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Viviparus ater ater (CRISTOFORI & JAN 1832) – Italienische Sumpfdeckelschnecke

Viviparus ater - Gardasee-
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Überfamilie: Ampullarioidea (GRAY 1824)

Familie:         Viviparidae (GRAY 1847) – Fluß- und Sumpfdeckelschnecken

Unterfamilie:  Viviparinae (GRAY 1847) – Fluß- und Sumpfdeckelschnecken

Gattung:         Viviparus (MONTFORT 1810) – Fluß- und Sumpfdeckelschnecken

Art:                 Viviparus ater (CRISTOFORI & JAN 1832) – Italienische Sumpfdeckelschnecke

Unterart:        Viviparus ater ater (CRISTOFORI & JAN 1832) – Italienische Sumpfdeckelschnecke

Beschreibung:

Die rechtsgewundenen Gehäuse der Italienischen Sumpfdeckelschnecke werden 35 bis 50mm hoch und 23 bis 35mm breit. Die Männchen bleiben bei gleichen Bedingungen etwas kleiner und schlanker als die Weibchen. Die 5,5 bis 6 gerundeten Umgänge sind voneinander durch eine deutliche Naht abgesetzt. Sie nehmen vom kaum zugespitztem Apex an gleichmäßig (im Gegensatz zur Donau-Flußdeckelschnecke (Viviparus acerosus)zu. Der Nabel eng und offen. Die Oberfläche ist durch Zuwachslinien fein strukturiert. Bei Wachstumsunterbrechungen, insb. im Winter entsteht ein deutlicher „Jahresring“. Die Mündung (und damit auch die Form des Operculums) ist oval und oben noch deutlicher zugespitzter als bei der Stumpfen Flußdeckelschnecke Viviparus viviparus . Die Wachstumsringe des hornigen Operculums sind konzentrisch um den außermittigen Nukleolus angeordnet.

Das Gehäuse ist grünlichbraun bis schwärzlich gefärbt mit 3 unterschiedlich stark ausgeprägten, rotbraunen Bändern.

Verbreitung, natürliches Habitat:

Die Art ist ursprünglich nur südalpin verbreitet:

In Seen und Flüssen Oberitaliens vom Lago Maggiore bis zum Isonzo (auch z.B. Lago Sebino/Lombardia, Vernio/Toscana, Lago Alserio, Lago d’Iseo, Lago Garda; Po-Delta, Lago Caldonazzo und Lago Terlago/Trentino), Slovenien (selten), Frankreich (?), Schweiz (seit mindestens 1900 im Genfer See bekannt/dort wahrscheinlich heimisch, im Zürichsee ähnlich lange bekannt/vermutlich eingeschleppt; auch in anderen Seen des schweizer Mittellandes verbreitet).

Vermutlich mit Schiffsverkehr ist die Art vor 1956 über die Schweiz auch nach Deutschland (Bodensee) eingeschleppt worden. Ein weiteres Einzelvorkommen wurde aus der Oberpfalz bekannt.

Die Art bevorzugt ähnliche Habitate (Stillgewässer oder mit schwacher Strömung, viel Unterwasservegetation) wie die Spitze Sumpfdeckelschnecke (Viviparus contectus) und kommt bei Überschneidungen des Verbreitungsgebietes auch sympatrisch vor. Im Bodensee soll sie stellenweise massenhaft in der Flachwasserzone zu finden sein.

 

Viviparus ater

Wasserwerte:

Die Italienische Sumpfdeckelschnecke toleriert auch kalkarme Gewässer (z.B. Lago Maggiore: 3,4- 3,9mg CaCO3/l), weist hier aber korrodierte Gehäuse auf und hat eine geringere Lebenserwartung als in kalkreicheren Gewässern (z.B. Zürichsee: 8,3- 14,5mg CaCO3/l).

Fortpflanzung:

Die Fortpflanzungsbiologie der Italienischen Sumpfdeckelschnecke entspricht i.W. derjenigen der Stumpfen Flußdeckelschnecke (Viviparus viviparus).

Fortpflanzung und Entwicklung der Embryonen erfolgt ganzjährig, sofern die Tiere nicht Winterruhe halten. In dieser Zeit kopulieren die Individuen rund 60 mal. Männliche Tiere gehen aktiv auf die Suche nach Geschlechtspartnern und legen daher signifikant größere Strecken zurück als die eher passiven Weibchen.

Die weiblichen Tiere werden mit 1,5 bis 2 Jahren geschlechtsreif.

Je Weibchen werden i.M. 20 Jungtiere schwerpunktmäßig den Sommer über einzeln geboren, besonders im Mai und Juni. Die Jungtiere haben dann einen Gehäusedurchmesser von 7 bis 11mm. Kleiner geborene Jungtiere gleichen ihren vermeintlichen Nachteil durch zunächst signifikant stärkeres Wachstum innerhalb weniger Monate wieder aus.

Die Gehäuse der Jungtiere sind glatt , glänzend und ohne kurzen Härchen. Der vordere Mantelsaum ist glatt oder hat höchstens winzige Ausbuchtungen.

Bild

Mein Dank geht an : Prof. G. Ribi, Uni Zürich (Quelle).

Lebenserwartung: In der Natur 5 bis über 10 Jahre.

Nahrung:

Die Ernährungsbiologie der Italienischen Sumpfdeckelschnecke entspricht i.W. derjenigen der Stumpfen Flußdeckelschnecke (Viviparus viviparus).

Verhalten:

Das Verhalten der Italienischen Sumpfdeckelschnecke unterscheidet sich nicht wesentlich von demjenigen der Stumpfen Flußdeckelschnecke (Viviparus viviparus). In der Schweiz (Zürichsee) hält auch diese Art im Sediment eingegraben eine Winterruhe in tieferen Bereichen des Gewässers, deren Länge von der Dauer des Winters und Größe der Tiere abhängig ist. Jungtiere wandern hier ab September von den Flachwasserzonen in tiefere Bereiche. Die Winterruhe dauert dann von November bis April.

In Oberitalien hält die Art keine Winterruhe.

Viviparus ater

Haltung und Vergesellschaftung im Aquarium:

Vermutlich weitgehend wie für die Donau- Flußdeckelschnecke (Viviparus acerosus) beschrieben.

Sonstiges:

Die Italienische Sumpfdeckelschnecke wird auf der Roten Liste der Schweiz als gefährdet geführt.

In natürlichen Gewässern kann es zur Hybridisierung mit der Spitzen Supfdeckelschnecke (Viviparus contectus) kommen, obwohl deren Chromosomenanzahl unterschiedlich ist. Der genaue Mechanismus wird z.Zt. noch untersucht.

Experimentell wurde festgestellt, daß bei zahlenmäßig hälftiger Häufigkeit beider Arten erfolgreiche Paarungen weiblicher V. contectus mit männlichen V. ater signifikant häufiger vorkommen als Paarungen weiblicher V. ater mit männlichen V. contectus. Ist V. ater deutlich häufiger vertreten (z.B. 90%), erhöht sich der Anteil artübergreifender Verpaarungen von rund 15 auf 73%. In jedem Falle sind die Nachkommen weniger fruchtbar als reinerbige Tiere – Hybriden von weiblichen V. contectus mit männlichen V. ater sind sogar fast steril.

KELLER & RIBI (1993, s. weblinks) beobachteten im Zürichsee, daß nur 10% der Jungtiere bis zum Herbst überleben. Der überwiegende Teil wird von verschiedenen Fischarten gefressen.

In Europa sind die beiden folgenden Unterarten beschrieben:

Viviparus ater gallensteini (KOBELT 1892)

Verbreitung:

Slovenien, Kroatien.

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Viviparus ater hellenicus (CLESSIN 1879)

Beschreibung:

Das verhältnismäßig schlanke Gehäuse wird nur bis 33,5mm hoch. Die bis zu 4 Umgänge sind nur schwach bauchig, die Naht zwischen den Umgängen flach. Außer einer feinen Querstreifung entsprechend der Zuwachslinien ist die Oberfläche Gehäuse glatt.

Das Gehäuse ist mittel- bis dunkelbraun gefärbt mit 3 unterschiedlich stark ausgeprägten, rotbraunen Bändern.

Verbreitung:

Griechisches Festland (z.B. Trihonida-See/ Region Etolía).

Sonstiges:

Wird von manchen Autoren auch als eigenständige Art Viviparus hellenicus (WESTERLUND 1886) betrachte

Literatur:

GLÖER, P. (2002): Süßwassermollusken Nord und Mitteleuropas. Bestimmungsschlüssel, Lebensweise, Verbreitung. In: Die Tierwelt Deutschlands. Conchbooks, Hackenheim. ISBN 3-925919-60-0.

[Angaben zu Merkmalen, Verbreitung usw. der Nominatform]

GLÖER, P & MEIER-BROOK, C. (2003): Süßwassermollusken. Ein Bestimmungsschlüssel für die Bundesrepublik Deutschland. Deutscher Jugendbund für Naturbeobachtung, Hamburg. ISBN 3-923376-02-2.

[Angaben zu Merkmalen der Nominatform, Verbreitungskarte für Deutschland]

weblinks:

Aquarienschnecken-Forum

[Futterthread Viviparus spec.]

Aquarienschnecken-Forum

[Fotos einer Geburt]

Aquarienschnecken-Forum

[Fotos]

Fauna Europaea

[europäische Systematik, Hinweise zur Verbreitung]

FISCHER, W.: Checklist to Austrian Mollusks / European Viviparidae.

[Farbfotos von Gehäusen von Viviparus ater ater, Fundortangaben]

FISCHER, W.: Checklist to Austrian Mollusks / European Viviparidae.

[Farbfotos von Gehäusen von Viviparus ater hellenicus, Fundortangaben]

RIBI, G. & PORTER, A. H. (1995): Mating between two hybridizing species, Viviparus ater and V. contextus (Mollusca: Prosobranchia). Elsevier Anim. Behav.Vol. 49 (5), pp. 1389-1398. ISSN 0003-3472.

[über experimentelle Untersuchungen zur Hybridisation mit Viviparus contectus]

SysTax - a Database System for Systematics and Taxonomy

[Angaben von Fundorten von Sammlungsmaterial]

TRÜB, H. & RIBI, G. (1997): High fecundity of hybrids between the sympathric snail species Viviparus ater and V. contectus (Gastropoda: Prosobranchia). Heredity 79 (1997): 418-423.

[zur Fortpflanzung i.Allg. und Hybridisation mit Viviparus contectus]

WIESE, V: (Red.) (2007): Systematische Übersicht der Land- und Süßwassermollusken Nord- und Mitteleuropas.

[Systematik europäischer Mollusken]

Mein Dank geht an schneckli für den Text & Reserche und Werner Klotz für die Bilder

 

Seite aktualisiert: 29.12.2007

Autor: schneckli

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