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Viviparus acerosus acerosus (BOURGUIGNAT 1862) – Donau- Flußdeckelschnecke

Viviparus acerosus

Überfamilie:       Ampullarioidea (GRAY 1824)

Familie:             Viviparidae (GRAY 1847) – Fluß- und Sumpfdeckelschnecken

Unterfamilie:      Viviparinae (GRAY 1847) – Fluß- und Sumpfdeckelschnecken

Gattung:      Viviparus (MONTFORT 1810) – Fluß- und Sumpfdeckelschnecken

Art:       Viviparus acerosus (BOURGUIGNAT 1862) – Donau- Sumpfdeckelschnecke

Unterart:  Viviparus acerosus acerosus (BOURGUIGNAT 1862) – Donau- Sumpfdeckelschnecke

Beschreibung:

Die Donau- Sumpfdeckelschnecke ist die größte heimische Süßwasserschneckenart. Ihre rechtsgewundenen Gehäuse werden 30 bis 57mm hoch und 23 bis 40mm breit. Die bis zu 7 gerundeten Umgänge sind voneinander durch eine tiefe Naht abgesetzt. Sie nehmen vom zugespitztem Apex an erst wenig und abgeflacht, dann gleichmäßig und bauchig zu. Der winzige Apex wirkt daher wie aufgesetzt. Bei älteren Tieren geht der Apex oft infolge Gehäusekorrosion verloren, wodurch es zu Verwechslungen mit den verwandten Arten kommen kann. Der Nabel ist eng und zu mehr als der Hälfte bedeckt.

Die Mündung (und damit auch die Form des Operculums) ist oval und oben mäßig zugespitzt. Die Wachstumsringe des hornigen Operculums sind konzentrisch um den außermittigen Nukleolus angeordnet.

Die Männchen bleiben bei gleichen Bedingungen etwas kleiner und schlanker als die Weibchen. Ihre Gehäuse weisen weniger und flachere Umgänge auf. Der letzte Umgang weiblicher Tiere kann stark aufgetrieben und von der Naht an für eine kurze Strecke schulterartig abgeflacht sein.

Die Oberfläche des Gehäuses ist durch Zuwachslinien fein strukturiert. Zusätzlich soll eine Spiralskulpur auf den ersten drei Windungen und eine gegitterte oder hammerschlägige Skulptur der weiteren Windungen für die Art charakteristisch sein. Bei Wachstumsunterbrechungen, insb. im Winter entsteht ein deutlicher „Jahresring“.

 Das Gehäuse ist schmutzig graugelb bis gelblich-grün gefärbt mit drei unterschiedlich stark ausgeprägten, rotbraunen Bändern. Der Apex ist meist weiß.

Der breite Fuß des Tieres ist vorn flachbogig gerundet, mit einer Drüsenrinne gesäumt, hinten etwas schmaler gerundet. Die Fühler sind lang und borstenförmig, wobei der rechte Fühler der Männchen auch als Kopulationsorgan dient und deutlich verdickt ist. Die Augen sitzen auf kurzen Zapfen an der Basis der Fühler. Seitlich hinter den Fühlern ragt je ein Lappen hervor. Der linke dient der Wasserzufuhr zu den Kiemen. Am rechten Lappen sitzt das Ausström-Siphon und die Nahrungsrinne.

Körper und Fuß adulter Tiere sind mittelgrau gefärbt, von denen sich leuchtend gelblich-weiße Punkte farblich deutlich absetzen. Der Körper der Jungtiere ist hellgrau mit weißen Punkten.

Apex  - die Spitze -
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Viviparus acerosus Gehäuse
Vivipsrus acerosus Mündung
Viviparus acerosus Operculum

Verbreitung, natürliches Habitat:

Die Art ist im Einzugsgebiet der Donau und ihrer größeren Zuflüsse verbreitet:

Österreich (Donau unterhalb Wien), Tschechien (z.B. bei Lednice; Moravì; Mokfiady dolního toku Dyje), Slowakei (z.B. Einmündung des Hron in die Donau), Ungarn (z.B. im Osten: Gemeinde Nagymágocs; Thíza), Kroatien, Bosnien-Herzegovina, Serbien, Bulgarien, Rumänien (z.B. Matita-See/Donaudelta; Provinz Bihor), Ukraine.

In Deuschland ist sie seit 1966 als eingewanderte Art bekannt. Bisher ist sie nur in die Donau bis unterhalb der Geislinger Staustufe vorgedrungen.

Die Art bevorzugt Flüsse und Altwässer mit geringer Strömung sowie Seen und Fischteiche. Vorkommend auf Sand und Schlammsubstrat.

Fortpflanzung, Lebenserwartung:

Im Aquarium wurde mehrfach beobachtet, daß paarungsbereite Weibchen nach einer mehrstündigen Ruhepause an der Aquarienscheibe oder auf einen Stein heraufkriechen. Möglicherweise geben sie dann Botenstoffe in das Wasser ab, denn schon wenig später kommen die ersten Männchen mit ausgestrecktem rechten Fühler herbei. Vor dem Entlassen der Jungtiere gräbt sich das Weibchen für eine Ruhephase von 1 bis 3 Tagen vorübergehend ein.

Im Gegensatz zur Spitzen Sumpfdeckelschnecke (Viviparus contectus) ist der vordere Mantelsaum der Jungtiere glatt oder hat höchstens winzige Ausbuchtungen. Dementsprechend sind ihre Gehäuse kahl oder besitzen nur wenige winzige Härchen.

Sonstiges zur Fortpflanzung und Lebenserwartung der Art vermutlich weitgehend ähnlich der Stumpfen Flußdeckelschnecke (Viviparus viviparus).

Viviparus acerosus Operculum
Viviparus acerosus Männchen auf der Suche nach dem  Weibchen, der Duftspur entgegen
Viviparus acerosus Weibchen an der Wasseroberfläche in Befruchtungsstimmung

Nahrung:

In der Natur vermutlich vermutlich ähnlich der Stumpfen Flußdeckelschnecke (Viviparus viviparus).

Bei der Eingewöhnung neu erworbener Tiere (Wildfänge aus dem Handel, s. „Sonstiges“) ins Aquarium kann es zu Ausfällen kommen, die oft nicht nur auf Transportschäden, sondern wohl auch auf Schwierigkeiten bei der Umstellung der Ernährung zurückzuführen sind. Denn zu filtrieren gibt es für die Schnecken im normal gefilterten Aquarium nichts und im „gut gepflegten“ Aquarium sind auch Mulm und Algen Mangelware.

Nach einiger Zeit können die Tiere aber auch an angebotenes Futter, wie überbrühten Spinat, Bodenfuttertabletten mit pflanzlichem Anteil, Spirulina- und Grünfuttertabletten umgewöhnt werden. Ein zusätzliches Vorhandensein von reichlich Mulm und Algen sowie die Suspendierung von Spirulina-haltigem Staubfutter im Aquarienwasser erleichtern die Eingewöhnung im Aquarium wesentlich.

Viviparus acerosus an Spinat

Verhalten:

In der Natur vermutlich weitgehend ähnlich der Stumpfen Flußdeckelschnecke (Viviparus viviparus).

Haltung im Aquarium:

Die im Handel für Gartenteiche angebotenen Arten europäischer Viviparidae werden zunehmend neben ihren ausländischen Verwandten auch in Aquariem gehalten.

Die Schnecken können in nicht oder nur wenig beheizten Aquarien ab einer Kantenlänge von 60cm gehalten werden. Auch in sehr kleinen Gefäßen, ab 20 Litern, wurden sie schon erfolgreich gehalten. Erfahrungen über einen längeren Zeitraum hierzu liegen der Redaktion allerdings nicht vor.

Da sich die Tiere gern für Ruhephasen eingraben, sollte zumindest in Teilbereichen feiner sandiger Bodengrund eingebracht werden. In übrige Bereiche kann auch feiner bis grober Kies eingebracht werden. Holz, z. B. in Form von Wurzeln sowie einzelne Steine und reichlich Wasserpflanzen sollten mit zur Einrichtung gehören.

Um gerade auch in den Sommermonaten eine ausreichende Sauerstoffversorgung zu gewährleisten, ist eine Belüftung des Aquariums unbedingt erforderlich. Auch bei der Haltung draußen in kleineren Gefäßen wie z.B. einem Mörtelkübel ist im Sommer eine Belüftung zu empfehlen. Die Erzeugung von Strömung ist nicht erforderlich; eine geringe Strömung schadet jedoch auch nicht. Die Filterung des Wassers ist grundsätzlich nicht erforderlich. Im Gegenteil: Eine künstliche Filterung kann bei neuen Tieren und ungenügender Futtersubstitution dazu führen, daß die sich z.T. auch filtrierend ernährenden Schnecken verhungern können.

Vergesellschaftung im Aquarium:

Bei der Haltung mehrerer Tiere sollte man darauf achten, daß die Männchen nicht in der Überzahl sind, damit das Weibchen nicht übermäßig gestreßt wird.

Die Tiere können unbedenklich mit anderen Schnecken vergesellschaftet werden. Bei der Vergesellschaftung mit Apfelschnecken scheinen Jungtiere allerdings keine Chance zu haben. Am Futter beobachtet, daß sich die Donau-Flußdeckelschnecke gegenüber einer allzu aufdringlichen Posthornschnecke durch Beißen erfolgreich zu Wehr setzen kann.

Im Aquarium der Flußdeckelschnecken sollte man auf Krebse, große Barsche und andere Schneckenfresser verzichten. Ebenso sollte die Art nicht mit Muscheln, wie z.B. der Dreikantmuschel (Dreissena polymorpha) vergesellschaftet werden, da diese durch ihre ebenfalls filtrierende Ernährungsweise eine Nahrungskonkurenz darstellen.

Sonstiges:

Die Donau- Flußdeckelschnecke wird auf den Roten Listen der Deutschlands und Österreichs als stark gefährdet, in Tschechien und der Slovakei als gefährdet und in Rumänien als potentiell gefährdet geführt.

Bei den regelmäßig im Frühjahr im Zoohandel und Baumärkten als „Teichschnecken“ angebotenen Sumpf- und Flußdeckelschnecken handelt es sich um Wildfänge aus Osteuropa, meist aus Ungarn oder Polen. Es handelt sich dabei oft nicht nur um Viviparus acerosus, sondern auch die verwandten Arten Viviparus contectusund (eher selten) Viviparus viviparus. Um unsere heimische Fauna nicht noch weiter zu verfälschen, sollten die im Handel erworbenen Tiere keinesfalls ausgewildert werden. Auch das Einsetzen in Gartenteiche ist bedenklich, da eine Verschleppung durch z.B. Enten nicht ausgeschlossen werden kann. Davon abgesehen ist davon auszugehen, daß die Viviparus- Bestände in Osteuropa nicht nachhaltig bewirtschaftet werden – was man grundsätzlich nicht durch Kauf fördern sollte.

Viviparus acerosus Vermehrung
Viviparus acerosus Vermehrung

Als rezente Unterarten in Europa sind

 Viviparus acerosus maritzanus (F. HAAS 1913)

 mit Verbreitung in Bulgarien und

Viviparus acerosus rumaenicus ( ? )

mit Verbreitung in Rumänien beschrieben.

Literatur:

GLÖER, P. (2002): Süßwassermollusken Nord und Mitteleuropas. Bestimmungsschlüssel, Lebensweise, Verbreitung. In: Die Tierwelt Deutschlands. Conchbooks, Hackenheim. ISBN 3-925919-60-0.

[Angaben zu Merkmalen, Verbreitung usw.]

GLÖER, P & MEIER-BROOK, C. (2003): Süßwassermollusken. Ein Bestimmungsschlüssel für die Bundesrepublik Deutschland. Deutscher Jugendbund für Naturbeobachtung, Hamburg. ISBN 3-923376-02-2.

[Angaben zu Merkmalen, Verbreitungskarte für Deutschland]

weblinks:

Aquarienschnecken-Forum

[thread über Viviparus spec.]

Aquarienschnecken-Forum

[Futterthread Viviparus spec.]

Aquarienschnecken-Forum

[thread über Tiere aus dem Handel]

CIOBOIU, O. (2003): Diversity of Gastropoda in the Romanian sector of the Danube lower hydrographic basin.

[Darstellung der Vorkommen von V. acerosus und V.a. rumaenicus in Rumänien auf Flußgebietsniveau]

Fauna Europaea

[europäische Systematik, Hinweise zur Verbreitung]

FISCHER, W.: Checklist to Austrian Mollusks / European Viviparidae.

[Farbfotos von Gehäusen]

SÎRBU, I. & BENEDIK, A. M. (2006): Freshwater Mollusca Fauna, Hydrocormoflora and Hygrocormoflora from Cefa Area (Bihor County Romania). In: Brukenthal. Acta Musei, I. 3. Ministeriul Culturii si Cultelor. Muzeul National Brukenthal. Sibiu / Hermannstadt.

[Angaben über Vorkommen und Habitate in Rumänien]

SLOBODNÍK, J. et al. (2005): Final report on sampling, chemical analysis and ecotoxicological studies.

[Nennung einiger Fundorte u.a. von V. acerosus entlang der Donau]

WIESE, V: (Red.) (2007): Systematische Übersicht der Land- und Süßwassermollusken Nord- und Mitteleuropas.

[Systematik europäischer Mollusken]

Autor: schneckli

Seite aktualisiert: 13.05.2007

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