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Viviparus contectus (MILLET 1813) – Spitze Sumpfdeckelschnecke |
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Verbreitung, natürliches Habitat: Westpaläarktisch in Mitteleuropa, in gemäßigten und warm-gemäßigten Klimata verbreitet: Allgemein verbreitet in: Dänemark, Niederlande (s. weblinks: Atlasproject Nederlandse Mollusken), Belgien (außer in der Eifel), Österreich (außer Tirol), Estland, Lettland, Litauen, Polen, Tschechien (bis 800m über Meeresniveau), Slowakei (z.B. Einmündung des Hron in die Donau) und Ungarn. Sonst, z.T. mit eingeschränkten Arealen verbreitet in: Schweden (Südosten: Provinzen Skåne bis Östergötland sowie weitere, isolierte Vorkommen), Großbritannien (s. weblinks: National Biodiversity Network), Schweiz (z.B. Lago Maggiore, nicht im Zürichsee), Frankreich (z.B. mittlere Pyrenäen; Indre; Region Pas-de-Calais; Bassin Artois-Picardie), Nordspanien, Nordportugal, Nord- und Mittelitalien (z.B. Toscana, Trentino, Veneto, Modena), Jugoslavien, Makedonien, Albanien, Bulgarien, Rumänien (z.B. Provinz Bihor), Moldavien, Griechenland (z.B. Serres sowie Marschland des Strymonas/Macedonia), Türkei (Bolu Abant Gölü, Karadeniz Bölgesi, Erzurum Civarý, Beyþehir Karadiken Gölcüðü, Eðirdir Gölü Karaot Kaynaðý), Ukraine (z.B. in kleinen Stillgewässern und Moortümpeln der Pripjet-Sümpfe) und Rußland (Kaspisches Meer, Westsibirien: z.B. im Zivorodka/Novosibirsk und Irtysh-Becken). Fehlt in Norwegen, Finnland, Irland und in weiten Teilen Südeuropas. In Deutschland im Tiefland, besonders im norddeutschen Hügelland allgemein verbreitet. Auch in der Rheinischen Tiefebene, rheinaufwärts bis Karlsruhe und im Unterlauf des Main. Im Donau-Einzugsgebiet bis oberhalb Ulm einschl. der Nebenflüsse bis zu den Voralpenseen lückenhaft verbreitet. Fehlt in den Mittelgebirgen und im Bodensee. In der Natur finden wir die Sumpfdeckelschnecke in besonnten und reichlich verkrauteten Tümpeln, Wiesengräben, Teichen, Seen, Kanälen und Altwässern ohne oder mit nur geringer Strömung. Bevorzugt kommt sie auf Schlamm- und Sandsubstrat vor. Habiate in denen diese Schnecke gefunden wurde: Habitat 6, 18, 27, 30, Wasserwerte: Die Spitze Sumpfdeckelschnecke toleriert geringere pH- Werte und Carbonathärte sowie stärker eutrophierte Gewässer als die verwandte Stumpfe Flußdeckelschnecke (Viviparus viviparus). Auch bezüglich des Salzgehaltes (bis 4‰) ist sie toleranter. Fortpflanzung: Wie alle Viviparidae ist auch die Stumpfe Flußdeckelschnecke getrenntgeschlechtlich und vermehrt sich ovovivipar, d.h. lebendgebärend. Die Fortpflanzung und Entwicklung der Embryonen erfolgt ganzjährig, sofern die Tiere nicht Winterruhe halten. Das Erreichen der Geschlechtsreife ist von der Wassertemperatur, und insbesondere davon abhängig, ob die Jugendphase durch die Winterruhe unterbrochen wird. So wurde an einer griechischen Population bei im Frühjahr geborenen Tieren eine Geschlechtsreife nach 3 Monaten, bei im Herbst geborenen Tieren von 8 Monaten beobachtet. Unter mitteleuropäischen Verhältnissen wird die Jugendphase meist durch den Winter verlängert, sodaß z.B. weibliche Tiere in einem Alter von rund einem Jahr geschlechtsreif werden. Zur Paarung kriecht das Männchen auf die rechte Gehäuseseite des Weibchens und führt seinen aus dem rechten Fühler weit ausgefahrenen Penis in die Vagina des Weibchens ein. Je nach Größe des Weibchens entwickeln sich dann im Uterus 12 bis 30 Eikapseln parallel in unterschiedlichen Stadien. Die insgesamt 30 bis 60 Jungtiere pro Weibchen und Jahr werden im Laufe des Sommers (schwerpunktmäßig im Juni/Juli) einzeln geboren. |
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Nahrung: Die Ernährungsbiologie der Spitzen Sumpfdeckelschnecke entspricht i.W. derjenigen der Stumpfen Flußdeckelschnecke (Viviparus viviparus). Experimentell wurde festgestellt, daß adulte Viviparus contectus etwa 2,7 l/d filtrieren. Nach eigenen Beobachtungen im Aquarium graben sich bei Nahrungsmangel zunächst die adulten Tiere ein und verharren dort inaktiv. Bei Suspendierung von Spirulina-haltigem Staubfutter im Aquarienwasser werden sie alsbald wieder aktiv. Bei einer Futtergabe im 2 bis 3-tägigem Rhythmus entfallen diese Hungerpausen. Die Jungtiere scheinen weniger auf filtrierbares Futter angewiesen zu sein, da sie auch im klaren Wasser als Weidegänger weiter aktiv bleiben. Verhalten: In der Natur halten die Sumpfdeckelschnecken im Sediment eingegraben eine Winterruhe, deren Länge von der Dauer des Winters abhängig ist. In Nord-Griechenland dauert diese z.B. nur von November bis Januar; in Mitteleuropa eher von Oktober bis März. Währenddessen nehmen die Tiere keine Nahrung zu sich und zehren von ihren Reserven. Bei sehr lange andauernden Wintern kann es vorkommen, daß ein erheblicher Teil einer Population nicht mehr aus der Ruhephase erwacht. Auch bei Nahrungsmangel werden die Tiere inaktiv und graben sich ein. Der dann zusätzlich gebildete „Jahresring“ kann zur Überschätzung des tatsächlichen Alters führen. Sumpfdeckelschnecken halten sich in der Natur fast ausschließlich auf dem Bodensubstrat auf. Der gedrungene, breite Fuß wird auch als Anpassung gegen Einsinken in weichem Schlamm gedeutet. Auch im Aquarium ist zu beobachten, daß sich adulte Tiere ganz überwiegend am Boden bewegen. Seltener auf festen Einrichtungsgegenständen wie Wurzeln, großen Steinen oder an den Aquarienscheiben. Jungtiere sind dagegen wesentlich mobiler und klettern häufig auch auf feingliedrigen Wasserpflanzen herum. Bei zu hohen Temperaturen und/oder Sauerstoffmangel kriecht die Spitze Sumpfdeckelschnecke zur Wasseroberfläche und verharrt dort inaktiv. Sie kriecht jedoch nicht über die Wasseroberfläche hinaus. Haltung und Vergesellschaftung im Aquarium Vermutlich weitgehend wie für die Donau- Flußdeckelschnecke (Viviparus acerosus) beschrieben. Parasiten: Siehe Stumpfe Flußdeckelschnecke (Viviparus viviparus) . Sonstiges: Die Spitze Sumpfdeckelschnecke wird auf den Roten Listen Deutschlands und Österreichs als gefährdet, in der Schweiz als stark gefährdet geführt sowie in die Vorwarnliste der Tschechischen Republik aufgenommen. Als Gefährdungsursachen gelten maschinelle Entkrautungsmaßnahmen, andere wasserbauliche Maßnahmen sowie Trockenlegung von Gewässern. In Polen konnten in einem natürlichen Gewässer fertile Hybride mit der Stumpfen Flußdeckelschnecke (Viviparus viviparus) enzymelekrophoretisch nachgewiesen werden. Die Tiere wiesen insgesamt intermediäre Merkmale auf, werden jedoch deutlich größer (bis 55mm hoch und 42mm breit). Da die beiden Elternarten normalerweise verschiedene Habitate bevorzugen, kommen Hybride äußerst selten vor. In natürlichen Gewässern kann es zur Hybridisierung mit der Italienischen Sumpfdeckelschnecke (Viviparus ater) kommen, obwohl deren Chromosomenanzahl unterschiedlich ist. Der genaue Mechanismus wird z.Zt. noch weiter untersucht. Experimentell wurde festgestellt, daß bei zahlenmäßig hälftiger Häufigkeit beider Arten erfolgreiche Paarungen weiblicher V. contectus mit männlichen V. ater signifikant häufiger vorkommen als Paarungen weiblicher V. ater mit männlichen V. contectus. Ist V. ater deutlich häufiger vertreten (z.B. 90%), erhöht sich der Anteil artübergreifender Verpaarungen auf bis zu 75%. In jedem Falle sind die Nachkommen weniger fruchtbar als reinerbige Tiere – Hybriden von weiblichen V. contectus mit männlichen V. ater sind sogar fast steril. Bei den regelmäßig im Frühjahr im Zoohandel und Baumärkten als „Teichschnecken“ angebotenen Sumpf- und Flußdeckelschnecken handelt es sich um Wildfänge aus Osteuropa, meist aus Ungarn oder Polen. Es handelt sich dabei meist um die verwandte Donau-Flußdeckelschnecke (Viviparus acerosus), weniger häufig auch um die auf dieser Seite beschriebene Viviparus contectus. Um unsere heimische Fauna nicht noch weiter zu verfälschen, sollten die im Handel erworbenen Tiere keinesfalls ausgewildert werden. Auch das Einsetzen in Gartenteiche ist bedenklich, da eine Verschleppung durch z.B. Enten nicht ausgeschlossen werden kann. Davon abgesehen ist davon auszugehen, daß die Viviparus- Bestände in Osteuropa nicht nachhaltig bewirtschaftet werden – was man grundsätzlich nicht durch Kauf fördern sollte. In Europa sind keine Unterarten, jedoch einige Formen der stark in Größe und Färbung variablen Viviparus contectus beschrieben. Literatur: GLÖER, P. (2002): Süßwassermollusken Nord und Mitteleuropas. Bestimmungsschlüssel, Lebensweise, Verbreitung. In: Die Tierwelt Deutschlands. Conchbooks, Hackenheim. ISBN 3-925919-60-0. [Angaben zu Merkmalen, Verbreitung usw.] GLÖER, P & MEIER-BROOK, C. (2003): Süßwassermollusken. Ein Bestimmungsschlüssel für die Bundesrepublik Deutschland. Deutscher Jugendbund für Naturbeobachtung, Hamburg. ISBN 3-923376-02-2. [Angaben zu Merkmalen, Verbreitungskarte für Deutschland] weblinks: [thread mit schönen Fotos noch behaarter Jungtiere] [thread über Viviparus spec.] [Futterthread Viviparus spec.] [thread über Tiere aus dem Handel] Atlasproject Nederlandse Mollusken (ANM): Viviparus contectus (MILLET 1813) Spitse moerasslak. [Verbreitungskarte der Niederlande] CIOBOIU, O. (2003):Diversity of Gastropoda in the Romanian sector of the Danube lower
hydrographic basin. [Darstellung der Vorkommen in Rumänien auf Flußgebietsniveau] [europäische Systematik, Hinweise zur Verbreitung] FISCHER, W.: Checklist to Austrian Mollusks / European Viviparidae. [Farbfotos von Gehäusen aus Österreich, Fundortangaben] FUCHS, C. (2002): Cercarien aus Viviparus contectus. [Beschreibung der in V. contectus zu findenden Cercarie] [Datenbank-basierte Verbreitungskarte von V. contectus für Großbritannien] VON PROSCHWITZ, T. (2003): Faunistiskt nytt 2002 – snäckor, sniglar och musslo. Göteborgs Naturhistoriska Museum Årstryck 2003: 25-4. [Vorkommen in Schweden] Provincia di Prato: Progetto ARCA. Specie: Viviparus contectus (MILLET 1813). [Artbeschreibung und Verbreitungsangaben für die Toscana/Italien] RIBI, G. & PORTER, A. H. (1995): Mating between two hybridizing species, Viviparus ater and V. contextus (Mollusca: Prosobranchia). Elsevier Anim. Behav.Vol. 49 (5), pp. 1389-1398. ISSN 0003-3472. [über experimentelle Untersuchungen zur Hybridisation mit Viviparus ater] Sistema Informativo Regionale Ambientale della Toscana (SIRA) [Fundortangaben für die Toscana/Italien] SLOBODNÍK, J. et al. (2005): Final report on sampling, chemical analysis and
ecotoxicological studies. [Nennung einiger Fundorte u.a. von V. contectus entlang der Donau] SysTax - a Database System for Systematics and Taxonomy [Angaben von Fundorten von Sammlungsmaterial] TRÜB, H. & RIBI, G. (1997): High fecundity of hybrids between the sympathric snail species Viviparus ater and V. contectus (Gastropoda: Prosobranchia). Heredity 79 (1997): 418-423. [zur Fortpflanzung i.Allg. und Hybridisation mit Viviparus ater] WIESE, V: (1991): Atlas der Land- und Süßwassermollusken in Schleswig-Holstein. Landesamt für Naturschutz und Landschaftspflege Schleswig-Holstein. ISBN 3-923339-40-2. [Verbreitungskarte Schleswig-Holstein, Angaben zu Habitat und Merkmalen] WIESE, V: (Red.) (2007): Systematische Übersicht der Land- und Süßwassermollusken Nord- und Mitteleuropas. [Systematik europäischer Mollusken] YILDIRIM, M. Z. (1995): Türkiye Prosobranchia (Mollusca: Gastropoda) Türleri ve Zoocoðrafik Yayýlýþlarý. 1. Tatlý ve Acý Sular. [Angaben über die Vorkommen der von V. contectus in der Türkei, in türkisch] ZETTLER, M. L. (2000): Bewertung des ökologischen Zustandes von Fließgewässern in Mecklenburg-Vorpommern über die Malakofauna als Indikatororganismen. Natur und Naturschutz in Mecklenburg-Vorpommern. 35: 3-36. [gute Habitatangaben auf S. 8 – auch gut vergleichbar mit anderen heimischen Arten] ZETTLER, M. L. et al. (2005): Bemerkenswerte Süßwassermollusken aus Litauen. Aufsammlungen vom September 2004. Malak. Abh. 23: 27-40. [Fundortangaben für Litauen]
Seite aktualisiert: 28.05.2008 Autor: schneckli |
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