über bevorzugte oder noch tolerierte Wassertemperaturen oder sonstige Wasserparameter liegen der Redaktion nicht vor.
Für Vorkommen von Valvata "pulchella" im flachen Hochlandsee Işıklı Gölü, Provinz Denizli/Türkei veröffentlichten USTAOĞLU et.al. (2001) folgende, im Jahresverlauf stark schwankende Wasserwerte: 5,5-27°C; pH = 8,0-8,8; O2 = 6,7-13,3mg/l; Leitfähigkeit = 194-405µS25°C; SBV = 1,7-4,4mmol/l; Ca2+ = 26,5-76,2mg/l; Mg2+ = 27,2-91,4mg/l.
Nach eigenen Beobachtungen konnte die Sumpf- Federkiemenschnecke in oben erwähnten Quellbächen der Türkei mit folgenden Wasserwerten gefunden werden: Quellbach im nordwestlichen, europäischen Teil der Türkei (23.03.2008): 11,9°C; GH = 21°dH; KH = 14°dH; pH = 7,0. Quellbach im zentralanatolischen Hochland unter Steinen (21.04.2008): 12,6°C; GH = 16°dH; pH = 7,7.
Fortpflanzung, Lebensdauer:
Die Federkiemenschnecken der Untergattung Tropidina sind zwittrig angelegt. Nähere Informationen zur Fortpflanzungsbiologie und zum erreichbaren Alter der Sumpf- Federkiemenschnecke liegen der Redaktion nicht vor. Sehr ähnliche Angaben wie für die Gemeine Federkiemenschnecke (Valvata (Cincinna) piscinalis) sind indes anzunehmen.
Nahrung, Verhalten:
Spezielle Angaben zur Ernährungsbiologie und zum Verhalten der Sumpf- Federkiemenschnecke liegen der Redaktion nicht vor. Möglicherweise ist sie ebenfalls ähnlich wie bei der Gemeinen Federkiemenschnecke (Valvata (Cincinna) piscinalis)
Vergesellschaftung in der Natur:
MAY et. al. (1997) beobachteten in England, daß Überschneidungen der Vorkommen von V. macrostoma mit denen anderer Valvatidae kaum vorkommen. Übereinstimmend mit MAY et.al. beobachteten auch WATSON & OMEROD (2004) in Gräben der südostenglischen Marsch Vergesellschaftungen mit anderen z.T. sehr seltenen Süßwassermollusken wie Anisus vorticulus, Segmentina nitida und Pisidium pseudosphaerium.
Parasiten, Kommensalen:
Wie auch andere Wasserschnecken werden auch die heimischen Valvatidae von verschiedenen Arten von Trematoden (Saugwürmer) als Zwischenwirt befallen. Planmäßiger Endwirt der die Schnecke verlassenden Zerkarien (= ein Larvenstadium der Egel) sind Wasservögel, Fische, Amphibien oder Säugetiere. Die meisten Zerkarien gelangen in ihren Endwirt indem sie mitsamt der infizierten Schnecke gefressen werden. Dort bohren sie sich durch die Darmwand und befallen die inneren Organe. Im zentralfinnischen Konnovesi-See wurden von FALTÝNKOVÁ et. al. (2007) die Larven der Trematoden Australapatemon sp. and Sanguinicola sp. gefunden.
Unterarten, Formen:
Die Sumpf- Federkiemenschnecke gilt als wenig formvariabel. Im europäischen Raum sind derzeit keine Unterarten anerkannt.
Gefährdung:
Von der Sumpf- Federkiemenschnecke sind im gesamten Verbreitungsgebiet nur sehr zerstreute, lokale Populationen bekannt, von denen in den letzten Jahrzehnten viele verschwunden sind. Als Gefährdungsursachen vermuten MAY et.al. (1997) insbesondere Gewässerunterhaltung, -ausbau, -trockenlegung und Eutrophierung. Die Art gilt entsprechend der Einstufungen auf den Roten Listen der Niederlande (2005), der Schweiz (1994) und Tschechiens (2005) als "vom Aussterben bedroht". In Deutschland (1998) und Österreich (1994) wird sie als "stark gefährdet", in Polen ("VU" 2005) und Großbritannien als "gefährdet" geführt. In Schweden (2001) steht sie auf der Vorwarnliste ("NT"). Auf der internationalen Roten Liste der IUCN (1994) sowie denjenigen von Norwegen (2006), Estland (Jahr?), Lettland (2003) und Slovenien (2001) ist sie derzeit nicht gelistet.
Sonstiges:
Für Valvata macrostoma war bis 1998 noch der Name V. pulchella allgemein gebräuchlich (vgl.: Kommentar [9] in: GLÖER & ZETTLER 2005). Der Name V. pulchella wurde teilweise auch für V. studeri verwendet.
Literatur:
FALTÝNKOVÁ, A. & NIEWIADOMSKA, K. & SANTOS, M.J. & TELLERVO VALTONEN, E. (2007): Furcocercous cercariae (Trematoda) from freshwater snails in Central Finland. Acta Parasitologica ISSN 1230-282152. Vol. 52, No. 4, pp. 310–317. [Untersuchung der Trematodenfauna im Konnevesi-See, Zentral-Finnland]
FECHTER, R. & FALKNER, G. (1990): Weichtiere. Mosaik Verlag GmbH, München. ISBN 3-570-03414-3. [Weichtiere Europas – kurze Angaben zur Art, Farbfotos von Gehäusen und lebend]
GLÖER, P. (2002): Süßwassermollusken Nord und Mitteleuropas. Bestimmungsschlüssel, Lebensweise, Verbreitung. In: Die Tierwelt Deutschlands. Conchbooks, Hackenheim. ISBN 3-925919-60-0. [Angaben zu Merkmalen, Verbreitung usw.]
GLÖER, P & MEIER-BROOK, C. (2003): Süßwassermollusken. Ein Bestimmungsschlüssel für die Bundesrepublik Deutschland. Deutscher Jugendbund für Naturbeobachtung, Hamburg. ISBN 3-923376-02-2. [Angaben zu Merkmalen, Verbreitungskarte für Deutschland]
WATSON, A.M. & OMEROD, S.J. (2004): The distribution of three uncommon freshwater gastropods in the drainage ditches of british grazing marshes. Aquatic conservation - Marine and Freshwater Ecosystems.Vol. 14, No. 3, pp. 221-236. [Angaben zu Fundorten im Süden Englands]
weblinks:
Aquarienschnecken-Forum.de: Rote Listen Süßwassermollusken. [Linksammlung]
AnimalBase Project Group. Early zoological literature online. - World wide web electronic publication. Valvata macrostoma Mörch, 1864. [kurze Angaben zur Art, Fotos von Gehäusematerial]
BECH I TABERNER, M. & ALTIMIRAS I ROSET, J. (2003): Nuevas aportaciones al conocimiento de los moluscos actuales y del cuaternario en Extremadura: I. Malacofauna dulceacuícola. Revista de Estudios Extremeños, Año 2003 Tomo LIX. Número II Mayo-Agosto, pp. 837-870. Centro de Estudios Extremeños, E-06011 Badajoz. [Kartierung der Süßwassermollusken der Extremadura, Süd-Spanien. Erwähnung von Vorkommen von V. pulchella mit Gehäuseabbildung]
CIOBOIU, O. (2003):Diversity of Gastropoda in the Romanian sector of the Danube lower hydrographic basin. [Darstellung der Vorkommen der Süßwassergastropoden in Rumänien auf Flußgebietsniveau]
Deutsche Malakozoologische Gesellschaft (Red.: WIESE, V., Stand: 10/2008): Molluscs of Central Europe – Nomenklaturliste. [Systematik europäischer Mollusken – auch mit deutschen Namen]
Deutsche Malakozoologische Gesellschaft (Stand: 10/2008): Molluscs of central Europe. Species: Valvata (Tropidina) macrostoma. [zur Taxonomie, Gehäusefotos]
Fauna Europaea [europäische Systematik, Hinweise zur Verbreitung von V. macrostoma]
GLÖER, P. & ZETTLER, M. L. (2005): Kommentierte Artenliste der Süßwassermollusken Deutschlands. Malak. Abh. 23: 3-26. [Kommentar zur Gültigkeit des Namens V. macrostoma]
JURKIEWICZ-KARNKOWSKA, E. (2008): Aquatic Mollusc Communities in Riparian Sites of Different Size, Hydrological Connectivity and Succession Stage. Polish Journal of Ecology 56 (1) pp. 99-118. [Untersuchung der Sukzessionsstadien von Gewässern in der Aue des Bug/Polen hinsichtlich der vorkommenden Mollusken]
MAY, D. et. al. (1997): Taunton Deane Biodiversity Action Plan. Prepared for Taunton Deane Borough Council at Somerset Environmental Records Centre. [kurze Artbeschreibung, Status der Gefährdung und Schutzmaßnahmen in Kapitel 9.4, pp. 67-81]
National Biodiversity Network: Grid map of records on the Gateway for Valve Snail (Valvata (Cincinna) piscinalis). [Datenbank-basierte Verbreitungskarten der Britischen Inseln]
WIESE, V: (1991): Atlas der Land- und Süßwassermollusken in Schleswig-Holstein. Landesamt für Naturschutz und Landschaftspflege Schleswig-Holstein. ISBN 3-923339-40-2. [Verbreitungskarte von Schleswig-Holstein. Gehäusezeichnung, kurze Angaben zu Vorkommen]
ÖKTENER, A. (2004): A preliminary Research on Mollusca Species of some Freshwaters of Sinop and Bafra. G.U. Journal of Science 17(2): 21-30 (2004). ISSN 1303-9709. [Fundort- und Substratangaben u.a. für V. "pulchella" in der Türkei]
USTAOĞLU, M. R. & BALIK, S. & ÖZBEK, M. (2001): Işıklı Gölü (Çivril-Denizli)’nün Mollusca Faunası. - Ege University Press, Volume 18, Issue (1-2): 135-139. ISSN 1300 – 1590. [Malakozoologische Untersuchung; auch mit Angaben von Wasserwerten, in türkisch]
VON PROSCHWITZ, T. & BJELKE, U. (2008): ArtDatabanken 2008-03-14. Faktablad: Valvata macrostoma – sumpkamgälsnäcka. [Artvorstellung auf schwedisch]
YILDIRIM, M. Z. & KOCA, S. B. & KEBAPÇI, Ü. (2006): Supplement to the Prosobranchia (Mollusca: Gastropoda). Fauna of Fresh and Brackish Waters of Turkey. Turk J Zool 30: 197-204. [ergänzende Angaben über die Vorkommen der Prosobranchier in der Türkei, in englisch]
ZETTLER, M. L. (2000): Bewertung des ökologischen Zustandes von Fließgewässern in Mecklenburg-Vorpommern über die Malakofauna als Indikatororganismen. Natur und Naturschutz in Mecklenburg-Vorpommern. 35: 3-36. [Angaben zu Habitaten und Verbreitung der Art als "Valvata pulchella" auf Seite 10]
ZETTLER, M. L., ZETTLER, A. & DAUNYS, D. (2005): Bemerkenswerte Süßwassermollusken aus Litauen. Aufsammlungen vom September 2004. Malak. Abh. 23: 27-40. [Fundortangaben für Litauen]
Seite aktualisiert: 26.10.2008
Autor: schneckli
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